Er war ja nie wirklich weg. Trotz der europäischen Studienreform, trotz neuer Abschlüsse als Bachelor und Master. Im Oktober feiert der Diplom-Ingenieur sogar seinen 111. Geburtstag, und nachdem er, Bologna sei Dank, in letzter Zeit etwas in der Versenkung verschwunden war, soll ihm nun neue Ehre zuteil werden.

"Man könnte jetzt denken, 111 Jahre sind genug", sagt Ernst Schmachtenberg. "Aber bei einem Daimler reißen sie ja auch nicht den Stern ab und schreiben nur noch 'Auto' drauf." Schmachtenberg ist Präsident der RWTH Aachen und steht den TU9 vor, den neun führenden Technischen Universitäten in Deutschland. Diese fordern schon seit einigen Monaten, dass Absolventen wieder den Grad des Diplom-Ingenieurs erlangen können. Der deutsche Diplom-Ingenieur sei eben international hoch angesehen, ein Markenzeichen.

Unterstützung dafür kommt jetzt von der Bundesbildungsministerin Annette Schavan. "Der Titel des Dipl.-Ing. hat weltweit einen guten Klang. Es ist ein Zeichen des Selbstbewusstseins der Universitäten, wenn sie an diesem Titel festhalten wollen."

Ist die Studienreform, mit großen organisatorischen Schwierigkeiten umgesetzt, nun in Gefahr? Nein, so sei es nicht gedacht, sagt Schmachtenberg. "Die neue Studienstruktur mit Bachelor und Master wollen wir erhalten." Aber wenn die so erlangte Qualifikation gleichwertig sei mit dem früheren Diplom-Ingenieur, dann solle das offiziell anerkannt und der Dipl.-Ing. gemeinsam mit dem Master bescheinigt werden.

Manchen reicht das nicht. Der künftige Rektor der TU Dresden, Hans Müller-Steinhagen, will sogar wieder fünfjährige Diplomstudiengänge einführen. Die sollen aber die Bachelor- und Masterstudiengänge nicht beschneiden, sondern lediglich parallel laufen. Zum Wintersemester startet die Hochschule einen neuen Diplomstudiengang Informatik. Das sächsische Hochschulgesetz lässt das als einziges in Deutschland zu.