Der Fall Guttenberg beschäftigt inzwischen nicht mehr nur die Universität Bayreuth, die Macher des GuttenPlag-Wikis , den Bundestag und die Medien. In Österreich hat ein Jura-Professor bei Recherchen zu einer Textstelle aus der Dissertation des Verteidigungsministers eine kleine, aber pikante Entdeckung gemacht. Beim Nachlesen einer Passage, die Karl-Theodor zu Guttenberg weitgehend von dem Innsbrucker Dreifach-Doktor und Universitätsprofessor Waldemar Hummer abgeschrieben haben soll, fiel ihm auf, dass dieser offenbar selbst bei einem anderen abgekupfert hat.

Der Österreichische Rundfunk hatte berichtet, dass Karl-Theodor zu Guttenberg Textpassagen aus einem Aufsatz Hummers von 2003 über den europäischen Verfassungs-Konvent (in: Politische Studien , Sonderheft 1/2003 , Seite 56) ohne Quellennachweis übernommen habe. Dabei geht es speziell um die Frage , wie die Staatsgewalt intern, in einem Bundesstaat oder aber in einem Zentralstaat, ausgeübt wird.

Der womöglich Bestohlene erklärt dazu betont zurückhaltend: "Wenn ich fehlerhaft oder nicht zitiere, ist das ein Verstoß gegen die wissenschaftliche Redlichkeit. Man muss sich die Fülle der Fehlzitate genau anschauen." Das hat jetzt Peter Hilpold getan, ein Kollege von der Innsbrucker Uni, und traute seinen Augen kaum: Hummers Ausführungen, so der Befund des Lesers Hilpold, überschneiden sich gerade bezüglich der Interna der Staatsgewalt ohne Zitat mit einem Arbeitspapier, das der heute in Salzburg lehrende Rechtsprofessor Stefan Griller 1996 über Ein Staat ohne Volk? – Zur Zukunft der Europäischen Union herausbrachte ( IEF Working Paper 21 , Seite 14 bis 16 ).

Zwar wurden längere Textabschnitte hier nicht vollständig wörtlich übernommen, doch inhaltlich überschneiden sie sich unverkennbar.

Manch guter Gedanke in der Academia hat offenbar viele (Doktor-)Väter und demnach auch viele legitime oder illegitime Kinder.