Bedrohte Uni Lübeck "Wir wollen kämpfen"
Der Medizinstudiengang der Universität Lübeck soll abgeschafft werden. Was würde das für die Uni und ihre Studenten bedeuten? Ein Interview mit Studentin Sophie Kollbeck.
© privat

Für den Erhalt der Uni Lübeck demonstrierten 14.000 Menschen
Die schwarz-gelbe Landesregierung in Schleswig-Holstein will den Medizinstudiengang der Universität zu Lübeck schließen. Schleswig-Holstein bilde zu viele Mediziner aus, so lautet eine Begründung von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen. Sophie Kollbeck ist 22 Jahre alt und in der Fachschaft Medizin aktiv. Seit drei Jahren studiert sie Medizin an der Lübecker Universität. Jetzt kämpft sie gemeinsam mit vielen anderen für deren Erhalt.
ZEIT ONLINE: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie hörten, dass der Medizinstudiengang eingestellt werden soll?
Sophie Kollbeck: Das war ein großer Schock. Noch nie war ich so direkt von einer politischen Entscheidung betroffen wie in diesem Fall. Ich kann die Entscheidung auch nicht verstehen. Schließlich sind wir keine schlecht funktionierende, kleine, verschlafene Uni. Wie sich auch in dem Statement unseres Präsidenten Peter Dominiak nachlesen lässt, haben wir uns auch erfolgreich an der Exzellenzinitiative beteiligt.
ZEIT ONLINE: Aus welchen Gründen hatten Sie sich für die Universität Lübeck entschieden?
Kollbeck: Ich bin nach Lübeck gekommen, weil die Uni seit Jahren sehr gut im CHE-Ranking abschneidet und für eine außerordentlich gute Lehre bekannt ist. Da ich mir aussuchen konnte, wo ich studieren möchte, war es für mich wichtig, die bestmögliche Ausbildung zu genießen.
ZEIT ONLINE: Somit können Sie die Entscheidung der Politiker nicht verstehen?
Kollbeck: Wie können die Politiker glauben, dass die Uni Lübeck ohne Medizin als Medizintechnikstandort noch eine Chance hat, weiter zu bestehen? Ich kann nicht begreifen, warum man einen Studiengang mit Vorbildfunktion in Zeiten der Bildungsdebatte und des Ärztemangels schließen kann. Ich finde, die Landesregierung verstößt mit dieser Entscheidung gegen ihren Koalitionsvertrag, man könnte es sogar Wahlbetrug nennen. Die Entscheidung widerspricht auch jeglichen Versprechen, die der Bund gegeben hat. In der Lehre und Forschung sollte nicht gespart werde, auch nicht in Krisenzeiten. Ich meine, das hat Angela Merkel verstanden. Warum also nicht Ministerpräsident Carstensen und Wissenschaftsminister Jost DeJager?
ZEIT ONLINE: Was denken Sie, was die Entscheidung für die Uni zu bedeuten hat?
Kollbeck: Das wäre das Aus. Bereits ab dem Wintersemester 2011/2012 sollen keine neuen Studenten mehr an die Uni kommen. Wenn wir nicht bald von der Liste der Haushaltsstrukturkommission gestrichen werden, suchen sich unsere klugen Köpfe neue Arbeitgeber. Zum Beispiel der diesjährige Leibnitzpreisträger Jan Born. Er hat bereits gesagt, dass er geht, wenn die Landesregierung nicht einlenkt. Es werden auch keine Forschungsgelder mehr bereitgestellt. Alles was Asta und Fachschaften in den letzten Jahren organisiert haben, würde verpuffen.
- Datum 17.06.2010 - 15:19 Uhr
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Ein fantastischer Tag für die Hochschulen, für das Land, für die Demokratie!
Die Demonstration war gut organisiert, schlagkräftig, laut, beeindruckend. Der wütende, verständnislose Protest brandete an die Mauern des Landeshauses mit einer Wucht, die eigentlich niemanden im Inneren kalt lassen können sollte. Doch De Jager und Carstensen sind derartige Ausgeburten an Ignoranz..
Scheitern wird der Plan spätestens im Dezember, wenn in der Abstimmung über das Sparpaket die 1-Stimmen-Mehrheit von schwarz-gelb in S-H fällt.. Berechtigste Zweifler gibt es in den Reihen von FDP und CDU bereits jetzt.
Nur leider ist bis dahin in Lübeck bereits viel kaputt gegangen, Professoren und Studenten orientieren sich angesichts mangelnder Planungssicherheit woanders hin, Forschungsgelder werden aufgrund fehlender stabiler Rahmenbedingungen abfließen bzw. erst gar nicht angeworben werden können.. Ein Dilemma.
Der Protest muss weitergehen, lauter, wütender, druckvoller.
Wer "Zukunft" sagt und an bereits exzellenter Bildung spart, ist entweder dumm, oder er lügt!!
bin selber Medizinstudent und die gute Lehre der Uni Lübeck ist überregional bekannt. Selbst wenn man nicht berücksichtigt, dass ein paar hundert Kilometer weiter -wegen Medizinermangel- über die Gründung einer Medizinfakultät nachgedacht wird, ist es trotzdem noch unglaublich idiotisch und kurz gedacht auch nur daran zu denken einfach ein Erfolgsmodell zu schließen....
Schockierend was für Trottel uns regieren!
Mir fehlt irgendwie noch ein ausführlicherer Bericht zur Demo.
Nach offiziellen Berichten haben 14.000 Studenten, Uni-Mitarbeiter und Bürger aus Lübeck, Kiel und Flensburg gegen die Sparpläne der Regierung protestiert, von denen auch die anderen Uni-Standorte betroffen sind! Der Großteil der Demonstranten war zwar aus Lübeck, aber auch der Demozug aus Kielern und Flensburgern dürfte einige Tausend umfasst haben (genauere Zahlen müssten die Kieler Organisatoren gehabt haben; es gab zwei Demozüge, die sich am Schlosspark zusammengeschlossen haben).
Diese Demo war die größte in Kiel seit mehreren Jahrzehnten und soweit ich gelesen habe die größte im Regierungsviertel überhaupt.
Ein seriöses Medium sollte solche Meldungen auch überregional verbreiten. Leider ist die Berichterstattung bisher weitestgehend auf die regionale Presse wie NDR, SHZ, Hamburger Abendblatt, etc. begrenzt.
Ich hoffe, dass noch Meldungen folgen werden. Ich denke, dass eine solche Anzahl an Demonstranten gemessen an der Region schon einen Artikel auf der Hauptseite wert sein sollte.
..ein weiterer Artikel zur Demo wäre wünschenswert!
..ein weiterer Artikel zur Demo wäre wünschenswert!
..ein weiterer Artikel zur Demo wäre wünschenswert!
Da sieht man mal, wie gut das hier in Deutschland mit dem Föderalismus und der Absprache zwischen Bund und Ländern funktioniert. Der Gesundheitsminister möchte mehr Ärzte ausbilden lassen, weil Mangel herrscht. Da aber Hochschulpolitik Ländersache ist, macht jedes Land das, was es will. Schleswig-Holstein will eine funktionierende Medizinfakultät schließen, NRW möchte eine neue Medizinfakultät aufbauen, in Bielefeld nämlich (so zumindest die Planung unter Pinkwart). Die einen haben also zu viele Ärzte, die anderen zu wenig.
Ist es denn wirklich so, dass junge ausgebildete Ärzte, nur da bleiben, wo sie studiert haben? Mit Sicherheit nicht!
Es kann ja nicht sein, dass solche riesigen Summen aus Steuergeldern verschwendet werden. Aber ich weiß schon: es sind ja verschiedene Töpfe ;-). Die Länder sollten sich mal absprechen, und nicht so tun, als ob hinter der eigenen Landesgrenze nichts mehr existiert.
Ich kann mich dem Beitrag von balder nur anschließen.
Die Entscheidungen der Landesregierung sind logisch nicht zu begründen und machen wütend und fassungslos!
Die Größe der Demonstration zeigt, dass diese Entscheidungen bzw. Sparmaßnahmen keinerlei Unterstützung in der Bevölkerung haben und wie brisant die Lage in S-H ist.
Die überregionale Berichterstattung ist aber bedauerlich gering und ausführliche Berichte über die Proteste und den aktuellen Stand wären angesichts der Lage wirklich angebracht!
Ist diese mangelnde Berichterstattung über die Proteste in Kiel. Ich bin selber Student in Kiel und konnte leider nicht an der Demo teilnehmen, da ich mich zurzeit nicht in Kiel aufhalte. Informationen über den Ablauf habe ich bisher nur telefonisch von Freunden erhalten. In den Medien (mit Ausnahme der Lokalzeitungen) ist nur wenig oder nichts über die Geschehnisse in SH zu erfahren.
Und dabei ist das was dort gerade passiert doch so sinnbildlich für die Politik von Schwarz/Gelb. Es geht ja nicht nur um die Abschaffung der Medizin in Lübeck und dem damit einhergehenden Verfall der Universität in Lübeck. Auch die Wirtschaftswissenschaften in Flensburg wurden von der Landesregierung aufgegeben. Dazu kommt noch, dass das Universitätsklinikum in Kiel privatisiert werden soll.
Selber bin ich dort erst vor kurzem behandelt worden und kann mich nur für die Qualität dieser Einrichtung aussprechen. Aber so etwas scheint man halt zu bekommen, wenn man marktradikale Kräfte zur stärksten politischen Strömung im Lande macht. Der Patient als Ware…
Ich würde mir wie die anderen Kommentatoren hier wünschen, dass die Zeit eine ausführliche Berichterstattung über die Ereignisse bringt. Gerade weil das was in SH vor sich geht die Versprechungen von Schwarz/Gelb Lügen straft, sowohl auf Landes-, als auch auf Bundesebene.
So etwas kann doch von keinem seriösen Nachrichtenmedium ausgeblendet werden!
Oder etwa doch?
An alle, die dies noch lesen und später zur KielerWoche gehen.
Seit laut wenn Carstensen seine Eröffnungsansprache hält!!! Zeigt ihm,. dass er unerwünscht ist, dass wir nichts von ihm halten und keine Angst vor ihm haben.
Die Demo war schon mal ein Anfang und die hat uns gezeigt, dass sie Angst vor uns haben. Denn keiner der beiden ist vor den Landtag gekommen und hat eine Stellungnahme abgegeben. Diese Feiglinge können sich nur hinter den Türen verstecken und heimtückisch ihre Pläne schmieden. Zu was anderen sind sie nicht fähig. Denn sie wissen, dass sie Mörder sind, die die Zunkunft töten. Und wenn sie doch mal ihren Mund auf machen, dann nur um noch mehr mist von sich zu geben. Wir Studenten aus Deutschland müssen zusammenhalten und diese Lügner und Betrüger noch vor Ende der WM um jeden Preis in die Knie zwingen!
Bitte helft alle mit!
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