Weit über 300 Kooperationen zwischen deutschen und japanischen Hochschulen listet die Deutsche Hochschulrektorenkonferenz (HRK) auf. Einige deutsche Unis haben die Tohoku Universität in Sendai als Partner-Uni, die durch die Katastrophe in Japan beschädigt wurde. Die Hochschule hat ihren Lehr- und Forschungsbetrieb zunächst bis Ende April eingestellt und betreibt in der Verwaltung derzeit ein Notprogramm. Prüfungen und Zeugnisvergabe sind verschoben, über eine Website sammelt die Uni Meldungen ihrer Auslandsstudenten, um zu erfahren, ob sie in Sicherheit sind. Laut dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) haben wegen der schwierigen Lage in Japan mehrere Universitäten im Land den Semesterbeginn verschoben.

Unterdessen haben mehrere deutsche Hochschulen zu Spenden für Japan aufgerufen, darunter die RWTH Aachen , die Abteilung für Herzchirurgie der Universitätsklinik Düsseldorf und der Fachbereich Informatik der Universität des Saarlands. Letztere wollen mindestens 3141,59 Euro sammeln. "Hinter der Summe verbirgt sich die Zahl Pi", sagte eine Sprecherin des Fachbereichs. "Eigentlich hatten wir uns erstmal 800 Euro zum Ziel gesetzt, das Geld hatten wir über Facebook aber an einem halben Tag schon zusammen." Die Hochschule Rhein-Main oder die TU Hamburg-Harburg sind gerade dabei, Spendenaktionen vorzubereiten.

Doch bei der Bitte um Spenden bleibt es nicht. Die Universität des Saarlands oder die TU Hamburg-Harburg wollen Studienplätze zur Verfügung stellen für diejenigen, die ihr Studium in Japan wegen der Katastrophe nicht fortsetzen können. "Wir stehen in engem Kontakt mit der Tohoku Universität in Sendai und sind gerade dabei herauszufinden, wie wir die Universität sinnvoll unterstützen können", sagte Antranikian Garabed, designierter Präsident der TU Hamburg-Harburg. "Denkbar ist, dass wir 20 Studienplätze zu Verfügung stellen." Der Präsident der Leibniz Universität Hannover, Erich Barke, hat japanische Wissenschaftler bereits eingeladen, eine Zeit lang in Hannover zu forschen.

Gleich mehrere große Aktionen plant die Georg-August-Universität Göttingen , die Partner der Universität Tohoku in Sendai und weiterer japanischer Hochschulen ist. So gründete die Universität kurzfristig den Verein Georgia Augusta International und koordiniert Hilfsaktionen von Stadt, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur. Eine Auftaktveranstaltung findet kommenden Freitag in der Aula der Hochschule statt. Geplant sind unter anderem Überbrückungsstipendien sowie eine Summer School für betroffene Studenten, die Möglichkeit zur Weiterbildung aber auch Erholung bieten soll.

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Derzeit sind laut der Uni Göttingen mindestens 39 Studenten und junge Wissenschaftler an der Hochschule und an Forschungsinstituten tätig. "Gaststudenten aus Japan sind auf uns zu gekommen und haben gesagt, dass sie in Not sind", sagte die Vizepräsidentin der Universität, Hiltraud Casper-Hehne. "Ein junger Postdoc hat Angehörige verloren und keinen Kontakt mehr zu mehreren Freunden, ein weiterer Student erhält keine finanzielle Unterstützung mehr und braucht derzeit Geld, um erst einmal weiter die Miete zahlen zu können. Wir freuen uns über die große Unterstützung aus der ganzen Region Göttingen."

Die Universität beteiligt sich auch an der Aktion "Nippon Science Support" mehrerer Forschungsorganisationen wie der Leibniz Gemeinschaft und dem Max-Planck-Institut für Medizin . Über eine Plattform im Netz können Organisationen und Institute offene Stellen und Laborplätze für japanische Forscher anbieten. Weit über 20 Stellen listet die Seite bereits auf. "Die deutschen Kolleginnen und Kollegen werden aktiv helfen, um die Forschung am Leben zu erhalten", heißt es aus der Initiative.

Das soll auch vor Ort geschehen. Das Bundesforschungsministerium hat fünf Millionen Euro zur Verfügung gestellt für deutsche Wissenschaftler, die in Japan mit ihrem Fachwissen beim Wiederaufbau helfen wollen. Die großen deutschen Forschungsinstitute haben ihre Unterstützung bereits zugesagt. Gefragt sind Experten auf den Gebieten Gesundheit, Erdbebenforschung, Energieversorgung sowie Reaktorsicherheit und Strahlenschutz.