Universität Kassel Der Sweat Shop als Forschungsobjekt
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Warum ließ sich "gute Arbeit" im einen Land durchsetzen, im anderen nicht?

Alle mit dem ICDD verbundenen Wissenschaftler legen Wert darauf, ihre häufig ländervergleichenden Forschungen möglichst praxisnah zu gestalten. "Wir versuchen hier den Spagat, Studien hervorzubringen, die auch praktisch interessant sind" erklärt Zentrumsleiter Professor Christian Scherrer, "weil wir Ländervergleiche anstellen und fragen, warum sich ‚gute Arbeit’ in dem einem Land hat durchsetzen lassen und in anderem Land nicht."

Der Doktorand Belayeth Hussain aus Bangladesch untersucht zum Beispiel die Langzeiteffekte des Mikrofinanzierungssystems in Indien und Bangladesch, wo die Idee vor knapp 35 Jahren umgesetzt wurde. Seitdem wird sie in aller Welt kopiert: Frauen erhalten Kleinstkredite und sollen sich damit eine eigene Existenz aufbauen. Das Konzept gilt als Schlüssel zur Armutsbekämpfung und erhielt 2006 sogar den Friedensnobelpreis.

Aber Belayeth Hussain hat Zweifel: "Die Arbeit der Frauen bleibt auf den privaten Haushalt beschränkt", kritisiert er, "der Zugang zu größeren öffentlichen Märkten bleibt ihnen verwehrt. Frauen in ländlichen Gebieten haben nach wie vor keine Möglichkeit, eigenes Kapital zu bilden".

Hussain vermutet, dass die Mikrofinanzunternehmen mittlerweile bankenübliche Interessen haben, nämlich steigende Renditen. Der Titel einer internen Broschüre der berühmten Grameen Bank sei dafür symptomatisch, sagt der Jungforscher: "Frauen zahlen immer zurück".

Noch ist das ICDD für zunächst fünf Jahre finanziert. Aber die begeisterten Forscher sind überzeugt, weitere Mittel für ihre Wissenschaft von der "guten Arbeit" finden zu können.
 

 
Leser-Kommentare
  1. “Arbeiter und Arbeiterinnen sollen sich frei versammeln und organisieren können, sie sollen sichere Arbeitsplätze und ausreichende Einkommen haben. Die sozialen Netze sollen tragfähig sein und über all dies sollen sich Arbeitgeber, -nehmer und Regierungen in einem Dialog einigen, so die Idee.“

    Irre! Dafür muss man aber nicht an eine Uni gehen, um darauf zu kommen. Das hätte ich euch auch sagen können! Aber weil ich nicht an eine Uni gehe komme ich damit leider nicht in die Zeitung.

    Außerdem…

    Es ist ja nicht so, dass man das nicht schon längst wüsste. Da muss man nicht erst großartig wissenschaftliche Arbeiten drüber schreiben. Man muss endlich mal was machen! Darauf warten die Betroffenen schon seit Jahrzehnten. Aber schön, dass mal wieder sinnlos Millionen Steuergelder dafür rausgehauen werden, damit jemand irgendwo auf der Welt erfährt was wir schon längst wissen…

    Das ist wie mit dem Klimawandel. Da wissen auch längst alle bescheid aber niemand unternimmt etwas oder nur sehr sehr langsam und sehr sehr wenig. Und über das Renommee des Friedensnobelpreises will ich mich hier nicht auch noch auslassen.
    Es wird auch noch von steigender Rendite gesprochen was ja nicht zuletzt auch mit ein Grund dafür ist, dass keine faire Arbeit möglich ist.

    Aber was weis ich schon. Ich hab ja nicht studiert…

  2. Und was man uns zumuten kann
    Weil uns der überblick oft fehlt
    Haben wir sie ins Amt gewählt

    Manchmal machen sie sich unpopulär
    Sie zu verstehn fällt uns oft schwer
    Politik ist ein kompliziertes Feld
    Nicht für die klügsten Männer der Welt

    Sie entscheiden für uns
    Ja, sie leiden für uns
    Unser Dunkel wird durch sie erhellt
    Das sind die klügsten Männer der Welt

    Wenn bald alles lodert und alles brennt
    Und die Erde erzittert vom Bombardement
    Wenn uns nichts mehr bleibt, als um Erlösung zu beten
    ... Dann lasst sie uns preisen!
    Die klügsten Männer auf unseren Planeten

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