Studenten in London demonstrieren gegen die Erhöhung der Studiengebühren © Peter Macdiarmid/Getty Images

In der Londoner Innenstadt standen sich erneut mehrere Tausend junge Demonstranten und ein riesiges Polizeiaufgebot gegenüber. Mit ihren Protestmärschen wollten die Studenten und Schüler die geplante Erhöhung der Studiengebühren verhindern, über die am Abend im britischen Parlament abgestimmt werden soll. Auf Plakaten forderten sie: "Stoppt Gebühren und Kürzungen".

So wie in der vergangenen Woche, als es in der britischen Hauptstadt schon einmal massive Proteste gegen die Pläne der Koalitionsregierung gegeben hatte, kam es auch diesmal zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. Einige Teilnehmer versuchten auf den Platz vor dem Parlamentsgebäude, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen, womit sie ein heftiges Handgemenge mit den Beamten auslösten. Eine Rauchbombe wurde gezündet. Es wurden 22 Demonstranten und neun Polizisten verletzt.

Ein Teil der Demonstranten zog Richtung Buckingham-Palast, dem Sitz von Queen Elizabeth II. Nach Angaben des Königshauses griffen sie auch ein Auto an, in dem Prinz Charles und dessen Frau Camilla zu einem Theaterbesuch unterwegs waren. Der 62 Jahre alte Thronfolger und seine 63-jährige Frau seien jedoch nicht verletzt worden.

Regelrechte Ausschreitungen gab es diesmal aber nicht. Vergangene Woche hatten unter anderem teils vermummte Demonstranten gewaltsam die Parteizentrale der konservativen Tories gestürmt . Scheiben gingen zu Bruch, zahlreiche junge Leute wurden verhaftet.

Ungeachtet der Proteste hat das britische Unterhaus die Obergrenze für Studiengebühren erhöht. Mit 323 Stimmen nahmen die Abgeordneten nach fünfstündiger Debatte den Entwurf eines Gesetzes an, das den Hochschulen des Landes die Möglichkeit gibt, die Studienbeiträge zu verdreifachen.

Die beschlossene Möglichkeit zur Erhöhung der Studiengebühren auf bis zu 10.700 Euro pro Jahr ist Teil des Sparpakets der britischen Regierung, die damit gegen ein Rekorddefizit beseitigen will. Das Vorhaben führte auch zu Spannungen in der konservativ-liberalen Regierungskoalition. Der liberaldemokratische Vize-Premierminister Nick Clegg erklärte jedoch zuletzt, er schäme sich nicht, die Pläne zu unterstützen, weil "die Welt nun einmal so ist".

Bei der Abstimmung sprachen sich 302 Abgeordnete gegen den Gesetzentwurf aus. Normalerweise zählt die Regierungskoalition aus der konservativen Tory-Partei und den Liberaldemokraten einen Vorsprung von 83 Stimmen. Die Liberaldemokraten hatten eine Erhöhung der Studiengebühren vor der Parlamentswahl im Mai strikt abgelehnt.