Ingenieurwesen Pläne für europäischen Dr.-Ing. gescheitert

Kritiker sahen schon den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet. Doch jetzt sind die Pläne für eine neue praxisorientierte Ingenieurspromotion vom Tisch.

Er sollte nach dem Willen mehrerer niederländischer und britischer Professoren neuer europäischer Standard werden und hatte sogar schon einen Namen: "European Engineering Doctorate" (EEngD). Die anwendungsnahe Ingenieur-Promotion sollte lediglich auf die Arbeit in der Industrie vorbereiten und nicht auf eine akademische Laufbahn. So lautete die Idee der Gruppe, die über das European Institute of Innovation and Technology (EIT) verbunden ist.

Mit der neuen Promotion sollte ein gemeinsames europäisches Markenzeichen geschaffen werden. Doch diese Pläne werden laut der TU9, dem Zusammenschluss der neun führenden Technischen Universitäten in Deutschland, nicht weiter verfolgt. Venio Piero Quinque, TU-9-Geschäftsführer, sagte, es könne sinnvoll sein, für das deutsche Modell auf europäischer Ebene stärker zu werben. "Was den Austausch von Forschung und industrieller Praxis betrifft, kann die deutsche Promotion auch anderen Ländern Impulse geben."

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Aus Deutschland hatte es von mehreren Seiten am EEngD teils heftige Kritik gegeben. Die TU9, die Ingenieurfakultäten 4Ing, der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und das Bundesforschungsministerium hatten sich gegen das Vorhaben ausgesprochen.

Heike Schmitt, 4-Ing-Geschäftsführerin, sagte, sie freue sich, dass die Pläne vom Tisch sind und hoffe, "dass sie nicht eines Tages erneut vorgelegt werden".

Zuvor hatte sie die Befürchtung geäußert, der weltweit anerkannten deutschen Ingenieurspromotion drohe eine Qualitätsverlust und der Wirtschaftsstandort Deutschland werde geschwächt.

Die Kritiker hatten sich auch daran gestört, dass Deutschland zu den Plänen nicht befragt worden war, obwohl das Land die meisten Ingenieur-Promovenden hat.

 
Leser-Kommentare
  1. Ich hoffe nur, dass damit die überfällige Diskussion zur Qualität der Dissertationen bzw. zur Ausgestaltung der 3. Stufe des Bologna-Prozesses nicht vom Tisch ist.

    Auf die fehlende Logik der deutschen Lobbyisten hatte ich ja in einem früheren Beitrag schon hingewiesen: http://www.zeit.de/wissen...

    Es geht schlicht um Besitzstandswahrung und nicht um Qualität.

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    • marley
    • 23.01.2012 um 17:10 Uhr

    ...gut, dass der Schmarrn weg ist, weil sonst die FHs ihr lang ersehntes Promotionsrecht bekommen hätten, was die Unilandschaft in die Krise gestürzt hätte.

    Schade, wäre ein guter Anreiz gewesen für mehr Wettbewerb unter den Hochschulen.

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    • Rudi01
    • 24.01.2012 um 9:54 Uhr

    Damit ist in diesem Zusammenhang vermutlich gemeint, dass gewisse Institutionen den Doktor-Ing. dann zu Konditionen "anbieten", die eine Erleichterung gegenüber dem Dr.-Ing. der Universitäten und Technischen Hochschulen darstellen.

    Verzicht auf die schwierigen Themenbereiche, auf das gedankliche Durchdringen von Problemen -- gern als "Theorie" bezeichnet -- wird dann unter dem Begriff "Praxisorientierung" geadelt.

    Worin sollten sich denn sonst konkurrierende Institutionen unter- oder überbieten?

    Eine Senkung des Niveaus dieses akademischen Grades also.

    Tolle Idee!

    • Rudi01
    • 24.01.2012 um 9:54 Uhr

    Damit ist in diesem Zusammenhang vermutlich gemeint, dass gewisse Institutionen den Doktor-Ing. dann zu Konditionen "anbieten", die eine Erleichterung gegenüber dem Dr.-Ing. der Universitäten und Technischen Hochschulen darstellen.

    Verzicht auf die schwierigen Themenbereiche, auf das gedankliche Durchdringen von Problemen -- gern als "Theorie" bezeichnet -- wird dann unter dem Begriff "Praxisorientierung" geadelt.

    Worin sollten sich denn sonst konkurrierende Institutionen unter- oder überbieten?

    Eine Senkung des Niveaus dieses akademischen Grades also.

    Tolle Idee!

  2. ... man muß sich schon fragen, wozu es eine dritte Stufe mit Berufsorientierung braucht.

    Wenn man das im Wettbewerb der Absolventen untereinander konsequent zu Ende führt, dann müssen die Ingenieure irgendwann mal 10 Jahre studieren bis zum Berufseintritt.

    Das kann es ja wohl nicht sein.

  3. Um die Unis geht es mir nicht so sehr wie um die Marke "deutscher Ingenieur" selbst. Mit dem Wegfall des Dipl-Ing traut man sich kaum zu sagen, dass mein bspw. ein (deutscher) Maschinenbauer M.Sc. ist.
    Eine letzte Hoffnung bleibt der Dr.-Ing. als Qualitätsmerkmal, sicherlich nicht für jeden, aber umso stärker.

    Solche Projekte können gerne für die Promotion im Medizinbereich diskutiert werden, denn seien wir ehrlich, ein Dr.med. ist bei weitem nicht das, was ein Dr.-Ing. ist...

    • Rudi01
    • 24.01.2012 um 9:54 Uhr

    Damit ist in diesem Zusammenhang vermutlich gemeint, dass gewisse Institutionen den Doktor-Ing. dann zu Konditionen "anbieten", die eine Erleichterung gegenüber dem Dr.-Ing. der Universitäten und Technischen Hochschulen darstellen.

    Verzicht auf die schwierigen Themenbereiche, auf das gedankliche Durchdringen von Problemen -- gern als "Theorie" bezeichnet -- wird dann unter dem Begriff "Praxisorientierung" geadelt.

    Worin sollten sich denn sonst konkurrierende Institutionen unter- oder überbieten?

    Eine Senkung des Niveaus dieses akademischen Grades also.

    Tolle Idee!

    Antwort auf "Mit anderen Worten..."

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