Plagiatsfall Uni Bonn will Mathiopoulos Doktorgrad entziehen

Der zuständige Promotionsausschuss der Uni Bonn hält die Dissertation der FDP-Beraterin Margarita Mathiopoulos für ungültig. Ein Rechtsstreit könnte Jahre dauern.

Margarita Mathiopoulos

Margarita Mathiopoulos

Wenn es nach der Uni Bonn geht, dann soll die Unternehmerin, Honorarprofessorin und Beraterin der FDP, Margarita Mathiopoulos, ihren 1986 erworbenen Doktortitel bald wieder los sein. Bereits Ende der achtziger Jahre hatte die Doktorarbeit mit dem Titel Amerika: Das Experiment des Fortschritts – Ein Vergleich des politischen Denkens in den USA und Europa unter Plagiatsverdacht gestanden. Wissenschaftliche Buchbesprechungen, die die Mängel der Arbeit beanstandeten, konnten sich in der Fachwelt aber nicht durchsetzen. Seit Juli dieses Jahres hatte die Uni Bonn die Arbeit erneut überprüft, ausgelöst durch Plagiatsnachweise auf der Internetplattform Vroniplag. Danach ist fast die Hälfte von 400 Buchseiten mit Abschreibereien ohne hinreichende Quellenangaben verunstaltet.

Nach monatelangen Beratungen haben sich nun eine Arbeitsgruppe und der Promotionsausschuss der Bonner Philosophischen Fakultät dafür ausgesprochen, Mathiopoulos den Doktor zu entziehen. Das bestätigte der Untersuchungsführer und Rechtsprofessor Klaus Gärditz ZEIT ONLINE. 

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Mathiopoulos hat nach Verwaltungsrecht Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Damit wird die wissenschaftliche Fragwürdigkeit ihrer Doktorarbeit zu einer reinen Rechtsfrage. Mathiopoulos' Anwalt Jan Hegemann hat bereits brieflich Beanstandungen am Votum aus Bonn vorgetragen. Eine weitere Stellungnahme lehnte er auf Anfrage von ZEIT ONLINE ab. "Der Promotionsausschuss hält unverändert an seiner Rechtsauffassung fest", sagte Gärditz. Selbstverständlich werde die Uni weitere Einwände von Mathiopoulos "sehr sorgfältig sowie ergebnisoffen prüfen". Eine Klärung vor Gericht wird möglicherweise Jahre dauern.

Langer Streit um die Dissertation

Anders als bei Karl Theodor zu Guttenberg oder den FDP-Politikern Jorgo Chatzimarkakis und Silvana Koch-Mehrin zieht sich der Plagiatsstreit um Mathiopoulos schon gut zwanzig Jahre hin. Es geht dabei um eine dreifache, wechselseitig förderliche Karriere in Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Mathiopoulos profitierte dabei stets von einer "höchst prominenten Umgebung" oder Vernetzung, wie der Frankfurter Politikprofessor Gert Krell bei einem kritischen Rückblick zeigt. Krell hatte im Berufungsverfahren für eine Honorar- oder Ehrenprofessur über Mathiopoulos' Arbeit ein negatives Gutachten angefertigt.

Die Historikerin stammt aus einer berühmten Familie, die während der Obristendiktatur in Griechenland, die von 1967 bis 1974 dauerte, nach Bonn kam. Bundeskanzler Willy Brandt beispielsweise wurde ein Freund der Familie. Zur Politprominenz der damaligen Bundeshauptstadt zählten auch ihr späterer Doktorvater Karl Dietrich Bracher und der Zweitgutachter Wolfgang Bergsdorf, unter Kanzler Helmut Kohl Inlandschef des Bundespresseamtes. 1987 wollte Willy Brandt die parteilose Mathiopoulos, damals knapp 30 Jahre alt, sogar zur Sprecherin der Bundes-SPD machen, was aber an innerparteilichem Widerstand scheiterte.

Die Auseinandersetzungen Ende der achtziger Jahre über die Qualität von Mathiopoulos' Arbeit fasst ihr Anwalt heute so zusammen: "1991 hat die Uni Bonn Fehler bei Zitatnachweisen gerügt, jedoch festgestellt, dass es sich weder um gravierende methodische Mängel noch um eine Täuschung handele." Der Doktortitel blieb erhalten. "Bei früherer Feststellung der Mängel", so Anwalt Hegemann weiter, wäre die Dissertation allenfalls "zur Ergänzung der notwendigen Zitatnachweise zurückgegeben worden".

Leser-Kommentare
  1. Als FDP-Mitglied lernte ich Frau M. erst über die Medien-Berichterstattung kennen, dann persönlich auf einem FDP-Treffen. Sie hielt einen Vortrag über irgendwas und saß dann auf dem Podium. Mein Eindruck nach dieser persönlichen Begegnung war noch stärker als durch die Medien-Berichterstattung: Für mich war Frau M. eine Hohlsprecherin, die aus Gründen hochgejazzt wurde, die im Kern zumindestens inhaltlich nicht nachvollziehbar waren. Leere Worthülsen, wenig Substanz. Man kannte sie, weil sie dafür bekannt war, bekannt zu sein. Ähnliche Selbstläufer-Effekte kennt man (ich bitte den Vergleich zu entschuldigen) von Paris Hilton etc. Nachdem Frau M. erst Herrn Willy Brandt nahe stand (vorgesehen als Presse-Sprecherin) und dann zur FDP gekommen war, kamen die roten Teppiche wie von Zauberhand geflogen, über die sie gehen konnte. - Warum ich das alles erzähle? Weil mich die Nachricht, dass ihr ggf nun der Doktorgrad aberkannt wird, überhaupt NICHT wundert. Für mich passt das absolut ins Bild.

    Ich danke aufrichtig den Plagiate-Jägern.
    In diesem und in allen anderen Fällen.
    Auch und gerade, wenn es Celebrities meiner (Noch-)Partei FDP trifft - Leute, die dazu beigetragen haben, dass die einst liberale Partei zu einem Misthaufen und zu einer Lachnummer verkommen ist.

    FRWBonn
    (Mitbegründer der Jungen Liberalen)

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    //Für mich war Frau M. eine Hohlsprecherin, die aus Gründen hochgejazzt wurde, die im Kern zumindestens inhaltlich nicht nachvollziehbar waren.//

    Alle ertappten Plagiatoren der FDP wie eben SKM, Chatzi, Mathiopoulos und Djir-Sarai haben gemein, daß es sich um Quotenrandgruppen handelt (Frauen, Mihigrus), die eben aus Publicitygründen oder um böse Presseberichte abzumildern "hochgejazzt" wurden. Auch wenn es sich nur um eine informelle Quote handelt, läßt es übles ahnen, wenn künftig immer mehr Bereiche der Gesellschaft durch Quotenpersonen zwangsbeglückt werden.

    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine respektvolle Wortwahl. Danke. Die Redaktion/vn

    Und wenn man beim Anhören vieler Politiker- und Politiker i.R.-Reden genauer hinhört, dann hat man auch dort oft denselben Eindruck: Leere Worthülsen, wenig Substanz.

    Für Polit-Karrieren und Politik-Berater-Karrieren reicht das doch offenbar zu oft. Und falls damit noch der Weg ins Parlament gepflastert wird, dann hindert das Listenwahlrecht den Wähler daran, selbst bei Auffallen des Mangels korrigierend eingreifen zu können.

    ...dass ich von Bekannten mitbekommen habe, dass die Dame immer wieder an der Uni Potsdam Seminare abhielt...und währenddessen laufend ihr Handy klingeln ließ, sie auch immer wieder rausging vor die Tür und somit die Wichtigtuerpose den ganzen Seminarablauf bestimmte. Worum es da inhaltlich gehen sollte, war wohl auch für sie selbst zweitrangig.

    Wie man sich sowas bieten lassen kann als Uni, ist mir allerdings auch schleierhaft.

    könnte es zukünftig heißen. Wie sonst ist zu erklären, dass jetzt reihenweise Blender und Täuscher entlarvt werden, die zuvor steile Parteikarrieren genommen haben. Offensichtlich schaden Beziehungen nur dem, der keine hat. Die anderen ziehen auf der ganz linken Spur an den ehrlichen Arbeitern vorbei.

    Aber zurück zu Frau MM, Tochter einflußreicher Eltern, mit noch heute nicht unanattraktiver äußerer Erscheinung:
    Für mich ist es nicht verwunderlich, sondern eher offensichtlich, dass dieser Dame, in der damaligen Bundesrepublik, die roten Teppiche ausgerollt wurden. Über ihre möglichen Qualitäten möchte ich gar nicht weiter spekulieren. Diverse Personen, vorzugsweise alten Herren, in Amt und Würden scheint sie jedenfalls maßlos beeindruckt bzw. geblendet zu haben. Insofern ist der Vorwurf der Täuschung zwar zutreffend, greift aber deutlich zu kurz. Denn es braucht immer noch jemanden, der sich, bereitwillig oder nicht, täuschen läßt. Deshalb sind auch und vor allem Diejenigen zu belangen, die der Dame, warum auch immer, so bereitwillig falsche Zeugnisse ausgestellt haben.

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    //Für mich war Frau M. eine Hohlsprecherin, die aus Gründen hochgejazzt wurde, die im Kern zumindestens inhaltlich nicht nachvollziehbar waren.//

    Alle ertappten Plagiatoren der FDP wie eben SKM, Chatzi, Mathiopoulos und Djir-Sarai haben gemein, daß es sich um Quotenrandgruppen handelt (Frauen, Mihigrus), die eben aus Publicitygründen oder um böse Presseberichte abzumildern "hochgejazzt" wurden. Auch wenn es sich nur um eine informelle Quote handelt, läßt es übles ahnen, wenn künftig immer mehr Bereiche der Gesellschaft durch Quotenpersonen zwangsbeglückt werden.

    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine respektvolle Wortwahl. Danke. Die Redaktion/vn

    Und wenn man beim Anhören vieler Politiker- und Politiker i.R.-Reden genauer hinhört, dann hat man auch dort oft denselben Eindruck: Leere Worthülsen, wenig Substanz.

    Für Polit-Karrieren und Politik-Berater-Karrieren reicht das doch offenbar zu oft. Und falls damit noch der Weg ins Parlament gepflastert wird, dann hindert das Listenwahlrecht den Wähler daran, selbst bei Auffallen des Mangels korrigierend eingreifen zu können.

    ...dass ich von Bekannten mitbekommen habe, dass die Dame immer wieder an der Uni Potsdam Seminare abhielt...und währenddessen laufend ihr Handy klingeln ließ, sie auch immer wieder rausging vor die Tür und somit die Wichtigtuerpose den ganzen Seminarablauf bestimmte. Worum es da inhaltlich gehen sollte, war wohl auch für sie selbst zweitrangig.

    Wie man sich sowas bieten lassen kann als Uni, ist mir allerdings auch schleierhaft.

    könnte es zukünftig heißen. Wie sonst ist zu erklären, dass jetzt reihenweise Blender und Täuscher entlarvt werden, die zuvor steile Parteikarrieren genommen haben. Offensichtlich schaden Beziehungen nur dem, der keine hat. Die anderen ziehen auf der ganz linken Spur an den ehrlichen Arbeitern vorbei.

    Aber zurück zu Frau MM, Tochter einflußreicher Eltern, mit noch heute nicht unanattraktiver äußerer Erscheinung:
    Für mich ist es nicht verwunderlich, sondern eher offensichtlich, dass dieser Dame, in der damaligen Bundesrepublik, die roten Teppiche ausgerollt wurden. Über ihre möglichen Qualitäten möchte ich gar nicht weiter spekulieren. Diverse Personen, vorzugsweise alten Herren, in Amt und Würden scheint sie jedenfalls maßlos beeindruckt bzw. geblendet zu haben. Insofern ist der Vorwurf der Täuschung zwar zutreffend, greift aber deutlich zu kurz. Denn es braucht immer noch jemanden, der sich, bereitwillig oder nicht, täuschen läßt. Deshalb sind auch und vor allem Diejenigen zu belangen, die der Dame, warum auch immer, so bereitwillig falsche Zeugnisse ausgestellt haben.

  2. Es ist einfach peinlich , was da immer als quasi-wissenschaftlich per Doktortitel gewürdigt wird.
    Kann man da nicht die Doktorväter zur Rechenschaft ziehen, denn das ein Politiker bekannterweise lügt ist leider normal .
    wenn von 400 Seiten 200 ohne Zitierung abgeschrieben sind ist zu vermuten, dass die restlichen Seiten mit Zitierung abgeschrieben sind, d.h. eigene Erkenntnisse waren nicht vorhanden.
    Ich hörte soeben, dass Krankenschwestern von der EU gefordert jetzt Abitur haben sollen, vielleicht sollten Politiker als Zulassung einen Lügendetektortest machen.

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  3. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    Antwort auf "Hohlsprecherin"
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    @CarstenS007: "Und putzig ist auch, daß sie mal mit einem CDU-Politiker verheiratet war."

    @CarstenS007: "Und putzig ist auch, daß sie mal mit einem CDU-Politiker verheiratet war."

  4. Entfernt. Bemühen Sie sich um einen sachlichen sowie konstruktiven Kommentarstil. Die Redaktion/mak

  5. Dabei hat sich aber leider gezeigt, dass ein Open Review eher dazu führt, positive Gutachten abzugeben - man will es sich ja nicht mit dem Autoren, der womöglich morgen das eigene Paper reviewt, verscherzen. Man sieht ja in solchen Fällen wie hier, wo der Autor genau weiss, wer begutachtet und entsprechend Beziehungen nutzen kann, wohin das führt.

  6. Langsam wird es peinlich, diese Titelgeilheit.

    Ob Politiker oder nicht, ich finde es unerträglich, dass
    solche Menschen über Ihren Doktortitel Einkünfte erzielen,
    statt mittels Leistung.

  7. innerhalb von einem Zeitraum von 3-5 jahren muss sich jeder Dr. überprüfen lassen. Ein sogenannter Dr. "Stresstest".
    Kann es sein, dass dabei systemische Zusammenhänge ans Licht kämen?

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    Außerdem wäre ich dafür, die Bewertungen durchsichtig UND VERGLEICHBAR zu machen - manche Leute bekommen eine "summa cum laude" (Höchstnote) für etwas, was anderswo gerade noch angenommen würde, während in anderen Kontexten diese Note fast gar nicht vergeben wird. Mit den rechten Beziehungen bekommt man dann für eine schlechtere Leistung Preise und Stipendien und schon haben wir eine "Elite" (manchmal sogar an den Unis) von der man nicht weiß, ob wirklich immer nur die Besten in ihre vertreten sind...

    Das Problem sind dabei nicht einmal einzelne IrrläuferInnen und BlenderInnen, das Problem ist, dass diese dann die Macht haben, ihrerseits den Nachwuchs zu formen. Erfahrungsgemäß neigt aber überbewertetes Mittelmaß dazu, als Leistung nur anzuerkennen, was ihm nicht gefährlich werden kann, sprich: was noch schlechter ist als es selbst...

    Deshalb: QUALITÄTSPROBE für alle Akademiker und Akademikerinnen mit Doktortitel! JA!

    Außerdem wäre ich dafür, die Bewertungen durchsichtig UND VERGLEICHBAR zu machen - manche Leute bekommen eine "summa cum laude" (Höchstnote) für etwas, was anderswo gerade noch angenommen würde, während in anderen Kontexten diese Note fast gar nicht vergeben wird. Mit den rechten Beziehungen bekommt man dann für eine schlechtere Leistung Preise und Stipendien und schon haben wir eine "Elite" (manchmal sogar an den Unis) von der man nicht weiß, ob wirklich immer nur die Besten in ihre vertreten sind...

    Das Problem sind dabei nicht einmal einzelne IrrläuferInnen und BlenderInnen, das Problem ist, dass diese dann die Macht haben, ihrerseits den Nachwuchs zu formen. Erfahrungsgemäß neigt aber überbewertetes Mittelmaß dazu, als Leistung nur anzuerkennen, was ihm nicht gefährlich werden kann, sprich: was noch schlechter ist als es selbst...

    Deshalb: QUALITÄTSPROBE für alle Akademiker und Akademikerinnen mit Doktortitel! JA!

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