Studienzulassung: Mit vereinten Kräften ins Einschreibchaos
Bei der Uni-Einschreibung werden Studienanfänger 2011 wieder große Probleme haben. Hochschulen und Politik tragen beide Schuld daran, kommentiert Meike Fries.
Seit die Hochschulen sich ihre Studenten selbst aussuchen dürfen, und es bis auf die Fächer Medizin und Pharmazie kein zentrales Vergabeverfahren mehr für zulassungsbeschränkte Studienplätze gibt, bewerben sich Studenten in der Regel an mehreren Unis parallel. Nur so können sie einigermaßen sicher sein, am Ende auch tatsächlich einen Studienplatz zu bekommen.
Ein großer Aufwand – für Bewerber wie Hochschulen. Mit den Mehrfachbewerbungen sind langwierige Nachrückverfahren verbunden, die oft bis weit in das Semester andauern. Etliche Studienplätze bleiben unbesetzt, im Wintersemester 2010/2011 waren es laut Kultusministerkonferenz ganze 17.000.
Das bundesweites Bewerbungssystem www.hochschulstart.de sollte dieses Chaos in Zukunft vermeiden und Angebot und Nachfrage zentral und zügig abgleichen. Doch der Start des Systems wird erneut verschoben. Testläufe haben ergeben: Das System eiert. Das von der Firma T-Systems mit stolzen 15 Millionen Euro aus dem Bundesbildungsministerium entwickelte Portal ist nicht kompatibel mit den Systemen der Hochschulen; Probleme mit Support und Datenschutz gibt es außerdem.
Bisher funktioniert das System nur bei Studiengängen mit einem Fach – viele Studiengänge sind aber eine Kombination aus mehreren Fächern. Auch für Lehramtsstudiengänge ist das System nicht nutzbar. Hochschulen könnten bisher also – wenn überhaupt – nur einen Teil ihrer Studienplätze über das neue System anbieten.
Mehrere Unis verweigern ihre Teilnahme, so lange die Software mehr Chaos verursacht als beseitigt. Das ist zunächst vernünftig. Allerdings: Vielen Hochschulen fehlte von vornherein der Wille, sich am System zu beteiligen. Laut Bundesbildungsministerium nahmen an Testläufen nur 100 von 170 Hochschulen teil. Viele Unis wollen sich in ihre Verwaltungsabläufe nicht reinreden lassen. Der Bildungsföderalismus macht es möglich. Ein unausgereiftes System, dem sich etliche Hochschulen verweigern, soll also zukünftig das Einschreibchaos verhindern? Das klingt nicht realistisch.
Die Leidtragenden sind die angehenden Studenten. Sie müssen weiterhin Bewerbungen in x-facher Ausführung erstellen und bei unterschiedlichen Unis einreichen. Mitunter können sie ihren Studienstart kaum planen, weil sie oft erst spät erfahren, an welcher Hochschule sie angenommen wurden. Andere gelangen gar nicht erst an ihren angestrebten Studienplatz oder vergeuden schlicht Zeit.
Der verschobene Start ist besonders ärgerlich, weil in diesem Herbst lange Schlangen von Studienwilligen an den Hochschulen erwartet werden: In Bayern und Niedersachsen verlassen die doppelten Abiturjahrgänge die Schulen, und das Ende von Wehr- und Zivildienst spült zusätzliche Bewerber an die Unis. Umso dringlicher wäre eine funktionierende und faire Studienplatzvergabe. Auf die Bewerber wartet im Herbst stattdessen Chaos. Politik und Hochschulen haben beide ihren Teil dazu beigetragen.







Kaum vorstellbar, dass es den beteiligten Organisationen nicht gelingt eine entsprechende Lösung anzubieten. Die Ursache darin kann kaum im zu lösenden Problem liegen. Täglich laufen an der Börse, bei Telefonanbietern, Versicherungen oder Automobilherstellern Abermillionen von Heuristiken zur Lösung vergleichbar komplexer Probleme und das sehr erfolgreich.
Ein hilfreicher Schritt wäre der Abschied vom falschen Bildungsföderalismus: weg mit der falschen Freiheit, dass sich Universitäten nicht in ihre Prozesse reinreden lassen wollen, denn warum soll die eine nicht von der anderen lernen? Warum soll man sich nicht auf einen Best-Practice einigen oder auf Standards?
Das ist das Grundproblem: es fehlt am Willen zur Veränderung. Eine halbwegs funktionierende Software kann kaum Schlimmer sein, als das übliche Chaos an ZVS und deutschen Universitäten.
Aber das geht erst, wenn in Deutschland wieder regiert wird.
Vereinheitliche Standards sind der Weg in die Diktatur!
Föderalismus ist ein Ausdruck von Freiheit. Daher ist auch der Bolognaprozeß in Bezug auf die Fehlerhaftigkeit genauso zu kritisieren wie die Einf+ührung des Euro - ob man beides kritisiert, hängt vom politischen Standpunkt ab.
Zwar gab es immer ein paar "ZVS-Opfer", die nicht an der Wunsch-Uni gelandet sind. Das liegt aber in der Natur der Sache, wenn es mehr Bewerber als Plätze an einer Uni gibt. Nun kamen aber ganz schlaue Bildungspolitiker (die auch für Bologna, Juniorprofessor und Co verantwortlich sind) auf die Idee, dass die Unis wie in GB und den USA lieber ihre Studierenden selbst aussuchen sollten. Bringen tut das überhaupt nichts, denn letzendlich zählt auch so meist nur der Abischnitt. Folge ist jedoch das erwähnte Chaos. Oh Wunder, jeder bewirbt sich an zehn Unis, weil er Angst hat ganz ohne Studienplatz dazustehen. Mister Abinote 1,0 bekommt dann zehn Zusagen, nur eine nimmt er an. Neun Studienplätze werden im ersten, zweiten und dritten Nachrückverfahren vergeben. Wenn das Semester längst begonnen hat, stellt sich oft heraus, dass der ganze Unsinn überflüssig war, da ohnehin jeder - auch Abischlusslicht 3,7 - genommen werden konnte. Mrs 1,5 ist jedoch nicht an ihrer Wunschuni gelandet, da sie mit ihrem Erstwunsch dort nicht gleich einen Studienplatz bekommen hat und das Angebot der zweitliebsten Uni nicht ablehnen wollte. Als ob es nicht völlig vorhersehbar war, dass es so kommen würde. Nicht der fehlende Wille zur Veränderung ist m.E. das Problem. Sondern die allzu praxisfernen Reformideen mancher Bildungspolitiker und -funktionäre.
Vereinheitliche Standards sind der Weg in die Diktatur!
Föderalismus ist ein Ausdruck von Freiheit. Daher ist auch der Bolognaprozeß in Bezug auf die Fehlerhaftigkeit genauso zu kritisieren wie die Einf+ührung des Euro - ob man beides kritisiert, hängt vom politischen Standpunkt ab.
Zwar gab es immer ein paar "ZVS-Opfer", die nicht an der Wunsch-Uni gelandet sind. Das liegt aber in der Natur der Sache, wenn es mehr Bewerber als Plätze an einer Uni gibt. Nun kamen aber ganz schlaue Bildungspolitiker (die auch für Bologna, Juniorprofessor und Co verantwortlich sind) auf die Idee, dass die Unis wie in GB und den USA lieber ihre Studierenden selbst aussuchen sollten. Bringen tut das überhaupt nichts, denn letzendlich zählt auch so meist nur der Abischnitt. Folge ist jedoch das erwähnte Chaos. Oh Wunder, jeder bewirbt sich an zehn Unis, weil er Angst hat ganz ohne Studienplatz dazustehen. Mister Abinote 1,0 bekommt dann zehn Zusagen, nur eine nimmt er an. Neun Studienplätze werden im ersten, zweiten und dritten Nachrückverfahren vergeben. Wenn das Semester längst begonnen hat, stellt sich oft heraus, dass der ganze Unsinn überflüssig war, da ohnehin jeder - auch Abischlusslicht 3,7 - genommen werden konnte. Mrs 1,5 ist jedoch nicht an ihrer Wunschuni gelandet, da sie mit ihrem Erstwunsch dort nicht gleich einen Studienplatz bekommen hat und das Angebot der zweitliebsten Uni nicht ablehnen wollte. Als ob es nicht völlig vorhersehbar war, dass es so kommen würde. Nicht der fehlende Wille zur Veränderung ist m.E. das Problem. Sondern die allzu praxisfernen Reformideen mancher Bildungspolitiker und -funktionäre.
Das G8 wird nächstes Jahr auch in Ba-Wü anstehen und somit gibt es wieder das gleiche Problem.
Ein weiteres Problem sind auch die Studiengebühren und teilwesie die Vorbedingungen für einen Studiumsstart.
Bei manchen Fächer braucht man ein Vorpraktikum. Schade dass der Artikel da nicht drauf eingeht, dass es auch für Unternehmen Schwierigkeiten geben wird. Es steht ihnen einen riesige Massen an jungen Menschen ggüber, die sie nicht versorgen können, denn das Praxissemester kommt ja später auch noch dazu.
Und die Studiengebühren tun ihr übriges. Dank Zivildienst oder Bundeswehr konnt manch Jugendlicher aus allen Bevölkerungsschichten sich in diesen Zweigen umschauen und erste Eindrücke sammeln, bei denen man einen einigermaßen aktzeptablen Lohn bekam. Das fällt jetzt komplett weg und die Jungend muss sich beim Studieren zwischen Studiengebühren oder Wegziehen und keine Studiengebühr zahlen entscheiden. Die dritte Möglichkeit ist eine Ausbildung zu machen, aber wie schon gesagt, die Unternehmen werden darüber nicht gerade glücklich sein.
Es wird ein Geheule der Firmen zwischen "Fachkräftemängel" und "Bewerberüberschuss" losgehen. Ich bin nur gespannt, wann die erste Meldung dazu kommt.. ich wette im November;)
Wie soll es in Deutschland jemals einheitliche Standarts und Verfahren geben wenn die Bildungshoheit bei den Ländern verbleibt? Da wird es immer jemanden geben der es anders machen möchte und das trifft nicht nur auf die Universitäten zu. Auch verstehe ich nicht wozu der Staat hier 15 Millionen € investieren muss, wenn die betroffenen selbst unzählige Informatikinstitute haben? Fragen über Fragen über Entscheidungen die mehr politisch als fachlich sind.
PS: @neulingle: "Dank Zivildienst oder Bundeswehr konnt manch Jugendlicher aus allen Bevölkerungsschichten sich in diesen Zweigen umschauen und erste Eindrücke sammeln, bei denen man einen einigermaßen aktzeptablen Lohn bekam."
Ich weiß nicht was sie für ihre Bund/Zivizeit bekommen haben, bei mir war es unter dem gesetzlichen Exsistenzminimum. Also von akzeptablen Lohn konnte da nicht die Rede sein.
ich weiß, die Aussage " einen einigermaßen akzeptablen Lohn" ist sehr schwammig formuliert. Mir geht es aber nicht um eine Diskussion um die Entlohnung, sondern vielmehr um die riesigen Probleme in der Zukunft für die Jugendlichen.
Um eine Zahl für den Lohn zu nennen... ich bekam damals 440 Euro netto und machte ein FSJ, da ich beim Bund ausgemustert wurde und somit der Zivi nicht möglich war.
Die unübersichtliche Situation zu Beginn des Studiums kostet nicht nur Nerven und Zeit sondern auch Geld, das die zukünftigen Studierenden eigentlich nicht haben. Wenn man sicher sein will, einen Studienplatz zu erhalten, bleibt einem nichts Anderes übrig, als nach der Anmeldung auch bei den Unis, wo man vielleicht nicht unbedingt hin will, die Gebühren zu überweisen, was schnell mal 300-600 € pro Uni ausmacht. Von der Wunschuni erhält man evtl. erst im letzten Moment eine Zusage und somit sind viele Plätze bei anderen Unis unnötig lange blockiert. Bei Universitäten mit Studiengebühren kann man diese mit einigen Monaten Verzögerung zurückfordern. Die reinen Anmeldegebühren (bis ca. 300€) lässt man meistens liegen.
Weiteres Problem durch die späte Platzvergabe: Die Wohnungs- oder Zimmersuche! Unser Sohn hat letztes Jahr relativ kurzfristig etwas in Frankfurt gesucht und man konnte förmlich zuschauen wie die Preise gegen Oktober gestiegen sind. Dass immer windigere Objekte zu höheren Preisen angeboten wurden, muss ich wohl nicht näher erläutern.
Eltern, die ein Kind haben, das im Herbst studieren möchte, empfehle ich 1000-2000 € Startkapital dafür extra auf die Seite zu tun.
Der an deutschen Unis ausgebildete gebildete Bürger ist den regierenden Kreisen ein Greuel, nur so ist Bologna und dieser oben beschriebene Murks zu erklären. Auf dem Altar des europäischen Gedankens wurde - gewollt oder ungewollt - die Bildung geschlachtet.
War ja bisweilen früher nicht anders. Obwohl, die absolutistischen Monarchen waren z.Tl. aufgeschlossener für Bildung als die durch Banken- und sonstige Interessen (EU, Euro, G20, Wirtschaft) sozusagen in die Unfähigkeit zur Vernunft getriebene Politik - und alles ist "alternativlos" natürlich. Der Mensch das gebildete Wesen sollte wieder von der Politik anerkannt und respektiert werden, auch dort, wo politisch agiert wird.
Vereinheitliche Standards sind der Weg in die Diktatur!
Föderalismus ist ein Ausdruck von Freiheit. Daher ist auch der Bolognaprozeß in Bezug auf die Fehlerhaftigkeit genauso zu kritisieren wie die Einf+ührung des Euro - ob man beides kritisiert, hängt vom politischen Standpunkt ab.
Standards sind ein durchaus sinnvolles Instrument:
Papiergrößen werden mit der DIN einfach zu handhaben, Bücher kann man anhand der ISBN einfach identifizieren, Schrauben passen zu in den Dübel und selbiger ins gebohrte Loch.
Kurzum: Standards - und damit meine ich falsche Gleichmacherei - können durchaus Kosten sparen, unnötige Fehlschläge verhindern und Kapazitäten für das Wesentliche freisetzten. Warum soll das nicht für Universitäten in Deutschland gelten?
Standards sind ein durchaus sinnvolles Instrument:
Papiergrößen werden mit der DIN einfach zu handhaben, Bücher kann man anhand der ISBN einfach identifizieren, Schrauben passen zu in den Dübel und selbiger ins gebohrte Loch.
Kurzum: Standards - und damit meine ich falsche Gleichmacherei - können durchaus Kosten sparen, unnötige Fehlschläge verhindern und Kapazitäten für das Wesentliche freisetzten. Warum soll das nicht für Universitäten in Deutschland gelten?
Zwar gab es immer ein paar "ZVS-Opfer", die nicht an der Wunsch-Uni gelandet sind. Das liegt aber in der Natur der Sache, wenn es mehr Bewerber als Plätze an einer Uni gibt. Nun kamen aber ganz schlaue Bildungspolitiker (die auch für Bologna, Juniorprofessor und Co verantwortlich sind) auf die Idee, dass die Unis wie in GB und den USA lieber ihre Studierenden selbst aussuchen sollten. Bringen tut das überhaupt nichts, denn letzendlich zählt auch so meist nur der Abischnitt. Folge ist jedoch das erwähnte Chaos. Oh Wunder, jeder bewirbt sich an zehn Unis, weil er Angst hat ganz ohne Studienplatz dazustehen. Mister Abinote 1,0 bekommt dann zehn Zusagen, nur eine nimmt er an. Neun Studienplätze werden im ersten, zweiten und dritten Nachrückverfahren vergeben. Wenn das Semester längst begonnen hat, stellt sich oft heraus, dass der ganze Unsinn überflüssig war, da ohnehin jeder - auch Abischlusslicht 3,7 - genommen werden konnte. Mrs 1,5 ist jedoch nicht an ihrer Wunschuni gelandet, da sie mit ihrem Erstwunsch dort nicht gleich einen Studienplatz bekommen hat und das Angebot der zweitliebsten Uni nicht ablehnen wollte. Als ob es nicht völlig vorhersehbar war, dass es so kommen würde. Nicht der fehlende Wille zur Veränderung ist m.E. das Problem. Sondern die allzu praxisfernen Reformideen mancher Bildungspolitiker und -funktionäre.
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