Pencast statt Podcast
Loviscach: Bisher sind die Rückmeldungen sehr positiv. Man muss sehen, wie sich das in den Prüfungsleistungen niederschlägt. Allerdings sehe ich jetzt schon während der Vorlesung, wie die Studenten mit den Aufgaben klarkommen. Ob es geht oder überhaupt nicht geht. Da kann ich noch eingreifen. Solch direktes Feedback ist auf jeden Fall besser als die reguläre Vorlesung, wo man in den Wind spricht und hofft, dass es vielleicht irgendwo ankommt.
ZEIT ONLINE: Könnten Ihre Video-Vorlesungen nicht ein gutes Modell auch für andere Hochschulen sein?
Die schlimmste Art mit Videos zu arbeiten ist, einfach eine normale "Powerpoint-Vorlesung" aufzuzeichnen
Loviscach: Definitiv. Ich sehe ja, wie häufig von anderen Hochschulen auf meine Videos verlinkt wird. Für die sollte es eigentlich kein allzu großes Problem sein, dasselbe Format wie ich zu nutzen. Generell ist es einfacher, in Naturwissenschaften und in Fächern wie Mathe oder Informatik mit Videos zu arbeiten, weil man über viele grundsätzliche Sachen nicht diskutiert. In den Geisteswissenschaften könnte das womöglich schwieriger werden.
ZEIT ONLINE: Welche Fehler sollte man als Dozent vermeiden, wenn man mit Videos in der Lehre arbeitet?
Loviscach: Die schlimmste Art mit Videos zu arbeiten ist, einfach eine normale "Powerpoint-Vorlesung" aufzuzeichnen und diese dann eins zu eins ins Netz zu stellen. Das ist meist schon live kaum zu ertragen. Wenn man sich das auf dem Computer anschaut, lässt man sich schnell von anderen Sachen ablenken, ruft E-Mails ab oder schaut nach, ob bei Google Plus jemand etwas kommentiert hat. Es ist wichtig, die Vorlesung humorvoll und mitreißend zu gestalten. Und es gibt ja gute Vorbilder, zum Beispiel die Videos von den TED-Konferenzen . Da kann man gut sehen, wie man frischer an so etwas herangehen kann, ohne an technischen Krücken wie Powerpoint festzuhalten.
ZEIT ONLINE: Wenn es so einfach ist, warum gibt es diese Art der Lehre nicht längst in ganz Deutschland?
Loviscach: Das frage ich mich auch. Allerdings: Wer solche Videos ins Internet stellt, gibt viel von sich preis . Theoretisch können ja Millionen Leute in die eigene Vorlesung hereinschauen. Da kann man sich nicht leisten, Unsinn zu erzählen.








Da kann man nur staunen, was alles möglich ist, wenn ein Wissenschaftler richtig arbeitet und sich nicht beirren läßt. Bitte weiter so!
"Die schlimmste Art mit Videos zu arbeiten ist, einfach eine normale "Powerpoint-Vorlesung" aufzuzeichnen"
Dem kann ich nicht zustimmen. Ganz einfach aus dem Grund, weil ich froh bin, wenn überhaupt Vorlesungen aufgezeichnet werden. Dann eben auch gerne die öden PPT-Vorlesungen, zum Beispiel im Lecturnity Format, wo auch Vortragende, sofern sie die Technik beherrschen (was zB. eine Ausnahme im Bereich der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften ist), auch Notizen über ein Touchfeld auf die Folien schreiben können.
Momentan ist es doch so, dass noch mindestens 90% aller Vorlesungen nicht aufgezeichnet werden. An meiner Uni zum Beispiel heuer zwölf Lehrveranstaltungen (mit mehr als 10.000 Studenten an der Uni).
Dabei nimmt die Zahl der Studenten mit Nebenjobs weiter zu, welche durch Aufzeichnungen weniger an den Unibetrieb gebunden wären.
Durch die Aufzeichnungen ist außerdem ein wesentlich entspannteres und effektiveres Lernen möglich, indem man sich z.B. unklare Themen vor Prüfungen nochmal anschauen kann.
Es ärgert mich, dass das Potential nicht genutzt wird, obwohl die Technik vorhanden wäre, wie obiges Interview verdeutlicht. Es muss ja nicht gleich alles in der Öffentlichkeit ausgestellt werden wie auf Youtube. Doch alle Hochschulen haben bereits elektronische Netzwerke, die nur für Studenten zugänglich sind.
Danke liebe Zeit für diesen Artikel!
Das Thema Vorlesungsvideos halte ich für ein wichtiges Thema. Ich kann in der akutellen Diskussion über die Reform der Hochschulen das Argument der betriebswirtschaftlichen Hochschule nicht mehr hören - keiner spricht darüber was lehren und lernen eigentlich im Kern auszeichnet: Die Aufnahem von Informationen - des "Stoffs" - das Lernen und das Diskutieren der Inhalte!
Natürlich gibt es Bücher für einzelne Veranstaltungen, welche zwar den eigenen Horizont erweitern aber in der Prüfung meist keinerlei Vorteil (im Gegenteil) einbringen:
In vielen Fächern wollen Profs genau das Hören was Sie in ihren Übungen und Vorlesungen gesagt und gerechnet haben. Andere Lösungswege sind meist Unerwünscht.
Die Videovorlesung ermöglicht den Studenten daher den Stoff sich alternativ zu erarbeiten und stellt einen Fortschritt und eine Ergänzung zur "normalen" Universität dar. Wieso nicht die Vorteile einer Präsenzuniversität mit den Vorteilen von Fernuniversitäten kombinieren und jeden Studenten entscheiden lassen wie er am Besten arbeitet?
Ziel und Kern des Themas ist ein verbessertes Studium - ein mehr an Optionen und Wahlmöglichkeiten ist Vorteilhaft. Ich kenne kein Fach in dem es von Nachteil wäre die Möglichkeit zu haben die Vorlesungen oder Übung noch einmal per Video anschauen zu können - wann man möchte, so schnell man möchte und so oft man möchte - ja ev. sogar WO man möchte!
Mich stört in Diskussion oft die Reduktion von guter und schlechter Hochschulpolitik auf das Thema Geld und Studiengebühren - Geld alleine führt zu keiner guten Lehre, leider wird oftmals das Geld sinnfrei zum Fenster heraus geworfen - z.B. weil man es nicht langfristig verwenden kann und die Budgets nicht im nächsten Jahr gekürt erhalten möchte....
Das eigentliche Problem der dt. Hochschulen sind die verkrusteten Strukturen und das Stiefmütterliche behandeln der Lehre in vielen Fächern. Ein NEIN zur Aufzeichnung von Vorlesungen entspringt meist der Angst vor zuviel Aufmerksamkeit durch Kollegen (und die Angst vor Fehlern und sich der Lächerlichkeit preis zu geben).
Die Lehre ist an dt. Hochschulen meist einfach zu unwichtig: Ich lese zwar immer, dass ein dt. Studienplatz ca. 6000 € im Jahr kostet - aber ich habe hierzu noch nie eine sinnvolle Rechnung gesehen:
Im Vergleich zu Schulzeit nehme ich weit weniger Zeit in Anspruch und auch die Gebäude werden von morgens bis Abends genutzt. Zudem gibt es doch ehrlicherweise unterschiede von Medizin zu Geschichte - also wieso nutzen Hochschulen nicht die Chance um den Studenten - die es wollen - die Möglichkeit zu geben das Video der VL + Übung anzuschauen? Weil Sie krank waren, weil sie den Stoff nicht verstanden haben oder weil Sie keinen Platz fanden und und und....
Es gäbe doch kreative Möglichkeiten, z.B. die VL nur an Bibliotheksrechnern abzuspielen.
Diese mangelnde Diskussion ist das eigentliche Problem dt. Hochschulen!
Lehre an deutschen Unis funktioniert heute in vielen Fächern über Anwesenheitspflicht (erbärmlich, aber wahr!)und die wäre viel schwieriger durchsetzen, gäbe es diesen Freiheitsgrad (VL und Seminare online, wann und wo man will). Kurzum, das Web löst hier einen Kontrollmechanismus im Herzen der deutschen Lehre auf; man würde als Äquivalent wahrscheinlich mindestens fordern: als Student 1. genau zur bestimmten Zeit 2. mit seinem Klarnamen einloggen und 3. eine Webcam ,die die ganze Zeit on sein muss und man jederzeit in seiner Präsenz kontrolliert werden kann und darf (sich überwachbar halten). Wäre natürlich datenschutztechnisch übel brisant und die geforderte Unterwürfigkeit dieser Struktur würde die gerade herrschende geforderte Unterwürfigkeit (Anwesenheitspflicht, Kanon) zu offensichtlich konterkarieren
Es geht dabei mindesttens so viel um Kontrolle und Überwachung der Studenten (Bologna und Bachelor OHNE Anwesenheitspflicht? hahaha! Niemals.) und im zweiten Grade um die Kontrolle der die Studenen kontrollierenden Dozenten Die Mittelmäßigkeit der Lehre wäre nicht mehr zu übersehen, würdee man diesen Kontrollmechanismus, der auch ein Disziplinarmechanismus ist, auflösen. Stellen Sie sich vor: die Studenten könnten während der Vorlesung an andere Links schicken, durch den alle zweifelsfrei sehen, der Dozent gibt Bullshit von sich oder wird von dieser oder jener Firma bezahlt usw.
Gute Güte, im Zeitalter der Drittmittelprostitution ein solch offenes Prinzip zu fordern, das ist wie mit dem Hammer philosophieren.
Lehre an deutschen Unis funktioniert heute in vielen Fächern über Anwesenheitspflicht (erbärmlich, aber wahr!)und die wäre viel schwieriger durchsetzen, gäbe es diesen Freiheitsgrad (VL und Seminare online, wann und wo man will). Kurzum, das Web löst hier einen Kontrollmechanismus im Herzen der deutschen Lehre auf; man würde als Äquivalent wahrscheinlich mindestens fordern: als Student 1. genau zur bestimmten Zeit 2. mit seinem Klarnamen einloggen und 3. eine Webcam ,die die ganze Zeit on sein muss und man jederzeit in seiner Präsenz kontrolliert werden kann und darf (sich überwachbar halten). Wäre natürlich datenschutztechnisch übel brisant und die geforderte Unterwürfigkeit dieser Struktur würde die gerade herrschende geforderte Unterwürfigkeit (Anwesenheitspflicht, Kanon) zu offensichtlich konterkarieren
Es geht dabei mindesttens so viel um Kontrolle und Überwachung der Studenten (Bologna und Bachelor OHNE Anwesenheitspflicht? hahaha! Niemals.) und im zweiten Grade um die Kontrolle der die Studenen kontrollierenden Dozenten Die Mittelmäßigkeit der Lehre wäre nicht mehr zu übersehen, würdee man diesen Kontrollmechanismus, der auch ein Disziplinarmechanismus ist, auflösen. Stellen Sie sich vor: die Studenten könnten während der Vorlesung an andere Links schicken, durch den alle zweifelsfrei sehen, der Dozent gibt Bullshit von sich oder wird von dieser oder jener Firma bezahlt usw.
Gute Güte, im Zeitalter der Drittmittelprostitution ein solch offenes Prinzip zu fordern, das ist wie mit dem Hammer philosophieren.
Die bei weitem von mir mit grossem Abstand als beste empfundene Veranstaltungen waren nicht "live". Ich habe festgestellt, dass das Format nicht einmal so wichtig war. Also, ob man nur einen Skript hat, oder nur ein Buch oder eine PowerPoint-Praesentation oder ein Video. Viel entscheidender ist, wie es gemacht wird. Erst danach spielte nach meinen Erfahrungen die Praesentationsform eine Rolle. Fuer am besten geeignet waren PowerPoint-Praesentationen, die gleichzeitig kommentiert wurden. Danach kamen Buecher, dann Skripte und erst am Ende die Videos.
Ich denke hier anknuepfen, um die Qualitaet der einzelnen Veranstaltungen exorbitant zu erhoehen. Leider glauben zu viele Professoren zu sehr an die eigene Qualitaet ihres Unterrichtes. Man darf jedoch nicht vergessen, dass es mit den modernen Kommunikationsformen und dem Internet um einen weltweiten Wettbewerb handelt. Dies macht es eher unwahrscheinlich, dass man selbst die beste Veranstaltung anbietet.
Ich wuerde eher mischen. Also die Studenten eine solche gute Veranstaltungsreihe anschauen lassen und danach darauf aufbauen bzw. es vertiefen. Eher so als Uebung oder um den Stoff nochmal anders zu erklaeren.
Volle Zustimmung!
Die modernen Medien bieten die Chance das Lernen von vielen Zwängen und damit auch von Mengenrestriktionen zu befreien: Endlich gibt es keine zeitlichenn Überschneidungen interessanter Veranstaltungen und endlich kann man sich auch Abends bei einem Glas Rotwein interessante Veranstaltungen anderer Fächer anschauen.
Natürlich können in vielen Fächern wichtige Bestandteile, wie z.B. Laborexperimente nicht ersetzt werden - allerdings ist das Lehrvideo eine sinnvolle Ergänzung zu Skripten etc.
Eventuell könnte es auch neue Formen für die Lehrenden ermöglichen, wenn die eigentliche Veranstaltung erst besucht werden kann, sobald einige Grundlagen einstudiert wurden bzw. Prüfungen am PC abgelegt wurden, die bestätigen, dass man das Grundwissen bereits besitzt.
Oftmals scheitern - auch in Geisteswissenschaften - interessante Diskussion am Fachwissen der betreffenden Personen oder an der knappen Zeit. Das Internet und neue Medien ermöglichem dem Lehrenden vollkommen neue Experimente und Erfahrungen in der Lehre - diese sollten endlich großräumiger genutzt werden.
Eventuell sollten die Lehrenden von Organisationen beraten werden, denn bei vielen scheinen rechtliche Bedenken und Berührungsängste noch zu überwiegen. Liebe Zeit wäre das nicht einmal etwas für euch?
Volle Zustimmung!
Die modernen Medien bieten die Chance das Lernen von vielen Zwängen und damit auch von Mengenrestriktionen zu befreien: Endlich gibt es keine zeitlichenn Überschneidungen interessanter Veranstaltungen und endlich kann man sich auch Abends bei einem Glas Rotwein interessante Veranstaltungen anderer Fächer anschauen.
Natürlich können in vielen Fächern wichtige Bestandteile, wie z.B. Laborexperimente nicht ersetzt werden - allerdings ist das Lehrvideo eine sinnvolle Ergänzung zu Skripten etc.
Eventuell könnte es auch neue Formen für die Lehrenden ermöglichen, wenn die eigentliche Veranstaltung erst besucht werden kann, sobald einige Grundlagen einstudiert wurden bzw. Prüfungen am PC abgelegt wurden, die bestätigen, dass man das Grundwissen bereits besitzt.
Oftmals scheitern - auch in Geisteswissenschaften - interessante Diskussion am Fachwissen der betreffenden Personen oder an der knappen Zeit. Das Internet und neue Medien ermöglichem dem Lehrenden vollkommen neue Experimente und Erfahrungen in der Lehre - diese sollten endlich großräumiger genutzt werden.
Eventuell sollten die Lehrenden von Organisationen beraten werden, denn bei vielen scheinen rechtliche Bedenken und Berührungsängste noch zu überwiegen. Liebe Zeit wäre das nicht einmal etwas für euch?
Volle Zustimmung!
Die modernen Medien bieten die Chance das Lernen von vielen Zwängen und damit auch von Mengenrestriktionen zu befreien: Endlich gibt es keine zeitlichenn Überschneidungen interessanter Veranstaltungen und endlich kann man sich auch Abends bei einem Glas Rotwein interessante Veranstaltungen anderer Fächer anschauen.
Natürlich können in vielen Fächern wichtige Bestandteile, wie z.B. Laborexperimente nicht ersetzt werden - allerdings ist das Lehrvideo eine sinnvolle Ergänzung zu Skripten etc.
Eventuell könnte es auch neue Formen für die Lehrenden ermöglichen, wenn die eigentliche Veranstaltung erst besucht werden kann, sobald einige Grundlagen einstudiert wurden bzw. Prüfungen am PC abgelegt wurden, die bestätigen, dass man das Grundwissen bereits besitzt.
Oftmals scheitern - auch in Geisteswissenschaften - interessante Diskussion am Fachwissen der betreffenden Personen oder an der knappen Zeit. Das Internet und neue Medien ermöglichem dem Lehrenden vollkommen neue Experimente und Erfahrungen in der Lehre - diese sollten endlich großräumiger genutzt werden.
Eventuell sollten die Lehrenden von Organisationen beraten werden, denn bei vielen scheinen rechtliche Bedenken und Berührungsängste noch zu überwiegen. Liebe Zeit wäre das nicht einmal etwas für euch?
Einer der größten Probleme der Studenten ist doch der enorme Unterschied von sehr theoretischen Inhalten in den Vorlesungen und den eher praktischen Anforderungen in den Prüfungen. Vorlseungen zu verfilmen macht nur dann Sinn, wenn diese zum besetehen der Klausuren oder allgemein von Nutzen für den Studenten sind. Die meisten Vorlesungen sind in erster Linie ein Monolog des Dozenten, die wenig an die Bedürfnisse der Studenten angepasst werden. Selbst unter den Video Tutorials gibt es riesen Qualitätsunterschiede. Die Macher der Seite
www.onlinetutorium.com
haben zum Beispiel einen ideal Mix von Videos, multiple choice tests und FAQs geschaffen. Auch Videos von Jörn Loviscach gibt es dort zu finden. Dieses Konzept wird sich nach meiner Meinung in 10 Jahren deutschlandweit durchsezten. Warum gibt es so viele schlechte Dozenten, die unbehelligt an ihren Vorlesungen vom letzten Jahrhundert festhalten?
Gratulation.
Von solchen Vorbildern bräuchten wir noch viele mehr.
Werde das als Link in meine Bildungsseite mit aufnehmen.
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