Besonders interessierte sich der Bücherdieb für Geologie. Rund 24.000 geklaute Bücher, meist naturwissenschaftliche Bände, hat die Polizei vor zwei Wochen im Haus eines hessischen Wissenschaftlers entdeckt, beschlagnahmt und an einen sicheren, geheimen Ort gebracht. Das älteste Buch, das die Polizisten entdeckten, stammt aus der Mitte des 16. Jahrhunderts und ist auf Latein geschrieben. Die meisten Bände stammen aus dem 18. Jahrhundert. "Millionenwerte", sagt Dirk Virnich von der Polizeidirektion Korbach. In dem Einfamilienhaus des Familienvaters in Darmstadt gab es kaum eine Stelle, an dem keine Bücher lagen, berichten Augenzeugen, die Regale waren schon lange voll.

Dass der Mann überführt wurde, ist Wittekind Prinz zu Waldeck und Pyrmont zu verdanken. Der 75-Jährige ist als Erbe der Fürstlich Waldeckschen Hofbibliothek in Bad Arolsen Herr über 35.000 historische Bücher. Dort wurde der Bücherdieb vor zwei Wochen ertappt, als er mit 53 Bänden das Schloss verlassen wollte. Man hatte ihn im Auge, nachdem immer wieder Werke über Mineralogie, Geophysik und Naturlehre verschwunden waren.

"Ein hochintelligenter Kerl"

"Der machte einen hervorragenden Eindruck", erinnert sich der Prinz an den Besucher, "ein hochintelligenter Kerl". Der promovierte Geowissenschaftler und Diplomgeologe war Mitarbeiter des hessischen Wissenschaftsministeriums, davor hatte er das Biotechnik-Zentrum der Technischen Universität Darmstadt geleitet. Als Kommunalpolitiker war der verheiratete Vater zweier Kinder für die SPD aktiv. Das Ministerium hat den 45-Jährigen inzwischen suspendiert, sein Mandat in der Stadtverordnetenversammlung legte er freiwillig nieder.

Den Büchernarren erwartet jetzt eine Anklage wegen schweren Diebstahls, darauf stehen drei Monate bis zehn Jahre Haft.