Klausurenkorrektur Indisch oder automatisch
Uni-Professoren sind chronisch überlastet. US-Profs schicken mittlerweile Klausuren zur Korrektur nach Asien. In Deutschland haben sie eine billigere Lösung gefunden.
Er arbeitet schnell, schneller als der fleißigste Mitarbeiter. 800 Klausuren schafft er in wenigen Stunden. Der Scanner von BWL-Professor Manuel René Theisen von der Ludwig-Maximilians-Universität in München scannt Klausurbögen ein, der Computer wertet sie aus. Aber Theisen mag seine Korrigiermaschine nicht. "Solche Klausuren sind Fantasie tötend", sagt er. Er meint die Multiple-Choice-Klausuren, die er seinen Studenten stellt, stellen muss. Für weniger uniforme Klausuren fehlt ihm oft die Zeit.
Seit Einführung des Bachelors kommen die Professoren kaum noch mit der Arbeit hinterher. Das Betreuungsverhältnis wird schlechter, alles muss schneller gehen als früher. Die Studenten hetzen den Creditpoints hinterher und auf den Schreibtischen der Hochschullehrer türmen sich die Klausuren. "Damit das System funktioniert, müssen Professoren heute viel schneller korrigieren", sagt Michael Hartmer vom Deutschen Hochschulverband, der deutschlandweit rund 25.000 Professoren und Nachwuchswissenschaftler vertritt.
Manche Hochschullehrer sind von dem Tempo des neuen Systems schlicht überfordert. Deshalb geben sie beispielsweise Klausuren zu spät zurück. In den meisten Prüfungsordnungen findet man zwar den Satz: "Die Bewertung der Prüfungsleistungen soll den Prüflingen innerhalb von sechs Wochen mitgeteilt werden." Aber an solche Vorgaben sind keine Sanktionen geknüpft, sagt Hartmer. Erfahren Studenten die Noten zu spät, kann es passieren, dass sie sich nicht fristgerecht für das nächste Seminar anmelden können, um ein Modul abschließen zu können. Oder sie verpassen sogar Bewerbungsfristen für den ersten Job. Das liegt auch an der straffen Organisation von Bachelor- und Masterstudiengängen, mit der einige Lehrstühle noch nicht zurechtkommen. Weil beispielsweise an der Uni Münster das Lehramtsstudium so schlecht geplant ist, verpassen die Studenten, die in diesem Sommersemester ihr Studium beenden, die Anmeldefrist für das geplante Referendariat nach den Schulferien.
Um die Prüfungsarbeit bewältigen zu können, greifen Professoren deshalb vermehrt zu unschönen Mitteln. So musste der BWL-Professor Theisen seinen Assistenten, die ihm bei den Korrekturen helfen, in den Semesterferien eine Urlaubssperre verhängen. "Ich finde das unwürdig, aber wie sonst soll es klappen?", fragt Theisen.
In den USA hat man die Lösung. Auch amerikanische Professoren sind überlastet mit den seitenlangen Klausuren, Essays und Papers ihrer Studenten. Daher schicken einige von ihnen, etwa an der University of Houston in Texas, neuerdings Studienarbeiten zur Korrektur nach Asien. Die Korrekturassistenten sitzen in Indien, Malaysia und Singapur. Sie korrigieren, kommentieren und bewerten. Das berichtet das US-Hochschulmagazin The Chronicle of Higher Education. Das Unternehmen Edumetry aus der Nähe von Washington DC, von dem die Idee kommt, kläre vorher mit den Professoren, welche Erwartungen sie an Texte und Korrekturen haben. Innerhalb von drei bis vier Tagen bekämen sie die Studienarbeiten zurück, meist seien sie ausführlicher kommentiert als von den amerikanischen Professoren.
Das können sich deutsche Professoren nicht vorstellen. "Das ist absoluter Käse, eine Schnapsidee", findet Theisen. Wenn, dann ginge das sowieso nur in mathematischen und technischen Fächern: Klausuren mit Zahlen, ohne Sprache. "Eine deutsche Arbeit über Thomas Mann kann ja überhaupt kein Inder korrigieren", sagt Theisen. Bei Jura-Klausuren, in denen Studenten eigene Lösungswege finden könnten, die so nicht eins zu eins in der Musterlösung stünden, würden die besten Studenten durchfallen. Das befürchtet zumindest der Jura-Professor Thomas Hoeren von der Uni Münster. "Genies würden durch die Prüfungen fliegen, nur weil die Assistenten in Fernost den Lösungsweg nicht kennen."
Stattdessen stellen Professoren hierzulande immer häufiger Multiple-Choice-Klausuren. Nicht nur in den Naturwissenschaften und etwa BWL und VWL, sondern sogar in den Sozialwissenschaften. Die Studenten müssen dabei die Kästchen "Richtig" oder "Falsch" hinter einer Aussage ankreuzen. Der Vorteil der MC-Klausuren liegt auf der Hand: Sie lassen sich viel schneller korrigieren als ausformulierte Arbeiten. Nachdem ein Computer-Programm die Klausuren auswertet, muss der Korrektor sie nur noch einmal gegenlesen.
- Datum 05.07.2010 - 14:23 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Ich gehe doch davon aus, dass eine Klausur nicht nur aus MC-Fragen oder nur aus textuell zu beantwortenden Fragen besteht. Eine gute Klausur kann (und sollte wohl auch) beides enthalten: das Abprüfen von Faktenwissen und den Transfer.
Nett auch, wie der Autor das Kürzel "MC" einführt - einfach durch Benutzung; der Transfer von MC auf Multiple Choice bleibt dem Leser überlassen - ein Test?
...sind MC-Klausuren nun wirklich nicht. Eher der Beginn einer geradezu abenteuerlichen Dämlichkeit.
Ich hatte neulich mal wieder das Vergnügen, mit einer MC-Klausur beglückt zu werden. Wieder einmal sind alle meine Einwände in vollem Umfange bestätigt worden: MC-Klausuren (oder auch multiple Sch***, wie sich zumindest an unserer Uni der Sprachgebrauch eingebürgert hat), sorgen lediglich für nutzloses, stupides Pauken des Prüfungsstoffes, ohne dass die Inhalte in irgendeiner Weise durchdacht (oder, Gott behüte, hinterfragt) werden. Das ist in der Klausur ja sowieso nicht gefragt. Stattdessen gibt es Bulimielernen, anschließend das Ausspeien vollkommen sinnfreier Fakten, die in keinem logischen Zusammenhang zueinander stehen und zuletzt ein angenehmes Leichtigkeitsgefühl ob des eben Erbrochenen, nur gestört vom faden Nachgeschmack des "Wozu war das eigentlich gut?"
Was mich jedoch am meisten wütend macht, ist diese billige, selbstbetrügerische Behauptung, man könne mithilfe MC-Klausuren Wissen objektiv messen. Weitest gefehlt! Zunächst kann man selbst bei gut erstellten MC-Aufgaben durch simple logische Schlüsse in Kombination mit lückenhaftem Wissen hervorragend die richtigen Antwortitems rekonstruieren. Und vor allem: Bei jeder einzelnen Aufgabe muss zunächst die Frage dekonstruiert werden, damit der vom Prüfer intendierte Sinn rekonstruiert werden kann, bevor schließlich die richtige Antwort konstruiert werden kann.Bei den Deutschkünsten der meisten Prüfer einfach Wahnsinn!
> Wer alle Details kennt, hat auch das große Ganze
> verstanden.
Wer kurz vor der Klausur irgend ein Material in den Kopf bombt, weiß das auch noch nach 10 Jahren...
Von einem Akademiker erwartet man Denken in Zusammenhänge, für den Rest gibt es Nachschlagewerke vom Fachbuch bis zum Internet.
Außerdem, für die Klausurkorrektur hat man zu meiner Zeit unterbezahlte Hiwis und Doktoranden genommen - gibt es die nicht mehr?
Studentische Hilfskräfte gibt es noch, aber da jede Klausurnote auf dem Bachelorzeugnis erscheint, werden sie (offiziell) nicht mehr eingesetzt. In ein paar Jahren hat sich das aber auch erledigt: die klassische Zeit, um Hiwi zu sein, ging vom 5. Semester bis zum Diplom, mit dem Ba/Ma-System sind die Studenten aber erst mit dem Bachelor beschäftigt und das Masterstudium ist nur zwei Jahre lang.
Es ist also abzusehen, dass arbeitsintensive Veranstaltungsformen weiter abgebaut werden, die mündlichen Prüfungen der Diplomer waren erst der Anfang.
Studentische Hilfskräfte gibt es noch, aber da jede Klausurnote auf dem Bachelorzeugnis erscheint, werden sie (offiziell) nicht mehr eingesetzt. In ein paar Jahren hat sich das aber auch erledigt: die klassische Zeit, um Hiwi zu sein, ging vom 5. Semester bis zum Diplom, mit dem Ba/Ma-System sind die Studenten aber erst mit dem Bachelor beschäftigt und das Masterstudium ist nur zwei Jahre lang.
Es ist also abzusehen, dass arbeitsintensive Veranstaltungsformen weiter abgebaut werden, die mündlichen Prüfungen der Diplomer waren erst der Anfang.
Das Studium verkommt zur Führerscheinprüfung. Wir brauchen a n d e r e Universitäten bzw. Studenten. Das starre Schauen auf Prozentzahlen tötet jeden Geist.
Netterweise steht mir morgen eine sog. MC-Prüfung (mit etwa 100 Fragen in 120 Min.) bevor und am Freitag eine, bei der wohl zwei bis vier Fragen die Basis für 180 Minuten Prüfungszeit bilden. (Welche Schlüsse aus der jeweiligen Fragen-Prüfungszeit-Konstellation gezogen werden, soll hier jedem selbst überlassen bleiben.)
Insgesamt steht für mich hinter der Frage nach der Art & Weise der Prüfung, die Frage danach, zu was man uns Studenten denn animieren will?
Soll es, wie im Kommentar 2 eindringlich beschrieben, wenig nachhaltiges Detailpauken sein oder soll es das Erkennen von Zusammenhängen zwischen sich immer wieder wandelnden Details sein?
Mir geht es nicht darum, dass ich mich um (Grundlagen)Details "drücken" wöllte. Nur welche Motivation soll ich zum Detaillernen haben, wenn ich nie versuchen darf sie in einen anderen, gewagten, vielleicht auch kreativen, Zusammenhang zu setzen? Wenn es nur um das Detaillernen an sich geht, kann ich auch eine gute Berufsausbildung machen. (Die Dozenten in diesem Bereich kennen sich damit besser aus, dieses Detailwissen auch zu vermitteln.)
Ich persönlich bemerke schon beim Lernen für die beiden o.g. Prüfungen in dieser Woche, völlig unterschiedliche Herangehensweisen.
.....nicht vorstellen. "Das ist absoluter Käse, eine Schnapsidee", findet Theisen."
So sagte man hier früher auch zu Multiple Choice. Nun weiß man, das für manche Prüfungen diese Methode die Beste ist.
"Das können sich deutsche Professoren nicht vorstellen."
Einfach die selben Arbeitsbedingungen wie in Nordamerika schaffen (Anwesenheitspflicht 9 -5 jeden Tag, normalerw. 50 -70 h/Woche, daher keine Zeit für eine private Firma oder Kanzlei, Mitarbeit in einer Vielzahl von Gremien und Gesellschaften, Mitteleinwerbung, Betreuung und Fnanzierung von Master und PhD Studenten, mindestens 4 Vorlesung pro Semester, eine gewisse Anzahl von Publikationen pro Jahr und wenn man einige Vorgaben nicht erfüllt, die jährliche Kündigungsfrist).
"Manche Hochschullehrer sind von dem Tempo des neuen Systems schlicht überfordert."
Dann hat man wohl die Falschen eingestellt.
"Eine deutsche Arbeit über Thomas Mann kann ja überhaupt kein Inder korrigieren" , "Genies würden durch die Prüfungen fliegen, nur weil die Assistenten in Fernost den Lösungsweg nicht kennen."
An Arroganz nicht zu überbieten.
"Unis als Einrichtung der Kultur schließen." Da muss Herr Hartmer wohl in einer alternativen Realität leben, dt. Hochschulen sind Massenabfertigung um den staatlich verordneten Druck auf den Akademikermarkt aufrechtzuerhalten, dort werden Abschlüsse verteilt, ob die Leute befähigt sind oder nicht, denn das Damoklesschwert der Budgetkürzung bei Nichterfüllung der Planzahlen hängt immer über der Hochschulleitung.
Und MC Test Computerauswertung hatte ich in Nordamerika schon Anfang der 90iger. Über die Aussagekraft kann man jedoch streiten.
Zitat: '"Eine deutsche Arbeit über Thomas Mann kann ja überhaupt kein Inder korrigieren" , "Genies würden durch die Prüfungen fliegen, nur weil die Assistenten in Fernost den Lösungsweg nicht kennen."
An Arroganz nicht zu überbieten.'
Das ist nicht arrogant, sondern realistisch, was auch jeder versteht, der an der uni eine Weile gelehrt, bzw. Arbeiten korrigiert hat.
Das Outsourcen von intellektuellen Leistungen nach Indien oder sonstwohin ist nur schwer machbar. Es gibt kulturelle Unterschiede und die kann man nicht ignorieren.
Auch in der Wirtschaft mussten manche Firmen schon erfahren, dass ihr Service sich als nicht nach Indien übertragbar erwies. Ein großer amerikanischer Computerhersteller musste seinen Service zum Teil wieder in die USA zurückhohlen, weil die indischen Mitarbeiter des Outsourceunternehmens allzu häufig nur 'Bahnhof' verstanden. Ich selbst hatte neulich erst grosse Mühe mit einem bulgarischen Radebrech das technische Problem eines Notebooks zu erörtern. Und solchen Leuten will man philosophische Arbeiten korrigieren lassen?
@7
> Einfach die selben Arbeitsbedingungen wie in Nordamerika
> schaffen (Anwesenheitspflicht 9 -5 jeden Tag, normalerw.
> 50 -70 h/Woche.
Ich weiß nicht genau, wo Sie Ihre Beobachtungen über Professoren machen. Aber bei meinem Prof laufen 50 Stunden pro Woche unter Urlaub.
Zur Betreuung der Lehre kommt er deshalb nur unzureichend, weil er seine Arbeitszeit für Gremien und das Einwerben von Drittmitteln verheizen muss. Ohne Drittmittel in Deutschland kein Personal im Mittelbau und ohne dieses keine Forschung und Lehre.
Etwas mehr Grundfinanzierung statt Exzellenzinitiativen (= Füllen von Aktenordnern statt Forschung und Lehre), würde mit Sicherheit mehr helfen als Professorenschelte.
natürlich gibt s "schwarze Schafe" unter den Profs und Assistenten, aber: Als ehemalige Post-Doc-Assistent habe ich 100 Klausuren vgl den Examensprüfungen in einer vollen 5-Tages-Woche Fulltime korrigiert. Diese Zeit ist einfach erforderlich, um dem Studenten ein transparentes, objektives, valides udn reliable Ergebnis präsentieren zu können; moralisch, ethisch und rechtlich. Un dann musste mein Prof all dies genehmigen. Und das ist wirklich immens stressig neben von mir anspruchsvollen zu haltender Lehre.
Von Outspurching halte ich ebenso wie von MC-Test so rein gar nichts. Die Universität ist ein Raum der freien Gedanken, die ein MC nicht gewährleistet. Wenn beider Korrektur mir etwas "abberantes" auffiel, dann habe ich mit dem Kandidaten einen Besprechungstermin vereinbart, mit ihm die Prüfung erörtert, in dem er mich in einem Diskurs-Gespräch fachlich und objektiv überzeugen konnte,ein Protokoll angefertigt, ihm dies lesen und unterzeichnen lassen udn bin dann zu meinem Vorgesetzten zur Besprechung damit gegangen um die finale Benotung vorzunehmen. Das bedeute für mich Fairness, Menschlichkeit udn Barmherzigkeit. keinesfalls führte dies zur "laxen" Prüferei, denn die Prüfungen waren (fair) anspruchsvoll; denn einige fielen einige durch.
Zitat: '"Eine deutsche Arbeit über Thomas Mann kann ja überhaupt kein Inder korrigieren" , "Genies würden durch die Prüfungen fliegen, nur weil die Assistenten in Fernost den Lösungsweg nicht kennen."
An Arroganz nicht zu überbieten.'
Das ist nicht arrogant, sondern realistisch, was auch jeder versteht, der an der uni eine Weile gelehrt, bzw. Arbeiten korrigiert hat.
Das Outsourcen von intellektuellen Leistungen nach Indien oder sonstwohin ist nur schwer machbar. Es gibt kulturelle Unterschiede und die kann man nicht ignorieren.
Auch in der Wirtschaft mussten manche Firmen schon erfahren, dass ihr Service sich als nicht nach Indien übertragbar erwies. Ein großer amerikanischer Computerhersteller musste seinen Service zum Teil wieder in die USA zurückhohlen, weil die indischen Mitarbeiter des Outsourceunternehmens allzu häufig nur 'Bahnhof' verstanden. Ich selbst hatte neulich erst grosse Mühe mit einem bulgarischen Radebrech das technische Problem eines Notebooks zu erörtern. Und solchen Leuten will man philosophische Arbeiten korrigieren lassen?
@7
> Einfach die selben Arbeitsbedingungen wie in Nordamerika
> schaffen (Anwesenheitspflicht 9 -5 jeden Tag, normalerw.
> 50 -70 h/Woche.
Ich weiß nicht genau, wo Sie Ihre Beobachtungen über Professoren machen. Aber bei meinem Prof laufen 50 Stunden pro Woche unter Urlaub.
Zur Betreuung der Lehre kommt er deshalb nur unzureichend, weil er seine Arbeitszeit für Gremien und das Einwerben von Drittmitteln verheizen muss. Ohne Drittmittel in Deutschland kein Personal im Mittelbau und ohne dieses keine Forschung und Lehre.
Etwas mehr Grundfinanzierung statt Exzellenzinitiativen (= Füllen von Aktenordnern statt Forschung und Lehre), würde mit Sicherheit mehr helfen als Professorenschelte.
natürlich gibt s "schwarze Schafe" unter den Profs und Assistenten, aber: Als ehemalige Post-Doc-Assistent habe ich 100 Klausuren vgl den Examensprüfungen in einer vollen 5-Tages-Woche Fulltime korrigiert. Diese Zeit ist einfach erforderlich, um dem Studenten ein transparentes, objektives, valides udn reliable Ergebnis präsentieren zu können; moralisch, ethisch und rechtlich. Un dann musste mein Prof all dies genehmigen. Und das ist wirklich immens stressig neben von mir anspruchsvollen zu haltender Lehre.
Von Outspurching halte ich ebenso wie von MC-Test so rein gar nichts. Die Universität ist ein Raum der freien Gedanken, die ein MC nicht gewährleistet. Wenn beider Korrektur mir etwas "abberantes" auffiel, dann habe ich mit dem Kandidaten einen Besprechungstermin vereinbart, mit ihm die Prüfung erörtert, in dem er mich in einem Diskurs-Gespräch fachlich und objektiv überzeugen konnte,ein Protokoll angefertigt, ihm dies lesen und unterzeichnen lassen udn bin dann zu meinem Vorgesetzten zur Besprechung damit gegangen um die finale Benotung vorzunehmen. Das bedeute für mich Fairness, Menschlichkeit udn Barmherzigkeit. keinesfalls führte dies zur "laxen" Prüferei, denn die Prüfungen waren (fair) anspruchsvoll; denn einige fielen einige durch.
Mir ist als (Zweit-)Studentin mit reichlich Prüfungserfahrung unterschiedlichster Form nicht klar, warum Multiple Choice Tests *Ursache* dafür sein sollten, dass Studenten weniger denken und Anlass, den Tod der Universität als kulturelle Einrichtung zu prophezeihen: Es entscheidet doch jeder Studierende eigenverantwortlich, wie er lernt, wie tief er gedanklich in den Stoff eindringt und wie kritisch er ihn hinterfragt. Die Prüfungsform schränkt ihn beim Lernen doch kein bisschen ein. Umgekehrt kann jemand, der den Stoff durchdringt, MC-Fragen problemlos beantworten. So what? MC-Tests sind im übrigen ja nicht die einzige Form des Leistungsnachweises: Die Bachelor-Regelungen schreiben verschiedene Prüfungsformen vor, Klausuren stellen nur einen mehr oder weniger großen Anteil dar. Wer eingehend denkt, aber außerdem wünscht, dass sein Denken auch von anderen zur Kenntnis genommen wird und Beachtung erfährt, der hat ja die Gelegenheit, sich in Seminaren mündlich stark zu beteiligen und beim Anfertigen von Referaten, Haus- und Bachelor-Arbeiten mit seinem Geist zu brillieren. MC-Tests garantieren auf der anderen Seite gerade in Fächern, die ansonsten stark von Rhetorik geprägt sind, dass neben Formulierkunst auch Wissen eine Rolle spielt, und dass dieses objektiv gemessen wird. Ein nicht zu verachtender Aspekt, meine ich.
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