Bei der Weiterentwicklung der Bachelor- und Masterstudiengänge an deutschen Hochschulen sollen die Studenten künftig stärker beteiligt werden. Dies versicherte der Vertreter der Kultusministerkonferenz (KMK), Jan-Hendrik Olbertz (parteilos), anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Bologna-Prozesses bei einer Konferenz in Budapest. Die Stofffülle müsse begrenzt und die Studienleistungen leichter anerkannt werden, um die Mobilität der Studierenden zu erhöhen.

Bei dem Treffen in Budapest wollen die Wissenschaftsminister von 46 Staaten weitere Ziele zur Schaffung eines gemeinsamen europäischen Hochschulraumes beraten. 1999 hatten sich die Minister von zunächst 29 Staaten in der italienischen Hochschulstadt Bologna auf einheitliche Studienstrukturen verständigt mit den aufeinander aufbauenden Abschlüssen Bachelor, Master und Promotion. Die Konferenz soll an diesem Freitag in Wien fortgesetzt werden. Studenten haben dazu Demonstrationen und einen Gegenkongress angekündigt.

Olbertz, Kultusminister von Sachsen-Anhalt, sagte, auch wenn Politik und Hochschulen insgesamt über das bisher Geleistete zufrieden seien, müsse die praktische Umsetzung verbessert werden. Der in Deutschland in Gang gekommene Dialog zwischen Kultusministerkonferenz, Hochschulrektoren und Studenten müsse jetzt in den Ländern fortgesetzt werden.

Auch Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) forderte Verbesserungen. Wichtig sei auch, dass die im Bologna-Vertrag festgelegten und bislang wenig beachteten 15 Prozent an Studieninhalten für ein "studium fundamentale" auch tatsächlich verwirklicht würden, sagte Schavan der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Donnerstag). Dies könne etwa für ethische Bildung eingesetzt werden.

Die Grünen forderten die EU-Kommission auf, die internationale Mobilität der Studierenden stärker fördern. "Es ist eine skandalöse Schieflage, wenn 40 Prozent des EU-Budgets in die industrielle Landwirtschaft fließen, während verschwindende 0,78 Prozent in Bildungsprogramme investiert werden", erklärten Hochschulsprecher Kai Gehring und Helga Trüpel, Mitglied des Europäischen Parlaments.

Der SPD-Bildungspolitiker Swen Schulz forderte Schavan auf, den Studienpakt endlich auf den Weg zu bringen und mit den notwendigen finanziellen Mitteln auszustatten, um die Qualität der Lehre zu verbessern. Statt weiterer Feiern und Bilanzgipfel müssten jetzt politische Entscheidungen getroffen werden, um die Versprechungen einzuhalten, die man den protestierenden Studierenden in den vergangenen Monaten gegeben habe.

Auch das Deutsche Studentenwerk (DSW) sieht wenig Grund zu feiern. DSW-Präsident Rolf Dobischat sagte: "Solange die Studierbarkeit von Bachelor-Studiengängen nicht überall sichergestellt ist, solange die studentische Mobilität nicht massiv ansteigt, solange die soziale Dimension des Bologna-Prozesses nicht engagierter angegangen wird und die Arbeitsmarktchancen von Bachelor-Absolventen unklar sind, solange fällt meine Jubiläums-Bilanz kritisch aus."