Vier Faktoren nennt er, die bei der Wahl zu berücksichtigen seien: das Thema muss zum Journal passen, der Auswahlprozess der Herausgeber darf nicht zu lange dauern und die Ablehnungsquote darf nicht zu hoch sein. Erst an vierter Stelle kommt die Reputation des Journals. "Das sehen viele Seminarteilnehmer am Anfang anders. Ihnen ist die Reputation am wichtigsten und sie wollen am liebsten zu den vielzitierten Zeitschriften, wie Science oder Nature." Doch den Promovenden sitzt die Zeit im Nacken, denn viele strukturierte Promotionsprogramme sind nur auf drei Jahre angelegt. Ihnen rät Mayer zu Pragmatismus: "Besser zwei Publikationen in weniger bekannten Journals als gar keine Veröffentlichung."

Ist das Paper eingereicht, beginnt der Auswahlprozess: Gutachter beurteilen die eingereichte Arbeit und auf Basis ihrer Kritik entscheiden die Herausgeber, ob sie einen Artikel publizieren oder nicht. Dieser Auswahlprozess kostet nicht nur Zeit, sondern ist zudem längst nicht immer objektiv. "Untersuchungen haben ergeben, dass bekannte Forscherpersönlichkeiten ihre Ergebnisse einfacher unterbekommen", so Mayer. Unethisch nennt er zudem die Fälle, in denen ein Gutachter eine negative Kritik schreibt, weil er nicht will, dass die Konkurrenz ihre Ergebnisse vor ihm veröffentlicht. Aber auch diese Fälle gebe es. Es ist eine harte Schule, durch die die Nachwuchswissenschaftler bei Mayer gehen, aber nur um sich für ein System abzuhärten, das sie in ihrer Position als Promovenden sowieso nicht ändern können. "Fallen lauern überall", so Mayers nüchternes Urteil.

Schon als Student Publikationen vorweisen

Bisher gelten die Sozial- und Geisteswissenschaften als diejenigen Bereiche, die dem quantifizierbaren Publikationsdruck noch am wenigsten ausgeliefert sind. Doch auch hier wird es immer wichtiger, frühzeitig zu publizieren. Ein Projekt an der Berliner Humboldt-Universität könnte demnach wegweisend sein. Studenten der Geschichtswissenschaft hatten im Rahmen eines Seminars die Gerichtsakte eines Schwarzhändlers aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs analysiert, und zwar so professionell, dass sie ihre Ergebnisse anschließend publizieren konnten. "Den Schiebern auf der Spur" so der Titel des wissenschaftlichen Sammelbandes. "Die Veröffentlichung war ein gutes Gefühl", so Master-Absolvent Bernd Kessinger. "Außerdem kann ich mir durchaus vorstellen, noch zu promovieren, und da macht es sich vermutlich gut, bereits erste Publikationen vorweisen zu können."