Streit um StiftungsprofessurUni Bremen schließt Rüstungsforschung aus

Die Uni Bremen bekennt sich zu ihrer Zivilklausel, die Forschung zu Militärzwecken verbietet. Geld einer Firma, die die Bundeswehr beliefert, will sie dennoch annehmen.

Der Akademische Senat der Universität Bremen hat sich zur Zivilklausel der Hochschule bekannt und lehnt damit Forschung zu Rüstungszwecken weiter ab.

Die Zivilklausel stammt aus dem Jahr 1986. Sie besagt, dass die Universität jede Beteiligung von Wissenschaft und Forschung mit militärischer Nutzung beziehungsweise Zielsetzung ablehnt. Forschungsthemen und -mittel, die Rüstungsforschung dienen könnten, sind öffentlich zu diskutieren und gegebenenfalls zurückzuweisen. Auch 1991 hatte sich der Akademische Senat zur rein zivilen Forschung der Uni bekannt und hat dies nun in einer Abstimmung erneuert.

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In Zusammenhang mit einer Stiftungsprofessur des Raumfahrttechnologie-Unternehmens OHB, das die Bundeswehr mit Aufklärungssatelliten beliefert, hatte es erbitterten Streit um die Zivilklausel gegeben. Kritiker der gesponserten Professur warfen der Uni vor, sie wolle die Zivilklausel abschaffen, um gesponserte Rüstungsforschung betreiben zu können. Laut dem Präsidium soll die Stiftungsprofessur nun dennoch eingeführt, aber keine Forschung zu militärischen Zwecken betrieben werden.

Der Asta ist generell gegen die Förderung durch ein Unternehmen mit Militärsparte

Der Asta der Uni zeigte sich positiv überrascht von der neuen Entwicklung. Die Studierendenvertreter fordern aber weiterhin, die Universität solle auf die Stiftungsprofessur verzichten. Die Einrichtung alleine sei ein Verstoß gegen die Zivilklausel. "Wenn die Uni Bremen Geld vom Konzern OHB nimmt, nimmt sie nach unserer Einschätzung Geld von einem Rüstungskonzern", sagte ein Asta-Sprecher.

Im vergangenen Jahr hatte der OHB-Vorstandsvorsitzende angekündigt, das Angebot zurückzuziehen, sollte die Uni Bremen ihre Zivilklausel nicht ändern. Der Asta sagte, er erwarte von Fuchs, dass er zu seiner Ankündigung stehe.

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Leserkommentare
    • Crest
    • 26. Januar 2012 17:23 Uhr

    Zu der "Zivilklausel" kann man konsistent (nur) stehen, wenn man konsequent pazifistisch ist.

    Was meinen Sie, wieviele Mitglieder des Senats sind hier konsistent und konsequent? (Und wieviele fallen demgegenüber unter den Begrff "opportunistischer Gutmenschen")?

    Hezlichst Crest

    2 Leserempfehlungen
  1. Na toll, statt unsere Armee tatkräftig zu unterstützen und die Wehrfähigkeit unseres Landes zu fördern, versinkt man im Sumpf des Pazifismus. Es wäre sinnvoller voller Begeisterung auch für militärische Zwecke zu forschen, weil man so was für sein Land zun kann.
    Der Irakkrieg hat gezeigt was mit einem Land passiert, das sich nicht wehren kann. Der Irak wurde zusammengeschossen ohne auch einen Hauch gegen die US-Armee zu haben. Was passiert, wenn diese gewaltige Militärmacht mal nicht von Demokraten geführt wird ??? Die Geschichte hat schon sehr oft gezeigt, das auch Dinge passieren können, mit denen man vorher nie rechnte. Ob das der Fall der Mauer, die Errichtung der Mauer, Pearl Harbour und viele andere Sachen waren - kein Mensch hatte das für möglich gehalten. Deshalb sollte man für Extremfälle schon eine starke Armee haben. Die Unis sollten es unterstützen.

    3 Leserempfehlungen
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    Der Irak hatte zu Beginn des Krieges eine sehr schlagkräftige Armee, vor allem nach Mannstärke. Natürlich hatte sie keine Chance gegen die Amerikaner. Dass die Iraker technisch veraltetes Material verwendet haben, lässt sich vor allem andauernden Embargos, evtl fehlendem Kapital und fehlenden Verbündeten zuschreiben, an mangelndem Interesse lag es jedenfalls nicht. Einen Unterschied hätte es so oder so nicht gemacht, es sei denn vielleicht sie hätten Atomwaffen gehabt. Prinzipiell war der Irak durchaus als eine Militärmacht anzusehn, meines Wissens nach eine der größten Armeen weltweit damals.
    Was Deutschland betrifft, wie wollten wir jemals mit dem militärischen Potential der Amerikaner mithalten, mal ganz davon abgesehn dass wir vetraglich eng an die Amerikaner gebunden sind, hier alles voll ist mit Nato-Stützpunkten, etc? Und wenn wir es denn könnten, dann nur mit Atomwaffen, und falls es dann zum Krieg käme, dann wäre es schon egal wer gewinnt. Und zuletzt, es könnte auch uns mal wieder passieren dass wir nicht von Demokraten geführt werden - wenn man denn den USA dieses Kompliment machen will.

    Generell haben sie ja vielleicht nicht ganz unrecht wenn Sie sagen dass eine gewisse Vorsicht nicht schaden kann, andererseits wäre ein Krieg in der Mitte von Europa so verheerend dass man sich vielleicht freuen sollte wenn er schnell vorbei ist. Außerdem ist es ja nun so dass wir eh schon die halbe Welt mit Waffen beliefern, wer beißt schon die Hand die ihn füttert?

  2. Der Irak hatte zu Beginn des Krieges eine sehr schlagkräftige Armee, vor allem nach Mannstärke. Natürlich hatte sie keine Chance gegen die Amerikaner. Dass die Iraker technisch veraltetes Material verwendet haben, lässt sich vor allem andauernden Embargos, evtl fehlendem Kapital und fehlenden Verbündeten zuschreiben, an mangelndem Interesse lag es jedenfalls nicht. Einen Unterschied hätte es so oder so nicht gemacht, es sei denn vielleicht sie hätten Atomwaffen gehabt. Prinzipiell war der Irak durchaus als eine Militärmacht anzusehn, meines Wissens nach eine der größten Armeen weltweit damals.
    Was Deutschland betrifft, wie wollten wir jemals mit dem militärischen Potential der Amerikaner mithalten, mal ganz davon abgesehn dass wir vetraglich eng an die Amerikaner gebunden sind, hier alles voll ist mit Nato-Stützpunkten, etc? Und wenn wir es denn könnten, dann nur mit Atomwaffen, und falls es dann zum Krieg käme, dann wäre es schon egal wer gewinnt. Und zuletzt, es könnte auch uns mal wieder passieren dass wir nicht von Demokraten geführt werden - wenn man denn den USA dieses Kompliment machen will.

    Generell haben sie ja vielleicht nicht ganz unrecht wenn Sie sagen dass eine gewisse Vorsicht nicht schaden kann, andererseits wäre ein Krieg in der Mitte von Europa so verheerend dass man sich vielleicht freuen sollte wenn er schnell vorbei ist. Außerdem ist es ja nun so dass wir eh schon die halbe Welt mit Waffen beliefern, wer beißt schon die Hand die ihn füttert?

    2 Leserempfehlungen
  3. irgendwann, irgendwo irgendetwas das hieß Freiheit der Forschung oder so ähnlich ?

    Eine Leserempfehlung
    • Zynix
    • 27. Januar 2012 7:48 Uhr

    Klar werden in Deutschland entwickelte Waffen und sonstige Rüstungsartikel niemals und unter keinen Umständen ans Ausland verkauft, denn schließlich wollen die Waffenherstelle ja Deutschland schützen und nicht ihren Gewinn maximieren, indem sie Waffen in Krisenregionen liefern.

    Und was die Freiheit der Forschung angeht, die wird gerade dadurch erhalten, dass man sich nicht in finanzielle Abhängigkeiten aus denen heraus der Auftraggeber bestimmt was erforscht werden soll und nicht mehr die Wissenschaftler selbst.

    Eine Leserempfehlung
    • Galilei
    • 27. Januar 2012 11:52 Uhr

    Nach dem Plädoyer Arnim von Gleichs für die Abschaffung der Bremer Zivilklausel in der TAZ ist sowieso fast die ganze Bremer Universität in die Rüstungsforschung involviert. Es gibt die Zivilklausel, aber niemand richtet sich danach. Und auf diese Weise lässt sich auch gut eine Stiftungsprofessur eines gefährlichen Rüstungskonzerns in die Bremer Universität integrieren. Denn der Konzern arbeitet an Technologien der Radarüberwachung durch Satelliten, die jeden Bürger treffen kann. Dass die SAR Lupe Satelliten Talibans in Afghanistan überwachen, hat der Sohn des Konzerngründers in Welt online zugegeben. Die Technologien, an denen OHB forscht, sind auf die Abschaffung unserer Verfassung ausgerichtet.
    Was den Bremern fehlt, ist ein Kontrollgremium, das in der Universität alle Forschung auf ihre Rüstungsrelevanz untersucht.

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    "Was den Bremern fehlt, ist ein Kontrollgremium, das in der Universität alle Forschung auf ihre Rüstungsrelevanz untersucht."

    danke für den Beitrag, hab selten so gelacht!

    Da frage ich mich ernsthaft, wie und warum irgendwelche Hanseln meine Arbeiten auf Rüstungsrelevanz untersuchen wollen. Zudem gilt noch die Forschungs- und Vertragsfreiheit!

    MfG Karl Müller

  4. "Was den Bremern fehlt, ist ein Kontrollgremium, das in der Universität alle Forschung auf ihre Rüstungsrelevanz untersucht."

    danke für den Beitrag, hab selten so gelacht!

    Da frage ich mich ernsthaft, wie und warum irgendwelche Hanseln meine Arbeiten auf Rüstungsrelevanz untersuchen wollen. Zudem gilt noch die Forschungs- und Vertragsfreiheit!

    MfG Karl Müller

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hochschule | Wissenschaft | Forschung | Universität Bremen | Bundeswehr | Unternehmen
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