Der Berliner CDU-Fraktionsvorsitzende Florian Graf ist trotz der Debatte über seinen Doktortitel mit klarer Mehrheit im Amt bestätigt worden. Graf hatte nach dem Entzug des akademischen Grades wegen Täuschung die Vertrauensfrage in der CDU-Fraktion gestellt. Bei einer Abstimmung in der Fraktion stimmten am Donnerstag 30 der 34 Anwesenden für den Fraktionsvorsitzenden, wie ein Sprecher mitteilte.

Nach der Sondersitzung sagte Graf, dass er für das Vertrauen außerordentlich dankbar sei. "Ich habe große Fehler gemacht und eingeräumt."

Die Universität Potsdam hatte Graf den Doktortitel aberkannt, weil er in seiner Dissertation getäuscht hatte. Der Diplom-Verwaltungswirt Graf hatte zuvor in einem Brief an die Universität eingeräumt, dass er bei mehreren Autoren abgeschrieben habe, ohne dies kenntlich gemacht zu haben. Dies betreffe sieben seiner etwa 210 Seiten starken Doktorarbeit. Zudem habe er noch an zwei Stellen falsch zitiert.

"Zweite Chance verdient"

CDU-Landeschef und Innensenator Frank Henkel sagte, Graf habe eine zweite Chance verdient. Das bedeute nicht, dass die CDU Täuschung in einer Doktorarbeit als Kavaliersdelikt betrachte.

Der Politiker hatte seine Dissertation über die Berliner CDU mit dem Titel "Der Entwicklungsprozess einer Oppositionspartei nach dem abrupten Ende langjähriger Regierungsverantwortung" im April 2010 eingereicht und im Dezember seine Urkunde erhalten.