Studiengebühren Erneut Tausende britische Studenten auf der Straße

Die geplante Erhöhung der britischen Studiengebühren sorgt für weitere wütende Proteste von Studenten und Schülern. Sie attackierten auch die Limousine von Prinz Charles.

Studenten in London demonstrieren gegen die Erhöhung der Studiengebühren

Studenten in London demonstrieren gegen die Erhöhung der Studiengebühren

In der Londoner Innenstadt standen sich erneut mehrere Tausend junge Demonstranten und ein riesiges Polizeiaufgebot gegenüber. Mit ihren Protestmärschen wollten die Studenten und Schüler die geplante Erhöhung der Studiengebühren verhindern, über die am Abend im britischen Parlament abgestimmt werden soll. Auf Plakaten forderten sie: "Stoppt Gebühren und Kürzungen".

So wie in der vergangenen Woche, als es in der britischen Hauptstadt schon einmal massive Proteste gegen die Pläne der Koalitionsregierung gegeben hatte, kam es auch diesmal zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. Einige Teilnehmer versuchten auf den Platz vor dem Parlamentsgebäude, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen, womit sie ein heftiges Handgemenge mit den Beamten auslösten. Eine Rauchbombe wurde gezündet. Es wurden 22 Demonstranten und neun Polizisten verletzt.

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Ein Teil der Demonstranten zog Richtung Buckingham-Palast, dem Sitz von Queen Elizabeth II. Nach Angaben des Königshauses griffen sie auch ein Auto an, in dem Prinz Charles und dessen Frau Camilla zu einem Theaterbesuch unterwegs waren. Der 62 Jahre alte Thronfolger und seine 63-jährige Frau seien jedoch nicht verletzt worden.

Protestors demonstrate in Parliament Square in London, on December 9, 2010. Angry demonstrators clashed with police in a student protest outside parliament Thursday as the coalition government faced its biggest test yet in a vote on proposals to triple university tuition fees. AFP PHOTO/LEON NEAL (Photo credit should read LEON NEAL/AFP/Getty Images)

Regelrechte Ausschreitungen gab es diesmal aber nicht. Vergangene Woche hatten unter anderem teils vermummte Demonstranten gewaltsam die Parteizentrale der konservativen Tories gestürmt . Scheiben gingen zu Bruch, zahlreiche junge Leute wurden verhaftet.

Ungeachtet der Proteste hat das britische Unterhaus die Obergrenze für Studiengebühren erhöht. Mit 323 Stimmen nahmen die Abgeordneten nach fünfstündiger Debatte den Entwurf eines Gesetzes an, das den Hochschulen des Landes die Möglichkeit gibt, die Studienbeiträge zu verdreifachen.

Die beschlossene Möglichkeit zur Erhöhung der Studiengebühren auf bis zu 10.700 Euro pro Jahr ist Teil des Sparpakets der britischen Regierung, die damit gegen ein Rekorddefizit beseitigen will. Das Vorhaben führte auch zu Spannungen in der konservativ-liberalen Regierungskoalition. Der liberaldemokratische Vize-Premierminister Nick Clegg erklärte jedoch zuletzt, er schäme sich nicht, die Pläne zu unterstützen, weil "die Welt nun einmal so ist".

Bei der Abstimmung sprachen sich 302 Abgeordnete gegen den Gesetzentwurf aus. Normalerweise zählt die Regierungskoalition aus der konservativen Tory-Partei und den Liberaldemokraten einen Vorsprung von 83 Stimmen. Die Liberaldemokraten hatten eine Erhöhung der Studiengebühren vor der Parlamentswahl im Mai strikt abgelehnt. 

 
Leser-Kommentare
  1. ...die Londoner Börse liebe Studenten, DAS wäre ein Fingerzeig auf die wahren Schuldigen und zieht die Bevölkerung auf eure Seite.

  2. Ist damit vorprogrammiert.
    Welche Familie kann das zahlen.
    Dann ist die Finanz"elite" ja bald unter sich!

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    @Anne Bonny meint ja: "Welche Familie kann das zahlen."

    Die Gegenprobe, wie viele Familien können sich ein Auto für 40.000 € (4 Studienjahre á 10.000 €) leisten? Kann jeder selbst nachzählen.
    Jetzt sprech ich noch nicht mal vom "Baggerfahrer Willie" und seiner Frau der Krankenschwester die auf Teufel komm raus ein Haus haben, haben, haben wollen und das auf die Gefahr des Untergangs auch machen. Studium für die Kinder finanzieren geht ja da gar nicht!

    Also es geht. Persönlich bin ich aber für "Volksbildung" für alle. Alternativ könnte oder müsste der Student in spe die Möglichkeit haben das Studium per Kredit, selbstredend ohne Sicherheitsleistungen und ohne Betrachtung des Einkommens der Eltern finanzieren zu können.

    • AMD
    • 10.12.2010 um 10:27 Uhr

    ... ich habe eine traurige Nachricht für sie:
    Die Finanz'elite' ist bereits seit längerem 'unter sich'

    @Anne Bonny meint ja: "Welche Familie kann das zahlen."

    Die Gegenprobe, wie viele Familien können sich ein Auto für 40.000 € (4 Studienjahre á 10.000 €) leisten? Kann jeder selbst nachzählen.
    Jetzt sprech ich noch nicht mal vom "Baggerfahrer Willie" und seiner Frau der Krankenschwester die auf Teufel komm raus ein Haus haben, haben, haben wollen und das auf die Gefahr des Untergangs auch machen. Studium für die Kinder finanzieren geht ja da gar nicht!

    Also es geht. Persönlich bin ich aber für "Volksbildung" für alle. Alternativ könnte oder müsste der Student in spe die Möglichkeit haben das Studium per Kredit, selbstredend ohne Sicherheitsleistungen und ohne Betrachtung des Einkommens der Eltern finanzieren zu können.

    • AMD
    • 10.12.2010 um 10:27 Uhr

    ... ich habe eine traurige Nachricht für sie:
    Die Finanz'elite' ist bereits seit längerem 'unter sich'

  3. Ja, ganz offensichtlich.
    Viele Menschen - auch im Freundes- und Familienkreis - streiten das ab.
    Offensichtlich sind die Tatsachen psychisch schlecht zu verkraften. Verständlicherweise!

    Antwort auf
    • kaleb
    • 09.12.2010 um 21:33 Uhr

    Die Leute gehen immer erst dann auf die Straße, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.
    Dabei ist Vorsorgen besser als Heilen, und lehrt die Geschichte nichts deutlicher als:
    "Trau' nicht dem Kapital!"
    Wenn man nur konsumiert, statt sich zu organisieren, wird das böse Erwachen nicht ausbleiben.
    Dies gilt überall, nicht nur in England und soll uns als Warnung dienen.

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    leider ist diese bread and circus eine SEHR alte..und eine sehr gute methode die bevolkerung abzulenken und ruhig zu stellen.

    leider ist diese bread and circus eine SEHR alte..und eine sehr gute methode die bevolkerung abzulenken und ruhig zu stellen.

  4. leider ist diese bread and circus eine SEHR alte..und eine sehr gute methode die bevolkerung abzulenken und ruhig zu stellen.

  5. @Anne Bonny meint ja: "Welche Familie kann das zahlen."

    Die Gegenprobe, wie viele Familien können sich ein Auto für 40.000 € (4 Studienjahre á 10.000 €) leisten? Kann jeder selbst nachzählen.
    Jetzt sprech ich noch nicht mal vom "Baggerfahrer Willie" und seiner Frau der Krankenschwester die auf Teufel komm raus ein Haus haben, haben, haben wollen und das auf die Gefahr des Untergangs auch machen. Studium für die Kinder finanzieren geht ja da gar nicht!

    Also es geht. Persönlich bin ich aber für "Volksbildung" für alle. Alternativ könnte oder müsste der Student in spe die Möglichkeit haben das Studium per Kredit, selbstredend ohne Sicherheitsleistungen und ohne Betrachtung des Einkommens der Eltern finanzieren zu können.

    Antwort auf "Fachkräftemangel"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Menschen, die ich kenne, haben ihr Auto nicht zum Angeben.
    Die fahren Familienkarren, alle viel billiger als 40 000 Euro.
    Dt. steht im Übrigen am Ende der EU-Tabelle über Gehaltszuwächse.
    Damals war Gaz-Gerd auch besonders stolz, dass er den EU-größten Niedriglohnsektor geschaffen hat.

    • ddkddk
    • 09.12.2010 um 23:49 Uhr

    und zwar unter weiteren Voraussetzungen an.

    Eine Kreditaufnahme ist deshalb nicht erforderlich. Es ist vorgesehen, dass die Gebühren aus dem laufenden Gehalt finanziert werden, das deshalb in der Regel höher sein wird als bei Nichtstudierenden, weil der Staat das Studium vorfinanziert hat.

    Ob das trotzdem gut ist, ist eine andere Frage.

    Mit ähnlicher Begründung könnte natürlich auch die Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium gebührenpflichtig gemacht werden.

    Zu hinterfragen ist, ob die Ausbildung der Kinder nicht aus Steuermitteln finanziert werden muss oder ob tatsächlich andere Zwecke wie Förderung von Unternehmern und Banken, Führung sinnloser Kriege wie in Afghanistan und Irak oder Unterhaltung von Flugzeugträgern und einer Atomstreitmacht vordringlicher sind.

    • anin
    • 10.12.2010 um 13:25 Uhr

    Interessant zu wissen:

    An deutschen Fachhochschulen kostet dass Ingenieurstudium inkl. Personalgehälter und deren Pensionsrücklagen) ca 9000€ je Student und Jahr.

    Entweder will sich die britische Regierung bereichern, oder das britische Hochschulwesen ist ineffizient?!

    Keiner in England muss auch nur einen Penny fuer das Studium bezahlen bis man fertig studiert hat und mindestens ca 25.000 EUR pro Jahr verdient. Erst dann muss man anfangen zu bezahlen. Keine Sicherheit und keine Betrachtung der Eltern oder Garantie der Eltern.
    Also: Studium fuer jeden, staatlicher Kredit (niedrig verzinst) und Zahlung erst wenn es das Einkommen erlaubt. Ich finde das ziemlich gerecht.
    Zumindest gerechter als ein Studium auf Kosten der Allgemeinheit (inkl. kleiner Einkommen die ja auch Steuern zahlen).

    Die Menschen, die ich kenne, haben ihr Auto nicht zum Angeben.
    Die fahren Familienkarren, alle viel billiger als 40 000 Euro.
    Dt. steht im Übrigen am Ende der EU-Tabelle über Gehaltszuwächse.
    Damals war Gaz-Gerd auch besonders stolz, dass er den EU-größten Niedriglohnsektor geschaffen hat.

    • ddkddk
    • 09.12.2010 um 23:49 Uhr

    und zwar unter weiteren Voraussetzungen an.

    Eine Kreditaufnahme ist deshalb nicht erforderlich. Es ist vorgesehen, dass die Gebühren aus dem laufenden Gehalt finanziert werden, das deshalb in der Regel höher sein wird als bei Nichtstudierenden, weil der Staat das Studium vorfinanziert hat.

    Ob das trotzdem gut ist, ist eine andere Frage.

    Mit ähnlicher Begründung könnte natürlich auch die Grundschule, Hauptschule, Realschule, Gymnasium gebührenpflichtig gemacht werden.

    Zu hinterfragen ist, ob die Ausbildung der Kinder nicht aus Steuermitteln finanziert werden muss oder ob tatsächlich andere Zwecke wie Förderung von Unternehmern und Banken, Führung sinnloser Kriege wie in Afghanistan und Irak oder Unterhaltung von Flugzeugträgern und einer Atomstreitmacht vordringlicher sind.

    • anin
    • 10.12.2010 um 13:25 Uhr

    Interessant zu wissen:

    An deutschen Fachhochschulen kostet dass Ingenieurstudium inkl. Personalgehälter und deren Pensionsrücklagen) ca 9000€ je Student und Jahr.

    Entweder will sich die britische Regierung bereichern, oder das britische Hochschulwesen ist ineffizient?!

    Keiner in England muss auch nur einen Penny fuer das Studium bezahlen bis man fertig studiert hat und mindestens ca 25.000 EUR pro Jahr verdient. Erst dann muss man anfangen zu bezahlen. Keine Sicherheit und keine Betrachtung der Eltern oder Garantie der Eltern.
    Also: Studium fuer jeden, staatlicher Kredit (niedrig verzinst) und Zahlung erst wenn es das Einkommen erlaubt. Ich finde das ziemlich gerecht.
    Zumindest gerechter als ein Studium auf Kosten der Allgemeinheit (inkl. kleiner Einkommen die ja auch Steuern zahlen).

  6. Die Menschen, die ich kenne, haben ihr Auto nicht zum Angeben.
    Die fahren Familienkarren, alle viel billiger als 40 000 Euro.
    Dt. steht im Übrigen am Ende der EU-Tabelle über Gehaltszuwächse.
    Damals war Gaz-Gerd auch besonders stolz, dass er den EU-größten Niedriglohnsektor geschaffen hat.

    Antwort auf "Tiefer hängen!"
  7. Studieren reiche dumme Menschen und die schlauen ohne Geld fegen die Straßen.

    Aber mal ehrlich, das klingt nach einem praktikablen Modell auch fuer Deutschland. So koennte man den kommenden Ansturm auf die Universitaeten abschwaechen; die Mensa ist mir jetzt schon zu voll.

    Eine Leser-Empfehlung

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