Studienfinanzierung : Kabinett empfiehlt keine Bafög-Erhöhung

Trotz teurerer Lebenshaltung: Die Regierung hat auf eine Empfehlung für höhere Ausbildungsförderung verzichtet. Der Bund streitet mit den Ländern über die Kosten.
Studierende sitzen in einer Bibliothek an der Freien Universität Berlin. © Sean Gallup/Getty Images

Der neue Bafög -Bericht der Bundesregierung enthält trotz gestiegener Lebenshaltungskosten anders als in früheren Jahren keine Empfehlung für eine Erhöhung der Ausbildungsförderung. Bundesbildungsministerin Annette Schavan bot den Ländern nach dem Kabinettsbeschluss zunächst Gespräche über mögliche Anpassungen der Förderung von Studenten und Schülern an. Studentenwerk und Gewerkschaften verlangen angesichts der Preis- und Lohnentwicklung eine Erhöhung der Fördersätze um fünf Prozent und der Elternfreibeträge um sechs Prozent noch in diesem Jahr.

Schavan sagte zu dem Verzicht auf eine konkrete Aussage: "Es ist unverzichtbar, zu einer verlässlichen Verständigung mit allen Ländern darüber zu kommen, dass jede Seite ihren Finanzierungsanteil an eventuellen Mehrausgaben zu tragen bereit ist." Der Bund trägt 65 Prozent der Bafög-Kosten, die Länder 35. Ohne Zustimmung der Länder kann der Bund die Förderung nicht anpassen. Um die letzte Erhöhung im Jahr 2010 hatte es wegen der Kostenaufteilung erhebliche Kontroversen zwischen Bund und Ländern im Bundesrat gegeben.

Mehr Studierende erhalten Bafög

Laut Bericht sind die Bafög-Ausgaben von Bund und Ländern von etwa 2,3 Milliarden Euro (2008) auf fast 2,9 Milliarden Euro (2010) gestiegen. Die durchschnittlichen monatlichen Förderbeträge bei den Studenten stiegen im selben Zeitraum um fast 10 Prozent auf 436 Euro, für Schüler sogar um mehr als 11 Prozent auf 357 Euro. Schavan sagte: "Das Bafög ist eine Erfolgsgeschichte. Es ist und bleibt eine starke und verlässliche Säule der Studienfinanzierung." Mit dem Bafög-Bericht werden alle zwei Jahre die Bedarfssätze, Frei- und Höchstbeträge für die Förderung überprüft.

Die Zahl der geförderten Schüler und Studenten stieg seit 2008 um fast 60.000 auf 585.000; also von 24,4 Prozent auf 25,8 Prozent. Besonders positiv wirkte sich die Ausweitung der studentischen Auslandsförderung aus. Die Zahl der deutschen Studenten, die mit Bafög im Ausland studieren, stieg 2010 um mehr als die Hälfte auf 43.200 an.

Das Bafög habe dazu beigetragen, "dass der Wunsch zum Studieren heute größer denn je ist und nicht an finanziellen Hürden scheitert ", erklärte Schavan. Der bildungspolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion , Albert Rupprecht ( CDU ), forderte die Länder zu Verhandlungen beim Bafög auf. Die rot-grünen Landesregierungen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg müssten nun zeigen, "dass es ihnen mit der Unterstützung für Kinder aus ärmeren Familien wirklich ernst ist".

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Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Re: ist besser so

mein Gott bin ich froh nicht noch höhere Bafögschulden gehabt zu haben!

Wirklich? Hätten Sie als mittelloser Student ohne berufsqualifizierenden Abschluss lieber weniger Geld zur Verfügung gehabt und dafür als Gutverdienener mit einem soliden, akademischen Abschluss weniger zurückgezahlt? Das kann ich mir nur schwer vorstellen. Sie fordern hier, dass Menschen in einer unsicheren Situation weniger Sicherheit und in einer späteren sicheren Situation mehr Sicherheit bekommen sollen.

Kinder mehr fördern!

Unabhängig von einer Erhöhung oder Erniedrigung des Bafög bin ich der Ansicht, dass man eher Schulkindern die Unterstützung zugute kommen lassen sollte als Studenten.

Ich studiere seit 6 Semestern und ich konnte bislang recht wenige Studenten sehen, die wirklich sehr viel Studiert haben. Bei den meisten Studenten wäre da locker ein Nebenjob drinn, bei dem sie sich den Lebensunterhalt finanzieren können.

Laut Studie arbeiten Studenten im Schnitt ja gerade mal 23 Stunden.
( Quelle: http://www.zeit.de/2011/2... ). Da kann man schon nochmal 10 Stunden Arbeit pro Woche draufpacken. Als Student muss man ja auch nicht gerade für 3.50€ die Stunde arbeiten, sondern eher so für 10€ und mehr.

bafög - langes warten

Wenn man natürlich die Semesterferien in einer Berechnung der durchschnittlichen wöchtlichen Arbeitszeit einrechnet, drückt das die Stundenzahl erheblich. Ich hab schon alleine über 20 Semesterwochenstunden an Vorlesungen und da hab ich noch nicht einmal gelernt.

Zum Bafög: Das Problem ist nicht die Höhe des Bafögs, sondern das ewige warten. Die Realität sieht doch so aus, dass man monatelang auf einen endgültigen Bescheid warten kann und in der Zeit kaum Geld erhält. Hinzukommen dann die Bemerkungen von Bafögbearbeitern, dass alles nun mal seine Zeit dauert und man es ja nachgezahlt bekommt. Das interessiert den Lebensmittelladen oder den Vermieter aber nicht, seine Ausgaben hat man trotzdem.

Und das

obwohl man nur ein Vermögen von 3500€ (?) besitzen darf. Davon die Studiengebühren abgezogen und eine größere Anschaffung (Laptop) und der Student soll trotzdem noch 6 Monate auf die erste Zahlung nach Studienbeginn warten.

@ Topic: Ich denke, es geht hier eher um Verhältnismäßigkeit. Auf der einen Seite die Politiker, welche sich unverschämt hoch die Altersvorsorgebezüge erhöhen und offensichtlich in der letzten Zeit durch massive Fehlleistungen glänzen und auf der anderen Seite das zukünftige Wissenskapital Deutschlands in das lieber nicht investiert wird.

10 Euro oder mehr?!

Im Land der Einhörner und rosaroter Feen, oder von welchem Land sprichst du? Die typischen Studentenjobs, also die, die man ohne Ausbildung bewältigen kann, sind Kassierer, Lagerarbeiter, Tankwart, McDonalds-Koch und ähnliches. Mit viel Glück fallen 7 Euro ab, in der Regel dürften es eher 6 sein. Als Kellner sieht es noch besser aus. Mit 5 Euro ist man da schon glücklich.

Und jetzt rechnen wir mal: Ich muss morgens um 7 aufstehen, duschen, essen, um 8 in der Uni sein bis sagen wir 16 Uhr, dazwischen wird gegessen und evtl. noch gelernt. Dann setz ich mich danach noch für 2 Stunden in die Bib. Hoppla, ist ja schon 18 Uhr. Na, dann mal fix noch 4 Stunden arbeiten bis 22 Uhr.

Und mit den 400 Euro, die man dann verdient und dafür seine Freizeit komplett opfert, muss man dann eine Wohnung, Essen, evtl. Sprit oder Tickets und Bücher bezahlen. Denn Bafög soll es ja laut dir nicht mehr geben.

Somit haben Studenten keinen Anspruch auf Freizeit und keinen auf ein menschenwürdiges Leben.

Liest du alles, was du so von dir gibst, oder schaust du nur ab und zu mal rein?

Du hast

noch das Profil vergessen, dass nach so einem Weltbild später für den Berufseinstieg erfüllt werden muss: 16 Jahre + 10 Jahre praktische Berufserfahrung.

Und natürlich erstmal 2-3 Jahre Praktikum bevor man einen Job mit einer Probezeit vob 5-10 Monaten ergattern darf, der natürlich erst nach Ablauf derselben adäquat vergütet wird :)

Ist schon lustig, mit was für einer Realitätsvorstellung manch einer ausgestattet ist. Und mit lustig meine ich daneben...

Leben Sie auf dem Mond?

@Creedinger,
ich weiß nicht wo sie studieren (vielleicht auf dem Mond) und auch nicht was sie studieren. Ich werde sicher nicht ihren ganzen Beitrag zitieren, aber alles was sie behaupten ist völliger Unsinn. Die Bachelor- und Masterstudiengänge (zumindest an den Universitäten) sind gerade darauf ausgelegt, dass ein nicht arbeitender Mensch, der sich nur um sein Studium kümmert, auch gerade noch genug Zeit hat um den ganzen Stoff aufzuarbeiten. Wir werden sogar von den Profs darauf hingewiesen, nicht arbeiten zu gehen und sich lieber ganz mit dem Studium zu beschäftigen. Also ich hätte auch mal gerne so viel Zeit wie sie und ihre imaginären Kommilitonen. Was studieren sie eigentlich? Das würde ich dann auch mal gerne nebenbei studieren und vor allem wo studieren sie?

Re: Kinder mehr fördern!

Laut Studie arbeiten Studenten im Schnitt ja gerade mal 23 Stunden. [...]. Da kann man schon nochmal 10 Stunden Arbeit pro Woche draufpacken.

Das betrifft allerdings nur Universitätsstudenten, die vielleicht noch das Glück haben, auf Diplom oder ähnliches zu studieren. In Fachhochschulen und bei Bachelor/Master-Studiengängen ist es kaum noch möglich so wenig Zeit für das Studium aufzuwenden. Ich war sogar einmal in einer Fachhochschule und habe explizit danach gefragt, ob ein Halbtagsstudium möglich sei. Dort antwortete man mir, dass das zwar theoretisch, aber durch die Anordnung der angebotenen Fächer praktisch nicht möglich ist. Anträge auf Halbtagsstudium werden deshalb in der betreffenden Hochschule grundsätzlich abgelehnt.

Wer außerdem BaföG bezieht, kann gar nicht so viel bummeln, denn dort gibt es eine Förderungshöchstdauer und den Zwang Fortschrittsnachweise zu erbringen. BaföG zu streichen würde daher in jedem Fall nur die Falschen treffen.