Bewertungsplattform : Guter Master, schlechter Master

Auf einer neuen Website können Studierende ihren Master-Studiengang bewerten. Die Macher wollen eine etwas andere Übersicht über Studienmöglichkeiten bieten.

In Krisenzeiten, heißt es, entstehen manchmal die besten Ideen. Im Fall von Louisa Lösing trifft das zu. Ihren Tiefpunkt erlebte die heute 25-Jährige vergangenes Jahr während ihres Master-Studiums in Amsterdam . Das verlief leider ganz anders, als sie es erwartet hatte. Dafür wuchs daraus Idee, andere vor solchem Frust zu bewahren. So entstand die Internetplattform meinmasterstudium.de.

Im Wintersemester 2010/11 zog die deutsche Studentin für den Studiengang Political Science/Global Environmental Governance von Osnabrück in die niederländische Hauptstadt. Die Freude über den Platz im Studiengang, der ihrem Interesse an Umweltschutz scheinbar so genau entsprach, war groß. Die Enttäuschung, die sich kurz nach Beginn des Semesters einstellte, ebenso: Die Ausrichtung des Studiengangs war nicht so, wie es die Beschreibung hatte vermuten lassen . "Das Master-Programm entsprach nicht dem, was ich mir erwartet hatte, und dafür habe ich andere spannende Studienplätze abgesagt. Ich hätte mir gewünscht, andere Studenten hätten mich im Vorfeld darüber informiert", sagt Lösing.

Doch beim Klagen will es die 25-Jährige nicht belassen. Über die Friedrich-Ebert-Stiftung sucht sie andere Studenten, die ebenfalls nicht ganz zufrieden mit ihrem Master-Studiengang waren, und merkt dabei schnell, dass der Bedarf an Informationsaustausch groß ist: "Es gibt bis jetzt keine Plattform, die gezielt die Meinungen der Studierenden abfragt. Meist zählen als Bewertungskriterien die statistischen Daten eines Studienganges wie die Durchschnittsnoten oder die Semesterzahl der Absolventen", sagt Lösing.

Alle vier arbeiten ehrenamtlich

Zusammen mit den Studentinnen Jenna Schulte und Suna Turhan und dem Webdesigner Mathias Wortmann startet sie noch während ihres Studiums, das sie trotz der anfänglichen Enttäuschung erfolgreich beendet, vor einem Jahr die Plattform meinmasterstudium.de. Das Ziel: "Wir möchten allen eine Hilfestellung geben, die sich, wie wir, im Dschungel der Master-Studiengänge nicht zurecht finden und eventuell durch lückenhafte oder ungenaue Informationen seitens der Hochschulen das falsche Fach wählen."

Alle vier arbeiten ehrenamtlich, fünf Stunden investiert jeder von ihnen wöchentlich in den Aufbau der Plattform. Einmal in der Woche treffen sie sich zur Skype-Konferenz, denn alle wohnen in unterschiedlichen Städten. Durch die Vodafone-Stiftung erhalten sie im Sommer 2011 eine Unterstützung in Höhe von 1.700 Euro. Von dem Geld kaufen sie die Homepage, das restliche Geld wollen sie in Marketingmaßnahmen stecken, um die Seite bekannt zu machen, denn sie lebt davon, dass möglichst viele Studierende ihre Studiengänge bewerten. Zur Zeit sind 20 Bewertungen auf der Seite zu finden.

Die Plattform ist interaktiv: Kommentare zu posten und Fragen zu stellen, wenn ein Student seine Meinung online gestellt hat, ist ausdrücklich erwünscht. Louisa und die anderen hoffen auf einen regen Erfahrungsaustausch der Studenten. Dabei geht es auch darum, Studiengänge zu loben, von denen man begeistert war, nicht nur um Kritik.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Ich finde es proplemtisch

Auf dieser Plattform sind momentan 19 Masterstudiengänge vertreten, die jeweils von einer, maximal und selten auch mal von zwei Personen bewertet wurden. Heißt, das ganze ist noch sehr subjektiv und bietet nicht wirklich eine Orientierungshilfe. Es sei denn, man will sich auf die Meinung eines einzelnen stützen.
Meiner Meinung nach hätte erstmal gesammelt werden sollen und wenn eine größere Menge an Bewertungen vorhanden ist, dies online gestellt.

aussagekräftige Überschrift

Was ich nicht ganz verstehe, ist warum die Gründer dieser (in der Tat lobenswerten) Unternehmung nicht vor ihrer Masterplatzwahl mal über den PR-Text hinaus in die Studienordnung ihrer Wunschstudiengänge geschaut haben.

Am Ende wird es hier wahrscheinlich wie bei allen diesen Angeboten sein. Im besten Fall gibt es einigermaßen aussagekräftige Ergebnisse für Massenstudiengänge und große Unis. Für alle anderen wird es einfach nicht genug Input geben. Es gibt schließlich genug Master mit 5 oder weniger Studenten pro Semester.

Die Studienordnung ist ebenso nur ein PR-Text

Ich habe mir das Portal noch nicht angeschaut, aber kurz zum Beitrag von DerSchläfer: Eine interessant klingende Studienordnung/Modulhandbuch sagen genauso wenig aus. Zum Semesterbeginn sind dann plötzlich die eingeplanten Professoren "abgwandert", der Nachfolger hat ein völlig anderes Fachgebiet, etc. Und die Umsetzung der Vorstellungen des Masters ist noch einmal eine ganz andere Sache, welche die meisten Hochschulen unterschätzen. Deshalb ist die Studienordnung ebenso nur ein PR-Text und hilft niemandem weiter.

gute Sache-haeufiges Problem

Erstaunlich dass es so vielen so zu gehen scheint.
Ich ueberlege auch ob das evtl. nicht am Masterstudium an sich liegt, sondern auch an der gruenen Branche.
All diese wohlklingenden neuen Studiengaenge die da jetzt entstanden sind. Das ist so ein neues Thema, wie soll man denn auch dafuer gut ausgebildete Dozenten finden die mehr wissen als die Studenten selbst, die sich mit diesen Themen dauernd auseinandersetzen und alle Neuigkeiten verfolgen, meist sogar selbst aktiv beteiligen?
Ich denke das ist vlt das Problem, sollte die Kritik inhaltlich an die Lehre und die angebotenen Module gehen.
Organisatorisches und administrative Probleme gibt es ja wohl an jeder Uni, oder?

Aber ich finde die Platform eine gute Idee, Austausch ist immer gut. Und das Engagement der Studentin hierfuer zeigt ja schon, dass sie sich fuer wichtige Themen (wie auch Umweltschutz und Politik)wahrscheinlich mehr einsetzt als viele Dozenten, die eben einen knappen Zeitplan haben.

Dennoch bezweifle ich, dass es nicht moeglich war mit einigen Studenten und Alumni vorher zu sprechen und deren Einschaetzung zu hoeren, bevor man einen Studienplatz annimmt?!