Am Dienstag voriger Woche waren der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät mögliche Schummeleien in Florian Grafs Doktorarbeit von 2010 aufgefallen. Darin geht es um die Oppositionsrolle der CDU im Berliner Abgeordnetenhaus von 2001 bis 2006. Die BILD -Zeitung hatte bei der Universität Potsdam nachgehakt , weshalb die Dissertation nach anderthalb Jahren immer noch nicht veröffentlicht sei. Daraufhin beantragte Graf vergangenen Freitag, die Hochschule möge seinen Dr. rer. pol. widerrufen. Was der Promotionsausschuss nun auch tat.

"Ich musste feststellen, dass ich in meiner Dissertation insgesamt große Fehler gemacht habe", bekennt der falsche Doktor reumütig. Er räumt ein, mindestens drei Aufsätze von anderen nicht ordnungsgemäß zitiert zu haben. "Es tut mir unendlich leid und ich möchte bei der Universität, meiner Partei und meiner Familie dafür um Entschuldigung bitten."

Die Berliner Regierungsfraktionen von SPD und CDU bekunden Graf vollen "Respekt" für seinen Rückzieher. Anscheinend hat er aus den Plagiatsaffären um Guttenberg , Chatzimarkakis oder Koch-Mehrin so etwas wie rückhaltlose Öffentlichkeitsarbeit gelernt und der Politik ein längeres Drama erspart.

Andererseits rückt die Rolle der Uni bei der Doktorandenbetreuung in ein fragwürdiges Licht. Der Kandidat Graf war von Anfang an ein auffälliger Sonderfall. So musste er als Fachhochschulabsolvent 2003 zunächst eine besondere Eignungsprüfung für das Promotionsstudium bestehen. Sein Doktorvater, der den Bewerber trotzdem empfahl, war der Parteienforscher Jürgen Dittberner, zugleich selber eine Politgröße in der Region. Dittberner ( FDP ) war zeitweilig Staatssekretär beim Berliner Senat wie in der Landesregierung Brandenburg gewesen.

Sollte Gras über die missglückte Arbeit wachsen?

Von Anfang an war klar, dass Graf  nicht haupt-, sondern  nebenberuflich promovieren wollte. Er war damals vielbeschäftigter Büroleiter des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Berliner Landesparlament. Wo blieb da Zeit für akademische Muße? "Meine berufliche Belastung ließ die Zeit für das Promovieren schrumpfen", sagt Graf. "Und trotzdem wollte ich meinem Promotionsvorhaben gerecht werden. Heute weiß ich, Wissenschaft und Politik lassen sich nicht gleichzeitig ausüben."

Ende 2010, nach einer Promotionsphase von sechs Jahren, lieferte der Berufspolitiker die Pflichtexemplare seiner 217 Seiten starken Dissertation an der Unibibliothek ab. Seither durfte er den Doktortitel führen. Gleichwohl waren er und sein Doktorvater an der Veröffentlichung der Prüfungsschrift nicht sonderlich interessiert. Der Betreuer setzte vielmehr einen Sperrvermerk bis Herbst 2011 durch. Das Hauptargument: Zuerst sei ein zusammenfassender Zeitschriftenaufsatz beabsichtigt. Erneut bat der Doktorvater um eine weitere Sperrfrist bis Juni dieses Jahres. Diese Bitte ging allerdings vorschriftswidrig an die Unibibliothek statt an den Fachbereich. Ab morgen, einen Tag nach der Titelaberkennung durch den Promotionsausschuss, soll die Dissertation endlich einsehbar sein.

Die bisherige Verzögerungstaktik erweckt den Anschein, als hätte mit der Zeit Gras über die missglückte Qualifikationsschrift wachsen sollen. Graf wusste, warum. Heute gesteht er: "Ich hätte diesen Schritt (zur Titelaberkennung) schon viel früher gehen sollen. Dazu fehlte mir aber der Mut und ich hatte Sorge vor der öffentlichen Wirkung."