Karl Theodor zu Guttenberg hat für seine Doktorarbeit abgeschrieben, und zwar im großen Stil. Wer dies abstreitet, tut es entweder aus politischem Kalkül, enttäuschter Heldenverehrung oder weil er schlicht keine sonderlich konkrete Vorstellung vom Wissenschaftsbetrieb hat. Die Faktenlage allerdings ist für jedermann einsehbar.

Das Vorgehen Guttenbergs, vom zweifelhaften Zustandekommen seiner Arbeit bis zu seinen unansehnlichen Versuchen der vergangenen Tage, Schaden von sich selbst abzuwenden, sendet ein fatales Signal aus: Schmücke Dich mit fremden Federn, und es hilft Dir, ganz nach oben zu kommen. Leistung lohnt sich nicht, Du kannst es auch einfach haben.

Hatten wir nicht immer gedacht, wir lebten in einer Leistungsgesellschaft und müssten fleißig und redlich sein, um irgendwann dafür belohnt zu werden – hat man uns das nicht spätestens in der Grundschule erzählt? Und nun hebt ausgerechnet ein Konservativer dieses Leistungsprinzip aus den Angeln. Welch Ironie.

Wer eine Doktorarbeit abschreibt oder sogar andere für sich arbeiten lässt, der erspart sich nicht nur Zeit. Er verzichtet auch auf das selbstständige Denken, den Gewinn eigenständig erarbeiteter Erkenntnisse und erworbenen Wissens. Nähmen sich Schüler und Studenten Guttenberg großflächig zum Vorbild, würde sich Kanzlerin Merkels immer wieder ausgerufene Bildungsrepublik in eine verdummte Gesellschaft verwandeln. Bildung gilt hierzulande mittlerweile als Exportgut. Nach Guttenberg könnte es für die deutsche Exportrate jedoch finster aussehen. Oder anders gesagt: Mit Abschreibern ist kein Staat zu machen.