Das gelobte Land beginnt gleich hinter der Grenze. Groningen und Enschede, Nijmegen, Venlo oder Maastricht , diese niederländischen Städte erfreuen sich seit Jahren großer Beliebtheit bei deutschen Studenten. Rund 25.000 absolvieren zumindest einen Teil ihrer wissenschaftlichen Ausbildung in den Niederlanden, die meisten in der Nähe der westdeutschen Ballungsgebiete. Kein NC, dafür intensive Begleitung, hochmoderne Ausstattung von Unis und Fachhochschulen und internationale Ausrichtung: All dies macht die Niederlande bei angehenden Akademikern im Nachbarland zum populären Ziel für ein Auslandsstudium.

Die unbeschwertesten Tage aber hat diese Erfolgsgeschichte wohl hinter sich. Kurz vor dem Jahreswechsel schlug Halbe Zijlstra, im Bildungsministerium in Den Haag zuständig für die Wissenschaft, Alarm. Der Staatssekretär warnte vor einem "ungezügelten Zustrom" deutscher Studenten mit womöglich "ernsthaften Folgen" für das Ausbildungsniveau. In einem Schreiben an das Parlament rechnete Zijlstra vor, ein Student koste den Staat jährlich 6.000 Euro. Da erheblich mehr Ausländer in den Niederlanden eingeschrieben seien als Niederländer im Ausland, ergebe sich ein Minus-Betrag von 90 Millionen Euro.

An diesen Ausgaben will Zijlstra Deutschland, Herkunftsland von 42 Prozent aller ausländischen Studenten in den Niederlanden, künftig beteiligen. Die betroffenen Hochschulen sollten ihr offensives Werben um deutsche Studenten einstellen, andernfalls müssten sie mit Konsequenzen rechnen. So könnten Studiengänge, die vollständig auf Deutsch zu absolvieren sind, geschlossen werden, wenn die Träger sich nicht um ein Gleichgewicht zwischen niederländischen und ausländischen Studenten bemühten. Im Grenzgebiet gibt es 14 solcher Studiengänge, die meisten an der Internationalen Fontys-Wirtschaftshochschule in Venlo .

Möglich, dass die Regierung dem Druck nachgibt

Neu ist das Thema indes nicht. Zijlstras Schreiben beruht auf der Analyse einer ministeriellen Arbeitsgruppe, die er 2011 ins Leben gerufen hatte. Bereits im Frühjahr gab es in einer Fachzeitschrift Kritik an der gezielten Anwerbung deutscher Studenten. Diese sei "gesellschaftlich nicht verantwortlich" und nütze nur den Hochschulen, die für jeden ausländischen Studenten Geld aus Den Haag empfingen. Im vergangenen Herbst bemängelte ein sozialistischer Abgeordneter: "Internationaler Studentenaustausch ist eine gute Sache, doch er muss im Gleichgewicht bleiben." Ein Mitglied der Rechtspopulisten monierte wenig später, ausländische Studenten nähmen niederländischen den Wohnraum weg.

Bislang verteidigte Zijlstra, Mitglied der liberalen Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD), die Internationalisierung des Hochschulwesens, da sie die Konkurrenzposition der Niederlande stärke. Die Freizügigkeit unter Studenten helfe "unserer offenen Wissensökonomie". Die konservativ-liberale Regierung will das Land auf diesem Gebiet in der Weltspitze etablieren. Gut möglich, dass die Regierung nun dem Druck nachgibt, zumal sich seit längerem abzeichnet, dass die von ihr beschlossenen Sparmaßnahmen nicht ausreichen, den Haushalt zu konsolidieren.