Zahlreiche Studenten protestierten in Wien gegen die Bologna-Konferenz © Georg Hochmuth/dpa

Die Bildungsminister und Staatssekretäre haben zum Abschluss der Bologna-Konferenz in Wien Fehler bei der Umsetzung der Reformpläne eingeräumt und Besserung gelobt. Vor allem versprachen die Teilnehmer aus 47 europäischen Ländern, kritischen Stimmen künftig mehr Gehör zu schenken. "Wir müssen diesen Stimmen zuhören, dann können wir erwarten, dass sie auch unserer Stimme zuhören werden", sagte der ungarische Kultus- und Bildungsminister Istvan Hiller mit Blick auf die zahlreichen Studentenproteste der vergangenen Monate.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte die Erklärung der Konferenz. "Die am Bologna-Prozess beteiligten Regierungen haben auf die Bildungsproteste des vergangenen Jahres reagiert und Mängel bei der Umsetzung der Reform der Studiengänge in einigen Ländern zugegeben", sagte GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller. "Der europäische Bildungsgipfel hat damit auch Deutschland die gelbe Karte gezeigt, wo Studierende und Lehrende besonders heftig gegen die misslungene Umsetzung der Bologna-Reformen protestierten." Deutschland müsse diese Ermahnung ernst nehmen und den überfälligen Kurswechsel in den Bologna-Reformen vornehmen, betonte Keller.

Gegen die zweitägige Konferenz, die am Donnerstag zunächst im Budapest stattfand, waren in Wien mehr als 2000 Studenten auf die Straße gegangen. In ganz Europa protestierten Hochschüler gegen die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge. Unter anderem wehren sie sich dagegen, dass der Leistungsdruck ständig wächst und das Studium nur noch dafür da sei, Nachwuchs für die Wirtschaft heranzuzüchten. Die Wissenschaft bliebe dabei auf der Strecke.

"Jeder, der sagt, dieser Prozess sei perfekt, sagt nicht die Wahrheit", räumte Hiller ein. Jedoch gebe es keine Alternative zu der Bologna-Reform. "Lasst uns nicht die Kriege der Vergangenheit kämpfen, sondern die Siege der Zukunft erringen", erklärte der rumänische Bildungsminister Daniel Petru Funeriu.

Die beteiligten Länder wollen sich nun auch stärker dafür einsetzen, dass künftig mehr Hochschüler im Rahmen ihres Studiums ins Ausland gehen können. Dafür seien einheitliche Systeme und Abschlüsse unabdingbar, sagte die österreichische Wissenschaftsministerin Beatrix Karl.

Im Rahmen der Konferenz war Kasachstan als 47. Mitgliedsland in den Bologna-Prozess aufgenommen worden. Im Jahr 1999 hatten sich die Minister von zunächst 29 Staaten in der italienischen Hochschulstadt Bologna auf einheitliche Studienstrukturen und die Schaffung eines europäischen Hochschulraumes verständigt — mit den aufeinander aufbauenden Abschlüssen Bachelor, Master und Promotion.