"Dass mein Fach Kerntechnik ist, finden meine Mitbewohner im Studentenheim immer besonders interessant." Das sagt Rebekka Gehr, die Nuclear Safety Engeneering an der Technischen Hochschule Aachen auf Master studiert.

"Wegen meiner Studienwahl bin ich von meinen Eltern enterbt worden", sagt Alexander Hundhausen. Das stimmt nicht, aber Alexander erzählt dies gerne im Scherz. "Manche Bekannte von mir nehmen das aber leider wirklich ernst." Er kann darüber nur den Kopf schütteln.

"Für mein Studium der Kerntechnik schäme ich mich nicht, es ist doch nicht gleichbedeutend mit Fukushima", sagt Thomas Leipold von der Hochschule Zittau . "Wir werden nicht nur für den Betrieb von Kraftwerken gebraucht, sondern ebenso für Rückbau und Entsorgung, die staatliche Aufsicht oder als Gutachter zum Beispiel beim TÜV." Dabei geht es beispielsweise um den nötigen Strahlenschutz in der Nuklearmedizin, etwa im Kampf gegen den Krebs.

Aber wer wählt denn ausgerechnet ein solches Studium? Die Frage stellt sich schon angesichts der Zahlen: In Zittau wie am Aachener Lehrstuhl für Reaktorsicherheit und -technik gibt es derzeit acht Diplomanden; die Nukleartechnik an der Technischen Universität München hat gegenwärtig nur einen einzigen Bachelor-Studenten, aber immerhin fünf angehende Master. Der Aachener Master-Kurs Nuclear Safety Engineering für Naturwissenschaftler und Ingenieure zählt mit 13 Teilnehmern im bundesweiten Vergleich unter rund dreißig Unis und Fachhochschulen auffallend viele Köpfe.

Der angehende Strahlentechniker Leipold versteht sein Studium als konsequenten Karriereschritt nach der praktischen Berufsausbildung zum Energie-Elektroniker. Bei einem seiner Studienkollegen hat es auf der Schule im Leistungskurs Chemie gezündet. Rebekka Gehr war im Bachelor-Studium des Maschinenbaus von einer Exkursion in ein Kernkraftwerk beeindruckt. In dem Themenfeld schrieb sie dann ihre Abschlussarbeit an der FH Esslingen und setzte sich damit unter den Mitbewerbern für das Aachener Masterprogramm glatt durch.

Mit Gehr sind von dem guten Dutzend Teilnehmern beim Nuclear Safety Engineering drei Frauen – überdurchschnittlich viele in einem naturwissenschaftlich-technischen Studiengang. Zudem bringen drei, relativ mehr als sonst, einen Migrationshintergrund mit. Alles also ziemlich international, weiblich und erstklassig – eigentlich wunderbar, wenn im Studienobjekt nicht ein wirklich katastrophales "Restrisiko" läge. Ob Gehr nichts vom Super-GAU im Kernkraftwerk Grafenrheinfeld in Franken gehört hat, keine 200 km Luftlinie entfernt von ihrer Heimatstadt Esslingen?