Universität Kassel Der Sweat Shop als Forschungsobjekt
Prekäre Bedingungen kennen sie aus ihrer Heimat: In einem Projekt der Uni Kassel ergründen junge Forscher, wie Arbeit und Fairness zu verbinden sind.
Rund 20 junge Frauen und Männer sitzen in dem kleinen Seminarraum und lauschen ihrem Professor Eddie Webster, der vorne lebhaft erklärt, was unter "informeller Arbeit" zu verstehen ist. Die Stimmung ist aufgekratzt und kreativ. Die Doktoranden aus Indien, Pakistan, Brasilien, Mexiko, Südafrika und Kenia sind Teil eines internationalen, interdisziplinären Netzwerkes. Straßenhandel kennen sie alle aus ihren Heimatstädten. An der Uni Kassel lernen sie jetzt, wie man diese Form der Arbeit wissenschaftlich definiert.
Webster, Gastprofessor aus Südafrika, zeigt ihnen Fotos von seiner Reise durch die veränderte Arbeitswelt in der südafrikanischen Metropole Johannesburg: "Das hier sind Straßenhändler, sie arbeiten selbstständig, ohne Lizenz, nicht registriert, ein ziemlich prekärer, ungeschützter Typ von Arbeit", sagt er. "Und hier: Eine Kneipe in Soweto. Jemand hat sein Haus in einen Pub verwandelt." Das nächste Foto: "Ein Sweat Shop auf der zweiten Etage eines Hochhauses. Die Männer nähen für eine Handelskette in Kalifornien. Unregistriert, heimlich, illegal. Sie sind Arbeitsmigranten ohne Papiere aus dem Kongo, Simbabwe und Mosambik." Die Stipendiaten sind höchst konzentriert, stellen Nachfragen, diskutieren mit ihrem Lehrer. Es ist zu spüren: Hier sind helle Köpfe am Werk.
Die Brasilianerin Luciana Hachmann, 25, hat bereits ihr Master-Studium in Arbeitspolitik und Globalisierung abgeschlossen und ist begeistert: "Einer der großen Vorteile dieses Studiengangs ist, dass alle Teilnehmer problemorientiert denken. Außerdem werden Studierende und Professoren aus Entwicklungsländern mit einbezogen. Das ist einmalig".
Tatsächlich arbeiten im "International Center for Development and Decent Work" (ICDD) der Universität Kassel Gesellschafts-, Politik- und Agrarwissenschaftler von sieben Universitäten aus vier Kontinenten vereint an der Frage, wie menschenwürdige Arbeitsverhältnisse hergestellt und sichergestellt werden können. Bereits seit 2003 bietet die Uni den englischsprachigen Masterstudiengang Global Political Economy an. Im selben Jahr gewann das Kasseler Fachgebiet zusammen mit der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) in Berlin die Ausschreibung für den Masterstudiengang Labour Policies and Globalisation. Seit 2009 unterstützen der Deutsche Akademische Austauschdienst, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie das Land Hessen das ICDD mit 25 Millionen Euro für fünf Jahre.
"Dieses Studium ist sehr bereichernd", sagt Luciana Hachmann. "Das ICDD ist eine Art Weckruf. Wir müssen über Alternativen nachdenken, weil das heutige Wirtschaften nicht nachhaltig ist. Das hilft uns, als Akademiker global zu denken." Luciana Hachmann will in ihrer Promotion der Frage auf den Grund gehen, ob soziale Standards in Handelsverträgen zur Verbesserung von Arbeitsverhältnissen in brasilianischen und im Vergleich südafrikanischen Exportindustrien beitragen können. Handel muss sein, lautet ihre These, ohne Handel gibt es keinen Wettbewerb und kein Wachstum. "Aber das allein kann es nicht sein. Wir müssen uns auch die sozialen Konsequenzen ansehen und darum stelle ich die Verbindung zum Konzept der ‚guten Arbeit’ her", das die Internationale Arbeitsorganisation entwickelt hat. "Das sieht sich die Menschen an, nicht nur Zahlen von Im- und Export." Arbeiter und Arbeiterinnen sollen sich frei versammeln und organisieren können, sie sollen sichere Arbeitsplätze und ausreichende Einkommen haben. Die sozialen Netze sollen tragfähig sein und über all dies sollen sich Arbeitgeber, -nehmer und Regierungen in einem Dialog einigen, so die Idee.
- Datum 30.07.2010 - 10:52 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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“Arbeiter und Arbeiterinnen sollen sich frei versammeln und organisieren können, sie sollen sichere Arbeitsplätze und ausreichende Einkommen haben. Die sozialen Netze sollen tragfähig sein und über all dies sollen sich Arbeitgeber, -nehmer und Regierungen in einem Dialog einigen, so die Idee.“
Irre! Dafür muss man aber nicht an eine Uni gehen, um darauf zu kommen. Das hätte ich euch auch sagen können! Aber weil ich nicht an eine Uni gehe komme ich damit leider nicht in die Zeitung.
Außerdem…
Es ist ja nicht so, dass man das nicht schon längst wüsste. Da muss man nicht erst großartig wissenschaftliche Arbeiten drüber schreiben. Man muss endlich mal was machen! Darauf warten die Betroffenen schon seit Jahrzehnten. Aber schön, dass mal wieder sinnlos Millionen Steuergelder dafür rausgehauen werden, damit jemand irgendwo auf der Welt erfährt was wir schon längst wissen…
Das ist wie mit dem Klimawandel. Da wissen auch längst alle bescheid aber niemand unternimmt etwas oder nur sehr sehr langsam und sehr sehr wenig. Und über das Renommee des Friedensnobelpreises will ich mich hier nicht auch noch auslassen.
Es wird auch noch von steigender Rendite gesprochen was ja nicht zuletzt auch mit ein Grund dafür ist, dass keine faire Arbeit möglich ist.
Aber was weis ich schon. Ich hab ja nicht studiert…
Und was man uns zumuten kann
Weil uns der überblick oft fehlt
Haben wir sie ins Amt gewählt
Manchmal machen sie sich unpopulär
Sie zu verstehn fällt uns oft schwer
Politik ist ein kompliziertes Feld
Nicht für die klügsten Männer der Welt
Sie entscheiden für uns
Ja, sie leiden für uns
Unser Dunkel wird durch sie erhellt
Das sind die klügsten Männer der Welt
Wenn bald alles lodert und alles brennt
Und die Erde erzittert vom Bombardement
Wenn uns nichts mehr bleibt, als um Erlösung zu beten
... Dann lasst sie uns preisen!
Die klügsten Männer auf unseren Planeten
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