Das Bundesverfassungsgericht soll sich erneut mit langen Wartezeiten für Studienplätze befassen. Das für Klagen in diesem Zusammenhang zuständige Verwaltungsgericht Gelsenkirchen forderte das BVG auf, die teils
jahrelangen Wartezeiten auf die Verfassungsmäßigkeit zu überprüfen.

Das Verwaltungsgericht hält eine Wartezeit von mehr als sechs Jahren auf einen Medizinstudienplatz für bedenklich. Mehrere Bewerber hatten gegen die Praxis geklagt und einen Platz eingefordert. Sie sind der Auffassung, dass die erforderliche Wartezeit inzwischen die Regelstudienzeit der Studiengänge überschreite und das geltende Vergabesystem verfassungswidrig sei (Az.: 6 K 3695/11 u.a.).

Ohne Abiturbestnoten besteht kleine Chance auf einen Platz

Die Platzverteilung haben die zuständigen Bundesländer einheitlich geregelt: 20 Prozent der Plätze gehen an die Abiturbesten, 60 Prozent vergeben die einzelnen Hochschulen nach leicht abgewandelten eigenen Kriterien. Für die restlichen 20 Prozent zählen Wartezeiten, die zum Teil erheblich ausfallen können. Manche Bewerber warten inzwischen länger auf ihren Studienplatz, als das ganze Studium bis zum Abschluss dauern würde.

Auch Bewerber mit schwächeren Abiturnoten müssten zumindest eine realistische Chance auf Zulassung haben, befand nun das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen. Dies sei bei Wartezeiten von mehr als sechs Jahren nicht mehr der Fall, teilte ein Gerichtssprecher am Donnerstagabend mit. Rund drei Viertel der Abiturienten eines Jahrgangs hätten keine Chance auf Zulassung – allein aufgrund der Abiturnote. Das Gelsenkirchener Gericht ist bundesweit als einziges für alle Verfahren gegen die in Dortmund ansässige Stiftung für Hochschulzulassung – die frühere ZVS – zuständig.