Evangelische Kirche : Unbeliebtes Theologiestudium

Die evangelische Kirche hat Nachwuchssorgen: Die Zahl der Studenten der evangelischen Theologie ist seit Anfang der neunziger Jahre drastisch zurückgegangen.

10 bis 15 Jahre geht es vielleicht noch gut, dann aber droht ein deutschlandweiter Mangel an Seelsorgern, fürchtet der Verband evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer . Denn die Zahl der jungen Menschen, die Pastor werden wollen, sinkt seit Jahren stetig: 1992 hätten noch 8500 junge Menschen für das evangelische Pfarramt studiert, derzeit seien es nur noch 2300, sagte der Verbandsvorsitzende Klaus Weber. Von 2020 an würden starke Pfarrer-Jahrgänge in den Ruhestand treten.

Nicht nur die Zahl der Anwärter sinkt, gleichzeitig geht auch die Zahl der Mitglieder der evangelischen Kirchen zurück. Diese werden Schätzungen zufolge 2030 ein Drittel weniger Mitglieder haben als heute, sagte Weber. Deshalb würden bereits Pfarrstellen abgebaut. Schon jetzt seien etwa in Mecklenburg-Vorpommern Pfarrer für Dutzende Gemeinden zuständig. Der wichtige persönliche Kontakt reiße ab. Die Kirche setzt immer mehr ehrenamtliche Mitarbeiter ein, die Gottesdienste halten.

Gleichzeitig wachsen die Anforderungen an die Pfarrer, sagte Weber. Um die Herausforderungen bewältigen zu können, müssten die Seelsorger Schwerpunkte setzen. Diese seien für ihn nach wie vor liebevoll vorbereitete Gottesdienste und die Begleitung von Menschen an den Wendepunkten ihres Lebens wie Taufe, Konfirmation oder Trauung. "Es gibt keine andere Berufsgruppe, denen die Türen der Häuser noch so offen stehen."

Weber kritisierte aber auch, er vermisse das Engagement, um neue Wege zu den Menschen zu finden. Es sei auch nicht zu erkennen, dass in den Landeskirchen viel Mühe in den Aufbau finanziell tragfähiger Strukturen investiert werde.

Vom 20. bis 22. September treffen sich in Rostock mehr als 400 Theologen beim Deutschen Pfarrerinnen- und Pfarrertag. Der bundesweit größte theologische Fachkongress steht unter dem Motto "Die Evangelische Kirche und die soziale Frage".

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Kommentare

10 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Geisteswissenschaften

Aus der finanziellen Not heraus, die auch an vielen Universitätn herrscht, werden halt die Geisteswissenschaften als erstes benachteiligt. Was aus wirtschaftlicher Sicht wahrscheinlich sogar nachvollziehbar ist.

So geraten die Fächer Philosophie, Theologie usw. in Problemen, weil Professoren fehlen, wissenschaftliche Mitarbeiter nicht vorhanden und ähnliche Probleme.

Die Naturwissenschaften hingegen werden tatkräftig unterstützt, sowohl was die Gebäude angeht, wie auch die Rahmenbedingungen für das Studium, denn in diesen Fächern wird halt mehr Zukunft gesehen.

Zukunft

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich das auch wieder bessert. Bislang war es ja eher so, dass die evangelische Kirche mehr Anwärter als Pfarrstellen hatte, was dazu führte, dass es eben nicht für jeden eine Stelle gab, dass es vielerorts halbe Stellen eingeführt hat und solche Konstruktionen, dass sich Ehepaare eine Stelle teilen.
Evangelischer Pfarrer ist ja eigentlich ein sicherer, ordentlich bezahlter Beruf. Von den evangelischen Gläubigen, die sich für ein geisteswissenschaftliches Studium interessieren, also eigentlich keine schlechte Perspektive.
Wenn man sich etwas mühe gibt, das Interesse daran zu wecken, sollte sich der Bedarf auch weiterhin decken lassen.