Promotionsrecht Doktormacher auf Bewährung
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Doktorarbeiten in Zusammenarbeit mit staatlichen Hochschulen

Gegenüber rund hundert staatlichen Universitäten in Deutschland haben bislang nicht mehr als zehn private Hochschulen Promotionsrecht. Wie im Falle der Uni Witten-Herdecke stammt es meist aus der Zeit, bevor die Kultusminister den Wissenschaftsrat 2004 zum Oberaufseher beriefen. In seinen Prüfgremien sitzen nach wie vor praktisch nur Professoren im Staatsdienst – schon deshalb, weil es in der ganzen Fächerbreite eben noch gar nicht so viele private Kollegen gibt. Offiziell bilden die staatlichen Hochschulen sogar den "Bezugsrahmen" zur Beurteilung der privaten Wettbewerber.

Im Mai hat der Wissenschaftsrat seine Leitlinien für Promotionen bei der privaten Konkurrenz misstrauisch präzisiert: Zunächst, zumindest für drei Jahre, sollen Doktorarbeiten nur in Zusammenarbeit mit staatlichen Unis möglich sein. Damit werden Privat-Unis praktisch Fachhochschulen gleichgestellt. Doch lehren etwa an der Hertie School bekannte Professoren, die zuvor im Staatsdienst schon etliche Doktoranden zum Erfolg geführt haben.

Das eigene Promotionsrecht nach der mehrjährigen Bewährung soll je nachdem nur für einzelne Fachbereiche der Hochschule gelten und nur befristet bis zum nächsten akademischen TÜV. Einen solchen Vorschlag hat bereits der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Matthias Kleinert, gemacht, allerdings für alle Universitäten. Das ist den Gelehrten im Wissenschaftsrat aber offenbar zu viel.

Die staatlichen Universitäten verteidigen ihr exklusives Promotionsrecht seit fast 120 Jahren. Eine erste Niederlage steckten sie zwischen 1899 und 1901 gegenüber dem Dr.-Ing. der technischen Hochschulen ein. Seit Jahrzehnten verhindern die Unis den flächendeckenden Dr. (FH); die aktuelle schwarz-grüne Regierungskoalition in Hamburg plant hingegen einen ersten praktischen Versuch. So erscheint auch der hinhaltende Widerstand gegen den Doktor der privaten Hochschulen lediglich als eine Frage der Zeit.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Das wird allerhöchste Zeit, dass die Universitäten das Promotionsmonopol verlieren. Zu oft wurde dieses alleinige Promotionsrecht von Universitätsprofessoren missbraucht. So werden auf einmal Forderungen an externe Doktoranden gestellt, die mit den fachlichen Anforderungen überhaupt nichts zu tun haben. Doktoranden sind häufig der Willkür und Selbstherrlichkeit vieler Professoren hilflos ausgeliefert.

    Beispielsweise verlangen Universitäten in Baden-Württemberg von externen Doktoranden, dass diese unentgeltlich an der Universität Praktika und Übungen betreuen.

    Ich selbst habe meine Dissertation in Physik an einem Fraunhofer-Institut (immerhin auch staatliche Forschung) absolviert. Aus genau dem oben genannten Grund wurde dann meine Doktorarbeit von einer Österreichischen Universität betreut, da diese Praxis in meinen Augen und in den Augen meines Chefs am Fraunhofer-Institut eine schlichte Unverschämtheit war.

    Viele weitere Freunde und Bekannte haben ebenfalls Schwierigkeiten mit selbstherrlichen Professoren gehabt. Daher ist es nur zu begrüssen, wenn den Professoren dieser Hebel zum Machtmissbrauch genommen wird.

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    • lepkeb
    • 08.09.2010 um 13:55 Uhr

    zu ihrer Aussage Monopolstellung, die wird nicht kippen, das haben wie geschrieben die s.g. Hochschule ehemals Fachhochschulen auch schon probiert.

    Aber hier irrt der Autor
    "Dr. (FH); die aktuelle schwarz-grüne Regierungskoalition in Hamburg plant hingegen einen ersten praktischen Versuch."

    Den gab es schon im Osten in Sachsen-Anhalt. Hat dort nicht funktioniert.

    Ich sehe jedoch die Gefahr das private Unis, Titel dann für Geld verteilen und seien wir mal ehrlich in D-land gibt es doch schon eine Promotionsschwemme, der Dotor ist doch das Diplom der 80iger Jahre, man müsste langsam einen Super Doktor einführen.
    An meiner Alma Mater in Canada, wie man in D-land sagen würde eine "Eliteuni", was auch immer das sein soll, wurden in 8 Jahren 12 Leute am FB promoviert. Allein im letzten Jahr habe ich an einer nordeutschen Uni 20 Doktorandenstellen im selben Fachgebiet ausgeschrieben gesehen, und dieses Jahr das Selbe. Was da an Erkenntnisgewinn oder Contribution to Knowledge produziert wird, ist mir Schleierhaft.

    Ich glaube es geht auch nicht um Vorrechte im allgemeinen, sondern die Angst billige worker bees zu verlieren. Denn viele Profs. unterhalten doch private Büros nebenher, über die die Forschungsprojekte abgewickelt werden, und die schliessen dann Discountverträge mit sich selbst als Uni-Angestellter ab, haben dann billigst Doktoranden oftmals noch über eine Graduiertenstipendium finanziert und fahren so einen schönen Nebenverdienst ein.

    • lepkeb
    • 08.09.2010 um 13:55 Uhr

    zu ihrer Aussage Monopolstellung, die wird nicht kippen, das haben wie geschrieben die s.g. Hochschule ehemals Fachhochschulen auch schon probiert.

    Aber hier irrt der Autor
    "Dr. (FH); die aktuelle schwarz-grüne Regierungskoalition in Hamburg plant hingegen einen ersten praktischen Versuch."

    Den gab es schon im Osten in Sachsen-Anhalt. Hat dort nicht funktioniert.

    Ich sehe jedoch die Gefahr das private Unis, Titel dann für Geld verteilen und seien wir mal ehrlich in D-land gibt es doch schon eine Promotionsschwemme, der Dotor ist doch das Diplom der 80iger Jahre, man müsste langsam einen Super Doktor einführen.
    An meiner Alma Mater in Canada, wie man in D-land sagen würde eine "Eliteuni", was auch immer das sein soll, wurden in 8 Jahren 12 Leute am FB promoviert. Allein im letzten Jahr habe ich an einer nordeutschen Uni 20 Doktorandenstellen im selben Fachgebiet ausgeschrieben gesehen, und dieses Jahr das Selbe. Was da an Erkenntnisgewinn oder Contribution to Knowledge produziert wird, ist mir Schleierhaft.

    Ich glaube es geht auch nicht um Vorrechte im allgemeinen, sondern die Angst billige worker bees zu verlieren. Denn viele Profs. unterhalten doch private Büros nebenher, über die die Forschungsprojekte abgewickelt werden, und die schliessen dann Discountverträge mit sich selbst als Uni-Angestellter ab, haben dann billigst Doktoranden oftmals noch über eine Graduiertenstipendium finanziert und fahren so einen schönen Nebenverdienst ein.

  2. ...dass sich die deutschen Universitäten dagegen sträuben, die Vergabe des Doktortitels nicht aus der Hand zu geben. Schließlich ist es ein akademischer Grad, zu dessen Renommee sie seit Jahrhunderten maßgeblich beigetragen haben.
    Warum sollten sie sich dann von irgend welchen dahergelaufenen privaten Institutionen hier das Ruder aus der Hand nehmen lassen. Darunter kann die Qualität des Abschlusses eigentlich nur leiden.

    Sollen die privaten Einrichtungen doch selbst ein solches "Premiumprodkt" entwickeln und am Markt etablieren.

    • lepkeb
    • 08.09.2010 um 13:55 Uhr

    zu ihrer Aussage Monopolstellung, die wird nicht kippen, das haben wie geschrieben die s.g. Hochschule ehemals Fachhochschulen auch schon probiert.

    Aber hier irrt der Autor
    "Dr. (FH); die aktuelle schwarz-grüne Regierungskoalition in Hamburg plant hingegen einen ersten praktischen Versuch."

    Den gab es schon im Osten in Sachsen-Anhalt. Hat dort nicht funktioniert.

    Ich sehe jedoch die Gefahr das private Unis, Titel dann für Geld verteilen und seien wir mal ehrlich in D-land gibt es doch schon eine Promotionsschwemme, der Dotor ist doch das Diplom der 80iger Jahre, man müsste langsam einen Super Doktor einführen.
    An meiner Alma Mater in Canada, wie man in D-land sagen würde eine "Eliteuni", was auch immer das sein soll, wurden in 8 Jahren 12 Leute am FB promoviert. Allein im letzten Jahr habe ich an einer nordeutschen Uni 20 Doktorandenstellen im selben Fachgebiet ausgeschrieben gesehen, und dieses Jahr das Selbe. Was da an Erkenntnisgewinn oder Contribution to Knowledge produziert wird, ist mir Schleierhaft.

    Ich glaube es geht auch nicht um Vorrechte im allgemeinen, sondern die Angst billige worker bees zu verlieren. Denn viele Profs. unterhalten doch private Büros nebenher, über die die Forschungsprojekte abgewickelt werden, und die schliessen dann Discountverträge mit sich selbst als Uni-Angestellter ab, haben dann billigst Doktoranden oftmals noch über eine Graduiertenstipendium finanziert und fahren so einen schönen Nebenverdienst ein.

  3. Freier Autor

    Kommentator 3 sagt: "Den Dr. (FH) hab es schon Sachsen-Anhalt. Hat dort nicht funktioniert."
    Genau genommen bezieht sich die Feststellung darauf, dass das zuständige Ministerium lt. LANDESGESETZ der FH das Promotionsrecht durch RECHTSVERORDNUNG verleihen kann. Zu dieser Rechtsverordnung ist es aber nie gekommen. (Ähnlich könnte in Bremen die Landesregierung der FH das Promovieren erlauben - bisher ist das unterblieben.) Anders, wie gesagt, die schwarz-grüne Regierung in Hamburg: Sie will lt. Koalitionsvertrag der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) das Promotionsrecht für einen konkreten Versuch einräumen.

  4. ...sind fortan sämtliche akademische Titel in D. potentiell wertlos. Schlimm genug, dass es private Hochschulen gibt, an denen man sich akademische Grade quasi kaufen kann. (Jetzt kommt mir nicht mit individueller Förderung und selbstredend höchstbegabten Studenten dort). --> Wer 40k für ein Studium hinblättert, der erwartet wohl auch einen Abschluss und ist wohl eher Kunde denn Student.

    Privatisierung ist echt eine Seuche.

  5. "Zunächst, zumindest für drei Jahre, sollen Doktorarbeiten nur in Zusammenarbeit mit staatlichen Unis möglich sein. Damit werden Privat-Unis praktisch Fachhochschulen gleichgestellt. Doch lehren etwa an der Hertie School bekannte Professoren, die zuvor im Staatsdienst schon etliche Doktoranden zum Erfolg geführt haben."

    Wenn die Frage der Kontrolle darauf beruht ob man in der Materie steckt und Erfolg hat mit dem was man tut (ob dem Genüge getan ist, dass jemand einen bestimmten Abschluss bekommt sei mal dahingestellt), dann bräuchte man ja niemanden mehr zu kontrollieren.

    Klar die Platzhirsche werden sich ihr Revier nicht kampflos abnehmen lassen. Aber das Behörden oftmals nicht nachvollziehbare Hürden aufstellen ist ja nichts neues. Damit sollte man sich langsam mal abgefunden haben, wie alle anderen auch und nicht so tun, als müsste sich was ändern, nur weil man sich für was besseres hält.

    Ziel privater Bildungseinrichtungen ist es doch sich mit staatlicher Legitimation ein privilegiertes Klientel zu sichern, um es von dem Rest der Gesellschaft abzuschotten, wenn es das nicht ohnehin schon war und für amerikanische Verhältnisse in der Bildung zu Sorgen. Wenn es darauf hinausläuft, dann kann es gar nicht genug Kontrolle geben.

  6. Freier Autor

    Zu Kommentar 6: Man sollte bei den privaten Hochschulen fairerweise mit in Betracht ziehen, dass sie sich typischerweise nicht an Privatiers, Töchter und Söhne der happy few mit dickem Geldbeutel, wenden, vielmehr berufsbegleitende WEITERBILDUNG anbieten, die oft der Arbeitgeber in seiner Personalentwicklung (mit)bezahlt.Ein besonderes Beispiel dafür ist die Steinbeis Hochschule in Berlin. Sie hat Promotionsrecht, wobei sich gleich die im Art. angedeutete Paradoxie einstellt, dass dieselbe Landesbehörde dieses Recht der Deutschen Universität für Weiterbildung (noch) vorenthält.
    Im übrigen ist die wiss. Weiterbildung ja ein Feld, dass die staatl. Universitäten nicht nur wegen der unverzüglichen Abiturientenversorgung vernachlässigen; die Prof.s im Staatsdienst machen vielmehr lieber berufsbegleitende Weiterbildung als NEBENTÄTIGKEIT für gutes Honorar bei den Privathochschulen. Der frühere sächsiche Wiss.minister Meyer hat vergeblich versucht, die Weiterbildung zur normalen Dienstaufgabe der Uniprofs zu machen.

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    "Man sollte ... in Betracht ziehen, dass sie sich ... nicht an ... happy few mit dickem Geldbeutel, wenden, vielmehr berufsbegleitende WEITERBILDUNG anbieten, die oft der Arbeitgeber in seiner Personalentwicklung (mit)bezahlt."

    Naja, jemanden der ein abgeschlossenes Studium hinter sich hat und einen solchen Arbeitgeber findet, der ihn bei dieser Weiterbildung unterstützt und eigentlich den ganzen Werdegang im Bildungssystem so konsequent gehen konnte und deshalb auch viele Gönner (finanzieller oder anderer Natur) haben musste, würde ich schon zu den happy few zählen. Das für ein Honorar zu einer Privatveranstalung zu machen verstärkt den Trend sogar noch und eben weil es ab einem gewissen Punkt ein Selbstläufer ist, ist es vieleicht auch kein Beinbruch, das nicht zum Teil des Regelbetriebs zu machen, denn das Problem ist doch eigentlich nicht die wissenschaftliche Weiterbildung, sondern erstmal den Grundstock dafür durch unverzüglichen Abiturientenversorgung dafür zu schaffen, was obwohl es vorrangige Aufgabe sein soll, im internationalen Vegleich gerade in Deutschland wie es jüngste Studien zeigen nicht gut genug gelingt.

    "Man sollte ... in Betracht ziehen, dass sie sich ... nicht an ... happy few mit dickem Geldbeutel, wenden, vielmehr berufsbegleitende WEITERBILDUNG anbieten, die oft der Arbeitgeber in seiner Personalentwicklung (mit)bezahlt."

    Naja, jemanden der ein abgeschlossenes Studium hinter sich hat und einen solchen Arbeitgeber findet, der ihn bei dieser Weiterbildung unterstützt und eigentlich den ganzen Werdegang im Bildungssystem so konsequent gehen konnte und deshalb auch viele Gönner (finanzieller oder anderer Natur) haben musste, würde ich schon zu den happy few zählen. Das für ein Honorar zu einer Privatveranstalung zu machen verstärkt den Trend sogar noch und eben weil es ab einem gewissen Punkt ein Selbstläufer ist, ist es vieleicht auch kein Beinbruch, das nicht zum Teil des Regelbetriebs zu machen, denn das Problem ist doch eigentlich nicht die wissenschaftliche Weiterbildung, sondern erstmal den Grundstock dafür durch unverzüglichen Abiturientenversorgung dafür zu schaffen, was obwohl es vorrangige Aufgabe sein soll, im internationalen Vegleich gerade in Deutschland wie es jüngste Studien zeigen nicht gut genug gelingt.

  7. Ich halte es für grundlegend falsch, dass noch mehr Professoren ein Promotionsrecht bekommen und noch mehr Studenten eine Promotion anstreben, die in FH, dualer Hochschule, FOM, usw. gar nicht für wissenschaftliche Arbeit vorbereitet wurden (ist ja nicht ihre Aufgabe). Stattdessen ginge mein Denken in eine andere Richtung: Ich wünsche mir eine flächendenkende Einführung von Graduiertenkollegs, in denen die Doktoranden ein fundiertes Promotionsstudium bekommen und von einer Gruppe Professoren betreut wird, die dazu ein Regeldebütat hat (also nicht "mal nebenher noch ein paar externe Doktoranden betreuen..."). Wenn ein Doktorand dann noch für einen Prof arbeitet, dann nur um dort sein Geld zu verdienen wie auf anderen Wegen auch. Nicht um den Prof dazu zu bringen, ihn für eine Promotion überhaupt in Betracht zu ziehen.
    Dadurch würde Unabhängigkeit geschaffen und das Niveau von Promotionen wieder gesteigert. Dass es vielleicht weniger Promotionen gäbe, weil diese länger dauern und die Hürden höher sind, wäre nur richtig: Je weniger Promotionen nur für einen besseren Berufeinstieg gemacht werden, desto besser!

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