Aber weshalb erliegen Lehrende wie Lernende der Versuchung, sich mit fremden Federn zu schmücken? Bei Studenten sind Versagensängste charakteristisch. Wie nie zuvor, so Rieble, können heute "copy and paste" aus dem Netz scheinbar von persönlicher Anstrengung etwa für eine Seminararbeit entlasten. Bei gestandenen Wissenschaftlern sind oft Auftragsüberlastung und Termindruck für falschen Ehrgeiz ausschlaggebend. Ein reuiger Sünder spricht von dringenden Anfragen aus Verlagen, die auf kurze Frist nur mit "Erfüllungsgehilfen" am eigenen Lehrstuhl bedient werden können – wobei aus Marketinggründen häufig möglichst bekannte Namen auf der Titelseite stehen sollen statt die No-Names der fleißigen Arbeiter im Hintergrund.

Gerade in der einvernehmlichen Zusammenarbeit zwischen Professoren und ihren Mitarbeitern kommt die geistige Urheberschaft laut Rieble schnell unter die Räder. Rieble scheut sich nicht, neben jüngeren Beispielen auch auf seinen vernebelten Anteil an einem Rechtskommentar seines akademischen Lehrers zu verweisen, für ihn heute ein Kniefall in der Assistentenzeit.

Zwar haben so gut wie alle Hochschulen inzwischen "Grundsätze zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" eingeführt, aber ohne zwingende Strafen bei Verstößen. Rieble spricht skeptisch von einer "Verschonungsoption" im Unterschied zu Disziplinarverfahren wie nun mehr im Hamburger Fall. Er hat sich bereits die Internetadresse wissenschaftsplagiat.de reserviert. Dort will er fortlaufend berichten.