Die Universität Bonn wird die Doktorarbeit der Politikprofessorin und FDP-Politikerin Margarita Mathiopoulos erneut überprüfen. Das beschloss der Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät, wie die Hochschule mitteilte.

Grund für die erneute Überprüfung sind der Uni Bonn zufolge Vorwürfe der Internetplattform VroniPlag. Die Arbeit soll demnach zahlreiche wörtliche Übernahmen "ohne die wissenschaftlich gebotene Kennzeichnung fremden Gedankenguts" enthalten. Auf der Internetplattform werden bislang auf 163 von 408 Seiten Plagiate ausgewiesen. Dadurch habe sich eine neue Sachlage ergeben, erklärte der Dekan der Philosophischen Fakultät, Günther Schulz. Mathiopoulos könne sich nun im Zuge der Untersuchung zu den Vorwürfen äußern.

Die Promotion der Politikwissenschaftlerin gerät nicht zum ersten Mal in die Kritik: In den neunziger Jahren hatte es bereits eine stichprobenartige Überprüfung gegeben. Der Universität zufolge seien damals handwerkliche Mängel festgestellt worden, aber keine Verfehlungen, die zur Aberkennung des Doktortitels geführt hätten.

Mathiopoulos war 1987 bundesweit bekannt geworden, als der damalige SPD-Vorsitzende Willy Brandt die seinerzeit parteilose Politikwissenschaftlerin zur SPD-Sprecherin machen wollte. Nach heftiger innerparteilicher Kritik an der Nominierung von Mathiopoulos trat Brandt vom SPD-Vorsitz zurück. Mathiopoulos wurde 2002 FDP-Mitglied und Beraterin von Guido Westerwelle.

Die Universität Bonn prüft derzeit noch einen weiteren Plagiatsvorwurf: Am Mittwoch will die Kommission über die Doktorarbeit des FDP-Europaabgeordneten Jorgo Chatzimarkakis entscheiden. Auch ihm wird vorgeworfen, Zitate nicht als solche gekennzeichnet zu haben. Chatzimarkakis verweist hingegen darauf, dass er drei unterschiedliche Zitiertechniken benutzt habe, was "Raum für Spekulationen" schaffe. Aus Universitätskreisen hieß es Ende Juni bereits, dass Chatzimarkakis der Doktortitel aberkannt werde.

Die Plagiatsfahnder von Vroniplag haben bereits dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und der FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin Plagiate in ihren Doktorarbeiten nachgewiesen. Beiden wurde darauf ihre Doktortitel entzogen. Derzeit wird auch die Promotion des niedersächsischen Kultusministers Bernd Althusmann (CDU) auf Plagiate geprüft.