HochschulenÖsterreich vergrault seinen Wissenschaftsnachwuchs

In Österreich werden dieses Jahr viele Jungforscher arbeitslos. Sie trifft eine Regelung, die befristete Beschäftigung auf sechs Jahre beschränkt.

Forschung an der Universität in Wien

Forschung an der Universität in Wien

Unter dem Mikroskop schaut Krebs harmlos aus. Man sieht winzigkleine Zellen, die auf der Schale festkleben, sich nicht bewegen, nichts attackieren. Sie vermehren sich nur ununterbrochen. "Während gesunde Zellen einen Lebenszyklus durchlaufen und irgendwann sterben, tun Krebszellen das nicht", sagt Robert Trondl. Er sitzt am Mikroskop im Labor und zeigt auf eine rosarote Flüssigkeit, die Millionen Krebszellen beinhaltet. Trondl hat sie gezüchtet, um sie kurz darauf gezielt zu töten.

Trondl ist Nachwuchsforscher. Der 27-Jährige schreibt am Institut für anorganische Chemie an der Uni Wien gerade seine Dissertation und testet neue Wirkstoffe, die eines Tages zu lebensrettenden Medikamenten werden könnten. Sein derzeitiges Forschungsprojekt hat er mit ins Leben gerufen, schon im Förderantrag konnte er eigene Ideen einbringen. Was ihm an der Wissenschaft gefällt? "Dass ich vielleicht etwas entdecke, das noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat", sagt der junge Mann. Doch in seinem Forscherdrang hat er es nicht leicht. Nachwuchsforscher in Österreich treffen permanent auf Hürden, auf Bürokratie und auf fehlende Perspektiven.

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So sehr er sich auch anstrengt, Ende des Jahres muss Trondl seinen Arbeitsplatz räumen. In Österreich wird es dieses Jahr besonders viele arbeitslose Wissenschaftler geben. Die sogenannte "Kettenvertragsregel" trifft viele. Sie sieht vor, dass Uni-Mitarbeiter nicht auf alle Ewigkeiten befristete Jobs haben sollen. Wer sechs Jahren voll gearbeitet hat, müsste danach fest angestellt werden. Doch die Unis sträuben sich. Sie fürchten, diese Leute nie mehr loszuwerden. Oder sie wollen junge Forscher generell nur befristet anstellen. "So früh in der wissenschaftlichen Laufbahn sollte man noch keinen unbefristeten Vertrag haben, sondern nach dem Doktorat zuerst ins Ausland gehen", sagt etwa Heinz Engl, Rektor der Uni Wien.

Nachwuchsforscher en masse

Im Fall des Krebsforschers Trondl ist diese Praxis grotesk: Er darf das letzte Jahr des Projekts, das er selbst mit ins Leben rief, nicht miterleben. Jemand anders muss ab 2013 seinen Job übernehmen, eigens eingeschult werden. Sonst müsste die Uni Trondl fest anstellen, und das will sie nicht. Von Molekularbiologen bis hin zu Historikern – allein an der Uni Wien verlieren mehrere hundert Menschen in diesem Jahr ihren Job, nur damit sie nicht regulär angestellt werden müssen. In einigen Fällen ist noch unklar, wer ihre Forschung oder ihre Lehrveranstaltung übernehmen soll.

Die Kettenvertragsregel ist eine absurde Ausgeburt der Hochschulbürokratie. Sie ist aber nur das Symptom eines krankhaften Uni-Systems, das seinen eigenen Nachwuchs systematisch vergrault. Die Folge: Viele fliehen ins Ausland. Das tat etwa Brigitte Steger, 46, die einst ein kleines Rädchen im Apparat der Uni Wien war, eine Assistentin am Institut für Japanologie ohne Aussicht auf festen Vertrag oder gar eine Professur. An der Uni verbrachte sie fast die ganze Zeit in überbuchten Lehrveranstaltungen und mit immer mehr Bürokratie. Forschen konnte sie hauptsächlich in der Freizeit.

Heute ist Steger Lecturer an der University of Cambridge, das kommt einer außerordentlichen Professur gleich. Statt 700 Studierende unterrichtet sie knapp 60. Alle paar Semester darf sie ein Sabbatical nehmen und sich ganz ihrer Forschung widmen. "Ins Ausland zu gehen war absolut der richtige Schritt", sagt sie. Vielleicht ist das aber sogar die Ironie der Geschichte: Hätte Steger nur ansatzweise Chancen in Wien gehabt, wäre sie nie auf den Gedanken gekommen, sich an der weltberühmten britischen Universität zu bewerben.

Österreich bildet Nachwuchsforscher en masse aus, lässt sie ein paar Jahre schlecht bezahlt schuften und jagt sie schließlich fort. Das Problem sind die fehlenden Perspektiven. Das liegt nicht nur am Geld, sondern auch an der generellen Einstellung gegenüber den universitären Mitarbeitern.

"Wenn man in Wien eine Konferenz machen will, muss man um Unterstützung betteln. Hier in Cambridge wird einem gedankt dafür, dass man die Universität international gut präsentiert", sagt Brigitte Steger. Andere, die ebenfalls ins Ausland gedrängt wurden, erzählen dasselbe. "Meine Universität hier in Irland behandelt alle wie Kunden", sagt David Stifter, "vom Studenten bis hin zum Professor, die Universität unterstützt einen, wo nur möglich." Stifter, 40, ist einer der führenden Experten für Altirisch und mittlerweile Professor an der National University of Ireland, Maynooth. Zuvor hatte er als langjähriger Mitarbeiter an der Uni Wien um seinen Job fürchten müssen, obwohl er bereits Forschungsaufträge in der Höhe von 400.000 Euro eingebracht hatte.

Die meisten Fördergelder verteilt im Land der Wissenschaftsfonds FWF. Im Jahr 2010 hat er 170 Millionen Euro in Projekte investiert und 3.400 wissenschaftliche Stellen finanziert. Der FWF ermöglicht Forschung, die sich die Unis nicht leisten können. Doch selbst wer hohe Fördergelder einheimst und international einen Namen hat, bekommt nicht automatisch eine feste Stelle.

"Es gibt Institute und Disziplinen, da funktioniert die Stellenvergabe wunderbar", berichtet FWF-Geschäftsführerin Dorothea Sturn, "und dann gibt es auch Nepotismus, Stellen, die nicht transparent ausgeschrieben werden, wo Leistung anscheinend nicht ausschlaggebend ist." Da dürfen die Studierenden nicht unabhängig forschen, sondern bloß die Mappe des Professors tragen und dessen Konferenzbeiträge verfassen.

Idealismus zählt immer noch mehr als Geld

Wer junge Talente halten will, muss ihnen eine Perspektive und Freiräume zum Forschen geben. Idealismus, nicht Geld bewegt die meisten Forscher. Sie übersiedeln in erster Linie ins Ausland, um dort mit führenden Experten zu arbeiten, um ihre eigenen Forschungsinteressen zu verfolgen und ihre Karriere voranzutreiben. Das zeigte eine Befragung der EU-Kommission.

Eines muss man den Unis zugestehen: Die Pragmatisierungen der Vergangenheit erschweren ihre heutige Personalplanung. "An manchen Fakultäten haben wir noch extrem viele Pragmatisierungen", sagt auch Rektor Engl, "wir müssen auf ein System kommen, in dem es mehr Generationengerechtigkeit gibt."

Noch sind die Unis aber zu unkreativ, um Freiräume für potenzielle Spitzenkräfte zu schaffen. Rein rechtlich dürften die Rektoren sehr wohl unbefristete Verträge aushändigen. Sie dürfen auch sogenannte "Laufbahnstellen" ausschreiben und diese Posten an strikte Qualitätskriterien knüpfen. Das passiert bisher aber nur selten.

"Die Universitäten sind extrem strukturkonservativ", sagt Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie für bildende Künste. Erst langsam müssen die Uni-Chefs lernen, dass sie keine pragmatisierten Beamten mehr haben, sondern ganz normale Angestellte, die man einstellen und notfalls kündigen kann. Auch der FWF empfiehlt, erfolgreichen Jungforschern unbefristete Verträge zu geben.

Vom Ausland könnte man einiges lernen. In den USA gibt es das System des "Tenure Track", zu Deutsch: der Weg zur Dauerstelle. Zum Beispiel beginnt man als befristeter Assistant Professor und kann von Anfang an unabhängig forschen. Man muss dafür festgesetzte Leistungskriterien erfüllen, Drittmittel einwerben und in Fachzeitschriften publizieren. Hohe Anforderungen – wer sie erfüllt, dem ist die Professur aber sicher. So haben Jungforscher eine Perspektive und schon früh die Möglichkeit, ihre eigenen Forschungsinteressen zu verfolgen.

Das ist wichtig. Die kreativste Phase im Leben eines Forschers endet mit 40, heißt es häufig. Werner Heisenberg war zum Beispiel 26, als er die Unschärferelation formulierte. Der blutjunge Physiker scherte sich nicht um die Annahmen seiner Fachkollegen, sondern hatte diese unorthodoxe Idee, dass das exakte Messen von Teilchen unter dem Mikroskop gar nicht möglich ist. Man kann den Ort eines Teilchens genau bestimmen, aber niemals gleichzeitig seine Bewegung, behauptete er und erhielt mit 31 den Nobelpreis.

Heisenberg hätte es an einer österreichischen Uni heute nicht leicht. Die generelle Unterfinanzierung, die geringe Wertschätzung, die permanente Unsicherheit, die starke Abhängigkeit, all das treibt junge Talente aus dem Fach oder eben ins Ausland.

Das ist auch der nächste Schritt von Robert Trondl. Der 27-Jährige schließt bald seine Dissertation ab, dann sucht er eine Stelle irgendwo im Ausland. "Mir war immer wichtig, internationale Erfahrung zu sammeln", sagt der junge Krebsforscher, "ich finde es nur schade, wenn man ins Ausland geht, um zu flüchten."

Erschienen im Falter

 
Leserkommentare
    • Mailer
    • 19.01.2012 um 17:45 Uhr

    "Die naheliegende Alternative, für die alle anderen hier skizzierten europäischen Universitätssysteme bereits mehr oder weniger deutlich optiert haben, ist die Ausweitung der Gruppe der selbstständig lehrenden und forschenden Hochschullehrer, speziell der Universitätsdozenten, die nach strengen Qualitätskriterien berufen werden. Damit ließen sich die Aufgaben von Lehre, Forschung und Nachwuchsqualifizierung auf mehr Schultern verteilen, qualifikations- und funktionsbezogene Differenzierungen von Tätigkeitsschwerpunkten für einzelne Hochschullehrer würden erleichtert, und man wäre dann auch in der Lage, vielversprechende Postdocs aus dem Inund Ausland für die deutschen Universitäten gewinnen bzw. in Deutschland halten zu können. Als Voraussetzung dafür ist freilich die allmähliche Reduktion der (von der Professorenschaft) abhängigen archaischen Statusgruppe der "Assistierenden" erforderlich - ein nicht ganz einfaches Unterfangen."

    Siehe ein anderes Angebot der ZEIT: http://www.academics.de/w...

    Mehr ist dazu nicht zu sagen ...

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    • Ranjit
    • 19.01.2012 um 18:13 Uhr

    Wenn man im Artikel Österreich durch Deutschland sowie ein par Städtenamen ersetzt, würde er genau so wahr bleiben.

    Ich werde nach dem Doktor nicht in Deutschland bleiben. Die Karrierechancen für Akademiker sind zum verzweifeln. Ich werde nicht gehen, weil ich mir im Ausland marginal bessere Chancen ausrechne, sondern weil ich hier nicht den Hauch einer Perspektive habe. Und parallel sieht man sich Verwaltungsangestellten gegenüber, die stabile Stellen haben und besser bezahlt werden. Eine Leistungsgesellschaft sieht anders aus.

    • Ranjit
    • 19.01.2012 um 18:13 Uhr

    Wenn man im Artikel Österreich durch Deutschland sowie ein par Städtenamen ersetzt, würde er genau so wahr bleiben.

    Ich werde nach dem Doktor nicht in Deutschland bleiben. Die Karrierechancen für Akademiker sind zum verzweifeln. Ich werde nicht gehen, weil ich mir im Ausland marginal bessere Chancen ausrechne, sondern weil ich hier nicht den Hauch einer Perspektive habe. Und parallel sieht man sich Verwaltungsangestellten gegenüber, die stabile Stellen haben und besser bezahlt werden. Eine Leistungsgesellschaft sieht anders aus.

    • Ranjit
    • 19.01.2012 um 18:13 Uhr

    Wenn man im Artikel Österreich durch Deutschland sowie ein par Städtenamen ersetzt, würde er genau so wahr bleiben.

    Ich werde nach dem Doktor nicht in Deutschland bleiben. Die Karrierechancen für Akademiker sind zum verzweifeln. Ich werde nicht gehen, weil ich mir im Ausland marginal bessere Chancen ausrechne, sondern weil ich hier nicht den Hauch einer Perspektive habe. Und parallel sieht man sich Verwaltungsangestellten gegenüber, die stabile Stellen haben und besser bezahlt werden. Eine Leistungsgesellschaft sieht anders aus.

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    ...sieht es so aus. In Deutschland bekommen diejenigen, die den Hochschulapparat am Laufen halten, also die Wissenschaftler, die tatsächlich forschen und lehren, wenn's hochkommt eine halbe Stelle, von der erstaunliche 1000 € übrigbleiben, während 200% Arbeitskraft plus Überstunden erwartet wird. Demgegenüber muss man sich von fest angestellten und 3-4 mal besser bezahlten Bürokraten herumkommandieren lassen, deren einzige Handlung die Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes ist, indem sie noch mehr Papierkram verursachen, als eigentlich nötig wäre. Natürlich lassen die pünktlich nach 8 Stunden den Griffel fallen und sind weg.
    Und was ist der Dank dafür? Die Aussichten auf eine feste Stelle sind Null, da der willige und billige Nachwuchs in Form von Studenten stetig nachrückt, die Rechte, speziell von Doktoranden, sind quasi nicht vorhanden, da man sich sonst den Doktor in die Haare schmieren kann bzw. nichtmal die Befristung verlängert wird und ich kenne niemanden, der mit Freuden auf eine universitäre Karriere im Inland zusteuert. Entweder geht es in die Industrie, wie bei meiner Person, oder ins besser (oder überhaupt erst) wertschätzende Ausland. Und die Nummer mit dem faktischen Berufsverbot ist in D auch ein Problem.
    Wenn man sich dann mal überlegt, dass deutschlands einzige Ressource Wissen und Forschung ist, und unsere Kanzlerin immer gerne die Bildungsrepublik heraufbeschworen hat, dann sehe ich den Standort Deutschland in schwierige Zeiten aufbrechen.

    Mal sehen wie es bei uns weitergeht.

    ...sieht es so aus. In Deutschland bekommen diejenigen, die den Hochschulapparat am Laufen halten, also die Wissenschaftler, die tatsächlich forschen und lehren, wenn's hochkommt eine halbe Stelle, von der erstaunliche 1000 € übrigbleiben, während 200% Arbeitskraft plus Überstunden erwartet wird. Demgegenüber muss man sich von fest angestellten und 3-4 mal besser bezahlten Bürokraten herumkommandieren lassen, deren einzige Handlung die Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes ist, indem sie noch mehr Papierkram verursachen, als eigentlich nötig wäre. Natürlich lassen die pünktlich nach 8 Stunden den Griffel fallen und sind weg.
    Und was ist der Dank dafür? Die Aussichten auf eine feste Stelle sind Null, da der willige und billige Nachwuchs in Form von Studenten stetig nachrückt, die Rechte, speziell von Doktoranden, sind quasi nicht vorhanden, da man sich sonst den Doktor in die Haare schmieren kann bzw. nichtmal die Befristung verlängert wird und ich kenne niemanden, der mit Freuden auf eine universitäre Karriere im Inland zusteuert. Entweder geht es in die Industrie, wie bei meiner Person, oder ins besser (oder überhaupt erst) wertschätzende Ausland. Und die Nummer mit dem faktischen Berufsverbot ist in D auch ein Problem.
    Wenn man sich dann mal überlegt, dass deutschlands einzige Ressource Wissen und Forschung ist, und unsere Kanzlerin immer gerne die Bildungsrepublik heraufbeschworen hat, dann sehe ich den Standort Deutschland in schwierige Zeiten aufbrechen.

    Mal sehen wie es bei uns weitergeht.

  1. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter mit einer hablen Stelle erhält 1000 Euro und arbeitet dafür Vollzeit. Sein Prof arbeitet genau so lang und verdient glatt das Zehnfache + Verbeamtung. Das gleiche Spiel beobachten wir in anderen Branchen. Die langjährigen Festangestellten verdienen sehr gut, die Jungen kriegen befristetee Verträge und schlechte Löhne. Bedanken dürfen wir uns auch bei Gewerkschaften wie Ver.di, die statt den Schwachen zu helfen auf der Seite der Festangestellten stehen und durch hohe Lohnabschlüsse nichts anderes bewirken als Befristung, Leiharbeit und Scheinselbständigkeit.

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    ...liegt nicht in der Forderung höherer Löhne, ihre ureigene Aufgabe, sondern darin, dass sie keine politischen Streiks gegen die bewusste Unterhöhlung der Arbeitnehmerrechte (Leiharbeit, befristete Verträge, Heuschrecken, Freihandel) organisieren.

    ...ist aber auch nur eine Fantasievorstellung (schaun Sie mal nach wieviel W2/W3 so ist), zumal es den Professoren, als sie jung waren, auch nicht anders ging. Zustimmen würde ich aber ihrer Bemerkung, dass die Geewerkschaften für die befristet Angestellten herzlich wenig tun. Mittlerweile stellt der Staat ja auch jenseits der Universitäten hauptsächlich befristet ein.

    ...liegt nicht in der Forderung höherer Löhne, ihre ureigene Aufgabe, sondern darin, dass sie keine politischen Streiks gegen die bewusste Unterhöhlung der Arbeitnehmerrechte (Leiharbeit, befristete Verträge, Heuschrecken, Freihandel) organisieren.

    ...ist aber auch nur eine Fantasievorstellung (schaun Sie mal nach wieviel W2/W3 so ist), zumal es den Professoren, als sie jung waren, auch nicht anders ging. Zustimmen würde ich aber ihrer Bemerkung, dass die Geewerkschaften für die befristet Angestellten herzlich wenig tun. Mittlerweile stellt der Staat ja auch jenseits der Universitäten hauptsächlich befristet ein.

  2. ... dieser "tollen" Entscheidung! In Deutschland ist es mittlerweile so, dass über 90 % der wissenschaftlichen Mitarbeiter befristet beschäftigt sind (siehe auch http://biwifo.verdi.de/fa...). Nach 12 Jahren greift dann das "Berufsverbot", d.h. als wissenschaftlichen Mitarbeiter darf man dann an keiner deutschen Universität aus Haushaltsmitteln beschäftigt werden. In der Praxis sieht das dann so aus, dass Mitarbeiter Anfang bis Mitte 40, also auf dem Zenit ihrer Kreativität und Berufserfahrung, gehen müssen. Diese werden dann, wenn überhaupt, durch frisch promovierte oder gar Doktoranden ersetzt. An meiner Hochschule werden die meisten Lehrveranstaltungen wie z.B. Seminare und Praktika von (meist unerfahrenen) Doktoranden veranstaltet. Die werden in den Naturwissenschaften i.d.R. mit halben Stellen abgespeist (~1000 Euro Netto/Monat). Man braucht wohl nicht erwähnen, dass die wissenschaftlichen Mitarbeiter, deren 12 Jahre abgelaufen sind auf dem freien Arbeitsmarkt aufgrund der vorherrschenden Altersdiskriminierung keine Chance mehr haben einen ihrer Qualifikation entsprechenden Job zu finden. Unter diesen Bedingungen wundert es nicht wenn niemand mehr bereit ist in Deutschland eine Hochschulkarriere anzustreben. Prekäre Beschäftigung soweit das Auge reicht. Ein Skandal, dass dieser Wahnsinn mit Methode auch in Österreich installiert wird. Willkommen in der Welt der Wegwerfakademiker!

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  3. ...liegt nicht in der Forderung höherer Löhne, ihre ureigene Aufgabe, sondern darin, dass sie keine politischen Streiks gegen die bewusste Unterhöhlung der Arbeitnehmerrechte (Leiharbeit, befristete Verträge, Heuschrecken, Freihandel) organisieren.

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  4. ...galt auch mal in D, der Grund war eben, dass Mitarbeiter NICHT dauerhaft befristet arbeiten müssen. Sondern nach einer gewissen Zeit übernommen werden, wenn der Arbeitgeber nicht auf sie verzichten will.

    Der Haken: in einer Gesellschaft in der sogar der Staat seine Mitarbeiter derart schändlich ausbeutet, einfach weil genügend Leute Schlange stehen, wird die Absicht der Regel pervertiert.

    Die Lösung kann aber nicht sein sie abzuschaffen, sondern die benötigten Leute endlich wieder fest anzustellen.

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  5. ...sieht es so aus. In Deutschland bekommen diejenigen, die den Hochschulapparat am Laufen halten, also die Wissenschaftler, die tatsächlich forschen und lehren, wenn's hochkommt eine halbe Stelle, von der erstaunliche 1000 € übrigbleiben, während 200% Arbeitskraft plus Überstunden erwartet wird. Demgegenüber muss man sich von fest angestellten und 3-4 mal besser bezahlten Bürokraten herumkommandieren lassen, deren einzige Handlung die Sicherung des eigenen Arbeitsplatzes ist, indem sie noch mehr Papierkram verursachen, als eigentlich nötig wäre. Natürlich lassen die pünktlich nach 8 Stunden den Griffel fallen und sind weg.
    Und was ist der Dank dafür? Die Aussichten auf eine feste Stelle sind Null, da der willige und billige Nachwuchs in Form von Studenten stetig nachrückt, die Rechte, speziell von Doktoranden, sind quasi nicht vorhanden, da man sich sonst den Doktor in die Haare schmieren kann bzw. nichtmal die Befristung verlängert wird und ich kenne niemanden, der mit Freuden auf eine universitäre Karriere im Inland zusteuert. Entweder geht es in die Industrie, wie bei meiner Person, oder ins besser (oder überhaupt erst) wertschätzende Ausland. Und die Nummer mit dem faktischen Berufsverbot ist in D auch ein Problem.
    Wenn man sich dann mal überlegt, dass deutschlands einzige Ressource Wissen und Forschung ist, und unsere Kanzlerin immer gerne die Bildungsrepublik heraufbeschworen hat, dann sehe ich den Standort Deutschland in schwierige Zeiten aufbrechen.

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    Antwort auf "Deutschland"
  6. ...und daher kann ich nur jedem hochqualifizierten Deutschen empfehlen, dieses Land zu verlassen und sich im besseren Ausland umzuschauen. Da empfehle ich in Europa vor allem die Staaten ohne Euro wie CH, DK, S und N.

    Schlimm wiegt hier vor allem, dass der Staat in vielen Bereichen ein noch asozialerer Arbeitgeber ist als die freie Wirtschaft, obwohl man von Deutschen Unternehmen schon einige Widerwärtigkeiten gewohnt ist. Kein Wunder, dass die Deutsche Wirtschaft über Fachkräftemangel jammert. Wer noch ein wenig Selbstachtung hat, verlässt diese Lobbyisten-Republik.

    Zugegeben, dieser Schritt ist mir anfangs auch nicht leicht gefallen, aber inzwischen bin ich richtig froh darüber, dass man mir trotz gesuchter Fachrichtung in Deutschland keine Arbeitsstelle als Ingenieur geben wollte. In der Schweiz ist sowieso fast alles besser als in Deutschland.

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    Dass in meiner Schweizer Heimat einiges besser ist als in Deutschland, kann ich mir vorstellen - das Wissenschaftssystem gehört aber sicherlich nicht dazu. Die universitären Strukturen in der Schweiz sind bis ins Detail dem deutschen "Vorbild" nachempfunden (das doch eigentlich eher ein abschreckendes Beispiel sein müsste). Die Unsitte, dass der wissenschaftliche Nachwuchs mit befristeten stellen vergrault wird, ist leider meines Wissens in allen deutschsprachigen Ländern üblich; man muss tatsächlich ins französisch- oder englischsprachige Ausland ausweichen, um humane Anstellungsbedingungen und Karriereperspektiven vorzufinden. Das wird mir übrigens auch noch blühen.

    Dass in meiner Schweizer Heimat einiges besser ist als in Deutschland, kann ich mir vorstellen - das Wissenschaftssystem gehört aber sicherlich nicht dazu. Die universitären Strukturen in der Schweiz sind bis ins Detail dem deutschen "Vorbild" nachempfunden (das doch eigentlich eher ein abschreckendes Beispiel sein müsste). Die Unsitte, dass der wissenschaftliche Nachwuchs mit befristeten stellen vergrault wird, ist leider meines Wissens in allen deutschsprachigen Ländern üblich; man muss tatsächlich ins französisch- oder englischsprachige Ausland ausweichen, um humane Anstellungsbedingungen und Karriereperspektiven vorzufinden. Das wird mir übrigens auch noch blühen.

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