Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Kanzleramt © Sean Gallup/Getty Images

Egal, was Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg vorschlägt – "das entbindet die Uni Bayreuth nicht von den nötigen Prüfungen seiner Doktorarbeit". Mit diesen Worten reagierte der Universitätspräsident Rüdiger Bormann auf einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag auf die schriftlich Bitte des Bundesverteidigungsministers an die Universität, den ihm 2006 verliehenen Doktortitel wegen Pfuschs oder offiziell gesagt "gravierender handwerklicher Fehler" zurückzunehmen. "Die Entscheidung obliegt allein der Hochschule", sagte Bormann.

Mit anderen Worten: Die Universität Bayreuth kann Guttenberg den Titel gemäß der Promotionsordnung nach wie vor auch aus eigener Macht aberkennen. Dem großzügigen Anerbieten des Freiherrn muss sie nicht folgen.

Namhafte Rechtswissenschaftler sind sich keineswegs einig darüber, ob jemand auf seinen Titel verzichten kann, oder ob nur die zuständige Universität darüber entscheiden darf. Die herrschende Meinung vertritt etwa der emeritierte Rechtsprofessor Hartmut Maurer von der Universität Konstanz im Handbuch des Wissenschaftsrechts : Der Doktorgrad stelle ein persönliches Recht dar, "auf das verzichtet werden kann, soweit öffentliche Interessen nicht entgegenstehen". Dies sei ein allgemeiner Grundsatz des Verwaltungsrechts, meint auch der Hochschulrechtler Hans-Wolfgang Waldeyer aus Münster.

Die beiden Gelehrten sehen in einem Doktortitel kein höheres Gut, das aus öffentlichem Interesse geschützt werden müsse. Auf den akademischen Grad der Uni-Behörde könne man genauso verzichten, wie auf eine Baugenehmigung von der Stadtverwaltung. Der Bild -Kolumnist Franz Josef Wagner drückt es so aus: "Scheiß auf den Doktor", schreibt er.

Ganz anders sieht das Werner Thieme von der Universität Hamburg , Deutschlands Altmeister des Hochschulrechts. Er schreibt im Klartext: Durch einen Titelverzicht versucht der angegriffene Doktor, dem Entzug des Titels zu entgehen und "damit auch dem Vorwurf des Plagiats, der Täuschung". Da der akademische Grad von einer öffentlichen Prüfungsbehörde verliehen worden sei, könne er aber nicht durch eine einseitige private Erklärung "zum Erlöschen" gebracht werden und die förmliche Aberkennung überflüssig machen.