Wirtschaftsethik Moral statt Marktglaube

An vielen Unis kämpfen Studenten für mehr ethische Inhalte im Wirtschaftsstudium. Unternehmen fordern das schon lange. Nur die Unis reagieren langsam.

Wenn sie das gewusst hätten, hätten sie einen größeren Hörsaal reserviert. Bei den ersten beiden Veranstaltungen der Vorlesungsreihe " Mensch und Markt " platzte der Raum in der Mannheimer Uni aus allen Nähten. Mehr als 200 Studenten waren gekommen und wollten wissen, ob der Mensch noch über den Markt bestimmt oder der Markt längst die Kontrolle über den Menschen übernommen hat. Eine Frage, die im Wirtschaftsstudium sonst kaum gestellt wird.

" Dabei bekommen die Studenten dafür weder Scheine oder Leistungspunkte " , sagt Mitorganisator Max Schormair. Das Besondere an der Vorlesungsreihe: Sie ist bei den Studenten nicht nur beliebt, sondern wurde auch von ihnen selbst organisiert. Die Hochschulgruppe Polimiton hat sie auf die Beine gestellt. Die engagierten Studenten fanden, dass Optimalität, Wettbewerb und andere typische Ökonomie-Konzepte " endlich mal hinterfragt werden müssen " , sagt BWL-Student Schormair. Für die nächste Veranstaltung am 9. November rechnen sie mit ähnlichem Andrang. " Eines ist klar " , sagt Schormair, " am Ende soll die Erkenntnis stehen: Es geht auch anders " .

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Die deutschen Wirtschafts-Studenten scheinen nach einem solchen Perspektivwechsel zu dürsten. Spätestens seit Bankenchefs und Topmanager wegen der Finanzkrise in die Schusslinie geraten sind und öffentlich über die Moral der Märkte gestritten wird, treibt die deutschen Wirtschaftsstudenten ein Thema besonders um: Wirtschaftsethik. Nicht nur in Mannheim fragen sie sich, welche sozialen Folgen Managerentscheidungen haben, welche Verantwortung Unternehmen tragen und ob man auf Kosten anderer seine Profite maximieren darf.

Da ist zum Beispiel das internationale Studentennetzwerk Oikos . " Studenten für eine nachhaltige Wirtschaftswelt " heißen sie im Untertitel. Mit mittlerweile sieben Lokalgruppen ist Oikos in Deutschland vertreten, in keinem anderen Land sind es so viele. " Jahrelang war das Thema eine Nischensache, erst jetzt wird es unglaublich sexy " , sagt Anna Ritschel, zurzeit Präsidentin des Netzwerkes. Ihre Mitglieder organisieren Ringvorlesungen, Podiumsdiskussionen und andere Veranstaltungen zum Thema nachhaltiges Wirtschaften und Wirtschaftsethik. Genauso wie sneep , eine andere Studentengruppe, die an 29 deutschen Unis vertreten ist. Eine sneep -Onlineumfrage unter rund 3000 Studierenden ergab 2009, dass sich fast die Hälfte von ihnen mehr wirtschaftsethische Inhalte wünscht – und rund zwei Drittel finden, dass Wirtschaftsethik Pflichtfach in Ökonomie-Studiengängen werden sollte.

Doch obwohl die Verfehlungen von Bankern und das Interesse der Studenten kaum offensichtlicher sein können, reagieren die deutschen Universitätsleitungen kaum. Wirtschaftsethik als Pflichtfach? Davon kann keine Rede sein, die Frage nach der Moral spielt an den meisten Hochschulen kaum eine Rolle: Anja Schwerk, Management-Dozentin an der Humboldt-Universität in Berlin, hat vor zwei Jahren die Lehrangebote sämtlicher deutschen Hoch- und Fachhochschulen unter die Lupe genommen. Ihr ernüchterndes Fazit: " In der Bachelor-Ausbildung gehörte die Wirtschaftsethik in aller Regel nicht zu den Pflichtkursen. "

Nur etwa jede zweite Wirtschaftsfakultät bietet hierzulande überhaupt Ethik-Kurse an. Die Betriebswirtin hofft, dass Initiativen wie die Mannheimer Veranstaltungsreihe Signalwirkung haben und in den Dekanaten zu einem Umdenken führen. Der Vertrauensverlust in die Wirtschaft müsse durch ein verändertes Curriculum " reflektiert " werden, fordert die Hochschullehrerin. Das Problem dabei: " Die Universitäten reagieren zu schwerfällig " , sagt Schwerk. Es dauere zu lange, bis neue Kursangebote entwickelt werden. Die Verantwortlichen zögerten oft, weil sie den ohnehin straffen Lehrplan nicht mit weiteren Inhalten belasten wollen.

Leser-Kommentare
  1. Mehr Ethik in den wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen würde ich sehr begrüßen.

    Liegt bei mir noch nicht lange zurück, und auch ich fand es seltsam dass der Mensch in den Vorlesungen nur als Kunde,Konsument oder Humankapital auftaucht. Lediglich als eine Variable in Gleichungen.

    Ob in der realen Welt der Mensch dem Markt dient vermag ich nicht zu beurteilen. In der Standard-WiWi-Vorlesung tut er es allerdings.

    Und Nachdenken über Ethik anzustossen ist generell eine gute Sache - nicht nur an der Uni für am Besten alle Studenten, sondern eigentlich für alle Berufsanfänger und ja, auch alle Menschen. Moralische Entscheidungen können einem auch im normalen Alltag immer wieder begegnen, nicht nur bei den Bankern und Managern. Da hatte der Mangel an Verantwortung zuletzt nur die größten Auswirkungen. Rücksichtslosigkeit und Eigensinn gibt es überall und in jedem von uns und oft ist es einem nicht einmal bewusst.

    Ich hoffe auf mehr Ethik und Moral um unsere Solidargemeinschaft wieder zu stärken, denn die bröckelt. In schweren Zeiten ist sich jeder erst mal selbst der Nächste.

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    ... sondern aus der Gesellschaft.

    Der Markt macht immer nur das, was in Abwägung verschiedener Interessen - darunter wirtschaftliche wiewohl moralische - am Ende das schwerste Gewicht aufweist.

    Wenn wir darauf vertrauen wollen, dass die Wirtschaft selbst eine besser Moral vorhält, müssen wir die ganze Wirtschaft, alle Wirtschaftsteilnehmer vom ersten bis zum letzten Glied mit dieser höheren Moral durchdringen. Denn jeder Kauf jeder Verkauf formt das zu verbessernde Gesamtbild der Moral in der Wirtschaft.

    Das heißt unter Beachtung des einfachsten Marktgesetzes, der Preiskonkurrenz, müsste jeder Käufer eines T-Shirts so sehr von moralischer Dringlichkeit angetrieben sein, dass er nicht eher zum Kauf einwilligt, bis er ein Shirt gefunden hat, bei dem er sicher sein kann, dass die Näherin tatsächlich angemessen bezahlt wurde und die Baumwolle unter vertretbaren ökologischen Bedingungen von Bauern herangezogen wurde, deren Ernte ihnen zu einem auskömmlichen Preis abgekauft wurde. Utopisch. Komplett weltfremd.

    Die Wirtschaft ist die letzten Jahrzehnten so gänzlich aus dem Ruder gelaufen, weil die einseitigen Interessen sehr klug und vorausschauend ins "gesunde Volksempfinden" eingepflegt wurden.

    Es ist ganz einfach. Wirtschaftsnahe Stiftung versorgen Politik, Medien und Konsumenten mit Zahlenwerk aus Studien, Forschungen, Untersuchungen und Kolloquien, die - weil sie Geld kosten - von denen in Auftrag gegeben werden, die ein Interesse am Zahlenwerk haben.

    Wie kann es sonst sein, das die private Rente, die sich mit der nächsten ernsten Finanz in Luft auflösen kann, in fast allen Medien und fast allen Parteien als das Mittel einer zukunftssicheren Altersversorgung angepriesen wird?

    Privatisierungen im Allgemeinen werden heute mehrheitlich als gut und richtig empfunden. Der privatisierte Strommarkt führt dazu, dass jährlich 50 Milliarden Euro in die Taschen von Aktionären fließen, statt dass die Strominfrastruktur mit dem Geld modernisiert wird.

    Freihandel gilt heute als Gut ansich, obwohl gerade der Freihandel zur Entfremdung des Produzenten vom Konsumenten führt und jede direkte und spontane soziale Kontrolle verunmöglicht.

    Es ist billig - und am Ende sinnlos - zu fordern, dass die Wirtschaft moralischer werden muss. Die Gesellschaft, die Medien, die Politik, alles andere um die Wirtschaft herum muss die Meinung ablegen, sie müsse der Wirtschaft immer optimal zuarbeiten. Erst dann kann wieder eine echte Interessenabwägung stattfinden, bei der nicht schon von vorne rein klar ist, dass nur Wirtschaftsinteressen in verschiedenen Verkleidungen zählen.

    • joG
    • 07.11.2010 um 15:03 Uhr

    ...Ethik in das Studium und in die Gesellschaft stärker einzubringen. Das ist eine Forderung, dem jeder zustimmen will. Was das allerdings bedeutet, ist etwas schwierig.

    So ist keineswegs klar, dass ethisches oder moralisches Handeln "gut" ist für den Einzelnen oder für die Gesellschaft. Es ist nicht einmal klar, was ethisch bedeutet. So stellen wir fest, dass Moral und Ethik variable Schemata sind und sehr unterschiedliche bis hin zu gegensätzliche Handlungsweisen verschreiben können.

    Vielleicht hängt das zusammen damit, dass die moralischen Grundprinzipien zum Teil angeboren sind und gegensätzliche Handlungen fordern können je nachdem, wie man eine Frage stellt (siehe Fat Man Paradox). Auch sind sie meist das Ergebnis unserer Entwicklung und sind daher auf Situationen abgestimmt, die existierten und in uns und unserer Vorstellung daher weiterleben, weil die Menschen, die so dachten nicht ausstarben. Andererseits sind solche Verhalten so wenig dominant, dass viele Menschen anders handeln.

    So unübersichtliche Zusammenhänge erfordern ein Studium. Dies gibt es und Untersuchungen dazu laufen unter Ethik, Politische Wissenschaft, Neurowissenschaft, Theorie der Externalitäten, Eigentumsrechtssysteme usw. Die Wirtschaftswissenschaften sind hier hinsichtlich eine treibende Kraft gewesen in den letzten 40 Jahren. Ob man diese Studien verbessern kann ist keine Frage. Das kann man immer. Ob Ethik in der VWL oder BWL neu ist? Eigentlich nicht.

    ... sondern aus der Gesellschaft.

    Der Markt macht immer nur das, was in Abwägung verschiedener Interessen - darunter wirtschaftliche wiewohl moralische - am Ende das schwerste Gewicht aufweist.

    Wenn wir darauf vertrauen wollen, dass die Wirtschaft selbst eine besser Moral vorhält, müssen wir die ganze Wirtschaft, alle Wirtschaftsteilnehmer vom ersten bis zum letzten Glied mit dieser höheren Moral durchdringen. Denn jeder Kauf jeder Verkauf formt das zu verbessernde Gesamtbild der Moral in der Wirtschaft.

    Das heißt unter Beachtung des einfachsten Marktgesetzes, der Preiskonkurrenz, müsste jeder Käufer eines T-Shirts so sehr von moralischer Dringlichkeit angetrieben sein, dass er nicht eher zum Kauf einwilligt, bis er ein Shirt gefunden hat, bei dem er sicher sein kann, dass die Näherin tatsächlich angemessen bezahlt wurde und die Baumwolle unter vertretbaren ökologischen Bedingungen von Bauern herangezogen wurde, deren Ernte ihnen zu einem auskömmlichen Preis abgekauft wurde. Utopisch. Komplett weltfremd.

    Die Wirtschaft ist die letzten Jahrzehnten so gänzlich aus dem Ruder gelaufen, weil die einseitigen Interessen sehr klug und vorausschauend ins "gesunde Volksempfinden" eingepflegt wurden.

    Es ist ganz einfach. Wirtschaftsnahe Stiftung versorgen Politik, Medien und Konsumenten mit Zahlenwerk aus Studien, Forschungen, Untersuchungen und Kolloquien, die - weil sie Geld kosten - von denen in Auftrag gegeben werden, die ein Interesse am Zahlenwerk haben.

    Wie kann es sonst sein, das die private Rente, die sich mit der nächsten ernsten Finanz in Luft auflösen kann, in fast allen Medien und fast allen Parteien als das Mittel einer zukunftssicheren Altersversorgung angepriesen wird?

    Privatisierungen im Allgemeinen werden heute mehrheitlich als gut und richtig empfunden. Der privatisierte Strommarkt führt dazu, dass jährlich 50 Milliarden Euro in die Taschen von Aktionären fließen, statt dass die Strominfrastruktur mit dem Geld modernisiert wird.

    Freihandel gilt heute als Gut ansich, obwohl gerade der Freihandel zur Entfremdung des Produzenten vom Konsumenten führt und jede direkte und spontane soziale Kontrolle verunmöglicht.

    Es ist billig - und am Ende sinnlos - zu fordern, dass die Wirtschaft moralischer werden muss. Die Gesellschaft, die Medien, die Politik, alles andere um die Wirtschaft herum muss die Meinung ablegen, sie müsse der Wirtschaft immer optimal zuarbeiten. Erst dann kann wieder eine echte Interessenabwägung stattfinden, bei der nicht schon von vorne rein klar ist, dass nur Wirtschaftsinteressen in verschiedenen Verkleidungen zählen.

    • joG
    • 07.11.2010 um 15:03 Uhr

    ...Ethik in das Studium und in die Gesellschaft stärker einzubringen. Das ist eine Forderung, dem jeder zustimmen will. Was das allerdings bedeutet, ist etwas schwierig.

    So ist keineswegs klar, dass ethisches oder moralisches Handeln "gut" ist für den Einzelnen oder für die Gesellschaft. Es ist nicht einmal klar, was ethisch bedeutet. So stellen wir fest, dass Moral und Ethik variable Schemata sind und sehr unterschiedliche bis hin zu gegensätzliche Handlungsweisen verschreiben können.

    Vielleicht hängt das zusammen damit, dass die moralischen Grundprinzipien zum Teil angeboren sind und gegensätzliche Handlungen fordern können je nachdem, wie man eine Frage stellt (siehe Fat Man Paradox). Auch sind sie meist das Ergebnis unserer Entwicklung und sind daher auf Situationen abgestimmt, die existierten und in uns und unserer Vorstellung daher weiterleben, weil die Menschen, die so dachten nicht ausstarben. Andererseits sind solche Verhalten so wenig dominant, dass viele Menschen anders handeln.

    So unübersichtliche Zusammenhänge erfordern ein Studium. Dies gibt es und Untersuchungen dazu laufen unter Ethik, Politische Wissenschaft, Neurowissenschaft, Theorie der Externalitäten, Eigentumsrechtssysteme usw. Die Wirtschaftswissenschaften sind hier hinsichtlich eine treibende Kraft gewesen in den letzten 40 Jahren. Ob man diese Studien verbessern kann ist keine Frage. Das kann man immer. Ob Ethik in der VWL oder BWL neu ist? Eigentlich nicht.

  2. Ausgerechnet Ethik in der VWL, die seit jeher keine andere Aufgabe hat, als die herrschenden Kapitalinteressen mit konstruierten Modellen ideologisch zu rechtfertigen. Und wer soll dann die Wirtschaftsethik lehren? Der Herr Professor, der mit kritischem Verstand schon dem üblichen VWL-Modellbau vor seiner Diplomprüfung hätte widersprechen müssen, womit seine Karriere frühzeitig geendet hätte.

    Nee, die Wirtschaftsethik ist so etwas, als würden Zuhälter einen Bibelkurs für Jungfrauen in ihren Bordellen anbieten.

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    • edgar
    • 06.11.2010 um 11:06 Uhr

    ... Sie schreiben.

    Die VWL ist zunächst eine wertfreie Wissenschaft (auch in Anmerkung zu @3, da es nicht um Gewinnmaximierung geht).
    Leider scheinen Sie nur das zu verstehen, was man Ihenn vorbetet. Die Vertreter der Uni oder der Wirtschaft sind nicht unbedingt (meist nicht) Vertreter der Wissenschaft.
    Umso wichtiger, dass genau hier Wirtschaftsphilosophie gelehrt würde, natürlich als Serviceleistung der philosophischen Fakultät.
    Dies müsste, davon abgesehen, m.E. in jedem Studienfach Pflichtveranstaltung sein!
    Im Übrigen gibt es große Ökonomen, die zunächst Philosophen oder gar Moralphilosophen waren, bei denen es erstens auf die Moral und dann erst auf das Wirtschaften ankommt.

    Ich finde es sehr wichtig, dass die Wirtschaftsethik fest in die entsprechenden Studiengänge eingebaut wird. Genauso brauchen wir Wissenschaftstheorie in den Naturwissenschaften, dort fehlt es auch an Wissenschaftsethik. Wir brauchen fachlich gut ausgebildete Menschen, die aber auch hinterfragen, was sie tun und warum sie etwas tun. Das kann man natürlich nicht nur in einer Vorlesung oder einem Seminar vermitteln, aber vielleicht nimmt der eine oder andere einen Impuls für sein weiteres Leben mit, damit wäre schon so einiges gewonnen.

    • edgar
    • 06.11.2010 um 11:06 Uhr

    ... Sie schreiben.

    Die VWL ist zunächst eine wertfreie Wissenschaft (auch in Anmerkung zu @3, da es nicht um Gewinnmaximierung geht).
    Leider scheinen Sie nur das zu verstehen, was man Ihenn vorbetet. Die Vertreter der Uni oder der Wirtschaft sind nicht unbedingt (meist nicht) Vertreter der Wissenschaft.
    Umso wichtiger, dass genau hier Wirtschaftsphilosophie gelehrt würde, natürlich als Serviceleistung der philosophischen Fakultät.
    Dies müsste, davon abgesehen, m.E. in jedem Studienfach Pflichtveranstaltung sein!
    Im Übrigen gibt es große Ökonomen, die zunächst Philosophen oder gar Moralphilosophen waren, bei denen es erstens auf die Moral und dann erst auf das Wirtschaften ankommt.

    Ich finde es sehr wichtig, dass die Wirtschaftsethik fest in die entsprechenden Studiengänge eingebaut wird. Genauso brauchen wir Wissenschaftstheorie in den Naturwissenschaften, dort fehlt es auch an Wissenschaftsethik. Wir brauchen fachlich gut ausgebildete Menschen, die aber auch hinterfragen, was sie tun und warum sie etwas tun. Das kann man natürlich nicht nur in einer Vorlesung oder einem Seminar vermitteln, aber vielleicht nimmt der eine oder andere einen Impuls für sein weiteres Leben mit, damit wäre schon so einiges gewonnen.

  3. Vielen Studenten sei gar nicht bewusst, dass sich hinter dem Grundsatz der Gewinnmaximierung bereits eine wichtige Wertentscheidung stecke, nämlich die, dass dem Gewinnstreben alles unterzuordnen sei.

    In diesem Lan darf anscheinend auch jeder Trottel stufieren gehen, der sich für intelligent hält.

    "Die Professoren halten seit Jahren, teilweise seit Jahrzehnten, exakt die gleichen Vorlesungen, da ist kaum Bewegung drin."

    Tja, dass im Rest der Gesellschaft lebenslanges lernen gilt haben sie wohl noch nicht mitbekommen. Da ist ja jeder summe Call-Agent anpassungsfähiger. Das beweisst, dass man die Füsse hochlegen kann und sich den Rest des Lebens durchfüttern lässt, wenn man einmal eine gute Position bekommen hat. Da hat man an Ethik natürlich kein Interesse. Dann müsste man sich ja selbst mal hinterfragen.

    Was Peter Löscher oder sonst wer erzählt interessiert mich nicht die Bohne. Der sollte seine tollen Initiativen vielleicht selbst mal in Anspruch nehmen. Es ist doch bekannt, dass es Siemens nicht schnell genug gehen kann unliebsame Anhängsel loszuwerden und interne Mitarbeiter gegen etxerne Mitarbeiter auszuspielen. In diesen Tagen wird die Abteilung SIS verselbstständigt, damit sie verkauft werden kann und jeder der sich retten kann verlässt das sinkende Schiff zu einer anderen Siemens-Abteilung, die noch zu Siemens gehören wird. Aber darüber berichtet niemand. Nur der heuchlerische Schwachsinn vom Löscher wird hier runtergebetet. Wie traurig...

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    • edgar
    • 06.11.2010 um 11:06 Uhr

    ... Sie schreiben.

    Die VWL ist zunächst eine wertfreie Wissenschaft (auch in Anmerkung zu @3, da es nicht um Gewinnmaximierung geht).
    Leider scheinen Sie nur das zu verstehen, was man Ihenn vorbetet. Die Vertreter der Uni oder der Wirtschaft sind nicht unbedingt (meist nicht) Vertreter der Wissenschaft.
    Umso wichtiger, dass genau hier Wirtschaftsphilosophie gelehrt würde, natürlich als Serviceleistung der philosophischen Fakultät.
    Dies müsste, davon abgesehen, m.E. in jedem Studienfach Pflichtveranstaltung sein!
    Im Übrigen gibt es große Ökonomen, die zunächst Philosophen oder gar Moralphilosophen waren, bei denen es erstens auf die Moral und dann erst auf das Wirtschaften ankommt.

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    Mit Wirtschaftsethik ist gerade zu befürchten, dass völlig naive Leute die Diskussion bestimmen. VWL war nie eine wertfreie Wissenschaft, sondern hat sich seit Adam Smith als eine "liberale" Ideologie entwickelt, die von den Interessen des Kapitals bestimmt wird und sich unter Doktorhütchen und Talaren als Wissenschaft tarnt.

    Dementsprechend sind dann auch die Ergebnisse dieser "Wissenschaft", die wir in den nächsten Tagen von den sogenannten "Wirtschaftsweisen" wieder demonstriert erhalten: Lügen und korrupte Interessenpropaganda unter dem Deckmäntelchen der professoralen Neutralität.

    Da ist mit Ethikvorlesungen nichts zu machen, so korrumpiert wie das gesamte Fachgebiet der VWL ist.

    Mit Wirtschaftsethik ist gerade zu befürchten, dass völlig naive Leute die Diskussion bestimmen. VWL war nie eine wertfreie Wissenschaft, sondern hat sich seit Adam Smith als eine "liberale" Ideologie entwickelt, die von den Interessen des Kapitals bestimmt wird und sich unter Doktorhütchen und Talaren als Wissenschaft tarnt.

    Dementsprechend sind dann auch die Ergebnisse dieser "Wissenschaft", die wir in den nächsten Tagen von den sogenannten "Wirtschaftsweisen" wieder demonstriert erhalten: Lügen und korrupte Interessenpropaganda unter dem Deckmäntelchen der professoralen Neutralität.

    Da ist mit Ethikvorlesungen nichts zu machen, so korrumpiert wie das gesamte Fachgebiet der VWL ist.

  4. Zugegeben: zunächst war ich über die Nachricht positiv überrascht, dass die Markt- und Wirtschaftswachstumsdogmen einer kritischen Überprüfung durch die Ökonomen unterzogen werden sollen.

    Dass aber ausgerechnet die "Nachwuchsschmieden des Top-Managements, die die Hauptverantwortlichen der Finanzkrise ausgebildet haben" zu den "Vorreitern in Sachen Wirtschaftsethik" werden wollen, erstickt diese Hoffung gleich wieder in Keim: Vor diesem Hintergrund ist doch sehr stark anzuzweifeln, ob es wirklich um eine kritische Revision der ökonomischen Theoreme und der Praxis geht oder am Ende doch wieder nur darum, dieselbe Ideologie besser verkaufen zu können. Ethische Überzeugungsarbeit. Markthoheit und Konkurrenz unter pseudorevisierten Vorzeichen und nicht mehr. Schade.

  5. nämlich die der WTO, deren Derivate wie DOHA, ACTA sowie IMF und auch die EU Verfassung ordnen alles nach wie vor der Profit- und Renditemaximierung unter. Zu oberst in der Verwertungskette stehen die Kapitalgeber/Investoren die in gegenseitiger Konkurrenz (dem Wettbewerbwahn sei dank) ebenfalls gewzungen werden einige wenige Paramter als allein glücklich machende zu erfüllen. Es sind aber genau die Investoren/Kapitalgeber die durch die OECD legitimeriten Steuroasen und vielen angedienten Gesetzen und Steuer/Abgabenregelungen bevorzugt werden. Dies vor allen anderen Gesellschaftsteilnehmern.
    Den Unternehmen nun anzuhängen diese wünschten sich schon lange Ethik/Moralbewusste Mitarbeiter kann ja nur insofern wahr sein, als auch hier wieder das letzte % an Profiten/Renditen rausgesaugt werden kann.
    In den WTO Handelsverträgen ist so manches Verbrechen festgeschrieben das einem nur die Haare zu Berge stehen können. Sozialstandards, Umweltschutzregeln, Arbeitnehmerschutz, Patentrechte, Urheberrechte und vieles mehr ist so definiert das für die Staaten und deren Bewohner maximales Profitabdrücken an die Investoren/Kapitaleigner sichergestellt wird. Jegliche Profit- und Renditemöglichkeiten müssen privatisiert werden. Der Staat sol nur noch zum Eigentumsschutz da sein. Selbst Demokratische Strukturen werden als Feind der Profite- und Renditegenerierung angesehen. Wer will darf sich mal mit dem Multilaterales Investitionsabkommen beschäftigen... Dort sind die Wurzeln der Ethik.

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    ...und solange sich das nicht ändert, können noch so viele Ethikkurse an den Unis runtergeleiert werden. Das hat (zumindest kurzfristig) allenfalls den Effekt, dass die PR-Abteilungen der Unternehmen, neben dem "Greenwashing" auch noch eine Untersektion "Ethik&Soziales" bzw. neudeutsch "social ethics relation managment" oder so dazubekommen.

    Nichtsdestotrotz können diese Kurse nichts schaden. Auch wenn die Herren der WTO und EU weder irgendwie nennenswert demokratische Interessen vertreten, so sind sie doch auch nur Menschen und vielleicht sickern irgendwann entsprechend ethisch kontaminierte Personen bis auf diese Ebene und bewegen dort etwas. Auch wenn meine Hoffnung diesbezüglich nicht groß ist, so ist doch jeder Anfang klein.

    Zur Zeit sind wir alle nur die Bauern in einem überaus perversen Spiel. Während die Herren der Schlossallee uns einreden, dass das schon alles so in Ordnung ist und natürlich alternativlos ;-)

    ...und solange sich das nicht ändert, können noch so viele Ethikkurse an den Unis runtergeleiert werden. Das hat (zumindest kurzfristig) allenfalls den Effekt, dass die PR-Abteilungen der Unternehmen, neben dem "Greenwashing" auch noch eine Untersektion "Ethik&Soziales" bzw. neudeutsch "social ethics relation managment" oder so dazubekommen.

    Nichtsdestotrotz können diese Kurse nichts schaden. Auch wenn die Herren der WTO und EU weder irgendwie nennenswert demokratische Interessen vertreten, so sind sie doch auch nur Menschen und vielleicht sickern irgendwann entsprechend ethisch kontaminierte Personen bis auf diese Ebene und bewegen dort etwas. Auch wenn meine Hoffnung diesbezüglich nicht groß ist, so ist doch jeder Anfang klein.

    Zur Zeit sind wir alle nur die Bauern in einem überaus perversen Spiel. Während die Herren der Schlossallee uns einreden, dass das schon alles so in Ordnung ist und natürlich alternativlos ;-)

  6. Entfernt wegen Doppelpostings. Die Redaktion/ag

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