Plagiatsverdacht: Aachener Professor soll von Doktorandin abgeschrieben haben
Ein Doktorvater steht im Verdacht, von seiner früheren Doktorandin abgeschrieben zu haben. Die Uni Bonn beendete jetzt die Zusammenarbeit mit ihm. Von H. Horstkotte
Die Fall schien klar. Zwei Gutachten bescheinigten Agnes Bollig*, 40 von insgesamt 200 Seiten ihrer juristischen Promotionsschrift plagiiert zu haben, und zwar aus dem Handbuch über Europarecht ihres Institutschefs Walter Frenz . Der Doktorvater hat einen Lehrstuhl an der Technischen Hochschule Aachen , promoviert bislang aber Doktoranden an der Uni Bonn . Im vorliegenden Fall sind die Textübereinstimmungen offensichtlich und daher auch unbestritten.
Die Doktorandin wollte deswegen im April dieses Jahres die Dissertation zurückziehen, um sie zu überarbeiten. Sie kam damit aber zu spät, weil zu der Zeit bereits ein Gutachten vorlag. In diesem Stadium ist laut Promotionsordnung kein Rückzieher mehr möglich.
Nun plötzlich darf Bollig ihren Prüfungsantrag zurücknehmen. Der Fachbereich hat das Verfahren noch einmal geprüft und sich anders entschieden: Man hätte der Doktorandin rechtzeitig einen Wink über den Plagiatsverdacht geben müssen, sagt Dekan Klaus Sandmann. Dass das nicht geschehen ist, spreche für eine fehlerhafte Betreuung durch die späteren Gutachter, vor allem den Aachener Frenz.
Die vordergründigen Verfahrensmängel können den Kern der Sache kaum überdecken: Es geht um die Frage, ob Bollig tatsächlich aus dem Handbuch ihres Chefs kopiert hat oder umgekehrt der von seiner engsten Mitarbeiterin. Aussage steht gegen Aussage. Zwar legte die Doktorandin ihre Arbeit erst ein Jahr, nachdem der entsprechende Band des Handbuchs erschienen war, zur Prüfung vor. Aber da war sie schon mehrere Jahre als Mitarbeitern bei Frenz tätig und mit seinen Publikationen beschäftigt. Weil Bollig ein Kind zur Welt brachte, gab sie die Arbeit später als geplant ab. Wäre sie früher fertig geworden, hätte eine namenlose Zweitverwertung im Handbuch vielleicht nicht zu einem akademischen Aufruhr geführt.
350 Fachaufsätze in zwanzig Jahren
Die Schöpferkraft des Alleinautors Frenz erscheint indes vielen Kollegen schon lange fast übermenschlich und beneidenswert, wenn nicht verdächtig. Mit fast 9.000 Druckseiten Europarecht in sieben Jahren ist der Rechtsprofessor heute der Rekordhalter unter seinen Zunftgenossen. Zudem hat der Mittvierziger in den letzten zwanzig Jahren gut 350 Fachaufsätze veröffentlicht . Achtmal war Bollig als Mitautorin dabei.
Die Dubletten in Dissertation und Handbuch kreidet der Bonner Dekan Sandmann auf den ersten Blick dem Doktorvater an: "Die Übereinstimmungen wurden von Professor Frenz nicht bemerkt." Ob er sich die Prüfschrift einfach nicht näher angesehen hat oder sein Handbuch nicht mehr im Kopf hatte, womöglich beide Werke nur flüchtig kannte? Frenz sagte ZEIT ONLINE: "Ich fiel vom Stuhl, als ich von den Plagiatsvorwürfen meines Mitgutachters erfuhr." Frenz sah sich auf einmal getäuscht und schrieb nun ebenfalls ein Negativgutachten, nachdem er zuvor ein gutes Prädikat (magna cum laude) empfohlen hatte.







abgeht, geht einem nicht mehr in den Kopf, mit Wissenschaft hat das alles nichts mehr zu tun, nur mehr mit Titelhascherei und wer braucht denn wirklich den Doktortitel, wenn er real eigentlich nicht viel kann??
in Österreich gibt es einen Fall eines Politikers, der na wie könnte es anders sein Sozioligie studiert hat und da seinen Doktor machte, und jetzt in den Strudel dieser ganzen Plagiate auch von der Uni Wien genauer untersucht wurde, da kam man zum Schluss, heutzutage würde er mit der "Doktorarbeit" wahrscheinlich baden gehen, aber wie die Regeln vor 20 Jahren waren kann man jetzt nicht mehr so genau nachweisen und daher darf der Politiker seinen Dr-Titel behalten
eine Wissenschaftliche Arbeit und eine Dr-Arbeit sollte das ja erfüllen und sein, sollte doch jederzeit nachvollziehbar sein, bei den Soziologen Wiens vor 20 Jahren scheint das nicht zu gelten, daher müsste man eigentlich logisch gedacht allen den Dr-Titel entziehen, weil es eben keine wissenschaftliche Arbeit darstellt
einfach viel zu hoch, das wird wohl immer offensichtlicher.
Er schadet den Menschen, weil sie dann leichter auf eine schiefe Bahn geraten oder fürchterlich ausgenutzt werden.
Die Forschung wird dadurch nicht unbedingt besser.
die jetzigen in Deutschland zu Tage treten Erscheinungen sind der Inzucht im dt. Hochschulwesen zuzuschreiben.
Leider spielt Qualität bei Berufungen kaum eine Rolle, vornehmlich ist es Vitamin B oder Gender. Da sind halt Netzwerker, Player und Blender immer im Vorteil. So ist es auch unverständlich wie Professoren in Deutschland mehrere Lehrstühle an verschiedenen Universitäten inne haben können.
Und ehrlich, wenn selbst Fachkollegen den Veröffentlichungsexzess ihres Kollegen nicht hinterfragen, denn jeder Prof. und Promovierte weiß, wieviel Zeit man in eine Veröffentlichung stecken muss, dann wirft das ein ganz schlechtes Bild auf die Wissenschaftslandschaft in Deutschland.
Ist wie die Chefin eines renomierten Instituts in Sachsen, die nicht in der Lage war ihren Vortag auf einer internationalen Konferenz in English zu halten und wo ihre Mitarbeiterin den Text dann vom Blatt ablass.
die jetzigen in Deutschland zu Tage treten Erscheinungen sind der Inzucht im dt. Hochschulwesen zuzuschreiben.
Leider spielt Qualität bei Berufungen kaum eine Rolle, vornehmlich ist es Vitamin B oder Gender. Da sind halt Netzwerker, Player und Blender immer im Vorteil. So ist es auch unverständlich wie Professoren in Deutschland mehrere Lehrstühle an verschiedenen Universitäten inne haben können.
Und ehrlich, wenn selbst Fachkollegen den Veröffentlichungsexzess ihres Kollegen nicht hinterfragen, denn jeder Prof. und Promovierte weiß, wieviel Zeit man in eine Veröffentlichung stecken muss, dann wirft das ein ganz schlechtes Bild auf die Wissenschaftslandschaft in Deutschland.
Ist wie die Chefin eines renomierten Instituts in Sachsen, die nicht in der Lage war ihren Vortag auf einer internationalen Konferenz in English zu halten und wo ihre Mitarbeiterin den Text dann vom Blatt ablass.
Bei den heutigen Methoden des Datenabgleichs werden sich etliche Profs und Doktoren zukünftig warm anziehen müssen.
Die einen schreiben bei ihren gering entlohnten wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studenten ab und geben es als ihr Werk aus - die anderen kaufen sich ihre Doktorarbeiten (einige zahlen so wenig dafür, dass sie eben nicht wasserdicht sind).
Insgesamt steht die Ehrbarkeit der Wissenschaft auf dem Spiel, und es stellt sich die Frage, ob sie vielleicht nicht oft einfach nur Kurpfuscherei wie zu Cagliostros Zeiten ist.
Bei der Medizin - wer privat versichert ist, kennt die Bauchladen-Gechäftemacherei mit unnötigen Zusatzbehandlungen ja - dürfte sich das in Zeiten des Internets mit den Göttern in Weiß eh mittlerweile längst relativiert haben.
Da hilft nur eins: Die verbliebenen ehrbaren Wissenschaftler müssen aufklären und ihre Zunft sauber halten.
Kunststück bei den ganzen "von Beruf Sohn"-Möchtegerns im Wissenschaftsbetrieb.
ist die devise. wie so vieles aus amiland. nur wer viel publiziert, sei es auch nur eine seite, wird viel zitiert und der ist dann anerkannt. es hat seinen makel....
außerdem ist es bei manchen chefs usus seine wissenschaftlichen assisten die arbeit zu machen, sich aber als autor nennen zu lassen.
es ist nur die spitze, der sumpf ist sicherlich größer, zum schaden der wirklich guten. aber es hängen ja auch fördermittel davon ab. ein unsäglicher kreislauf
Niemand muss 350 Aufsätze in 20 Jahren schreiben, um nicht "unterzugehen". Es ist dieselbe Unersättlichkeit, die manche nicht ruhen lässt, bis sie endlich den Dr.hc.mult auf ihre Visitenkarte schreiben können.
Niemand muss 350 Aufsätze in 20 Jahren schreiben, um nicht "unterzugehen". Es ist dieselbe Unersättlichkeit, die manche nicht ruhen lässt, bis sie endlich den Dr.hc.mult auf ihre Visitenkarte schreiben können.
Der Doktorvater von der Doktorantin und umgekehrt. Guttenberg von allen, aber niemand umgekehrt. Das Schwein vom Esel, der Vogel vom Fisch.
Das entwickelt sich langsam zur Farce - besonders für Menschen mit einem echten Titel.
Das Profs hemmunslos bei ihren Doktoranden klauen ist doch allgemein hin bekannt.
In den 90er war es noch üblich das sich die Herren Professoren im Recht wähnten, quasi die Arbeit der Doktoranden als Teil ihre eigene Arbeit sahen. Denn wer hat den Doktorand angeleitet ? Richtig ! Der Prof.
Sozusagen ein intelektuelles Jus primae noctis.
zu Kommentar 6: Gewiss haben Sie für frühere Zeiten Recht, in denen zumal bei med. Dissertationen "der Geist der Klinik immer mitschrieb", der Klinikdirektor quasi als Mitautor galt.
Gegen solchen Missbrauch gibt es aber seit mehr als 10 Jahren allgemeinverbindliche (DFG-)Regeln. Und dass die Unis in Aachen und Bonn einen Anfangsverdacht nicht einfach unter den Tisch kehren,sondern in aller Öffentlichkeit gegen den "lieben Kollegen" ermitteln, ist wirklich ein neuer Schritt zur wiss. Transparenz.
Nur wird es viel zu selten praktiziert!
Mein eigener Dozent meinte bezüglich eines Seminars zur aktuellen Lage in Japan, dass er auch die Diskussionsbeiträge und Denkanstöße von uns verwerten will. Dagegen habe ich persönlich ja nichts, aber es zeigt, dass diese ganze Thematik viel tiefer geht als es offen debattiert wird.
Die Universität ist schon lange nicht mehr der Ort des Lernens der er sein sollte. Die "Qualität der Lehre" bezieht sich nur auf den Umfang der Klausuren (außerhalb der MINT-Fächer sind Klausuren insgesamt ein Witz, abgesehen von der Masse an Stoff), und schon vorher wird kopiert kopiert kopiert.
Es geht doch lange nicht mehr um fairen Wettbewerb sondern lediglich um persönliche Beziehungen!
Wer immer noch an die Illusion objektiver Forschung glaubt sollte sich nur die Debatten in der VWL oder der Klimaforschung anschauen...
Nur wird es viel zu selten praktiziert!
Mein eigener Dozent meinte bezüglich eines Seminars zur aktuellen Lage in Japan, dass er auch die Diskussionsbeiträge und Denkanstöße von uns verwerten will. Dagegen habe ich persönlich ja nichts, aber es zeigt, dass diese ganze Thematik viel tiefer geht als es offen debattiert wird.
Die Universität ist schon lange nicht mehr der Ort des Lernens der er sein sollte. Die "Qualität der Lehre" bezieht sich nur auf den Umfang der Klausuren (außerhalb der MINT-Fächer sind Klausuren insgesamt ein Witz, abgesehen von der Masse an Stoff), und schon vorher wird kopiert kopiert kopiert.
Es geht doch lange nicht mehr um fairen Wettbewerb sondern lediglich um persönliche Beziehungen!
Wer immer noch an die Illusion objektiver Forschung glaubt sollte sich nur die Debatten in der VWL oder der Klimaforschung anschauen...
die Uni Bonn. Wie oft muss man die Journallie noch mit dem Kopf draufstoßen?!
Die Abschreiberei wurde in Aachen angefertigt, die Uni Bonn beendet aufgrund dieser Verhältnisse die Zusammenarbeit mit diesem Professor, prüft, ob sie es insgesamt tut, und wird wahrscheinlich alle (!) Doktorarbeiten, die in Zusammenarbeit mit einem Aachener Professor geschrieben wurden, prüfen. Sicher ist nirgendwo nur Licht, aber die Uni wegen dieses Artikels diskreditiert zu sehen, ist für mich nicht nachvollziehbar.
Die Abschreiberei wurde in Aachen angefertigt, die Uni Bonn beendet aufgrund dieser Verhältnisse die Zusammenarbeit mit diesem Professor, prüft, ob sie es insgesamt tut, und wird wahrscheinlich alle (!) Doktorarbeiten, die in Zusammenarbeit mit einem Aachener Professor geschrieben wurden, prüfen. Sicher ist nirgendwo nur Licht, aber die Uni wegen dieses Artikels diskreditiert zu sehen, ist für mich nicht nachvollziehbar.
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