Guttenbergs Doktorarbeit Wie Wissenschaftler mit Plagiaten umgehen
Verteidigungsminister Guttenberg droht die Aberkennung seiner Doktorwürde. Damit wäre er kein Einzelfall. Welche Rolle das Thema Plagiate in der Wissenschaft spielt.
Immer wieder kupfern Doktoranden, Studierende und Professoren ihre Werke teilweise oder ganz bei anderen ab. Im Fall Guttenberg ist für den Juristen Felix Hanschmann die Sache klar: "Die beanstandeten Stellen erstrecken sich teilweise über mehrere Seiten und betreffen mehrere Fremdautoren. Ich bin mir sehr sicher, dass der Plagiatsvorwurf stimmt", sagte er dem Tagesspiegel. Er habilitiert an der Uni Frankfurt, ist mit dem Bremer Juristen Fischer-Lescano befreundet, der die Plagiatsvorwürfe gegen Guttenberg erhoben hat und er hat sich am Bundesverfassungsgericht als wissenschaftlicher Mitarbeiter mit Plagiatsfällen beschäftigt. Die entsprechenden Stellen in Guttenbergs Dissertation lagen ihm vor.
Was ist ein Plagiat?
Unter einem Plagiat versteht man den Klau geistigen Eigentums. Für die Wissenschaft gelte eine "ganz klare" Regel, sagt der Soziologe Stefan Hornbostel, Leiter des Bonner Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung: "Wer die Position von anderen in seiner Arbeit benutzt, muss diese kenntlich machen." Bei einem Verdachtsfall müsse zwar auch geprüft werden, ob es sich um ein Versehen handele. Dass ein Forscher in einem langen Werk "ein einziges Zitat runterrutsche", könne passieren, sagt Hornbostel. Benutze ein Autor aber "systematisch" verschiedene Quellen, ohne diese anzugeben, und seien zentrale Aussagen seiner Arbeit betroffen, handele es sich um ein Plagiat, das geahndet werden müsse. Problematisch ist, dass viele Plagiatoren gar nicht wortwörtlich abschreiben. Forscher klauen oft ganze Gedankengänge von Kollegen, formulieren diese um und geben sie als eigene Thesen aus. Das nachzuweisen sei schwierig, sagt Hornbostel.
Wie oft kommt das vor?
Statistiken gibt es nicht. Von einem "Riesendunkelfeld" spricht der Münchner Jurist Volker Rieble, der das Buch Das Wissenschaftsplagiat veröffentlichte. Ein Viertel aller wissenschaftlichen Werke könnten betroffen sein. Gerade in seinem Fach kämen Plagiate "leider sehr häufig vor". Zuletzt erregten Vorwürfe gegen zwei Jura-Professoren Aufsehen, die abgekupfert hatten. Unlängst teilte die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) mit, zwei Wissenschaftler seien gerügt worden, weil sie in Forschungsanträgen fremde Texte ohne Zitate übernommen hatten. Der Jurist Wolfgang Löwer, der für die DFG als Ombudsmann wissenschaftliches Fehlverhalten untersucht, hält das Problem zwar für nicht so dramatisch wie Rieble. Weil Forscher aber unter "immer kompetitiveren Umständen" arbeiten müssten, steige bei ihnen "die moralische Gefährdung", sich zu Fehlverhalten animieren zu lassen. So sei in den Naturwissenschaften Datenklau ein großes Problem. Naturforscher seien ebenfalls ertappt worden, Übersetzungen fremdsprachiger Aufsätze als eigene Leistung auszugeben.
Was passiert mit Fälschern?
Rieble wirft den Hochschulen vor, das Problem zu vernachlässigen. Zwar würden Studierenden und Doktoranden ihre Prüfungsleistungen aberkannt, sollten sie auffliegen. Doch Professoren "kommen meistens mit einer Rüge davon", kritisiert Rieble. Krasses Beispiel sei das Hochschulgesetz von Nordrhein-Westfalen, das für Studierende und Doktoranden im Plagiatsfall ein Bußgeld von 50.000 Euro vorsieht, Professoren aber ausnimmt. Auch Wolfgang Löwer kritisiert, dass Unis bei Mitarbeitern unterer Qualifikationsstufen zwar "ohne Nachsicht" vorgingen, bei Professoren dagegen "kollegiale Rücksichtnahme" walten ließen. Er wünschte sich, dass aufgeflogenen Professoren zumindest das Gehalt gekürzt werde.
- Datum 17.02.2011 - 11:13 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle Tagesspiegel
- Kommentare 67
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Da hat es Dr. Cem Özdemir besser, sein Dr. Titel ist ihm verliehen worden, ohne Aufwand. Wenn es auc eine h.c. ist
zu 2
Hallo,
und wofür hat er den bekommen ?
h.c. werden verkauft, gekauft verliehen, für bestimmtes Wohlverhalten, für viel Geld, vielleicht auch für eine bestimmte ideologische Richtung Reklame machen usw.
Ist genau so ein Ausverkauf wie das Bundesverdienstkreuz, denke ich.
Jemand mit einem guten Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein, braucht weder den Dr.h.c. noch den ordentlichen Dr. Er oder sie, wissen, was sie können und was sie Wert sind. Dadurch sind sie frei und nicht bestechlich.
zu 2
Hallo,
und wofür hat er den bekommen ?
h.c. werden verkauft, gekauft verliehen, für bestimmtes Wohlverhalten, für viel Geld, vielleicht auch für eine bestimmte ideologische Richtung Reklame machen usw.
Ist genau so ein Ausverkauf wie das Bundesverdienstkreuz, denke ich.
Jemand mit einem guten Selbstwertgefühl und Selbstbewußtsein, braucht weder den Dr.h.c. noch den ordentlichen Dr. Er oder sie, wissen, was sie können und was sie Wert sind. Dadurch sind sie frei und nicht bestechlich.
zu 2
Lieber ein ehrenhafter Dr. h.c. als ein ehrenloser Dr.
Die Universität Tobcelli in Ostanatolien war noch in der Gründungsphase, als man Herrn Özdemir den Dr. h.c. verliehen hat.
Ob das nun eine besondere Ehre ist, weiss ich nicht.
anzumerken ist, daß Abdullah Gül, Staatspräsident und Oberbefehlshaber der türkischen Streitkräfte ebenfalls anwesend war
Anm: Bitte achten Sie auf einen artikelbezogenen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/lv
Die Universität Tobcelli in Ostanatolien war noch in der Gründungsphase, als man Herrn Özdemir den Dr. h.c. verliehen hat.
Ob das nun eine besondere Ehre ist, weiss ich nicht.
anzumerken ist, daß Abdullah Gül, Staatspräsident und Oberbefehlshaber der türkischen Streitkräfte ebenfalls anwesend war
Anm: Bitte achten Sie auf einen artikelbezogenen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/lv
Soweit ich informiert bin, stehen bereits mehr als 20 Seiten aus Guttenbergs Doktorarbeit unter Plagiatsverdacht. Abzüglich der Fußnoten hat die Arbeit etwa 400 Seiten. Also ist etwa jede 20. Seite (vermutlich) geklaut. Guter Herr Guttenberg, das ist etwas viel, um es als "Versehen" zu bezeichnen...
Im übrigen: Hätte er nur vergessen, die entsprechenden Passagen mit Anführungszeichen zu versehen und als Zitate kenntlich zu machen, dann müssten die verdächtigen Seiten ja eins zu eins mit den Originalen übereinstimmen. Er hat sie jedoch abgeändert- der Verdacht, er habe dies getan, um sie als Zitate unkenntlich zu machen liegt nahe. Ein Versehen seinerseits ist für mich kaum vorstellbar, um es höflich auszudrücken...
Ein Problem bei Plagiatssoftware ist, dass man meist gezwungen wird auch seine eigene Arbeit dem Vergleichspool hinzuzufügen. Ohne das wären sie auch sinnlos, weil ohne Vergleichsdatenbank kein Plagiat erkannt werden kann. Man muss dabei aber oft Vertragsbedingungen zustimmen, die urheberrechtlich zumindest problematisch sind.
Die Nützlichkeit solcher Spezialsoftware darf auch bezweifelt werden. Oft ist Google ausreichend, um Plagiate zu erkennen [1].
Das Problem liegt meiner Ansicht nach eher im Prozess. Die Gutachter einer Dissertation gehen eher davon aus, dass ihr Prüfling sauber arbeitet, als wirklich kritisch die Arbeit zu prüfen. Dafür fehlt ihnen meist auch die Zeit.
[1] http://www.heise.de/newst...
in welche Richtung wird sich eine Gesellschaft entwickeln, deren "Eliten" und "Leistungsträger" Steuern hinterziehen (Zumwinkel...), vor Gericht und in Untersuchungsausschüssen lügen (H.Kohl, R.Koch ...), sich persönlich unangemessen bereichern und Vorteile verschaffen (C. Ötzdemir, Mappus & Co, samt Stuttgart 21 Kartell...), trotz augenfälliger Inkompetenz Posten bekleiden (K. Schröder, P.Rösler, G. Westerwelle...), die aufgeplusterte Positionslosigkeit für Machterhalt vorleben (A.Merkel...), Englisch und Deutsch nur knapp beherrschen (Öttinger, Brüderle...), zu ihrer Arbeit gar nicht erscheinen (siehe Bundestag TV und zahllos viele Namen...)
und sich auch noch Titel erschleichen/möglicherweise sogar erkaufen (Frhr. v/u/z/ Guttenberg...),
Wenn der Kopf so stinkt, und dieser Gestank geradezu als Garant für Erfolg steht, ist ein T. Gottschalk mit implantierten blonden Locken das kleinere Übel, welches ethische und moralische und hirnlose Sinnleere verkörperte - vom Kakerlakenknabbern im Dschungelcamp oder D. Bohlen DSDS ganz zu schweigen.
Quo vadis, Deutschland? Genau! Deutschland schafft sich ab... (von Sarrazin lernen heißt mit Rassismus reich werden lernen)
Tolle Vorbilder für die heranwachsenden Generationen.
Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Argumente deutlich. Danke. Die Redaktion/lv
Doch bitte nicht so theatralisch, Deutschland ist seit ewigen Zeiten das Land der kleinen Versicherungsbetrüger, Schwarzarbeiter und Sozialbetrüger, andere eurpäische Länder sind vermutlich nicht besser. Das ist eben auch der Zeitgeist. Bei der Wehrdienstverweigerung wird seit langem auch nicht mehr so genau hingeschaut (Postkarte genügt), selbst wenn die Betreffenden dann plötzlich als Wehrbeauftragte oder Abgeordnete (mit Zustimmung zum Afganistan Einsatz selbstredend) wieder auftauchen, interessiert kein Schwein.
Betreffend des Plagiatvorwurfs an TzG und der Forderung nach Aberkennung der Doktoren"würde", ok einverstanden, das war wohl offensichtlich zu doof und frech.
Ich gebe aber zu bedenken, dass die Maßstäbe bei Doktorarbeiten extrem unterschiedlich sind. Ich habe Ende der 70er Jahre Doktorarbeiten von Mediziner gesehen, die waren 14 Seiten handschriftlich, in 20 Tagen vor dem Examen angefertigt. Und suchen sie mal in einer Doktorarbeit von Historikern, Soziologen oder Theologen einen eigenen wissenschaftlichen Gedanken. Bei Physikern ist das sicher anders. Ich freue mich aber schon sehr auf die Prüfung von Doktorarbeiten anderer Politiker, die jetzt noch laut schreien.
Entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Argumente deutlich. Danke. Die Redaktion/lv
Doch bitte nicht so theatralisch, Deutschland ist seit ewigen Zeiten das Land der kleinen Versicherungsbetrüger, Schwarzarbeiter und Sozialbetrüger, andere eurpäische Länder sind vermutlich nicht besser. Das ist eben auch der Zeitgeist. Bei der Wehrdienstverweigerung wird seit langem auch nicht mehr so genau hingeschaut (Postkarte genügt), selbst wenn die Betreffenden dann plötzlich als Wehrbeauftragte oder Abgeordnete (mit Zustimmung zum Afganistan Einsatz selbstredend) wieder auftauchen, interessiert kein Schwein.
Betreffend des Plagiatvorwurfs an TzG und der Forderung nach Aberkennung der Doktoren"würde", ok einverstanden, das war wohl offensichtlich zu doof und frech.
Ich gebe aber zu bedenken, dass die Maßstäbe bei Doktorarbeiten extrem unterschiedlich sind. Ich habe Ende der 70er Jahre Doktorarbeiten von Mediziner gesehen, die waren 14 Seiten handschriftlich, in 20 Tagen vor dem Examen angefertigt. Und suchen sie mal in einer Doktorarbeit von Historikern, Soziologen oder Theologen einen eigenen wissenschaftlichen Gedanken. Bei Physikern ist das sicher anders. Ich freue mich aber schon sehr auf die Prüfung von Doktorarbeiten anderer Politiker, die jetzt noch laut schreien.
und weil ich trotz dieser abstossenden Geschichte diesbezüglich heute einmal herzlich schmunzeln musste, ein Amuse-Gueule (per Copy &Paste aus
http://www.zeit.de/politi...
bei Zeit.de abgekupfert aus Westdeutsche Allgemeine Zeitung (ohne Nennung der/des Autorsisn)
aber es war so schön!
zu Gutti:
... " der Meister der Bedeutungsschwere vorgaukelnden Wortgirlande ..."
man sollt es nicht nur lesen, sondern laut sprechen... wie es klingt. Und dann die Hoffnung erkennen, das Licht am Ende der Dunkelheit, dass selbst aus dem widerlichsten Dreck sinnlich-poetische Keime spriessen...
"Meister der Bedeutungsschwere vorgaukelnden Wortgirlande" . Einfach nur schön.
Entfernt. Bitte argumentieren Sie sachlich und artikelbezogen. Danke. Die Redaktion/lv
... verstehe weder Löschung und Begründung für di Löschung...
was ist am Guttenberg Rhetorik Hüpfer unsachlich?
Der Guttenberg Rhetorik Hüpfer ist nur die Verkörperung von einer "...Bedeutungsschwere vorgaukelnden Wortgirlande ..."
genauso, wie ein Dr. Titel aufplustert und beeindrucken soll, obwohl nichts eigenes dahinter steckt.
Und wenn man es selber mal ausprobiert, kann man solche Vorgauklungsmechanismen viel besser durchschauen.
Ob nun den Guttenberg Hüpfer oder das Merkel Hände Dreieck... alle Menschen, die nicht authentisch sind und "lügen" (wollen/müssen/ nicht anders können..) benötigen neben dem gesprochenen Wort solche visuellen (für den Betrachter) Ablenkungen aber auch für sich selbst ("egal, was für Dummschwätz ich hier gerade rede, ich fühle zumindest noch meinen Körper...")
... verstehe weder Löschung und Begründung für di Löschung...
was ist am Guttenberg Rhetorik Hüpfer unsachlich?
Der Guttenberg Rhetorik Hüpfer ist nur die Verkörperung von einer "...Bedeutungsschwere vorgaukelnden Wortgirlande ..."
genauso, wie ein Dr. Titel aufplustert und beeindrucken soll, obwohl nichts eigenes dahinter steckt.
Und wenn man es selber mal ausprobiert, kann man solche Vorgauklungsmechanismen viel besser durchschauen.
Ob nun den Guttenberg Hüpfer oder das Merkel Hände Dreieck... alle Menschen, die nicht authentisch sind und "lügen" (wollen/müssen/ nicht anders können..) benötigen neben dem gesprochenen Wort solche visuellen (für den Betrachter) Ablenkungen aber auch für sich selbst ("egal, was für Dummschwätz ich hier gerade rede, ich fühle zumindest noch meinen Körper...")
..."Problematisch ist, dass viele Plagiatoren gar nicht wortwörtlich abschreiben. Forscher klauen oft ganze Gedankengänge von Kollegen, formulieren diese um und geben sie als eigene Thesen aus. Das nachzuweisen sei schwierig, sagt Hornbostel"...
Also noch nicht einmal professionell geklaut, sondern nur banal abgeschrieben ... ... !
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren