Wissenschaftliche Praxis Warum viele Plagiatsvorwürfe nicht haltbar sind

Plagiatoren scheinen derzeit schnell ausgemacht. Doch ist es wirklich so einfach? Viele Vorwürfe sind obsolet, meint Rafael Wawer. Eine sprachphilosophische Spurensuche

Bibliothek: Welcher Gedanke ist wirklich neu?

Bibliothek: Welcher Gedanke ist wirklich neu?

Der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg beteuert, die Sache mit den Plagiaten sei ein Missverständnis. Ob Guttenberg oder die nächsten, die am Wikipranger stehen, sich schuldig gemacht haben, müssen akademische Gremien entscheiden. Doch welcher Plagiatsbegriff herrscht in der Öffentlichkeit eigentlich vor? Wer unter denjenigen, die von Betrug reden, hat sich eigentlich wirklich die Mühe gemacht, die Plagiatsvorwürfe akribisch im Einzelnen durchzugehen? Und wie steht es mit der Notwendigkeit für Quellennachweise für Aussagen wie "Die Sonne ist rund", "Fidel Castro ist ein Kubaner" oder "Osteuropa orientiert sich an der Marktwirtschaft"?

Wenn ein beliebter Verteidigungsminister der Ehrlosigkeit überführt wird, erregt das die öffentliche Aufmerksamkeit und spielt dem politischen Gegner in die Hände. Doch angenommen, Google oder Stephan Wolfram brächten demnächst eine öffentliche Plagiatssuchmaschine heraus, die das heutige Internet als "text corpus"-Basis (Fachbegriff der Computerlinguistik) verwendet. Diese Maschine könnte Abermillionen Bücher anhand eines Buches vergleichen wie das bereits "text merge"-tools (Textvergleiche) im kleinen Rahmen tun. Jede Suchabfrage hätte als Ergebnis den prozentualen Anteil der Plagiate am Gesamttext. Ganz oben rangierte vermutlich Guttenberg, gefolgt von – vielleicht Journalisten, Schriftstellern, Herausgebern, Nobelpreisträgern? Es gäbe einen Aufschrei.

Anzeige

Was daran wäre vorschnell? Plagiate kommen nicht einfach durch buchstabengetreue Übereinstimmung zustande. Nicht nur ist die Geschichte des Plagiats verwickelter. In Rom galt nicht die unerlaubte Vervielfältigung als moralisch verwerflich, sondern die Bereicherung daran. Noch zu Zeiten Shakespeares galt das originalgetreue Plagiat als Zeichen der Verehrung. Im Allgemeinen verstehen wir aber unter Plagiat, von lateinisch plagium, so viel wie "Raub der Seele". Dieb ist, wer fremde Gedanken stiehlt, seins nennt oder verkauft. Das oder Teile dessen wirft man auch Online-Tauschbörsen und aktuell der FPD-Politikerin Silvana Koch-Mehrin vor.

Wie vergleicht man Zusammenhänge?

Nun beziehen sich die meisten Plagiatsvorwürfe auf Platon (428-328 v. Chr.) und erben damit seine Fehler. Platon hat die Seele mit Wachs verglichen. Eindrücke der Wirklichkeit würden zu Abdrücken auf der Seele. Erkennen wir etwas, das uns bekannt scheint, suchen wir im Schrank der Seele nach genau diesem Eindruck. Wir legen Eindruck und Abdruck übereinander. Passt etwas, rufen wir: Ah! Viele aktuelle technische Erkenntnistheorien gehen nach diesem Muster vor, ebenso neuronale Netzwerke.

Aber dann kam Gottlob Frege (1848-1925) und erinnerte an den "Morgenstern". Wie sieht der Abdruck eines Morgensterns schon aus, wenn wir darunter den Planeten Venus, eine Waffe, selbst Jesus Christus und vieles weitere verstehen? Hiermit war die moderne Formalisierung von Sinn, Bedeutung und Referenz geboren – und damit die moderne Logik, die Computerwelt, das Internet. Mit Ludwig Wittgenstein (1889-1951), Bertrand Russell (1872-1970) und Jan Łukasiewicz (1878-1956) wurde sie erweitert und formalisiert. Łukasiewicz haben die Unix-Anhänger zum Beispiel zu verdanken, dass sie anstatt "8 + 5" eher "+ 8 5" schreiben.

Das bedeutet, dass man mit einfachen Abdruckvergleichen nicht weiterkommt. Die guten Absichten der Wikileute in Ehren, aber Wissenschaftler können wohl dankbar dafür sein, dass keine crowd-Tribunale über Wissenschaftlichkeit entscheiden. Denn menschliche Sprache ist zu variationsreich. Hier ein Textauszug, der Koch-Mehrin als Plagiat vorgeworfen wird:

"Konkret hieß das, daß sich nach England und Frankreich nun auch die meisten Staaten Mittel- und Südeuropas entschlossen, alle noch bestehenden Hindernisse für die Entfaltung des Handels und der gewerblichen Wirtschaft auf rechtlichem, finanz- und handelspolitischem Gebiet mehr und mehr abzubauen und sich künftig auch in ordnungspolitischer Hinsicht ganz auf den Markt und die Initiative des einzelnen zu verlassen."

Koch-Mehrin hat einen Text buchstabengetreu übernommen, ohne auf den Autor zu verweisen. Das sieht jeder, doch was steht dort, leicht verschroben formuliert? Dort steht: Mittel- und Südeuropa orientieren sich an der Marktwirtschaft. Wer jetzt auf ein Zetern im wissenschaftlichen Betrieb wartet, der wird wahrscheinlich grau werden. Denn die Aussage rangiert vom Erkenntnisgewinn her auf einer Stufe mit "Die Sonne ist rund" und "Fidel Castro ist ein Kubaner". Sicher, Koch-Mehrin verdient eine Schelte. Und bestünde ihre Arbeit zu 95 Prozent aus geklauten wortgetreuen Trivialitäten, stünde dies dem wissenschaftlichen Wert der Arbeit klar entgegen.

Wo die Suchmaschine versagt

Die Regel lautet: Wer neuartige Bedeutungen und Sinnzusammenhänge stiehlt, der ist ein Dieb, also wer zum Beispiel dem nächsten Einstein beim Reden im Schlaf zuhört. Denn die Wissenschaft lebt vom Neuen. Eine Dissertation erhebt den Anspruch auf etwas Neues, sei es im Kleinen. Wer Allgemeines wörtlich kopiert, ist doof, aber kein Verbrecher. Dass Regen vom Himmel fällt, braucht nicht bewiesen zu werden. Solange die Texte keine Lyrik oder Literatur sind, ist die exakte Wortwiedergabe fast unwichtig.

Oder erwartet jemand, dass wir "Die Sonne ist rund" als "Sonne, die rund ist" schreiben, damit uns keine Suchmaschine findet? Und was ist mit gleichen Sinnzusammenhängen, aber abweichenden Begriffen, Sätzen? Wenn wir Einsteins Relativitätstheorie durch andere Begriffe und Formelzeichen ersetzen, ist das ein Plagiat? Die Suchmaschine würde versagen. Aber ja: es wäre ein Plagiat.

Halten wir deshalb zur Orientierung fest: Wichtig ist, ob neuartige Thesen gestohlen wurden. Viele andere Vorwürfe stellen sich oft als heiße Luft heraus.

 
Leser-Kommentare
  1. sei es im Kleinen. Wer Allgemeines wörtlich kopiert, ist doof, aber kein Verbrecher. "

    in sofern hätte dieser Artikel auch zusammenkopiert sein können: Hier steht nichts neues.

    "Wer unter denjenigen, die von Betrug reden, hat sich eigentlich wirklich die Mühe gemacht, die Plagiatsvorwürfe akribisch im Einzelnen durchzugehen?"

    Dieser Satz suggeriert: die koperten Stellen waren in ausreichend erheblichem Maße Allgemeinposten.

    Hat sich der Autor die Mühe gemacht die Plagiatsvorwürfe akribisch im Einzelnen durchzugehen? bevor er diese Verteidigungsschrift verfasst hat?

    14 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Afa81
    • 04.05.2011 um 12:24 Uhr

    ...und die muss er auch nicht machen. Es handelt sich hierbei um einen Kommentar und nicht um eine Dissertation, deshalb muss der Autor nichts "Neues" in seinem Artikel bringen (sag mal, wie spießig wird das hier denn noch)?

    Und da er auch nicht der Ankläger ist (wie viele, die die Diss. nie gelesen haben und nach wenigen Tagen anhand von Prozentzahlen die Schuld als erwiesen ansahen). Letztere sollten die Diss. mal lesen. Denken Sie, dass die 30 000 Unterzeichner dieses "Wir schämen uns" Briefes die Diss. komplett gelesen haben?

    Der Autor bringt einen sehr wichtigen Punkt auf den Plan, den ich bereits vor Monaten angesprochen habe, nämlich, dass in wissenschaftlichen Arbeiten immer zunächst die Grundlagen (welche oft schon seit hunderten oder tausenden Jahren bekannt sind, und welche jedes dieser Jahre zig mal neu formuliert wurden) erläutern. Anschließend kommt der Neuwert. Diese muss in einer Dissertation das aktuelle Wissen um einen infinitesimalen Anteil erweitern.

    Es befinden sich in der Tat einige "Allgemeinposten" darunter.

    Die Frage, die der Autor erörtert ist doch, was genau unter einem Plagiat verstanden wird. Ein Beispiel muss aus Platzgründen für das Problem herhalten, dass Bedeutung oder Interpretation nicht bloß mit Hilfe von Textvergleichen gelöst werden können - obwohl außer Frage steht, dass solche Suchergebnisse eine erste Basis bilden.

    Wie am Anfang suggeriert, können wir daher dankbar für die Bewertung durch wiss. Gremien sein. Denn die werden das Problem kennen. Und es ist anzunehmen, dass die Plagiatsurteile im Einzelnen mit denjenigen der wiki-Seiten auseinander gehen, bspw. hins. Trivialplagiaten.

    " Wer Allgemeines wörtlich kopiert, ist doof, aber kein Verbrecher. "
    Einspruch, Euer Ehren. Wer Allgemeines wörtlich kopiert, ist nicht doof, sondern lernwillig. Jeder lernwillige Grundschüler schreibt ab.
    Das ist keineswegs "doof", sondern lernfördernd.
    Üblicherweise lernt man im Laufe seiner Grundschulzeit, dass es einen Unterschied gibt zwischen "abgeschrieben" und "selbst ausgedacht".
    Grundschüler, also junge Menschen von etwa 5 bis 11 Jahren.

    • Afa81
    • 04.05.2011 um 12:24 Uhr

    ...und die muss er auch nicht machen. Es handelt sich hierbei um einen Kommentar und nicht um eine Dissertation, deshalb muss der Autor nichts "Neues" in seinem Artikel bringen (sag mal, wie spießig wird das hier denn noch)?

    Und da er auch nicht der Ankläger ist (wie viele, die die Diss. nie gelesen haben und nach wenigen Tagen anhand von Prozentzahlen die Schuld als erwiesen ansahen). Letztere sollten die Diss. mal lesen. Denken Sie, dass die 30 000 Unterzeichner dieses "Wir schämen uns" Briefes die Diss. komplett gelesen haben?

    Der Autor bringt einen sehr wichtigen Punkt auf den Plan, den ich bereits vor Monaten angesprochen habe, nämlich, dass in wissenschaftlichen Arbeiten immer zunächst die Grundlagen (welche oft schon seit hunderten oder tausenden Jahren bekannt sind, und welche jedes dieser Jahre zig mal neu formuliert wurden) erläutern. Anschließend kommt der Neuwert. Diese muss in einer Dissertation das aktuelle Wissen um einen infinitesimalen Anteil erweitern.

    Es befinden sich in der Tat einige "Allgemeinposten" darunter.

    Die Frage, die der Autor erörtert ist doch, was genau unter einem Plagiat verstanden wird. Ein Beispiel muss aus Platzgründen für das Problem herhalten, dass Bedeutung oder Interpretation nicht bloß mit Hilfe von Textvergleichen gelöst werden können - obwohl außer Frage steht, dass solche Suchergebnisse eine erste Basis bilden.

    Wie am Anfang suggeriert, können wir daher dankbar für die Bewertung durch wiss. Gremien sein. Denn die werden das Problem kennen. Und es ist anzunehmen, dass die Plagiatsurteile im Einzelnen mit denjenigen der wiki-Seiten auseinander gehen, bspw. hins. Trivialplagiaten.

    " Wer Allgemeines wörtlich kopiert, ist doof, aber kein Verbrecher. "
    Einspruch, Euer Ehren. Wer Allgemeines wörtlich kopiert, ist nicht doof, sondern lernwillig. Jeder lernwillige Grundschüler schreibt ab.
    Das ist keineswegs "doof", sondern lernfördernd.
    Üblicherweise lernt man im Laufe seiner Grundschulzeit, dass es einen Unterschied gibt zwischen "abgeschrieben" und "selbst ausgedacht".
    Grundschüler, also junge Menschen von etwa 5 bis 11 Jahren.

  2. Wer ganze Absätze ohne Kennzeichnung kopiert, ist ein Plagiator, egal wie hoch die Erkenntnis ist.
    Wer in einer Promotion mehr als 8 solcher "Unachtsamkeiten" hat, fehlt.
    Hier bedarf es keines Artikels, der diese Verfehlungen beschönigt. Wenn man schon nicht eigene Texte schreibt, dann kann man wenigstens erwarten, dass die Texte entweder gekennzeichnet werden oder zu eigenen umgearbeitet werden.
    In Guttenbergs Arbeit wurden auch die Stilbrüche kritisiert und man fragt sich, warum nicht wenigstens das dem Doktorvater aufgefallen ist.

    13 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Schwierigkeit dürfte in der Bewertung der Anzahl der "groben Fehler" liegen. 95 % war von mir, rein rhetorisch, hoch gegriffen. Und es geht nicht darum, Plagiatsucher zu entmutigen, keinesfalls. Denn auch Sie suggerieren, dass es da eine Klüngelei oder politische Motivation gegeben haben könnte, was wohl wahr ist.

    Aber: Wir müssen anerkennen, dass gewisse "Komplettplagiate", wie sie auf der Wikiseite dort kategorisiert werden, mitunter Trivialplagiate sind. Aus Platzgründen konnte ich nicht alle Textstellen berücksichtigen. Aber dafür haben wir eben diese wiss. Gremien.

    Nein, wichtiger könnte sein, dass viele Plagiate letztendlich gar keine sind. Oder, wie wollen wir Plagiate finden, die damit arbeiten, dass alle Begriffe verändert wurden? Was wäre, würden wir die Relativitätstheorie durch neue Formelzeichen und Begriffe umschreiben? Hierzu braucht es - meine Intention - mehr als Suchmaschinen oder Wikis. Das können oft nur Personen mit entsprechendem Wissen erkennen.

    Ein Hinweis auf gewisse Winkelzugwissenschaftler: Siehe Carl Schmitt (Politologe). Der umstrittene Schmitt verstand sich bspw. gut darauf, sogar geläufige Interpretationen von Kant, Rousseau oder Hobbes neu zu verlegen, was zu vielen Verwirrungen führte. Aber es schützte ihn auch gegen Vorwürfe, hinter einer Demokratietheorie eine Diktaturtheorie zu verstecken.

    Die Schwierigkeit dürfte in der Bewertung der Anzahl der "groben Fehler" liegen. 95 % war von mir, rein rhetorisch, hoch gegriffen. Und es geht nicht darum, Plagiatsucher zu entmutigen, keinesfalls. Denn auch Sie suggerieren, dass es da eine Klüngelei oder politische Motivation gegeben haben könnte, was wohl wahr ist.

    Aber: Wir müssen anerkennen, dass gewisse "Komplettplagiate", wie sie auf der Wikiseite dort kategorisiert werden, mitunter Trivialplagiate sind. Aus Platzgründen konnte ich nicht alle Textstellen berücksichtigen. Aber dafür haben wir eben diese wiss. Gremien.

    Nein, wichtiger könnte sein, dass viele Plagiate letztendlich gar keine sind. Oder, wie wollen wir Plagiate finden, die damit arbeiten, dass alle Begriffe verändert wurden? Was wäre, würden wir die Relativitätstheorie durch neue Formelzeichen und Begriffe umschreiben? Hierzu braucht es - meine Intention - mehr als Suchmaschinen oder Wikis. Das können oft nur Personen mit entsprechendem Wissen erkennen.

    Ein Hinweis auf gewisse Winkelzugwissenschaftler: Siehe Carl Schmitt (Politologe). Der umstrittene Schmitt verstand sich bspw. gut darauf, sogar geläufige Interpretationen von Kant, Rousseau oder Hobbes neu zu verlegen, was zu vielen Verwirrungen führte. Aber es schützte ihn auch gegen Vorwürfe, hinter einer Demokratietheorie eine Diktaturtheorie zu verstecken.

    • Kometa
    • 03.05.2011 um 18:56 Uhr

    Wow - wie quasi-wissenschaftlich:
    "Sicher, Koch-Mehrin verdient eine Schelte. Und bestünde ihre Arbeit zu 95 Prozent aus geklauten wortgetreuen Trivialitäten, stünde dies dem wissenschaftlichen Wert der Arbeit klar entgegen...."

    Nee, nicht erst 95 Prozent. Da reicht eine eiskalt (also: identisch) abkopierte Passage!

    12 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Varech
    • 04.05.2011 um 6:07 Uhr

    ... ist original von Ihnen! Wow, Klasse!

    Nein, hier muss ich widersprechen. Genau dieser Annahme widerspricht der Artikel.

    Wenn dem so wäre, wäre das mit der Interpretation und Bedeutung von Text, Zeichen oder Bildern ja ganz leicht, nicht? Dann bräuchten wir nur noch "Abdrücke" vergleichen. Aber dem ist eben nicht so, andernfalls wäre auch das mit der Interpretation von Kunstwerken ganz leicht.

    Siehe "Morgenstern" oder Aussagen wie "Geld ist ein Zahlungsmittel". Warum müssen Sie in einer wiss. Arbeit nicht nachweisen, dass Geld Zahlungsmittel ist?

    • Varech
    • 04.05.2011 um 6:07 Uhr

    ... ist original von Ihnen! Wow, Klasse!

    Nein, hier muss ich widersprechen. Genau dieser Annahme widerspricht der Artikel.

    Wenn dem so wäre, wäre das mit der Interpretation und Bedeutung von Text, Zeichen oder Bildern ja ganz leicht, nicht? Dann bräuchten wir nur noch "Abdrücke" vergleichen. Aber dem ist eben nicht so, andernfalls wäre auch das mit der Interpretation von Kunstwerken ganz leicht.

    Siehe "Morgenstern" oder Aussagen wie "Geld ist ein Zahlungsmittel". Warum müssen Sie in einer wiss. Arbeit nicht nachweisen, dass Geld Zahlungsmittel ist?

  3. die man zu Kopieren neigt ja bereits so gut ausformuliert, dass ein "Umarbeiten" oft dazu führt, dass man einen, sagen wir, nicht so gut ausformulierten Text herausbekommt.

    Soweit kein Problem. Man kann damit natürlich durchaus leben.

    Was zum Problem wird, ist dass man nicht nur über einen Absatz redet sondern in der Regel über größere Mengen an Text.

    Größere Mengen an Text, die man immer und immer wieder nachbearbeitet, hin und her kopiert und die dann schlussendlich, oh wunder, genau zu dem Textbaustein werden den man kopiert hat...

  4. Ich hatte bei der Guttenberg-Affäre den Eindruck, dass das Plagiat ein grober Fehler war den ihm viele (berechtigterweise) zum Vorwurf gemacht haben. Für die vollständige und umfassende Demontage zu Guttenbergs hätte dieser grobe Fehler aber wohl nicht gereicht. Vielmehr war es meiner Meinung nach die unerträgliche Blasiertheit und Arroganz mit der zu Guttenberg dem Plagiatsvorwurf begegnet ist.

    Dies und die Erhaltungskampagne der Union haben Guttenberg meines Erachtens mehr geschadet als das Plagiat

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie meinen, dass die Plagiatsdebatte politisch motiviert ist? Nun, der Autor verfolgt mit diesem Beitrag rein wiss., journ. oder phil. Absichten...

    Aber: Ja, das könnte sein. Guttenbergs Fehler bestand zum Einen in seiner Arroganz, so dass sie ihm zum Verhängnis wurde, das stimmt.

    Zum anderen der Zusammenhang von Glaubwürdigkeit und Öffentlichkeit. Kein öffentlicher Akteur, ob Journalist oder Politiker (bei Künstlern ist es ähnlich, aber anders strukturiert, komplizierter) wird angehört, der nicht glaubwürdig sei (vgl. Tom-Kummer-Debatte). Guttenberg verlor auf einem Nebenschauplatz seines Lebens die Glaubwürdigkeit im politischen Betrieb. Die Leute lieben das. Es zeigt, dass man auch durch gewisse Trivialitäten gestürzt werden kann. Trivial für einen Politiker (vgl. Kommentar von Merkel); nicht trivial für Wissenschaftler. So funktioniert die Öffentlichkeit insgesamt, scheint mir.

    Sie meinen, dass die Plagiatsdebatte politisch motiviert ist? Nun, der Autor verfolgt mit diesem Beitrag rein wiss., journ. oder phil. Absichten...

    Aber: Ja, das könnte sein. Guttenbergs Fehler bestand zum Einen in seiner Arroganz, so dass sie ihm zum Verhängnis wurde, das stimmt.

    Zum anderen der Zusammenhang von Glaubwürdigkeit und Öffentlichkeit. Kein öffentlicher Akteur, ob Journalist oder Politiker (bei Künstlern ist es ähnlich, aber anders strukturiert, komplizierter) wird angehört, der nicht glaubwürdig sei (vgl. Tom-Kummer-Debatte). Guttenberg verlor auf einem Nebenschauplatz seines Lebens die Glaubwürdigkeit im politischen Betrieb. Die Leute lieben das. Es zeigt, dass man auch durch gewisse Trivialitäten gestürzt werden kann. Trivial für einen Politiker (vgl. Kommentar von Merkel); nicht trivial für Wissenschaftler. So funktioniert die Öffentlichkeit insgesamt, scheint mir.

  5. Bereits in den ersten Proseminaren eines geisteswissenschaftlichen Studiums werden diese Fragen behandelt: was muss als Zitat gekennzeichnet werden, was nicht, welche Quellen müssen angegeben werden, welche Quellen sind Allgemeingut und daher nicht nachzuweisen.

    Daher erscheint mir der Beitrag des Autors mir ziemlich banal und beschönigend. Wer sich die Mühe macht, in der http://de.guttenplag.wiki... zu stöbern, findet mehrere Stellen, die davon zeugen, dass der (vermeintliche) Autor z. Guttenberg Texte zitiert, deren Gehalt über Banalitäten weit hinausgeht, ohne das nachzuweisen.

    Es geht bei dem Vorwurf des Plagiats vor allem darum, dass die Autoren vortäuschen, eine Denkarbeit geleistet zu haben, die sie unterlassen haben.

    Wer sich über die Form der Sonne Gedanken macht und zu dem Schluss kommt, sie sei rund, darf das ruhig sagen, behaupten, schreiben und versuchen dafür den Doktortitel zu erhalten.

    15 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    bei mir den Anschein, als sei er vom fränkichen Baron, Koch-Mehring & Co. in Auftrag gegeben worden. Die Zielrichtung dürfte klar sein.

    "Wer sich über die Form der Sonne Gedanken macht und zu dem Schluss kommt, sie sei rund, darf das ruhig sagen, behaupten, schreiben und versuchen dafür den Doktortitel zu erhalten."

    Ganz genau das ist der Punkt, Sie treffen den Nagel auf den Kopf! Der Autor vergleicht hier Äpfel mit Birnen.

    bei mir den Anschein, als sei er vom fränkichen Baron, Koch-Mehring & Co. in Auftrag gegeben worden. Die Zielrichtung dürfte klar sein.

    "Wer sich über die Form der Sonne Gedanken macht und zu dem Schluss kommt, sie sei rund, darf das ruhig sagen, behaupten, schreiben und versuchen dafür den Doktortitel zu erhalten."

    Ganz genau das ist der Punkt, Sie treffen den Nagel auf den Kopf! Der Autor vergleicht hier Äpfel mit Birnen.

    • Tonii
    • 03.05.2011 um 19:30 Uhr

    Das scheint den Kern der meisten Plagiatsvorwürfe im Bereich Doktorarbeiten zu treffen,
    denn es ist ja zum großen Teil eine Zusammenfassung und Diskussion bereits vorhandener Fakten und diese sind im eigentlichen Sinne des Wortes Plagiat ja nicht gemeint. Es ist wohl eher Faulheit oder mangelnder wissenschaftlicher Ernst der da zu Tage tritt und auch zu Verurteilen ist, aber gleich von Betrug zu sprechen ist einfach über das Ziel hinaus geschossen.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • ghoff
    • 03.05.2011 um 20:06 Uhr

    In einer Dissertation wird oft (aber keinesfalls immer) eine Zusammenfassung und Diskussion bereits vorhandener Fakten zugrundegelegt, ausgeführt und zur Erkenntnisgewinnung verwandt. Aber: Die Ordnung schreibt vor, dass genau diese Diskussion - sofern sie aufgegriffen wird - auch ordentlich zitiert wird. Schon, damit der Leser sich die Quellen ansehen kann und prüfen kann, ob die Zusammenfassung denn auch "richtig" ist. Vor allem, um zu prüfen, ob der Erkenntnisgewinn des Autors nicht auf Fehlauslegungen, Unterlassungen, falschen Bewertungen... beruht. Genau deshalb wurde eine solche Ordnung erlassen. Genau deshalb hat sich ein Promovierender daran zu halten.

    "Die Erde ist eine Scheibe."

    • lepkeb
    • 04.05.2011 um 11:00 Uhr

    angesprochene Diskussion und Zusammenfassung sollte normalerweise hier in Canada nicht mehr als 20 -25% der gesamten Arbeit betragen. Und um es mit meinem Doktorvater zu sagen, alles Gedanken und Aussagen Anderer müssen gekennzeichnet werden. Daher werden auch hier alle Master und PhD Arbeiten einer 1 bzw. dreimonatigen Prüfung auf Plagarism unterzogen, bevor der Titel erteilt wird.

    Das Problem ist jedoch das in D-land viele Probleme hätten den Erkenntnisgewinn ihrer Arbeit explizit zu formulieren, was auch aufgrund des Fortschritts der Wissenschaften im letzten Jahrhundert nicht verwunderlich ist und in D--land eigenartiger Weise kaum in den Arbeiten vorgenommen wird. Womit wir bei der Inflationierung von Doktortiteln wäre, denn soviel Erkenntnisgewinn kann man nun mal nicht in drei Jahren produzieren, daher dauern PhD Studien in Nordamerika meist auch 5 - 10 Jahre. Zur Inflationierung gab es übrigens bereits 2002 einen schönen Artikel in der Washington Post
    (http://www.washingtonpost...)

    @Thema
    Bei den vielen Studiengängen des Autors, leider ist nicht ersichtlich, wieviel er davon auch abgeschlossen hat, kann man diesen Artikel und seine Intention nur als Albtraum für den dt. Wissenschaftsstandort bezeichnen, besonders wenn man unterstellt, dass auf Grund der Aussagen des Autors auf seiner Webpage, er in der staatlichen politischen Diskussion aktiv meinungsmachend involviert ist.

    • ghoff
    • 03.05.2011 um 20:06 Uhr

    In einer Dissertation wird oft (aber keinesfalls immer) eine Zusammenfassung und Diskussion bereits vorhandener Fakten zugrundegelegt, ausgeführt und zur Erkenntnisgewinnung verwandt. Aber: Die Ordnung schreibt vor, dass genau diese Diskussion - sofern sie aufgegriffen wird - auch ordentlich zitiert wird. Schon, damit der Leser sich die Quellen ansehen kann und prüfen kann, ob die Zusammenfassung denn auch "richtig" ist. Vor allem, um zu prüfen, ob der Erkenntnisgewinn des Autors nicht auf Fehlauslegungen, Unterlassungen, falschen Bewertungen... beruht. Genau deshalb wurde eine solche Ordnung erlassen. Genau deshalb hat sich ein Promovierender daran zu halten.

    "Die Erde ist eine Scheibe."

    • lepkeb
    • 04.05.2011 um 11:00 Uhr

    angesprochene Diskussion und Zusammenfassung sollte normalerweise hier in Canada nicht mehr als 20 -25% der gesamten Arbeit betragen. Und um es mit meinem Doktorvater zu sagen, alles Gedanken und Aussagen Anderer müssen gekennzeichnet werden. Daher werden auch hier alle Master und PhD Arbeiten einer 1 bzw. dreimonatigen Prüfung auf Plagarism unterzogen, bevor der Titel erteilt wird.

    Das Problem ist jedoch das in D-land viele Probleme hätten den Erkenntnisgewinn ihrer Arbeit explizit zu formulieren, was auch aufgrund des Fortschritts der Wissenschaften im letzten Jahrhundert nicht verwunderlich ist und in D--land eigenartiger Weise kaum in den Arbeiten vorgenommen wird. Womit wir bei der Inflationierung von Doktortiteln wäre, denn soviel Erkenntnisgewinn kann man nun mal nicht in drei Jahren produzieren, daher dauern PhD Studien in Nordamerika meist auch 5 - 10 Jahre. Zur Inflationierung gab es übrigens bereits 2002 einen schönen Artikel in der Washington Post
    (http://www.washingtonpost...)

    @Thema
    Bei den vielen Studiengängen des Autors, leider ist nicht ersichtlich, wieviel er davon auch abgeschlossen hat, kann man diesen Artikel und seine Intention nur als Albtraum für den dt. Wissenschaftsstandort bezeichnen, besonders wenn man unterstellt, dass auf Grund der Aussagen des Autors auf seiner Webpage, er in der staatlichen politischen Diskussion aktiv meinungsmachend involviert ist.

  6. Werter Autor,
    wäre es möglich, dass Sie Ihre Kenntnisse der Suchmaschinenalgorithmik nochmals überprüfen? Die Pasage "Oder erwartet jemand, dass wir "Die Sonne ist rund" als "Sonne, die rund ist" schreiben, damit uns keine Suchmaschine findet?" ist schlichtweg (pardon) überflüssig. Setzt man den gesuchten Satz nicht in Anführungszeichen, so sucht die Suchmaschine nicht nach der exakten Formulierung, sondern lediglich nach den verwendeten Wörtern, so dass schlicht die selben Suchergebnisse auftauchen.

    Zum zweiten hätte ich mir, wenn Plagiarismus schon mit Blick auf die Sprachphilosophie behandelt werden soll, einen Bezug zum Thema Intertextualität gewünscht, da diese dem Ganzen noch eine weitere Dimension hinzufügt, die hier völlig unter den Tisch fällt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Guten Morgen,

    Sie haben recht, dieses Beispiel war schlecht. Ursprünglich hatte ich ein anderes, aber solche Artikel setzen eine gewisse Kürze voraus, dann kürzt man.

    Begreifen wir das Beispiel als Beispiel für Sprachvariation und solche Algorithmen - und nicht, dass der Algorithmus also lernt Zeichen oder Begriffe auszublenden. Dann taucht das Problem an anderer Stelle (siehe Artikelende) wieder auf.

    Das Problem bleibt bestehen. Denn: Viele Sprachvariationen fallen bei so einer Suche unter den Tisch. Ein Blick auf die Plagiatsuchseiten verrät, wie vorgegangen wird.

    Für eine ordentliche sprachphil. Analyse müsste man eine ganze Serie von Artikeln bereitstellen. Oder ein wiss. Buch schreiben. In Massenmedien sind es immer Abstriche.

    Der Tenor des Artikels lautet: Sinn- oder Bedeutungsanalyse ist schwieriger als es scheint. Andernfalls wäre das mit Interpretation, Bedeutung und (z.B.) Kunst ganz leicht.

    • kujau
    • 04.05.2011 um 11:18 Uhr

    "Zum zweiten hätte ich mir, wenn Plagiarismus schon mit Blick auf die Sprachphilosophie behandelt werden soll, einen Bezug zum Thema Intertextualität gewünscht, da diese dem Ganzen noch eine weitere Dimension hinzufügt, die hier völlig unter den Tisch fällt."

    Genau. Ich hätte gern die kleine Hegemann erwähnt, geht das?

    Guten Morgen,

    Sie haben recht, dieses Beispiel war schlecht. Ursprünglich hatte ich ein anderes, aber solche Artikel setzen eine gewisse Kürze voraus, dann kürzt man.

    Begreifen wir das Beispiel als Beispiel für Sprachvariation und solche Algorithmen - und nicht, dass der Algorithmus also lernt Zeichen oder Begriffe auszublenden. Dann taucht das Problem an anderer Stelle (siehe Artikelende) wieder auf.

    Das Problem bleibt bestehen. Denn: Viele Sprachvariationen fallen bei so einer Suche unter den Tisch. Ein Blick auf die Plagiatsuchseiten verrät, wie vorgegangen wird.

    Für eine ordentliche sprachphil. Analyse müsste man eine ganze Serie von Artikeln bereitstellen. Oder ein wiss. Buch schreiben. In Massenmedien sind es immer Abstriche.

    Der Tenor des Artikels lautet: Sinn- oder Bedeutungsanalyse ist schwieriger als es scheint. Andernfalls wäre das mit Interpretation, Bedeutung und (z.B.) Kunst ganz leicht.

    • kujau
    • 04.05.2011 um 11:18 Uhr

    "Zum zweiten hätte ich mir, wenn Plagiarismus schon mit Blick auf die Sprachphilosophie behandelt werden soll, einen Bezug zum Thema Intertextualität gewünscht, da diese dem Ganzen noch eine weitere Dimension hinzufügt, die hier völlig unter den Tisch fällt."

    Genau. Ich hätte gern die kleine Hegemann erwähnt, geht das?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service