Sanktionen gegen SyrienKein Konto für Baschar

Der Syrer Baschar al-Shaker träumt von einem Studium in Deutschland. Seit Monaten sucht er ein Geldinstitut, das ihm ein Konto für den Visumantrag gewährt.

Der junge Syrer Baschar al-Shaker

Der junge Syrer Baschar al-Shaker

Als Claudia Müller im Frühjahr die Deutsche Bank darum bat, ihr für einen syrischen Bekannten die Unterlagen zur Kontoeröffnung zuzusenden, erhielt sie eine E-Mail, mit der sie nicht gerechnet hatte. "Die Deutsche Bank hat beschlossen, dass sie keinerlei Neugeschäfte mit Kunden aus Syrien annimmt. Dies betrifft die Geschäfte und Produkte weltweit", hieß es darin.

Müller will ihrem Bekannten Baschar al-Shaker dabei helfen, zum Studium nach Deutschland zu kommen. Sie kennt ihn aus der Zeit ihrer Deutschlehrerausbildung am Goethe-Institut Damaskus und eines Arabischsprachkurses an der Universität Aleppo, wo sie Baschar in Deutsch unterrichtete. Der 27-Jährige arbeitet als Englischlehrer in Deir Ezzor, einer Kleinstadt am Euphrat im Osten Syriens. Er hat an der dortigen Universität bereits ein Bachelorstudium in Englischer Literatur abgeschlossen und möchte in Deutschland studieren, um später in seiner Heimat als Übersetzer arbeiten zu können.

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Baschar ist ein ehrgeiziger junger Mann: Deutsch hat er sich weitgehend selbst beigebracht – als Kellner in einem syrischen Restaurant mit vielen deutschen Gästen, mit ein paar Büchern und einem dünnen Wörterbuch. Die Zertifikatsprüfung der Stufe B1, die nötig ist, um in Deutschland einen vorbereitenden Sprachkurs für ein Studium zu belegen, hat er bestanden.

Um ein Visum beantragen zu können, müssen Studienbewerber aus dem Nicht-EU-Ausland nachweisen, dass zumindest das erste Jahr ihres Aufenthalts in Deutschland finanziert ist. Häufig tun sie dies mit einem sogenannten Sperrkonto, auf das sie bei der Eröffnung zwischen 6.000 und 8.000 Euro einzahlen. Pro Monat können sie nur 670 Euro (bei kostenloser Unterkunft 495 Euro) abheben, entsprechend dem Bafög-Höchstsatz. Das Konto muss zusätzlich mit einem Sperrvermerk zugunsten der Bundesrepublik Deutschland versehen sein. Ein Sperrkonto ist kein kompliziertes Produkt – aber auch keins, mit dem Banken nennenswert Geld verdienen würden.

Meike Fries
Meike Fries

Meike Fries ist Redakteurin im Ressort Studium bei ZEIT ONLINE. Ihre Profilseite finden Sie hier.

Zwar gibt es andere Möglichkeiten, die finanzielle Sicherheit nachzuweisen: Ein Stipendium, eine Bankbürgschaft oder Verpflichtungserklärung, eigenes Vermögen oder Vermögen der Eltern. Doch mit all dem kann Baschar nicht dienen. Er verdient als Lehrer nur etwa 200 Euro im Monat, seine Eltern sind Beduinen ohne eigenes Vermögen. Ihm bleibt nur das Sperrkonto, wie vielen anderen Studienbewerbern auch. Das Geld würde Claudia Müller ihm leihen. Außerdem könnte Baschar kostenlos bei ihr wohnen. Sie sieht das als eine Form von direkter humanitärer Hilfe.

Die Deutsche Bank ist das einzige Geldinstitut in Deutschland, das Sperrkonten für ausländische Studenten flächendeckend anbietet. Wer im Internet nach Sperrkonto sucht, landet sofort bei der Deutschen Bank, die in Hamburg eine eigene Abteilung für ausländische Studenten unterhält. Andere Geldinstitute mit dem Angebot finden sich im Netz nicht. Universitäten und selbst Deutsche Botschaften verweisen für  Sperrkonten auf die Deutsche Bank, ausdrücklich exemplarisch.

So gibt etwa die Deutsche Botschaft Bischkek in Kirgisistan an, Studienbewerber könnten sich "an jede Bank in Deutschland wenden". Doch so einfach ist es nicht. Anfragen von ZEIT ONLINE bei den deutschen Bankverbänden sowie etlichen einzelnen Filialen verschiedener deutscher Geldinstitute blieben ohne Erfolg.

Leserkommentare
  1. helfen wollen die arabischen Welt zu einer besseren Welt zu gestalten sollten wir auch Studenten aus diesen Ländern aufnehmen, ihnen unsere demokratischen freiheitlichen Werte die Pluralität vermitteln, die sie hoffentlich mit sich nehmen und ihren Landsleuten beibringen

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    - “wenn wir helfen wollen die arabischen Welt zu einer besseren Welt zu gestalten sollten wir auch Studenten aus diesen Ländern aufnehmen, ihnen unsere demokratischen freiheitlichen Werte die Pluralität vermitteln, die sie hoffentlich mit sich nehmen und ihren Landsleuten beibringen.”

    Der Gedanke ist sympathisch, die Realität sieht aber oft anders aus. Die Aufnahme von Menschen aus der arabischen Welt führt nicht automatisch zur Vermittlung freiheitlicher Werte, geschweige denn zu einem Export von Pluralität und Demokratie. Das scheint mir mehr das "Wunschdenkens des Westens" als der "Wunsch des mittleren Ostens".

    ...Pluralität nicht mehr lernen, sonst würde er/sie nicht im Ausland studieren wollen.
    Abgesehen davon haben Sie allerdings recht - ein Auslandsaufenthalt bildet, schafft kulturelle Barrieren abzubauen und trägt viel zur Völkerverständigung bei.

    Warum man sich einerseits um ausländische (sprich zahlende) Studenten bewirbt, es ihnen aber gleichzeitig unglaublich schwer macht ins Land zu kommen, ist mir und wahrscheinlich vielen anderen auch, ein Rätsel.

    - “wenn wir helfen wollen die arabischen Welt zu einer besseren Welt zu gestalten sollten wir auch Studenten aus diesen Ländern aufnehmen, ihnen unsere demokratischen freiheitlichen Werte die Pluralität vermitteln, die sie hoffentlich mit sich nehmen und ihren Landsleuten beibringen.”

    Der Gedanke ist sympathisch, die Realität sieht aber oft anders aus. Die Aufnahme von Menschen aus der arabischen Welt führt nicht automatisch zur Vermittlung freiheitlicher Werte, geschweige denn zu einem Export von Pluralität und Demokratie. Das scheint mir mehr das "Wunschdenkens des Westens" als der "Wunsch des mittleren Ostens".

    ...Pluralität nicht mehr lernen, sonst würde er/sie nicht im Ausland studieren wollen.
    Abgesehen davon haben Sie allerdings recht - ein Auslandsaufenthalt bildet, schafft kulturelle Barrieren abzubauen und trägt viel zur Völkerverständigung bei.

    Warum man sich einerseits um ausländische (sprich zahlende) Studenten bewirbt, es ihnen aber gleichzeitig unglaublich schwer macht ins Land zu kommen, ist mir und wahrscheinlich vielen anderen auch, ein Rätsel.

  2. Die Verhältnisse die sie beschreiben sind echt die Höhe! Und das in meinem eigenen Land: peinlich peinlich.
    Man nennt das auch Diskriminierung. Diskriminierung von Ausländern und Armen.
    Hut ab für all diejenigen, die es doch schaffen in DE zu studieren.

    6 Leserempfehlungen
  3. dienen doch die Ausländergesetze in D dazu, in erster Linie Ausländer abzuschrecken.
    Jahrzehntelang wurden ausländische Studierende nach Beendigung des Studiums, ob sie es wollten oder nicht, gezwungen, D zu verlassen.
    Selbst das Asyl-Gesetz wurde zum Problem, Stichwort: Asylantenschwemme!
    Die Unternehmen, in diesem Falle die Banken, sind da nur die Handlanger.

    2 Leserempfehlungen
    • leon1
    • 23.03.2012 um 15:30 Uhr

    demokratische Werte lernt?
    Auch ist nicht ausgeschlossen das er nach seinem Studium fuer eine Diktatur arbeitet.
    Wenn wir schon in der Schleimspur der Nato Sanktionen verhaengen dann doch fuer alle. Keine Aussnahmen.

    7 Leserempfehlungen
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    ist allemal höher, als wenn er zuhause bleiben würde. Wir brauchen weltoffene Menschen auch im mittleren Osten.

    ist allemal höher, als wenn er zuhause bleiben würde. Wir brauchen weltoffene Menschen auch im mittleren Osten.

  4. ist allemal höher, als wenn er zuhause bleiben würde. Wir brauchen weltoffene Menschen auch im mittleren Osten.

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    • leon1
    • 23.03.2012 um 16:01 Uhr

    lernt er sicher was er braucht um sein Land fuer den Westen
    besonders attraktiv zu machen.
    regime change eingeschlossen.

    • leon1
    • 23.03.2012 um 16:01 Uhr

    lernt er sicher was er braucht um sein Land fuer den Westen
    besonders attraktiv zu machen.
    regime change eingeschlossen.

  5. - “wenn wir helfen wollen die arabischen Welt zu einer besseren Welt zu gestalten sollten wir auch Studenten aus diesen Ländern aufnehmen, ihnen unsere demokratischen freiheitlichen Werte die Pluralität vermitteln, die sie hoffentlich mit sich nehmen und ihren Landsleuten beibringen.”

    Der Gedanke ist sympathisch, die Realität sieht aber oft anders aus. Die Aufnahme von Menschen aus der arabischen Welt führt nicht automatisch zur Vermittlung freiheitlicher Werte, geschweige denn zu einem Export von Pluralität und Demokratie. Das scheint mir mehr das "Wunschdenkens des Westens" als der "Wunsch des mittleren Ostens".

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "wenn wir "
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    • eklipz
    • 23.03.2012 um 18:35 Uhr

    ist Ihr Kommentar. Was ist denn die Alternative? Den Versuch überhaupt erst gar nicht zu wagen? Was hätten sie lieber - den einen oder anderen Studierenden aus dem Nahen/Mittleren Osten, der freiheitliche Wert aufnimmt oder gar keine?

    Den Pessimismus dem Versuch vorzuziehen kann wohl kaum der richtige Weg sein, so kommt es nur zu Stillstand.

    • eklipz
    • 23.03.2012 um 18:35 Uhr

    ist Ihr Kommentar. Was ist denn die Alternative? Den Versuch überhaupt erst gar nicht zu wagen? Was hätten sie lieber - den einen oder anderen Studierenden aus dem Nahen/Mittleren Osten, der freiheitliche Wert aufnimmt oder gar keine?

    Den Pessimismus dem Versuch vorzuziehen kann wohl kaum der richtige Weg sein, so kommt es nur zu Stillstand.

    • leon1
    • 23.03.2012 um 16:01 Uhr

    lernt er sicher was er braucht um sein Land fuer den Westen
    besonders attraktiv zu machen.
    regime change eingeschlossen.

    Eine Leserempfehlung
  6. ...Pluralität nicht mehr lernen, sonst würde er/sie nicht im Ausland studieren wollen.
    Abgesehen davon haben Sie allerdings recht - ein Auslandsaufenthalt bildet, schafft kulturelle Barrieren abzubauen und trägt viel zur Völkerverständigung bei.

    Warum man sich einerseits um ausländische (sprich zahlende) Studenten bewirbt, es ihnen aber gleichzeitig unglaublich schwer macht ins Land zu kommen, ist mir und wahrscheinlich vielen anderen auch, ein Rätsel.

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