Neues CHE-Ranking: Bunte Landkarte der Exzellenz
Ein neues Ranking bewertet Hochschulen in Deutschland nach ganz unterschiedlichen Kriterien - und kommt zu überraschenden Ergebnissen.
© Guido Bergmann/dpa

Studenten im Audimax der LMU München
Die Fachhochschule Brandenburg schneidet besser ab als die RWTH Aachen – wenn es um die Zufriedenheit der Studenten im Fach Informatik geht. Die Universität Erlangen-Nürnberg gehört zu den Spitzenuniversitäten des Landes – betrachtet man den Anwendungsbezug ihrer Forschung. Diese überraschenden Ergebnisse fördert das Ranking "Vielfältige Exzellenz" des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) zu Tage.
Mit der „Vielfältige Exzellenz“ wirft das CHE einen Blick auf die größte Stärke der deutschen Hochschulen: ihre Vielfalt. Früher hat die Denkfabrik aus Gütersloh neben dem allgemeinen Hochschulranking zur Studienorientierung regelmäßig nur die besten Universitäten in der Forschung gesondert ausgewiesen. Eine hohe Qualität in der Forschung allein wird den unterschiedlichen Aufgaben von Universitäten und Fachhochschulen jedoch kaum gerecht. Gerade kleinere Hochschulen beklagen deshalb zurecht, dass in den vergangenen Jahren – bedingt durch die große Aufmerksamkeit, welche die Exzellenzinitiative auf sich gezogen hat – andere Stärken ignoriert wurden. Nur weil eine Universität im Wettbewerb um die Weltspitze in der Grundlagenforschung nicht mithalten kann, ist sie schließlich noch lange nicht zweitklassig.
In der Auswertung des CHE kommen deshalb drei weitere Gütekriterien hinzu: die "Studentenorientierung", die "Internationalität" und der "Anwendungsbezug". Dabei zeigt sich klarer als je zuvor: Keine einzige Universität ist in allen Belangen Spitze, aber fast jede hat das Potential für Spitzenleistungen in bestimmten Fächern oder Kategorien. Während die einen also in vielen Disziplinen überragende Forschung betreiben, punkten andere in der Lehre oder der internationalen Ausrichtung. "Wir wollen die Hochschulen mit der Studie anregen, sich ihrer besonderen Stärken bewusst zu werden, diese offensiv zu vertreten und weiter auszubauen", erklärt Frank Ziegele vom CHE, das von der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz getragen wird.
- Das CHE und DIE ZEIT
Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), getragen von der Bertelsmann Stiftung und der Hochschulrektorenkonferenz, veröffentlicht einmal jährlich mit der ZEIT als Medienpartner das Hochschulranking. Konzeption, Datenerhebung und Auswertung liegen dabei in der Verantwortung des CHE. DIE ZEIT veröffentlicht die Daten unter anderem im ZEIT-Studienführer.
Die Gesamtbewertung in den vier Kategorien setzt sich stets aus mehreren Indikatoren zusammen. In der Kategorie "Internationalität" fragte das CHE zum Beispiel, ob obligatorische Auslandsaufenthalte im Studium vorgesehen sind. Es zählt den Anteil der ausländischen Studierenden und die Zahl ausländischer Professoren am Fachbereich. Ebenso fließt das Urteil der Studierenden über die Beratung vor einem Auslandsaufenthalt in das Urteil ein. Wer bei den verschiedenen Indikatoren gute Werte erreicht, schafft mit seiner Universität in dem entsprechenden Fach den Sprung in die Spitzengruppe. Insgesamt 23 Fächer wurden mittlerweile analysiert, von der Anglistik bis zur Zahnmedizin.
Dabei wird deutlich, dass einige Hochschulen in bestimmten Fächern in allen Kategorien glänzen. So kann die Volkswirtschaft in Mannheim für sich beanspruchen sowohl forschungsstark, international und anwendungsorientiert zu sein als auch im Urteil der Studierenden sehr gut abzuschneiden. Andere Hochschulen zeigen eine besondere Stärke in einer Kategorie über viele Fächer hinweg, wie die Universität Erlangen-Nürnberg im Anwendungsbezug oder auch die LMU München in der Forschung.
ine solche bunte Landkarte der Exzellenz kann dazu beitragen, die Profile der Hochschulen stärker herauszuarbeiten. Denn je facettenreicher die Hochschullandschaft eines Landes ist, desto besser kann die Wissenschaft ihre Kraft entfalten.
Unten stehende Tabelle gibt denÜberblick für welche Fächer welche Dimensionen (F = Forschung; A = Anwendungsbezug; I = Internationlität; S = Studierendenorientierung) erhoben wurden und beinhaltet für alle Fächer die ausführlichen Ergebnisse.
| Fächer | F | A | I | S |
| Sprach- und Kulturwissenschaften (2010) | ||||
| Anglistik / Amerikanistik (Uni) | • | • | • | |
| Erziehungswissenschaft (Uni) | • | • | • | |
| Psychologie (Uni) | • | • | • | • |
| Romanistik (Uni) | • | • | ||
| Ingenieurwesen (2010) | ||||
| Elektrotechnik und Informationstechnik (Uni) | • | • | • | • |
| Maschinenbau (Uni) | • | • | • | • |
| Maschinenbau (FH) | • | • | ||
| Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (2011) | ||||
| BWL (Uni) | • | • | • | • |
| BWL (FH) | • | • | • | |
| Kommunikationswissenschaft/ Journalistik (Uni) | • | • | ||
| Medien-, Kommunikationswiss., Journalistik (FH) | • | • | ||
| Soziale Arbeit (FH) | • | • | ||
| VWL (Uni) | • | • | • | • |
| Wirtschaftsinformatik (FH) | • | • | ||
| Wirtschaftsingenieurwesen (FH) | • | • | • | |
| Mathematik, Naturwissenschaften (2012) | ||||
| Biologie | • | • | • | • |
| Chemie | • | • | • | • |
| Geographie | • | • | • | • |
| Geowissenschaften | • | • | • | • |
| Humanmedizin | • | • | • | • |
| Informatik (FH) | • | • | ||
| Informatik (Uni) | • | • | ||
| Mathematik | • | • | • | |
| Pflegewissenschaft | • | • | ||
| Pharmazie | • | • | • | • |
| Physik | • | • | • | • |
| Sport/Sportwissenschaft | • | • | ||
| Zahnmedizin | • | • | • | |
Mehr Informationen zur Methodik finden Sie hier .








Diese "Studie" hat genau das zur Wirkung, was sie lediglich zu beobachten vorgibt, sie _verstärkt_ die Unterschiedlichkeit der Bildungseinrichtungen.
Dass Studierende gezielt in gut beurteilte Institutionen gelenkt werden, mag man ja noch akzeptieren.
Der zweite Schritt ist aber dann, die ohnehin in Deutschland viel zu geringen Bildungsbudget-Zuweisungen von den Schwächeren auf die Stärkeren umzuleiten, anstatt die Defizite bei den "Verlierern" zu analysieren und zu beheben -- was in allererster Linie Geld kostet.
Es geht hier nicht um "Gleichmacherei", sondern darum, Schwächen zu beheben, wo sie vorhanden sind.
Und genausowenig, wie eine Strassenmeisterei mit Verstand diejenigen Stadtstraßen feinpoliert, die noch tiptop sind, und stattdessen die Schlaglöcher auf den Landstraßen sich selbst überlässt, müsste man in Deutschland gezielt an die unterdurchschnittlichen Schulen und Hochschulen gehen, und dort statt wohlfeiler Ermahnungen mit _Geld_ für die Behebung der Missstände sorgen.
Das, was wirklich zu tun wäre in Deutschland, nämlich _alle_ Bildungseinrichtungen finanziell _deutlich_ besser auszustatten, wird bewusst von den Entscheidungsträgern in der Politik verweigert. Als Deckmäntelchen über dieses Versagen werden dann wenigstens einige hervorragende Einrichtungen per Exzellenzinitiative "gefördert".
Ich würde das wohl eher "Stichprobe" nennen...
Ein Ranking jagt das nächste, und eines ist unsinniger als das andere.
Wenn man sich die Methodik des Rankings im verlinkten PDF-File anschaut, packt einen das Grausen. Die meisten Indikatoren sind offensichtlich nach Gusto formuliert. Angaben zur Güte der Messgrößen (z.B. Reliabilität der verwendeten Skalen) gibt es überhaupt keine.
Jedes Mal wenn ich sehe, wie (mit Verlaub) Ahnungslose aus Stiftungen der Wirtschaft Rankings von Universitäten aufstellen, in denen das Wort "Exzellenz" strapaziert wird, weiß ich gleich: zum Vergessen.
...die es selbst an der Uni nicht geschafft haben. Das muss man auch mal offen aussprechen.
...die es selbst an der Uni nicht geschafft haben. Das muss man auch mal offen aussprechen.
Leistung ist eine Relation zwischen Ergebnis und den dafür zur Verfügung gestellten Resources, physikalisch z.B. Arbeit/Zeit.
Das Forschungsranking beinhaltet zwei Ressourcen oder Input-Groessen (Drittmittel und Anzahl der Promotionen) und zwei Outputgroessen (Anzahl der Publikationen und Zitierungen). Es enthält keine einzige Relation, d.h. kann zur Forschungsleistung gar keine Aussage machen! Mit anderen Worten, in diesem Ranking wird in erster Linie gemessen, wie groß ein Fachbereich ist, d.h. wie viele Professoren dort arbeiten! Nach *absoluten* Messgroessen ist McDonalds besser als jedes 4* Restaurant!
Die Messung von Leistung erfordert *relative* Groessen wie Anzahl der Zitierungen pro Publikation oder Anzahl der Publikationen pro Doktorand. Seltsam das sowohl das britische Times Ranking als auch das chinesische Shanghai Ranking in der Lage sind korrekte relative Groessen zu messen, das CHE aber nicht! Vielleicht sollten die Leute vom CHE mal etwas mehr nachdenken bevor sie anfangen zu arbeiten...
Alternativ ist eine Einführung in die deutschen Probleme mit der Uni-Messung hier zu finden: http://community.zeit.de/...
... und zu wenig nachgedacht.
Und in der Presse wird zu viel Vorgekautes nachgeplappert.
Ich kann Kommentator "ausgewandert" nur zustimmen: hierzulande misst das CHE, welche Uni schon groß ist, um daraus zu schlussfolgern, dass die auch besonders toll sein muss.
(Ausnahme: bei der sog. Studentenzufriedenheit hat allem Anschein nach auch die Wald- und Wiesen-Uni eine Chance).
Ich kann den verlinkten Beitrag über die deutschen Probleme mit der Uni-Messung nur empfehlen.
... und zu wenig nachgedacht.
Und in der Presse wird zu viel Vorgekautes nachgeplappert.
Ich kann Kommentator "ausgewandert" nur zustimmen: hierzulande misst das CHE, welche Uni schon groß ist, um daraus zu schlussfolgern, dass die auch besonders toll sein muss.
(Ausnahme: bei der sog. Studentenzufriedenheit hat allem Anschein nach auch die Wald- und Wiesen-Uni eine Chance).
Ich kann den verlinkten Beitrag über die deutschen Probleme mit der Uni-Messung nur empfehlen.
... und zu wenig nachgedacht.
Und in der Presse wird zu viel Vorgekautes nachgeplappert.
Ich kann Kommentator "ausgewandert" nur zustimmen: hierzulande misst das CHE, welche Uni schon groß ist, um daraus zu schlussfolgern, dass die auch besonders toll sein muss.
(Ausnahme: bei der sog. Studentenzufriedenheit hat allem Anschein nach auch die Wald- und Wiesen-Uni eine Chance).
Ich kann den verlinkten Beitrag über die deutschen Probleme mit der Uni-Messung nur empfehlen.
Mal ein paar Anmerkungen (vor allem für VWL):
1. Die wohl national und international bekannteste Uni ist Bonn, insbesondere was Forschung und das Master bzw. PHD-Programm angeht. Diese Uni ist im Ranking nicht vertreten.
2. An der Uni Düsseldorf entsteht seit eingier Zeit ein in Deutschland einzigartiges großes Zentrum für Wirtschaftspolitik. Diese Uni ist im Ranking nicht vertreten.
3. Eine der großen VWL-Forschungs- und Lehreinrichtungen - die Uni Köln - ist ebenfals NICHT VERTRETEN.
4. Seltenere, renomierte Institute wie Regional-, Verkehrs-, Energie-, Entwicklungsökonomik, usw. - die eine große Rolle für den jeweiligen Forschungsstandort spielen, werden einfach nicht berücksichtigt.
5. Warum zum Teufel wird die Promotionsquote als positiv oder negativ bewertet? Wozu hohe Promotionsquoten führen, hat man ja im Fall Guttenberg gesehen.
6. Als Student hat man immer den Anreiz seiner Uni die besten Noten zu geben, sonst verbaut man sich die Zukunft in Sachen Reputation. Dies wurde schon damals an meiner Uni explizit gesagt und es wird auch noch drastischer an den privaten Unis praktikziert (was mir ein ortskundiger erzählt hat). Schaut man sich die Bewertungen an, weiß man auch warum.
7. Meines Wissens nach hat kein Masterstudent aus meinem Studiengang irgendwann mal an so einer Befragung teilgenommen. Vermtutlich weil er einfach zu klein und spezialisiert ist. Obwohl hier also ein exzellentes Betreuungsverhältnis besteht, wird dies einfach NICHT BERÜCKSICHTIGT.
Aha. Da wird also der Anwendungsbezug der Forschung bewertet ohne eine einzige Naturwissenschaft zu listen. Forschen in Anglistik und Erziehungswissenschaften ist ja ohnehin viel wichtiger...
Und wird sich einen Artikel weiter unten gewundert, wieso Schüler kein Interesse für MINT-Fächer haben.
... dass mein Fach nie untersucht wird. So braucht man sich gar keine Gedanken machen, ob diese Studien und Ranglisten etwas nützen, oder nur Unfug sind.
Immerhin wird schonmal nach der Studentenzufriedenheit gefragt, das ist ein Fortschritt.
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