Nordrhein-Westfalen Mehr Steuergelder für alle Unis

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will die Studiengebühren abschaffen. Davon profitieren die Unis, die gar keine Gebühren erhoben haben. Von Meike Fries

Die neue rot-grüne Regierung in Nordrhein-Westfalen will ihr Wahlversprechen halten, die Studiengebühren wieder abzuschaffen. Diese seien sozial nicht gerecht und hielten Kinder aus schlechter gestellten Familien vom Studium ab, hieß es zur Begründung. Am Dienstag war ein entsprechender Gesetzentwurf verabschiedet worden.

Erkannt hat man gleichwohl, dass die Hochschulen auf die zusätzlichen Mittel nicht verzichten können. Um die bislang erzielten Verbesserungen in der Lehre nicht zu gefährden, soll es 249 Millionen Euro aus der Landeskasse geben. Das Geld soll auf alle öffentlichen Hochschulen verteilt werden. Wie viel Geld jede Uni bekommt, richtet sich nach der Anzahl der in der Regelstudienzeit immatrikulierten Studenten. Von den sogenannten Kompensationszahlungen profitieren damit auch diejenigen, deren Haushaltslage es zuließ, die Studenten zu verschonen oder die schlicht die Auseinandersetzung scheuten. 5 von 36 nordrhein-westfälischen Hochschulen verlangen aktuell keine Beiträge.

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Die Kunsthochschule für Medien in Köln erhebt keine Gebühren, erhält bald aber zusätzliches Geld vom Staat. "Natürlich freuen wir uns über das Geld", sagt Kanzler Heiner Simons. "Wir sind sicherlich genauso berechtigt wie andere Hochschulen, davon etwas zu bekommen. Die Studienbedingungen sind überall verbesserungsfähig." Warum erhebt die Kölner Kunsthochschule dann keine Studiengebühren? "Wir haben uns nach sehr kontroversen Diskussionen dagegen entschieden. Der wichtigste Grund war, dass unsere Studenten für ihre Projektarbeiten zum Beispiel im Bereich Film ohnehin schon viel eigenes Geld investieren", sagt Simons. Für die Zukunft spreche nichts dagegen, diese Investitionen mit Steuergeldern ganz oder teilweise zu ersetzen. "Wir wissen mit dem Geld vom Land schon Sinnvolles anzufangen."

Die Universität Köln hingegen erhebt Studiengebühren, seit dies erlaubt ist. Rektor Axel Freimuth ist zunächst einmal froh, dass die Politik die fehlenden Gelder weitgehend ersetzt. "Mittlerweile hat sich bei allen Parteien zum Glück die Erkenntnis durchgesetzt, dass man in Bildung investieren muss und dass die Unis mit den Studiengebühren Sinnvolles angefangen haben."

Für die Abschaffung der Gebühren hat er aber überhaupt kein Verständnis. "Dass sich die soziale Selektivität beim Hochschulzugang dadurch entschärfen lässt, glaube ich überhaupt nicht. Ich halte es auch nicht für sinnvoll, jetzt einen Staatskredit für die Kompensationszahlungen aufzunehmen, für den die junge Generation mit Zins und Zinseszins aufkommen muss. Das Geld wäre besser investiert in Bildung und Förderung in einem früheren Lebensalter, wenn man die soziale Selektion noch beeinflussen kann." Auch habe sich durch die Gebühren eine neue Kultur des Dialogs zwischen Lehrenden und Lernenden entwickelt. "So etwas kriegen sie über eine staatliche Regelung nicht hin."

Leser-Kommentare
    • Pyr
    • 03.09.2010 um 18:03 Uhr

    Besonders in NRW haben Studierende trotz der hohen Gebühren ein umfassendes Mitbestimmungsrecht durch die Studiengebühren. An der RWTH Aachen kann beispielsweise kein Cent aus Studiengebühren ausgegeben werden, ohne dass ein entsprechendes Gremium zustimmt, in welchem die Studierenden die absolute Stimmmehrheit haben.

    Es wäre wünschenswert, wenn auch in Zukunft die Gebühren über diese Gremien verteilt würden. Die Studierenden können nämlich am besten beurteilen, ob gewisse Maßnahmen wirklich der Verbesserung der Lehre dienen. Das spart letzlich jedem Steuerzahler Geld. Es gilt zu verhindern, dass die Universitäten das jetzt wieder selbst in die Hand nehmen und (mal wieder) selbstverständliche Leistungen wie Heizkosten über diese neuen Gelder abgewickelt werden.

    Immerhin sind die Gelder laut Gesetzesentwurf ebenfalls zweckgebunden. Es bleibt zu hoffen, dass die Unis hier keine krumme Tour versuchen und die Mitbestimmung wieder abschaffen.

  1. Das Problem ist einfach, dass die entsprechenden Politiker (CDU, FDP) es verpasst haben, die Argumente, die FÜR Studiengebühren sprechen, öffentl. einzubringen. Nun haben eben diejenigen die Debatte geführt, die am lautesten schreien. Wo waren die TV-Talkshows und Zeitungsberichte zum Thema Studiengebühren Argumente und Daten "pro & Contra?"

    Falls valide Zahlen vorliegen, dass vor Einführung (und nach Abschaffung) der Studiengebühren mehr sog. Bildungsferne studieren, will ich der rot-grünen Regierung ihr Argument ja gerne glauben. Trotzdem wird es einfach frustrierend, wenn hier Finanzierung letztlich nur auf Pump betrieben werden sollte - war da nicht mal was mit Raus aus den Staatsschulden?

    Das Problem an der schwarzweiß statt schwarzgrün geführten Debatte ist, dass sie sich kaum über den eigenen ideologischen Graben hinaus wagen brauchte. Dass Studierende zu ihrer Ausbildung einen Beitrag leisten, ist im Prinzip völlig angemessen und international die Regel.

    Falls Studiengebühren unsozial sind, wäre die logische Konsequenz nicht, sie einfach loszuwerden, sondern darüber nachzudenken, wie man sie sozialer machen kann. Warum soll sich der Beitrag z.B. nicht nach dem soz. Hintergrund richten? warum sollen alle Studiengänge gleich viel bezahlen? Die Ausbildung des Physikers ist teurer als die des Linguisten und eröffnet ihm zudem später mehr Verdienstmögilchkeiten.

    Für diese Debatte war man wohl zu faul. Jetzt hat letztlich der Steuerzahler das Problem an der Backe.

  2. Das suggeriert doch, dass das Land NRW mit den eingenommenen Steuergeldern die Ausgaben für Unis bezahlen könnte.
    Tatsächlich werden diese Ausgaben natürlich durch neue Schulden finanziert. Das Land NRW hat bereits ca. 120 Milliarden Schulden.
    Die 37 Milliarden Steuereinnahmen in 2010 werden bereits heute zu 75% für Verwaltung, Personal und Zinsen ausgegeben. Der Investitionsanteil von 5.5 Milliaren ist verschwindend gering (kleiner als die Nettokreditaufnahme). Das heißt die Kinder zahlen für den Konsum von heute, nicht für Güter, die ihnen morgen noch zur Verfügung stehen.
    Die Nettokreditaufnahme beträgt ohne Studiengebühren bereits 6.6 Milliarden. Da kommt jetzt also noch eine Viertelmilliarde oben drauf.

    Ich kann da nur alle Studierende vor falscher Freude bewahren. Sie dürfen das sobald sie arbeiten zurückzahlen. Progression und Zinsen werden dafür sorgen, dass sie am Ende wahrscheinlich wesentlich mehr für ihre Ausbildung bezahlen.
    Strengen Sie sich an, wir brauchen ihre starken Schultern.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ausserhalb der vernünftigen Reihe.

    Mit Speck fängt man Mäuse und wenn man viele viele hochqualifizierte Akedamiker haben möchte sollte man mit der Steuern- und Abgaben-"Wegelagerei" doch bitte bis nach dem erfolgreichen Studienabschluss und (erfolgreichem?) Berufseintritt warten. Und nicht schon versuchen während des Studiums die Studenten zu melken.

    Solche Schüsse gehen bekanntlich immer nach hinten los.

    ausserhalb der vernünftigen Reihe.

    Mit Speck fängt man Mäuse und wenn man viele viele hochqualifizierte Akedamiker haben möchte sollte man mit der Steuern- und Abgaben-"Wegelagerei" doch bitte bis nach dem erfolgreichen Studienabschluss und (erfolgreichem?) Berufseintritt warten. Und nicht schon versuchen während des Studiums die Studenten zu melken.

    Solche Schüsse gehen bekanntlich immer nach hinten los.

  3. ausserhalb der vernünftigen Reihe.

    Mit Speck fängt man Mäuse und wenn man viele viele hochqualifizierte Akedamiker haben möchte sollte man mit der Steuern- und Abgaben-"Wegelagerei" doch bitte bis nach dem erfolgreichen Studienabschluss und (erfolgreichem?) Berufseintritt warten. Und nicht schon versuchen während des Studiums die Studenten zu melken.

    Solche Schüsse gehen bekanntlich immer nach hinten los.

  4. Hallo Frank 12 13
    Falls ich mich nicht im Land täusche, hatte dort vor kurzem die Regierung gewechselt.
    Frau Kraft muss jetzt erst einmal ihre Wahlversprechen einhalten. Und da Bildung ganz oben stand, auf ihrer Liste, ist das eine klare Konsequenz, das kann man sogar verstehen.
    Was machen da die leppischen, was schrieben Sie da 120 Mrd. , die fehlen?
    Da kann man doch in allen Städten, wie in Düsseldorf, die Stadtwerke verkaufen.
    Wenn sich dann alle wundern, warum es soviel Atomenergie gibt, ist zumindest das Studienproblem gelöst, oder verändert.

    Sie verunsichern nur die Studenten, mit Ihren Zahlen.
    Aber recht haben Sie natürlich.

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