Studenten in Bachelor-Studiengängen sind heute leistungsorientierter als frühere Studentengenerationen. Zugleich fühlen sich die Bachelor-Studenten aber gestresster und sind von Anfang ihres Studiums an in Sorge, nicht für das weiterführende Master-Studium zugelassen zu werden. Dies ist ein Ergebnis einer in Berlin vorgestellten umfangreichen Untersuchung über die Erfahrungen von Studierenden in Bachelor-Studiengängen. Ein Team um den Hochschulforscher Tino Bargel erstellte die Studie im Auftrag des Bundesbildungsministeriums .

Mit 80 Prozent unterstützt danach die große Mehrheit der Studierenden die Ziele des vor zehn Jahren auch an den deutschen Hochschulen eingeleiteten "Bologna-Prozesses" mit den aufeinander aufbauenden Bachelor- und Master-Abschlüssen. Dies gelte sowohl für die internationale Ausrichtung, die gewünschte Studienphase im Ausland wie auch für die Vergleichbarkeit von Standards in der Ausbildung. Es gibt aber auch heftige Klagen über organisatorische Mängel sowie über die inhaltliche Umsetzung des Bologna-Studienkonzeptes durch die Universitäten.

Als "erschreckend" bezeichnete der Parlamentarische Bildungsstaatssekretär Thomas Rachel die Klagen der Studierenden über fehlende Kontakte zu ihren Professoren. Nach der Untersuchung verneinen 20 Prozent der Bachelor-Studenten Kontakte zu ihren Lehrenden, fast die Hälfte hat sie selten und nur 7 Prozent gaben an, unmittelbaren Zugang zu ihren Dozenten zu haben. Bargel sagte, dies sei allerdings nicht nur ein Phänomen des Bachelor-Studiums, sondern der Massenhochschule. Ähnliche Kritik gebe es auch aus Diplom-Studiengängen. Für die Untersuchung wurden mehr als 8500 Studenten befragt sowie weitere Studien ausgewertet.

Die Übertragung des Studenten-Auswahlrechts für die weiterführenden Master-Studiengänge an die Hochschulen hat nach Aussage von Bargel bei vielen Studenten zu einem Klima der Verunsicherung geführt. "Der Weg ins Master-Studium erscheint vielen als nicht steuerbar." Sie fürchten Ungerechtigkeiten und soziale Selektion.

Gleichwohl ist die Sorge vieler Studierenden, allein mit dem Bachelor-Abschluss keinen guten Arbeitsplatz zu finden, im Vergleich zu früheren Untersuchungen leicht rückläufig. Bargel sagte, die meisten jungen Menschen wollten heute effektiv studieren und auch einen schnellen Abschluss machen. Zugleich empfänden sie aber auch "mehr Kälte" im Studium und hätten nicht mehr so großen Spaß am Studentenleben wie am Erkenntnisgewinn wie die Generationen vor ihnen.

Der hochschulpolitische Sprecher der Grünen , Kai Gehring, forderte Bundesbildungsministerin Annette Schavan auf, eine zweite "Bologna-Reformwelle" ins Rollen zu bringen. Es sei "Realitätsverweigerung", wenn die Ministerin von einem gelungenen Umbau der Studienstrukturen in Deutschland spreche.