Bologna-Gipfel Kein echter Dialog

Die Bologna-Konferenz war zum Scheitern verurteilt. Dazu haben allerdings beide Seiten beigetragen, meint Jan-Martin Wiarda.

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) im Kabinett

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) im Kabinett

Die Nationale Bologna-Konferenz , die Bundesbildungsministerin Annette Schavan in Berlin abhielt, war eine Show, urteilten Studentenverbände, Professorenvertreter und Oppositionspolitiker fast einhellig. Sicher, die auf läppische vier Stunden angelegte Aussprache über den weitverbreiteten Reform-Frust konnte unmöglich die Erwartungen an die inhaltliche Tiefe befriedigen, die Schavan und ihre Länderkollegen als Teil ihrer gefährlichen Besänftigungsstrategie geweckt hatten.

Ärgerlicher als das unrealistische Zeitkorsett aber war der Auszug, den sich einige Linkspartei-Studenten leisteten: Hier sei kein Gespräch auf Augenhöhe möglich, kritisierten sie, nachdem sie sich ausführlich zu Wort gemeldet hatten – und gingen, ohne die Entgegnung der Politiker abzuwarten.

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So drängt sich der Verdacht auf, dass einige von denen, die das Scheitern der Konferenz kritisieren, es heimlich begrüßt haben – als Gelegenheit zur Selbstinszenierung. Offenbar war den Organisatoren des anschließenden Gegengipfels die Lösung konkreter Probleme weniger wichtig als vermeintliche Geländegewinne im öffentlichen Kampf gegen den Neoliberalismus im Allgemeinen.

Schade für all jene Bologna-Kritiker, die an einem ehrlichen Dialog interessiert waren.
 

 
Leser-Kommentare
    • Topf86
    • 18.05.2010 um 15:25 Uhr

    Soso...sie lasten also den Studierenden an, dass der inhaltliche Dialog nicht zustande gekommen ist?

    Die gesamte Konferenz war eine reine Show-Veranstaltung und hatte nie das Ziel, einen inhaltlichen Austausch zu bewerkstelligen.
    Das war abzusehen; ein Blick auf die Themen der nationalen Bologna Konferenz offenbarte bereits, dass der Großteil der Forderungen seitens der Studierenden ignoriert werden würde.
    Auch die Zusammensetzung der "Diskutanten" deutete auf eine reine, medienwirksame Inszenierung des BMBF hin. Das hat hier sogar die Universitätsleitung wahrgenommen, die mehr als verblüfft war, dass die Hochschulrektorenkonferenz von der Konferenzplanung weitgehend ausgeschlossen war. Auch wurden zahlreiche Arbeitspapiere der Studierenden abgelehnt und nicht diskutiert.

    Eine fruchtbare, inhaltliche Diskussion war nie das Ziel dieser Konferenz, es war ein "Theater" - auf das der Redakteur dieses Beitrags auch noch reinfällt.

    Man kann den Studierenden ihren "inszenierten Abgang" zu Recht vorwerfen. Aber nicht, weil sie sich damit einer fruchtbaren Diskussion verwehrt haben, sondern weil es die schlechtmöglichste Art und Weise war, dieser Inszenierung des BMBF zu begegnen.

    • Rudi01
    • 18.05.2010 um 16:48 Uhr

    Was, bitteschön, ist denn ein "Linkspartei-Student"? Wenn das eine herabsetzende Bezeichnung sein soll, dann ist Autor J.-M. Wiarda aber nicht mehr auf der Höhe der Zeit:
    der Begriff "FDP-Bildungsminister" dürfte in NRW unter Leuten, die mit dem Hochschulwesen zu tun haben, deutlich heftigere Abwehrreaktionen und deutlich mehr Verärgerung hervorrufen...

    • Rudi01
    • 18.05.2010 um 17:47 Uhr

    Wie fragt die ZEIT so schön auf ihren Internet-Hochschulseiten:

    In welchem Jahr beschlossen die europäischen Bildungsminister, europaweit alle Studiengänge auf Bachelor und Master umzustellen?
    * 1. 1996 * 2. 1999 * 3. 2001

    Nett für die nächste Ausgabe von Trivial Pursuit. Man kann sich aber auch mit wichtigeren Fragen befassen...

    Schon mal darüber nachgedacht, mit welcher Legitimation Minister eine völliges Umkrempeln des gesamten Hochschulsystems ohne Befragung der nationalen Parlamente, also ohne Befragung der Repräsentanten der Bevölkerung "beschliessen" und "durchsetzen" können?

    "Beim Bologna-Prozess handelt es sich um eine rechtlich unverbindliche Absprache zwischen den Bildungsministern von inzwischen 47 europäischen Staaten." (Wikipedia)

  1. 20 Euro für ein Lehrbuch?! Das wäre ja zu schön. Wohl eher um die 50 Euro, 30 wenn mans gebraucht kauft, aber dann hat man meistens nicht die aktuelle Auflage. Abgesehen davon haben Sie natürlich recht.

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    Da liegen Sie natürlich richtig, wolkenkuckucksheim! Ich gebe Ihnen Recht und man mag es korrigiert sehen.

    Es ist nur so, dass ich meine Argumentationen immer so schwach wie möglich aufbauen will. Denn wenn sie in abgeschwächter Form noch immer eine starke Aussagefähigkeit hat, haben Kritiker weniger Angriffsfläche.

    Auf diesem Weg erzeugt man schneller einen Konsens.

    Ich freue mich aber über Ihren Beitrag, der dieses Argument noch viel mehr gestärkt hat als eine negative Kritik es hätte können.

    Man sollte sich vor Augen führen, was für eine BAföG-Erhöhung man bräuchte, um solche Bücher für die bedürftigen Studenten bezahlbar zu machen.

    Es wird klar, wo wir stehen. Nun müssen wir sehen, wo wir hin wollen.

    Da liegen Sie natürlich richtig, wolkenkuckucksheim! Ich gebe Ihnen Recht und man mag es korrigiert sehen.

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    Es wird klar, wo wir stehen. Nun müssen wir sehen, wo wir hin wollen.

  2. Da liegen Sie natürlich richtig, wolkenkuckucksheim! Ich gebe Ihnen Recht und man mag es korrigiert sehen.

    Es ist nur so, dass ich meine Argumentationen immer so schwach wie möglich aufbauen will. Denn wenn sie in abgeschwächter Form noch immer eine starke Aussagefähigkeit hat, haben Kritiker weniger Angriffsfläche.

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    Antwort auf "Lehrbuchkosten"
  3. Ich finde, den Teilnehmern des Gegengipfels wird zu Unrecht vorgeworfen, die inhaltliche Diskussion und die Lösungsfindung nicht zu wollen. Was nützt denn der Versuch einer Lösungsfindung, wenn diese von den Verantwortlichen aus politischen Gründen ignoriert werden, so wie auch die Meinung von Studierenden und Lehrenden ignoriert wird, sondern statt dessen hauptsächlich Vertreter der Wirtschaft zu dem Gipfel eingeladen wurden, gerade so, als gingen die Studienbedingungen Studenten und Professoren ja gar nichts an?

    Dass unter diesem Umständen die Motivation, darüber nachzudenken, wie die Lage verbessert werden kann, wenn schon die eigene Meinung niemanden interessiert, gering bis nicht vorhanden sein dürfte, ist nur allzu verständlich.

  4. 8. Aha...

    Was genau macht Annette Schavan da eigentlich auf dem Foto? Ich bin irritiert...

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    was sie kann!
    Mehr ist leider nicht drin!

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