Für den niedersächsischen Kultusminister Bernd Althusmann wird es politisch eng: Eine "Kommission zur Untersuchung wissenschaftlichen Fehlverhaltens" der Universität Potsdam wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Doktorarbeit des CDU-Politikers befassen, wie die ZEIT aus Hochschulkreisen erfuhr. Den Vorsitz der Kommission übernimmt der Juraprofessor Tobias Lettl. Und auch der Termin für die erste Sitzung des Gremiums steht schon fest: der 26. August.

Ein früheres Datum des Treffens sei urlaubsbedingt nicht möglich gewesen, heißt es. Die endgültige Entscheidung, ob es zu einer offiziellen Prüfung kommt, wird der Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät am kommenden Mittwoch* verkünden. Althusmann hat bereits Teile einer Stellungnahme zu den Vorwürfen bei der Universität eingereicht.

Der CDU-Politiker habe in seiner Doktorarbeit im großen Umfang fremdes geistiges Eigentum verwendet, ohne dies in der notwendigen Weise kenntlich zu machen , berichtete die ZEIT vor zwei Wochen. Sie berief sich dabei auf ein Gutachten, das sie nach einem Anfangsverdacht in Auftrag gegeben hatte. Seitdem läuft eine lebhafte Diskussion, ob es sich bei der Althusmann'schen Zitierpraxis "nur" um Pfusch, oder schon um wissenschaftlichen Betrug handelt. Althusmann selbst hat "mögliche handwerkliche Fehler" eingeräumt, den Täuschungsvorwurf jedoch zurückgewiesen. Er habe die Promotion nach "bestem Wissen angefertigt" – will heißen: Wie man korrekt zitiert, war ihm nicht bekannt.

Ähnliche Verteidigungsstrategie wie Chatzimarkakis

Eine ähnliche Verteidigungsstrategie des Europa-Abgeordneten Jorgo Chatzimarkakis war Ende vergangener Woche zusammengebrochen, als die Universität Bonn dem FDP-Politiker den Doktortitel aberkannte. Die Prüfer hatten in seiner Dissertation in "zahlreichen Fällen aus anderen wissenschaftlichen Arbeiten entlehnte Passagen" gefunden, die nicht als wörtliche Übernahmen gekennzeichnet gewesen seien, erklärte die Universität. Dies verletze die Regeln wissenschaftlichen Arbeitens. Ein Großteil der Dissertation stamme aus fremden Federn. So etwas genüge nicht den Anforderungen an eine Doktorarbeit, hieß es.

Genau diese beiden Vorwürfe – unbelegte fremde Anleihen, wenige eigene Gedanken – treffen auch auf Althusmanns Arbeit zu. Es wird nun darauf ankommen, welche Dimension die Verstöße haben. Genau das soll die Unikommission untersuchen. Auf der Grundlage ihrer Analyse wird die Fakultät entscheiden, ob sie dem CDU-Politiker den Doktorgrad aberkennt. Die Hochschulen neigen derzeit dazu, streng zu urteilen. Die Universitäten haben die bislang bekannt gewordenen Verstöße gegen wissenschaftliche Standards stets mit der Höchststrafe geahndet, dem Titelentzug.

Sollte Althusmann seinen Dr. rer. pol. vor dem Namen behalten dürfen, wäre er der erste Politiker, der ungeschoren davon käme. Die Universität darf sich andererseits nicht von öffentlichem Druck leiten lassen. Die Tatsache, dass die Dissertation formal schlampig und inhaltlich dünn ist, rechtfertigt allein noch keine nachträgliche Sanktion. Für die Betreuer war das im Übrigen nichts Neues: Sie gaben dem Werk, das Althusmann in seiner Freizeit verfasst hatte, die schlechteste Note: rite.