Lehrbeauftragte Prekär im Hörsaal
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"Wir haben nichts mehr zu verlieren"

Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, sieht das anders: "Der Lehrauftrag wird in der Regel nebenberuflich ausgeübt und ist in den meisten Ländern auf ein bis zwei Semester befristet. Damit kann keine Rede davon sein, dass es sich bei Lehraufträgen um prekäre Beschäftigungsverhältnisse handelt."

In einer Umfrage der GEW Berlin gibt allerdings fast die Hälfte der hundert befragten Lehrbeauftragten an, ihre Lehrtätigkeit hauptberuflich auszuüben. "Jetzt lebt man ja noch so, wurschtelt sich durch, lebt im Altbau. Das Hauptproblem ist die drohende Altersarmut. Ich habe überhaupt keine sozialversicherungspflichtigen Jobs mehr", berichtet Elisabeth Meyer-Renschhausen, Privatdozentin, Freischaffende und Mitglied der Initiative Berliner Privatdozenten. Kommen die Privatdozenten ihrer Lehrverpflichtung allerdings nicht nach, verlieren sie die Venia Legendi, ihre Lehrbefugnis. Das wäre das Ende ihrer akademischen Laufbahn.

"Um der Ausnutzung von Lehrbeauftragten entgegenzuwirken, müsste die gesetzliche Basis geändert werden", sagt Matthias Neis. Die Initiative Intelligenzija Potsdam hat in diesem Sinne eine Petition zur kurzfristigen Besserstellung der Lehrbeauftragten an der Uni Potsdam verfasst. Die Promotionsstudierenden und Initiatoren Sabine Volk und Michael Bahn sind von den Vorgesprächen mit der Potsdamer Universität enttäuscht. "Man hat uns gefragt, warum gerade wir uns für ältere, bereits promovierte Lehrbeauftragte einsetzten. Ein Engagement für diese Menschen, die es bis jetzt nicht geschafft hätten, sich zu etablieren, sei der Mühe nicht wert", berichtet Volk.

"Wir haben nichts mehr zu verlieren" – mit diesen Worten endet ihre Petition, die sie vor wenigen Tagen eingereicht und die 1282 Menschen unterschrieben haben.

Die GEW fordert schon seit Jahren eine Reform von Personalstruktur und Berufswegen in Hochschule und Forschung. In ihrem Templiner Manifest heißt es: "Mit der Ausnutzung von Dumping-Lehrkräften muss Schluss sein! Dort, wo Lehrbeauftragte dauerhaft Lehr- und Prüfungsaufgaben wahrnehmen, müssen diese sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse erhalten." Olaf Jann hat das Manifest natürlich unterzeichnet.

 
Leser-Kommentare
  1. Dem Artikel kann ich nur zustimmen. Ich selber war mit den Verhaeltnissen an meinem Institut, bzw. Abteilung zufrieden (Pharmazie).Ich war Vollzeit beschaeftigt und auch sonst waren die Rahmenbedienungen zufriedenstellend (Ausstattung, Betreuung). Ich habe aber genug gekannt, die sich den ueblichen Spielregeln unterworfen haben. Zum Beispiel als Halbtagesstelle eingestellt werden, aber natuerlich ganztags arbeiten, sich selber um diverse Stipendien oder Projekte kuemmern,usw...Diese Verhaeltnisse waehrend der Doktorarbeit sind nicht neu, neu ist hingegen die Tatsache, das es auch nach der Doktorarbeit kaum eine Perspektive im Hinblick auf eine akademische Karriere gibt.

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  2. dass aus der Wirtschaft ja schon seit längerem hinlänglich bekannt ist. Und es ist damit auch nur die konsequente Weiterführung der Wirtschaftsmetapher im Bildungssystem. Leider. Man spart sich Sozialversicherungsausgaben und generell die Nachteile (also die Kosten) eines Beschäftigungsverhältnisses auf Seiten der Uni, greift aber zu, wenn es darum geht diese Arbeitskraft zu nutzen: Prüfungen, Administration usw. Man verkennt, dass Bildung zwar ein Gut aber dennoch kein Produkt ist, auch wenn sie sich verkaufen lässt. Ich nehme an, die Universitäten befinden sich dabei auch unter Druck. Gelddruck, verursacht von politischen Fehlentscheidungen. Wer kein Geld hat, muss sparen. Denn: Wer sich nicht lohnt, wird abgebaut. Die Unis geben diesen Druck weiter und müssen darüberhinaus die Sache medial beschönigen, damit ihr Ruf (auch so ein Produkt) nicht leidet. In diesem System befinden sich alle in der Zange. Die Uni, die Mitarbeiter, am Ende die Studierenden.
    Wann investieren wir (und damit meine ich diesen Staat) endlich wieder in die Bildung und zwar nicht aus der Portokasse sondern auch aus der Kriegskasse?

  3. Ich habe das Gefühl, den Artikel schon einmal gelesen zu haben. Leider hat sich an der Thematik wenig geändert. Als Studentin mit vielversprechenden Noten und ehemals wissenschaftlichen Ambitionen werde ich wahrscheinlich nicht an der Uni bleiben. Es ist noch viel zu früh für mich, Entscheidungen in diese Richtung zu treffen, schließlich ist zunächst der Bachelor-Abschluss mein Ziel, aber die wissenschaftliche Karriere erscheint mir im Moment als zu risikobehaftet.

    Die deutsche Wissenschaftslandschaft darf nicht nur für Idealisten attraktiv sein.

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    guter kommentar, plunder, der mir vor allem eines sagt:

    der unterschied zwischen dem akademischen präkariat und dem nicht-akademischen ist der, daß die akademiker immer noch anderswo hin könnten, wenn sie denn wollten.

    auch ich habe mich aus diesem grunde gegen eine promotion entschieden.
    was folgte, machte mich gewiss nicht reich, doch konnte ich mit einem gefühl der sicherheit durchs leben gehen. und das ist die akademische bildung mit sicherheit wert.

    doch nicht jeder kann studieren, aus welchen gründen auch immer. diese leute haben es etwas schwerer.

    Als tadelloser Mensch mit ebensolchem Unizeugnis hab ich einst auch schon mit der Weltherrschaft geliebäugelt, mich dann aber - aus Kostengründen - dagegen erstmal entschieden. Wir werden sehn, ob sich die Bedingungen noch bessern.

    guter kommentar, plunder, der mir vor allem eines sagt:

    der unterschied zwischen dem akademischen präkariat und dem nicht-akademischen ist der, daß die akademiker immer noch anderswo hin könnten, wenn sie denn wollten.

    auch ich habe mich aus diesem grunde gegen eine promotion entschieden.
    was folgte, machte mich gewiss nicht reich, doch konnte ich mit einem gefühl der sicherheit durchs leben gehen. und das ist die akademische bildung mit sicherheit wert.

    doch nicht jeder kann studieren, aus welchen gründen auch immer. diese leute haben es etwas schwerer.

    Als tadelloser Mensch mit ebensolchem Unizeugnis hab ich einst auch schon mit der Weltherrschaft geliebäugelt, mich dann aber - aus Kostengründen - dagegen erstmal entschieden. Wir werden sehn, ob sich die Bedingungen noch bessern.

  4. guter kommentar, plunder, der mir vor allem eines sagt:

    der unterschied zwischen dem akademischen präkariat und dem nicht-akademischen ist der, daß die akademiker immer noch anderswo hin könnten, wenn sie denn wollten.

    auch ich habe mich aus diesem grunde gegen eine promotion entschieden.
    was folgte, machte mich gewiss nicht reich, doch konnte ich mit einem gefühl der sicherheit durchs leben gehen. und das ist die akademische bildung mit sicherheit wert.

    doch nicht jeder kann studieren, aus welchen gründen auch immer. diese leute haben es etwas schwerer.

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    oder so...

    oder so...

  5. Wir haben an meinem Institut etwa 30% mehr Stunden laut Studienordnung zu leisten, als etatmäßig von den Angestellten (Professoren und Mitarbeitern) zu erbringen sind. Ein Viertel der Lehre läuft also etwa über Lehrbeauftragte, und die erste Frage bei jedem, JEDEM Vorschlag für Lehraufträge in der Konferenz lautet: Müssen wir dafür zahlen? Gibt es eine_n die_der es umsonst macht, kriegt sie_er es. Ich würde sie wenigstens gerne bezahlt sehen, anständig am besten. Es ist ja noch nicht mal so, daß man sagen kann: Jetzt ist es kompliziert, aber in drei Jahren hast Du eine Vollstelle, da kommt alles wieder rein ... Ich weiß nicht, ob ich mir das selber heute nochmal antun würde.
    Th.R.

  6. Wie bereits oben angemerkt, habe ich diesen Artikel, so überzeugend er ist, schon mal gelesen, auch hier in der Zeit, mehr als einmal glaube ich.
    Ich habe über einige Jahre mit viel Idealismus und für wenig Geld als ein solcher Lehrbeauftragter gearbeitet. Ich würde es vermutlich wieder tun, auch wenn ich eigentlich einsehe, dass es kompletter Unfug ist.
    Es ist wohl wirklich die Unfähigkeit, diese Erkenntnis mit der eigenen Lebenssituation in Einklang zu bringen, die dafür sorgt, dass es immer so weiter geht. Nicht nur die deutsche Uni ist unreformierbar, auch die von ihr vernachlässigten Studenten und Dozenten sind es.

    Eine Leser-Empfehlung
  7. Würde man in die Lehre und die Forschung, in die Berufsausbildung und die Schule soviel Geld stecken wie in Banken oder Miltär, wir wären wieder Welt-Bildungs-Elite!

  8. Nach der Lektüre dieses Artikels bleibt ein mangelhaft als Kopfnote für den Bildungs- und Wissenschaftsstandort Deutschland.

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