Doktorarbeiten Bonner Nachsicht bei Plagiaten
Nun steht auch der FDP-Europapolitiker Georgios Chatzimarkakis unter Plagiatsverdacht. Die Uni Bonn ist gefragt - frühere Fälle entschied sie in bemerkenswert mildem Licht.
Am Wochenende haben die üblichen Plagiat-Jäger im Internet wieder zugeschlagen, diesmal geht es um den Europaparlamentarier Georgios Chatzimarkakis (FDP). Zu etwa einem Fünftel soll seine Bonner Doktorarbeit aus dem Jahr 2000 aus Plagiaten fremder Autoren bestehen. In der Arbeit, die auch im Internet publiziert wurde, geht es unter dem Titel "Informationeller Globalismus" um das Internet als Handelsweg.
Chatzimarkakis selbst erklärt auf seiner Homepage, sich anderer Autoren nicht immer mit Anführungszeichen, gleichwohl aber mit Fußnotenhinweisen bedient zu haben. Inzwischen hat er den Leiter der Bonner Philosophischen Fakultät informiert. Die leitete am Montag ein Überprüfungsverfahren ein.
Ähnlich wie Guttenberg hatte Chatzimarkakis als aktiver Politiker nebenberuflich promoviert. Der Doktorand gehörte zeitweilig zum Planungsstab des Auswärtigen Amtes. Gleichzeitig saß er im Bundesvorstand der FDP. Doktorvater waren der kurz vor seiner Pensionierung stehende Wirtschaftsprofessor Detlev Karsten und der langjährige SPD-Bundestagsabgeordnete und ehrenamtliche Bonner Honorarprofessor Uwe Holtz. Gemeinsam hielten die beiden politiknahe Seminare, gerne auch mit aktiver Polit-Prominenz wie etwa der Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul.
Wie die Bonner Uni die leidige Zitierweise ihres namhaften Absolventen jetzt bewerten wird, hängt gewiss auch vom Vorgehen anderer Hochschulen gegen ihre prominenten Plagiatoren ab. Aber egal mit welchem Ergebnis, in jedem Falle liefert die Bonner Geschichte Anschauungsunterricht über die gewandelte Empfindlichkeit für die persönliche geistige Leistung und vermeintliches Kollektiveigentum. In dieser Frage wurde die Universität Bonn erstmals 1990 bundesweit auffällig.
Damals sprachen sich die Kölner Philosophie-Professorinnen Marion Soreth und Elisabeth Ströker wechselseitig jede akademische Ehre ab. In einer 400 Seiten starken Abrechnung mit der Dissertation ihrer Kollegin kam Soreth zu dem Ergebnis: Strökers Bonner Doktorarbeit von 1953 "hätte auch dann nur das Prädikat 'völlig wertlos' verdient, wenn nicht mehr als die Hälfte bloßes Plagiat wäre." Die Uni Köln stimmte dem zu: "Weder damals noch heute" wäre die Arbeit in Köln "als Dissertation angenommen worden."
Ganz anders entschied aber die angegriffene Bonner Uni. Angeblich hätten die Doktorväter die gesamte Literatur und damit auch Entlehnungen sehr gut gekannt, so dass die Prüfer "auch durch ungekennzeichnete Zitate und Übernahmen nicht getäuscht worden sein können".
Was für ein Pech für Guttenberg und womöglich jetzt auch Chatzimarkakis, nicht schon vor fünfzig Jahren in Bonn promoviert zu haben. Entschuldigend wiesen die Bonner Wächter über gute wissenschaftliche Praxis noch daraufhin: Strökers Werk habe "in der Tradition der neukantianischen Wissenschaftstheorie gestanden, deren Repräsentanten ihrerseits mit Zitatangaben zurückhaltend waren".
Ungenau zitiert auch die Doktorarbeit von Margarita Mathiopoulos von 1986, gegenwärtig erneut im Visier der Plagiatjäger. Sie hatte 1986 bei dem renommierten Bonner Politologen Karl Dietrich Bracher über ein Amerika-Thema promoviert. Einen Namen machte sie sich, als der SPD-Vorsitzende Willy Brandt die damals Parteilose 1987 zur SPD-Sprecherin machen wollte.
Die Doktorarbeit geriet zwei Jahre später in die öffentliche Kritik. Doktorvater Bracher zeigte sich "betroffen, dass an einigen Stellen die angewandten Arbeitsmethoden nicht wissenschaftlichen Gepflogenheiten entsprechen". Dadurch werde aber "der Kern der geistigen Leistung von Frau Mathiopoulos nicht beeinträchtigt".
Mathiopoulos selbst hielt es für zulässig, "sich an wissenschaftliche Kompendien und Standardwerke eng anzulehnen, sofern die Quellen offengelegt werden". Wo dies nicht geschehen sei, seien ihr bedauerliche "Flüchtigkeitsfehler" unterlaufen. Das sah letztlich auch die Uni Bonn so und beließ ihr den Doktortitel. Politisch gut vernetzt, wurde Mathiopoulos 1995 sogar Honorarprofessorin an der Technischen Universität Braunschweig und 2002 auch in Potsdam.
Dass Chatzimarkakis mit ebenso viel Glück davonkommt wie seine prominenten Vorgänger am Rhein, scheint derzeit wohl nicht so sicher – aber nicht eigentlich wegen der Bonner Zitationsregeln, sondern nur vor dem Hintergrund der Plagiate Guttenbergs und anderer.
- Datum 16.05.2011 - 16:12 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Der hochgelobte deutsche Wissenschaftsbetrieb ist ebenso wie die Politik zu einem Circus verkommen in dem nur noch die größten Clowns Erfolg haben während der Rest an anständig arbeitenden Menschen keine Chance mehr hat.
http://www.danisch.de/blo...
Was jetzt versucht wird ist, das Image zu retten.
Es sollte zu denken geben, dass bisher zumindest die ganze Sache medial so gering gehalten wird. Tatsächlich hingegen gibt es schon weitaus mehr Verdachtsfälle die nicht genannt werden.
Wer googlet wird fündig.
Dafür scheint der deutsche Gleichschalt-Journalismus aber nicht geschaffen zu sein...
ERNEUT, DA AN FALSCHER STELLE GEPOSTET (ANDERER BEITRAG KANN GELÖSCHT WERDEN)
...was für eine kleinkindliche Haltung:
1. war "die Erde ist flach" und die Verfolgung und Ausgrenzung von Wissenschaftlern, die etwas anderes behauptet haben auch Wissenschaftszirkus? Wissenschaft war noch nie perse richtig, wahr oder ehrlich. Oder anders: der Beschiss gehörte schon immer dazu (mangels Alternativen).
2. der eigentliche Zirkus hat VOR den Enthüllungen stattgefunden. Was jetzt geschieht ist nicht die Schwächung der Wissenschaft, sondern das genaue Gegenteil. Die promovierten Pappnasen fangen an zu zittern, die promovierten Pappnasen von morgen ebenfalls. Der Rest ist verärgert und bekommt durch die sukzessive Aufdeckung der Plagiate seine Katharsis.
Eigentlich ein Grund zur Freude...
der dt. Wissensschaftsbetrieb wird nur in D-land selbst hochgelobt und zehrt im Ausland noch von vergangenen Tagen und deren Glanz. Imho ist das Problem die permanente Inzucht im Betrieb mit den bekannten Auswirkung einer selbigen auf den akademischen Genpool selber.
Ohne jetzt aber auch wieder eine Diskusison lostreten zu wollen, bisher hat es ja nur s.g. Geisteswissenschaftler erwischt, was vielleicht auch zu denken geben sollte. Denn ich glaube der massive Erkenntnisgewinn der durch die Vielzahl von Dr. vorhanden sein müsste ist rational betrachtet gar nicht leistbar.
ERNEUT, DA AN FALSCHER STELLE GEPOSTET (ANDERER BEITRAG KANN GELÖSCHT WERDEN)
...was für eine kleinkindliche Haltung:
1. war "die Erde ist flach" und die Verfolgung und Ausgrenzung von Wissenschaftlern, die etwas anderes behauptet haben auch Wissenschaftszirkus? Wissenschaft war noch nie perse richtig, wahr oder ehrlich. Oder anders: der Beschiss gehörte schon immer dazu (mangels Alternativen).
2. der eigentliche Zirkus hat VOR den Enthüllungen stattgefunden. Was jetzt geschieht ist nicht die Schwächung der Wissenschaft, sondern das genaue Gegenteil. Die promovierten Pappnasen fangen an zu zittern, die promovierten Pappnasen von morgen ebenfalls. Der Rest ist verärgert und bekommt durch die sukzessive Aufdeckung der Plagiate seine Katharsis.
Eigentlich ein Grund zur Freude...
der dt. Wissensschaftsbetrieb wird nur in D-land selbst hochgelobt und zehrt im Ausland noch von vergangenen Tagen und deren Glanz. Imho ist das Problem die permanente Inzucht im Betrieb mit den bekannten Auswirkung einer selbigen auf den akademischen Genpool selber.
Ohne jetzt aber auch wieder eine Diskusison lostreten zu wollen, bisher hat es ja nur s.g. Geisteswissenschaftler erwischt, was vielleicht auch zu denken geben sollte. Denn ich glaube der massive Erkenntnisgewinn der durch die Vielzahl von Dr. vorhanden sein müsste ist rational betrachtet gar nicht leistbar.
Wenn man sich manche Werke sog. "Koriphäen" bestimmter Fachrichtungen durchließt so merkt man recht schnell, dass die es mit dem Zitieren nicht so ernst nehmen und gerne auch mal einen Verweis "schlampig" markieren. Das ist dann, nunja, neukantianisch.
Der Unterschied zu heutigen Dissertationen liegt darin, dass diese keine eidesstattliche Erklärung abgeben (bzw. früher abgegeben haben), dass sie ALLE verwendete Literatur entsprechend markieren. Die Zeiten waren früher anders, nicht unbedingt besser, aber eben anders. Von daher hinkt der Vergleich mit den 50 Jahren. Das entscheidende ist die abgegebene Erklärung, die am Anfang der Arbeit steht.
Auf Wunsch entfernt. Die Redaktion/jz
Auf Wunsch entfernt. Die Redaktion/jz
dass wird jetzt zum Sport werden und alle Plagiatisten werden zu Recht das grosse Heulen und Zähneklappern um ihren Doktortitel bekommen. Es geht nicht an, dass Doktoren mit ehrlich erworbenem Titel sich verarscht vorkommen müssen.
ob ein Doktorvater die Literatur kennt und sich nicht getäuscht fühlt. Es geht darum ob ein völlig Fremder sich getäuscht fühlen muss, wenn er die Literatur nicht kennt. So kann man ja alles durchgehen lassen mit der Begründung, dass die Kontrollinstanz mit der Materie ja vetraut ist.
Auf Wunsch entfernt. Die Redaktion/jz
"Der hochgelobte deutsche Wissenschaftsbetrieb ist ebenso wie die Politik zu einem Circus verkommen in dem nur noch die größten Clowns Erfolg haben"
Das ist ein Trugschluss. Diejenigen, deren Dissertationen jetzt reihenweise auffliegen, sind doch uebrhaupt gar keine echten Wissenschaftler! Sondern Leute, die nach dem Motto "So eine Doktorarbeit mache ich doch locker nebenbei" sich einfach nur mit dem Doktorgrad schmuecken wollen. Und damit implizit den Wert und die Masstaebe tatsaechlichen wissenschaftlichen Arbeitens abqualifizieren. Was jeden echten Wissenschaftler empoert.
Denn die Machwerke, die da als Diss produziert werden, sind keine Beitraege zur Wissenschaft, sondern bloss ueberfluessiger Ballast.
Jeder wirkliche Wissenschaftler *will*, dass seine Beitraege von moeglichst vielen Fachleuten gelesen und zur Kenntnis genommen und auf ihren Gehalt hin ueberprueft werden.
ERNEUT, DA AN FALSCHER STELLE GEPOSTET (ANDERER BEITRAG KANN GELÖSCHT WERDEN)
...was für eine kleinkindliche Haltung:
1. war "die Erde ist flach" und die Verfolgung und Ausgrenzung von Wissenschaftlern, die etwas anderes behauptet haben auch Wissenschaftszirkus? Wissenschaft war noch nie perse richtig, wahr oder ehrlich. Oder anders: der Beschiss gehörte schon immer dazu (mangels Alternativen).
2. der eigentliche Zirkus hat VOR den Enthüllungen stattgefunden. Was jetzt geschieht ist nicht die Schwächung der Wissenschaft, sondern das genaue Gegenteil. Die promovierten Pappnasen fangen an zu zittern, die promovierten Pappnasen von morgen ebenfalls. Der Rest ist verärgert und bekommt durch die sukzessive Aufdeckung der Plagiate seine Katharsis.
Eigentlich ein Grund zur Freude...
Das Fischen mit zu engen Maschen bei Doktorarbeiten wird nun nachträglich geahndet.
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