Büchergeld Aufstand der StipendiatenSeite 2/2

Die Studienstiftung des deutschen Volkes, das größte der Begabtenförderungswerke, führt etwa zu diesem Sommersemester die Möglichkeit zur Selbstbewerbung ein. Zuvor benötigten die Aspiranten die Empfehlung eines Schulleiters oder Professors. "Wir brauchen Verantwortungseliten und nicht nur die Notenbesten", hieß es auch 2009 in einer Erklärung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.  

Genau diesen Notenbesten käme aber das nationale Stipendienprogramm zugute, fürchtet Isabella Weber, Stipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes. "Hauptsächliches Auswahlkriterium der Empfänger des nationalen Stipendienprogramms wird die Leistung sein. Wenn man die Mehrarbeit bedenkt, die auf die Universitäten zukommt, ist zu befürchten, dass das hauptsächliche Auswahlkriterium der Empfänger des nationalen Stipendienprogramms Leistung gemessen in Noten sein wird. Soziale Kriterien und Einkommen bleiben unberücksichtigt."

Die Pläne zum nationalen Stipendium und zum Büchergeld stehen quer zu den ersten Initiativen der Begabtenförderungswerke. Denn die Erhöhung des Büchergeldes käme vor allem den 49 Prozent der Stipendiaten zugute, die nach den Daten des Hochschul-Informations-Systems lediglich das Büchergeld erhalten, also nicht Bafög-berechtigt sind.

Dennoch begrüßt etwa die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung die geplante Erhöhung deutlich. In einem internen Schreiben an ihre Stipendiaten versteht die Stiftung "ein Büchergeld von 300 Euro als einen konstruktiven Beitrag zu einem größeren Spielraum für selbstverantwortliche Entscheidungen unserer Stipendiaten im Sinne unserer Förderungsprinzipien." Man möchte ihren Stipendiaten jedoch "einige Hinweise geben, um eventuelle Fehleinschätzungen der mit der geplanten Erhöhung des Büchergeldes verbundenen Intentionen vorzubeugen.

Auch die Initiatoren der Petition wollen nicht ausschließen, dass manche Stipendiaten auf eine Erhöhung des Büchergeldes angewiesen sind. Im Balanceakt zwischen allgemeinen und individuellen Bedürfnissen beschloss die Delegiertenkonferenz des evangelischen Begabtenförderungswerks am vergangenen Wochenende die Gründung eines Fonds. In diesen Fonds soll das Geld fließen, das die Stipendiaten nicht für sich selbst, sondern lieber für Projekte der Bildungsgerechtigkeit verwenden möchten. Finanziell und aktiv sollen nach Plänen der Delegationskonferenz solche Projekte unterstützt werden. Sie möchten das selber leisten, was dem Gesetzesentwurf in ihren Augen fehlt. Eine Vernetzung mit den Stipendiaten anderer Förderungswerke ist geplant.

Die Chancen hierfür stehen nicht schlecht. In einer gemeinsamen Erklärung der stipendiatischen Bundesvertretungen der Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD-nah), der Heinrich-Böll-Stiftung (nah den Grünen) und der Rosa-Luxemburg-Stiftung (nah den Linken) sprechen sich diese dafür aus, dass nachhaltige Investition in Bildung nicht nur gute Leistung belohnen, sondern auch die Voraussetzungen hierfür schaffen soll. "Wir sind der Meinung, dass die bereitgestellten Finanzmittel dafür eingesetzt werden sollten, Kindern aus einkommensschwachen Familien den Weg zur Hochschule zu erleichtern und junge Menschen unabhängig von ihrer Herkunft bei ihrem Studium zu unterstützen“, heißt es in ihrem Thesenpapier.

Das Bundeskabinett wird am 21. April über die Umgestaltung des Stipendiensystems entscheiden, danach müssen noch Bundesrat und Bundestag zustimmen. Die Petition der Stipendiaten wird hierauf keinen direkten Einfluss nehmen können. Sie hat lediglich symbolischen Charakter. Wirklich etwas bewegen wollen die protestierenden Stipendiaten mit ihrem Büchergeldfonds. Ganz gleich, wie das Kabinett entscheidet, die Stipendiaten planen, ihren Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit zur Not auch selber zu leisten.

 
Leser-Kommentare
    • eklipz
    • 14.04.2010 um 10:11 Uhr

    Wer benötigt so viele Bücher? Selbst Naturwissenschaftler oder Informatiker, bei denen ein Buch mal eben 40-50€ kostet, benötigen keine 6 Bücher pro Monat.
    In Germanistik oder Geschichte sind 25€ pro Buch schon teuer.
    Soll damit Bibliophilie gestillt werden?

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    Es kommt darauf an, welche Bücher Sie meinen. Normale Einführungswerke dürften so viel kosten. Aber in speziellen Sektoren der Geisteswissenschaften gibt es Publikationen, die einer seltsamen Preispolitik folgen. In der Archäologie kosten Ausstellungskataloge, Materialvorlagen und Monographien je nach Verlag und Land zwischen 40 und 300 Euro. Dann gibt es Werke, die kann sich kein Sterblicher leisten, weil diese die 1000 Grenze überschreiten.

    Beispiele?
    1. Standardwerk: H. Parzinger, Die frühen Völker Eurasiens: Vom Neolithikum bis zum Mittelalter, Beck 2006. = 98,- Euro
    2. Standardwerk: Mogens u.a., An Inventory of Archaic and Classical Poleis, Oxford Univ Pr, 2006. = 225,99 Euro
    3. Standardwerk: N. Cuomo di Caprio, Ceramica in archeologia vol.2. = 90,- Euro
    4. Festschrift, die den aktuellen Forschungsstand präsentiert: Etruria e Italia preromana. Studi in onore di Giovannangelo Camporeale, 2009. = 495.00 Euro
    5. I Italo -Tusco -Romana I Festschrift für Luciana Aigner-Foresti zum 70. Geburtstag, 2006. = 80,-Euro
    Um noch eins draufzusetzen (aber eher ironisch):
    6. Italia ante romanum imperium. Scritti di antichità etrusche, italiche e romane (1958-1998) di Colonna Giovanni
    von Prezzo: € 1650.00 bis Prezzo: € 2250.00

    Nun sagen Sie bestimmt, Studenten brauchen sich keine Bücher kaufen, weil sie die Bibliotheken nutzen sollen. Stimmt zum Teil. Aber glauben Sie mir, 80 Prozent der Bücher in meiner Bibliothek finden Sie in nur an sehr wenigen deutschen Standorten. Was bleibt?
    1. Bücher ausleihen: einige der oben angeführten Bücher verleiht keine Bibliothek; die Lieferung von Fernleihen dauen ewig
    2. Teure Buchbeschaffungsservice nutzen, z.B. subito.
    Wohl das einzige was wirklich funktioniert, wenn man Artikel benötigt, die nur eine Bibliothek im deutschen Sprachraum hat.

    Es kommt darauf an, welche Bücher Sie meinen. Normale Einführungswerke dürften so viel kosten. Aber in speziellen Sektoren der Geisteswissenschaften gibt es Publikationen, die einer seltsamen Preispolitik folgen. In der Archäologie kosten Ausstellungskataloge, Materialvorlagen und Monographien je nach Verlag und Land zwischen 40 und 300 Euro. Dann gibt es Werke, die kann sich kein Sterblicher leisten, weil diese die 1000 Grenze überschreiten.

    Beispiele?
    1. Standardwerk: H. Parzinger, Die frühen Völker Eurasiens: Vom Neolithikum bis zum Mittelalter, Beck 2006. = 98,- Euro
    2. Standardwerk: Mogens u.a., An Inventory of Archaic and Classical Poleis, Oxford Univ Pr, 2006. = 225,99 Euro
    3. Standardwerk: N. Cuomo di Caprio, Ceramica in archeologia vol.2. = 90,- Euro
    4. Festschrift, die den aktuellen Forschungsstand präsentiert: Etruria e Italia preromana. Studi in onore di Giovannangelo Camporeale, 2009. = 495.00 Euro
    5. I Italo -Tusco -Romana I Festschrift für Luciana Aigner-Foresti zum 70. Geburtstag, 2006. = 80,-Euro
    Um noch eins draufzusetzen (aber eher ironisch):
    6. Italia ante romanum imperium. Scritti di antichità etrusche, italiche e romane (1958-1998) di Colonna Giovanni
    von Prezzo: € 1650.00 bis Prezzo: € 2250.00

    Nun sagen Sie bestimmt, Studenten brauchen sich keine Bücher kaufen, weil sie die Bibliotheken nutzen sollen. Stimmt zum Teil. Aber glauben Sie mir, 80 Prozent der Bücher in meiner Bibliothek finden Sie in nur an sehr wenigen deutschen Standorten. Was bleibt?
    1. Bücher ausleihen: einige der oben angeführten Bücher verleiht keine Bibliothek; die Lieferung von Fernleihen dauen ewig
    2. Teure Buchbeschaffungsservice nutzen, z.B. subito.
    Wohl das einzige was wirklich funktioniert, wenn man Artikel benötigt, die nur eine Bibliothek im deutschen Sprachraum hat.

    • Kye
    • 14.04.2010 um 10:25 Uhr

    1. Bücher kosten in manchen Studienrichtungen gern mal 80 oder 90 Euro statt 50 Euro - beispielsweise im medizinischen Klinikabschnitt.
    2. Die 300 Euro sind nicht nur für Bücher gedacht - in der heutigen Zeit sollen davon auch Studiengebühren und -beiträge gezahlt werden, das sind im Semester an manchen Unis knapp 700 Euro.

    Daher: 300 Euro mag immer noch zu viel sein, aber ganz so absurd, wie man auf Anhieb denken mag, ist es nicht. Räume allerdings ein: 200 hättens auch getan und zwar noch immer recht üppig.

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    Das Geld ist für Bücher gedacht.

    Und die Stipendiaten, die ich kenne, sagen, dass sie bei weitem keine 300€ für Bücher ausgeben.

    Das Geld ist für Bücher gedacht.

    Und die Stipendiaten, die ich kenne, sagen, dass sie bei weitem keine 300€ für Bücher ausgeben.

  1. Es kommt darauf an, welche Bücher Sie meinen. Normale Einführungswerke dürften so viel kosten. Aber in speziellen Sektoren der Geisteswissenschaften gibt es Publikationen, die einer seltsamen Preispolitik folgen. In der Archäologie kosten Ausstellungskataloge, Materialvorlagen und Monographien je nach Verlag und Land zwischen 40 und 300 Euro. Dann gibt es Werke, die kann sich kein Sterblicher leisten, weil diese die 1000 Grenze überschreiten.

    Beispiele?
    1. Standardwerk: H. Parzinger, Die frühen Völker Eurasiens: Vom Neolithikum bis zum Mittelalter, Beck 2006. = 98,- Euro
    2. Standardwerk: Mogens u.a., An Inventory of Archaic and Classical Poleis, Oxford Univ Pr, 2006. = 225,99 Euro
    3. Standardwerk: N. Cuomo di Caprio, Ceramica in archeologia vol.2. = 90,- Euro
    4. Festschrift, die den aktuellen Forschungsstand präsentiert: Etruria e Italia preromana. Studi in onore di Giovannangelo Camporeale, 2009. = 495.00 Euro
    5. I Italo -Tusco -Romana I Festschrift für Luciana Aigner-Foresti zum 70. Geburtstag, 2006. = 80,-Euro
    Um noch eins draufzusetzen (aber eher ironisch):
    6. Italia ante romanum imperium. Scritti di antichità etrusche, italiche e romane (1958-1998) di Colonna Giovanni
    von Prezzo: € 1650.00 bis Prezzo: € 2250.00

  2. Nun sagen Sie bestimmt, Studenten brauchen sich keine Bücher kaufen, weil sie die Bibliotheken nutzen sollen. Stimmt zum Teil. Aber glauben Sie mir, 80 Prozent der Bücher in meiner Bibliothek finden Sie in nur an sehr wenigen deutschen Standorten. Was bleibt?
    1. Bücher ausleihen: einige der oben angeführten Bücher verleiht keine Bibliothek; die Lieferung von Fernleihen dauen ewig
    2. Teure Buchbeschaffungsservice nutzen, z.B. subito.
    Wohl das einzige was wirklich funktioniert, wenn man Artikel benötigt, die nur eine Bibliothek im deutschen Sprachraum hat.

  3. Das Geld ist für Bücher gedacht.

    Und die Stipendiaten, die ich kenne, sagen, dass sie bei weitem keine 300€ für Bücher ausgeben.

    Antwort auf "Nicht nur Bücher"
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    Das Büchergeld ist nicht nur für Bücher gedacht, sondern für sämtlich Ausgaben die dem Studium zu gute kommen.
    So gesehen sollte man sich hier jetzt nicht an den Preisen von Bücher festbeissen.

    Das Büchergeld ist nicht nur für Bücher gedacht, sondern für sämtlich Ausgaben die dem Studium zu gute kommen.
    So gesehen sollte man sich hier jetzt nicht an den Preisen von Bücher festbeissen.

  4. Das Büchergeld ist nicht nur für Bücher gedacht, sondern für sämtlich Ausgaben die dem Studium zu gute kommen.
    So gesehen sollte man sich hier jetzt nicht an den Preisen von Bücher festbeissen.

    Antwort auf "300€ Büchergeld"
  5. ... kann ich nur bestaetigen, dass die meisten der Stipendiaten als "gutem" Hause kommen - deshalb ist die Erhoehung des Buechergelds unnoetig. Das "Vernetzen" innerhalb des Stipendiatenkreises ist fuer viele viel wichtiger als Zuwendungen in Form von Geld. Das sagen im uebrigen die meisten Stipendiaten auch selbst.

    Vielmehr sollte die Foerderung von Stipendiaten aus einkommensschwachem Elternhaus erhoeht werden. Hier liegt die Hoechstsumme (meines, eventuell veralteten Wissens nach) bei nur 500-600 EUR.

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