Studenten in Ägypten: "Wir lassen uns nicht unterkriegen"
Nach Protesten wurden mehrere Studenten an der Deutschen Uni Kairo vom Studium ausgeschlossen. Sie fordern endlich demokratische Strukturen an ihrer Uni.
© Raphael Thelen

Student Hassan Ziko (links) diskutiert mit einem Kommilitonen.
"Die deutsche Flagge weht über unserer Uni. Dementsprechend erwarten wir, dass hier Demokratie und Redefreiheit herrschen, aber weit gefehlt", sagt Hassan Ziko. Der 20-Jährige steht vor dem Haupteingang der Deutschen Universität in Kairo (GUC). Um ihn herum sind Zelte aufgebaut, die festungsgleichen Außenmauern des Campus sind mit Bannern behangen. Studenten singen Protestlieder. In der Nähe steht Sicherheitspersonal in schwarzen Anzügen und beäugt die Szenerie.
"Das Problem mit unserer Unileitung ist, dass sie aus Mitgliedern des alten Mubarak-Regimes besteht", sagt Ziko. Der Computeringenieurstudent steht im Mittelpunkt der andauernden Proteste. Seine Kommilitonen und er wollen endlich demokratische Strukturen an ihrer Hochschule.
Auslöser der Proteste war der Tod eines Studenten der GUC während eines Fußballspiels in Port Said Anfang Februar. Über 70 Fans des Kairiner Al-Ahli-Clubs starben, als es nach dem Spiel zu Auseinandersetzungen kam. Viele Ägypter werfen dem Militärrat, der nach der Revolution vergangenes Jahr die Regierungsgeschäfte übernommen hat, vor, die Auseinandersetzungen geplant oder zumindest geduldet zu haben.
Die Studenten wollen sich nicht unterkriegen lassen
Als es nach einer Schweigeminute auf dem GUC-Campus zu Protesten gegen den Militärrat kommt, werden Ziko sowie vier andere Studenten und ein Tutor wenig später von der Uni suspendiert. Für Ziko ist klar, wer dahinter steckt: "Wir wurden für eine Untersuchung der Vorfälle zu Ibrahim Al-Demiry gerufen."
Al-Demiry ist Mitglied der Unileitung und gilt als enger Vertrauter der Familie des gestürzten Präsidenten Hosni Mubaraks. Unter anderem diente er mehrere Jahre als Transportminister in Mubaraks Kabinett. "Die Unileitung glaubt, dass alle den Mund halten, wenn sie einige bestraft. Aber seit der Revolution lassen wir uns nicht mehr so leicht unterkriegen," sagt Ziko. Die Studenten organisierten nach dem Rausschmiss eine weitere Demonstration. Weil die Universitätsleitung sie ignorierte, errichteten sie das Protestcamp direkt vor dem Haupteingang. Einige Studenten traten über eine Woche in den Hungerstreik.
Die deutsche Bundesregierung unterstützt das Bildungsprojekt GUC. In Kooperation mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und den Universitäten Ulm und Stuttgart wurde die Uni 2001 gegründet. Die Lehrpläne orientieren sich an deutschen Curricula. Im Universitätsrat sitzen sieben deutsche Mitglieder, unter anderem der deutsche Botschafter in Ägypten Michael Bock. Mehrere Hunderttausend Euro investiert Deutschland jedes Jahr in die Partnerschaft. "Ich bin mir sicher, die deutsche Botschaft weiß genau, was hier vor sich geht", sagt Ziko. "Die Mitglieder des Universitätsrats sollten etwas unternehmen."







Kennt man doch auch aus Deutschland.
Es ist auszeichnende für Deutschland, dass im Interesse der Wirtschaft die eigenen Werte (Demokratie, Meinungsfreiheit, usw. ) im In- und Ausland aufgegeben und verkauft werden.
"[...] scheinen es die USA mit ihren Eintreten für demokratische Werte ernster zu nehmen als Deutschland.
[...]ägyptischen Bloggern und Aktivisten werfen Deutschland vor, aus Angst um seine wirtschaftlichen Interessen vor dem Regime eingeknickt zu sein."
(http://www.cicero.de/welt...)
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren