Hochschulen: Uni Köln betreibt gesponserte Forschung hinter verschlossenen Türen
Der Pharmakonzern Bayer unterstützt die Uni Köln in der Krebsforschung mit einem jährlichen, sechsstelligen Betrag. Kritiker fordern die Offenlegung der Verträge.
Fast vier Jahre ist es nun her, dass sich die Universität Köln und der Pharmakonzern Bayer feierlich zu "bevorzugten Partnern" erklärten. Anlass war ein Vertrag über eine Kooperation, mit der das Pharmaunternehmen gemeinsame klinische Studien in der Krebs- und Herzforschung und die Ausbildung von Doktoranden jährlich mit einem sechsstelligen Betrag sponsert.
Um die Kooperation ist ein heftiger Streit entbrannt. Weil die Uni Köln und Bayer hartnäckig über Details der Zusammenarbeit schweigen, hat der Bayer-kritische Verein Coordination gegen Bayer-Gefahren Klage beim Kölner Verwaltungsgericht eingereicht. Er will so erzwingen, dass das Schriftstück offen gelegt wird.
Über den Vertrag ist kaum etwas bekannt. Welchen Einfluss die Uni dem Pharmakonzern eingeräumt hat, ist völlig unklar. Kritiker befürchten, dass Bayer sich die Rechte an Patenten gesichert hat, die aus der Kooperation hervorgehen und die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen bestimmen kann. Unerwünschte Resultate könnten so geheim bleiben.
Jahr für Jahr pumpen Konzerne wie Bayer Milliarden Euro in die klammen Kassen deutscher Hochschulen. Die Zusammenarbeit, die Unis und Unternehmen dabei eingehen, bewegt sich oft in einer undurchsichtigen Grauzone. Immer wieder ziehen Hochschulen den Verdacht auf sich, die Freiheit der Wissenschaft an die Wirtschaft zu verkaufen.
Die Verträge verstehen manchmal selbst die Beteiligten nicht
Um noch enger zusammenarbeiten zu können, haben Unis und Wirtschaft in den vergangenen Jahren immer mehr und immer kompliziertere Kooperationsformen ausgetüftelt: Erteilt ein Unternehmen einem Professor einen Forschungsauftrag, kann es etwa über den Inhalt der Arbeit genauso bestimmen wie über die Publikation der Ergebnisse. 10,9 Milliarden Euro haben deutsche Konzerne 2010 allein in die Auftragsforschung gesteckt.
Bei Stiftungsprofessuren hingegen finanziert der Sponsor über mehrere Jahre eine Professur. Das grobe Forschungsfeld kann er bestimmen, nicht aber wer die Professur übernimmt und woran im Detail gearbeitet wird. 1.000 solcher Stiftungsprofessuren gibt es derzeit in Deutschland. Welche Kooperationsform Unis und Konzerne genau vereinbaren, ist allerdings oft unklar – mitunter sogar den Beteiligten selbst.
So wie in Berlin. Im Mai war ein Vertrag zwischen Deutscher Bank, Humboldt Universität und Technischer Universität Berlin öffentlich geworden. Der Konzern sponserte den Unis ein Institut für Finanzmathematik – und durfte im Gegenzug über die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse entscheiden. "Unglücklich formuliert" nennt der wirtschaftsnahe Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft den Vertrag heute. Auftragsforschung und Stiftungsprofessuren seien darin vermischt worden. Die Kooperation ist inzwischen beendet, der Vertrag wurde nicht verlängert.
Dass ihre schwierige finanzielle Situation die meisten Unis dazu zwingt, sich auf die Wirtschaft einzulassen, sehen selbst Kritiker ein. Peter Grottian, emeritierter Professor für Politikwissenschaft und linker Aktivist, hat den Vertrag der Deutschen Bank mit den Berliner Unis öffentlich gemacht. Er sagt: "Jegliche Kooperationen abzulehnen wäre Quatsch." Weil die Unis auf das Geld aus der Wirtschaft angewiesen sind, seien sie jedoch leichter korrumpierbar.







"und die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen bestimmen kann. Unerwünschte Resultate könnten so geheim bleiben."
Völlig verständlich, daß man dort argwönisch wird. Gerade der Wirtschaft unerwünschte Resultate müssten genauso an der Tagesordnung stehen, wie solche von der Wirtschaft erwünschten. Das wäre der Idealzustand. Daß sich allerdings eine Uni überhaupt reinreden lässt, was sie veröffentlich, war mir so nicht bewußt und finde ich ein Unding!
Ich kann Sie beruhigen: die Vorstellung, dass Bayer die Veröffentlichung einer negativen klinischen Studien verhindern könnte ist recht naiv.
Das Problem liegt auch darin begründet, dass eben einfach nicht genug Geld zur Verfügung steht. In Deutschland muss man oft rechtfertigen, wie man die Forschungsergebnisse denn zu einem Produkt machen könne, das man verkaufen kann.
In den USA ist das anders. Dort müssen sie sich an z.B. Stanford nicht für ihre Grundlagenforschung in dieser Weise rechtfertigen. Sie bekommen exzellente Bedingungen geliefert und forschen einfach, ohne über Verkaufsmöglichkeiten nachzudenken. Das liegt auch daran, dass in den USA exorbitante Gebühren pro Semester verlangt werden (an Top Unis).
Nichtsdestotrotz ist Deutschland kein optimaler Forschungsstandort - Ausser für die Industrie / Wirtschaft, nicht aber für die Wissenschaft.
Ich kann Sie beruhigen: die Vorstellung, dass Bayer die Veröffentlichung einer negativen klinischen Studien verhindern könnte ist recht naiv.
Das Problem liegt auch darin begründet, dass eben einfach nicht genug Geld zur Verfügung steht. In Deutschland muss man oft rechtfertigen, wie man die Forschungsergebnisse denn zu einem Produkt machen könne, das man verkaufen kann.
In den USA ist das anders. Dort müssen sie sich an z.B. Stanford nicht für ihre Grundlagenforschung in dieser Weise rechtfertigen. Sie bekommen exzellente Bedingungen geliefert und forschen einfach, ohne über Verkaufsmöglichkeiten nachzudenken. Das liegt auch daran, dass in den USA exorbitante Gebühren pro Semester verlangt werden (an Top Unis).
Nichtsdestotrotz ist Deutschland kein optimaler Forschungsstandort - Ausser für die Industrie / Wirtschaft, nicht aber für die Wissenschaft.
"Die Bundesregierung verweist gerne auf die Autonomie der Hochschulen."
Wie zynisch. Es geht ja um die Autonomie der Hochschulen, welche gefährdet ist, wenn unterfinanzierte Universitäten in die Hände von Geldgebern gedrängt werden.
Ob bei dem Vertrag in Köln etwas zu beanstanden ist, weiß ich nicht. Transparenz ist hier sicher nicht verkehrt. Aber das Problem ist größer. Die unabhängige Forschung ist nicht nur ein abstraktes, moralisches Ideal. Die dient als Gegengewicht zur kurzfristigen, anwendungsorientierten Forschung des privaten Sektors. Gesellschaften benötigen eben auch Forschung, die lange Zeit nichts abwirft. So hätten wir kein WWW ohne Cern. Und privatwirtschaftlich wäre Cern nie entstanden.
Universitäten mit öffentlichen Geldern unabhängiger von Unternehmen zu machen ist also zum Vorteil aller. Ironischerweise auch zum Vorteil der Unternehmen. Denn diese profitieren ja auch von Grundlagenforschung.
"Übersetzt: Eine strikt pazifistische Uni sei nicht mehr zeitgemäß."
Übersetzt: Wir entwickeln uns zurück und nicht weiter.
Ich finde in dem artikel wird zu unrecht die kooperation bzw die auftragsforschung von Universitäten für Unternehmen in ein negatives licht gerückt.
Die universität erhält einen Froschungsauftrag von der xy ag und wirbt somit mittel ein, die dem institut, Fachbereich, Haushalt zugutekommen. Absolventen erhalten die möglichkeit auf einem wirtschaftlich relevanten gebiet zu promovieren - diese doktoranden leisten für gewöhnlich auch einen beitrag zur organisation des lehrstuhls, instituts und arbeiten als tutoren usw.
Die wirtschaftliche verwertung der ergebnisse liegt bei dem Sponsor - würde die öffentliche hand den forschungsauftrag finanzieren wären die ergebnisse auch zu veröffentlichen.
Ich unterstütze es das Universitäten auch unternehmerich tätig sind und als wissenschaftliche dienstleister für unternehmen auftreten - beide seiten profitieren wirt- und wissenschaftlich voneinander!
Pauschale kritik am bösen konzern ist hier völlig deplaziert!
Sofern der Wissenschaftler, der den Forschungsauftrag annimmt, weiter entsprechend der ethischen Richtlinien Forschung betreiben kann, und dazu gehört eben auch die Veröffentlichung der Erkenntnisse, ist das kein Problem.
Dass der Sponsor sich finanzielle Vorteile durch Patente etc. verspricht ist ebenfalls in Ordnung. Allerdings muss hier dann gewährleistet sein, dass auch die Uni mitprofitiert, vor allem, wenn auch Uni-Mittel in das Projekt geflossen sind (z.B. in Form von Professoren- oder Mitarbeitergehältern etc.).
Wenn aber Unternehmerinteressen dem Erkenntnisinteresse entgegenstehen, wird es kritisch. Hier gilt: der Forscher muss über den Vorwurf der Parteilichkeit erhaben sein, und das geht nur über maximal Transparenz.
Sofern der Wissenschaftler, der den Forschungsauftrag annimmt, weiter entsprechend der ethischen Richtlinien Forschung betreiben kann, und dazu gehört eben auch die Veröffentlichung der Erkenntnisse, ist das kein Problem.
Dass der Sponsor sich finanzielle Vorteile durch Patente etc. verspricht ist ebenfalls in Ordnung. Allerdings muss hier dann gewährleistet sein, dass auch die Uni mitprofitiert, vor allem, wenn auch Uni-Mittel in das Projekt geflossen sind (z.B. in Form von Professoren- oder Mitarbeitergehältern etc.).
Wenn aber Unternehmerinteressen dem Erkenntnisinteresse entgegenstehen, wird es kritisch. Hier gilt: der Forscher muss über den Vorwurf der Parteilichkeit erhaben sein, und das geht nur über maximal Transparenz.
Ich kann Sie beruhigen: die Vorstellung, dass Bayer die Veröffentlichung einer negativen klinischen Studien verhindern könnte ist recht naiv.
wenn Sie wirklich annehmen, dass Bayer die Veröffentlichung einer klinischen Studie nicht verhindern könnte. Die Verträge sind entsprechend verklausuliert abgefasst, so dass der Universätsseite oft erst im Nachhinein bewusst wird, was sie unterschrieben hat. Mir sind zwei solcher Fälle bekannt - nicht mit Bayer, aber mit anderen Pharmaunternehmen.
Eine Veröffentlichungspflicht für alle - auch die sogenanten negativen -klinischen Studien gibt es bislang nicht. Sie ist dringend erforderlich für ein transparentes und kostenbewusstes Gesundheitssystem. Was meinen Sie, warum die Pharmalobby sich so intensiv gegen ein solches Gesetz wehrt?
wenn Sie wirklich annehmen, dass Bayer die Veröffentlichung einer klinischen Studie nicht verhindern könnte. Die Verträge sind entsprechend verklausuliert abgefasst, so dass der Universätsseite oft erst im Nachhinein bewusst wird, was sie unterschrieben hat. Mir sind zwei solcher Fälle bekannt - nicht mit Bayer, aber mit anderen Pharmaunternehmen.
Eine Veröffentlichungspflicht für alle - auch die sogenanten negativen -klinischen Studien gibt es bislang nicht. Sie ist dringend erforderlich für ein transparentes und kostenbewusstes Gesundheitssystem. Was meinen Sie, warum die Pharmalobby sich so intensiv gegen ein solches Gesetz wehrt?
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/mk
Sofern der Wissenschaftler, der den Forschungsauftrag annimmt, weiter entsprechend der ethischen Richtlinien Forschung betreiben kann, und dazu gehört eben auch die Veröffentlichung der Erkenntnisse, ist das kein Problem.
Dass der Sponsor sich finanzielle Vorteile durch Patente etc. verspricht ist ebenfalls in Ordnung. Allerdings muss hier dann gewährleistet sein, dass auch die Uni mitprofitiert, vor allem, wenn auch Uni-Mittel in das Projekt geflossen sind (z.B. in Form von Professoren- oder Mitarbeitergehältern etc.).
Wenn aber Unternehmerinteressen dem Erkenntnisinteresse entgegenstehen, wird es kritisch. Hier gilt: der Forscher muss über den Vorwurf der Parteilichkeit erhaben sein, und das geht nur über maximal Transparenz.
aber glaubt jemand ernsthaft, ein Prof würde "so einfach" einen Vertrag abschließen, der ihm die Möglichkeit verschließt, seine Forschungsergebnisse veröffentlichen zu können?
Ein Prof arbeitet zwar auch für Geld, aber mehr noch für seine Reputation, deren Vehikel die Veröffentlichung und nur die Veröffentlichung ist.
Ihm die "Reputation abzukaufen", da müsste schon sehr viel Geld fließen.
Herzlichst Crest
Nicht in jedem Fachbereich gilt "publish or perrish".
Darüberhinaus könnte es sein,dass sehr viel Geld geflossen ist.
Ihr Vertrauen in die durchgängig hohen wissenschaftsethischen Standards der deutschen Professorenschaft kann nur ironisch gemeint sein, oder? Wer auf einer pharmazeutisch relevanten Professur sitzt, hat die Ochsentour des publish or perish hinter sich. Ihm/Ihr eröffnen sich neue Möglichkeiten durch die Kooperation mit der Industrie.
Nicht in jedem Fachbereich gilt "publish or perrish".
Darüberhinaus könnte es sein,dass sehr viel Geld geflossen ist.
Ihr Vertrauen in die durchgängig hohen wissenschaftsethischen Standards der deutschen Professorenschaft kann nur ironisch gemeint sein, oder? Wer auf einer pharmazeutisch relevanten Professur sitzt, hat die Ochsentour des publish or perish hinter sich. Ihm/Ihr eröffnen sich neue Möglichkeiten durch die Kooperation mit der Industrie.
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