Margarita Mathiopoulos soll künftig auch ihre Honorarprofessur in Potsdam verlieren. Das beschloss die Philosophische Fakultät der Hochschule am Mittwochabend, nachdem die Uni Bonn der Politikberaterin den Doktortitel Mitte April entzogen hatte.

Das Gremium in Potsdam fasste nun einen Vorratsbeschluss für den Fall, dass die Bonner Aberkennung auch in allen juristischen Instanzen Bestand hat. Doch bis das geklärt ist, dürfte es noch Jahre dauern. Sollte sie bei ihrer Promotion 1987 wirklich betrogen haben, möchte die Uni Potsdam sie sofort aus ihrer ehrenamtlichen Professur für "US-Politik und Internationale Sicherheitspolitik" entlassen.

Der Vorratsbeschluss soll ein weiteres klares Zeichen für eine inzwischen "gestiegene Sensibilität" gegenüber Plagiatoren sein, sagte der Dekan der Philosophischen Fakultät Johann Evangelist Hafner. Seine Hochschule ist nicht die erste, die sich auf diese Weise der umstrittenen Politikberaterin entledigen möchte. Schon im Dezember 2011 erklärte die Technische Universität Braunschweig , ihrer Honorarprofessorin die Würde aberkennen zu wollen, falls sie ihren Doktortitel endgültig verliert.

Auf den ersten Blick erscheint all dies ganz konsequent. Doch bei genauem Hinsehen entpuppt sich: Mathiopolous bekam ihre Honorarprofessuren nicht aufgrund ihrer guten Doktorarbeit oder weil sie so eine herausragende Forscherin ist, sondern weil man in Potsdam und Braunschweig Mathiopolous' gute Kontakte in Politik und Gesellschaft für sich nutzen wollte. Das ist gängige Praxis bei der Vergabe von Honorarprofessuren.

Diese werden gerne wertgeschätzten Persönlichkeiten angetragen. Dabei geht es keineswegs um rein wissenschaftliche Leistungen. Nach den Hochschulgesetzen von Niedersachsen und Brandenburg zählt eine herausragende Rolle in Wirtschaft und Gesellschaft sogar ausdrücklich genauso viel. Ein Doktorgrad ist für die Honorarprofessur nicht zwingend erforderlich. Das zeigt das Beispiel des Diplom-Kaufmanns und Unternehmensberaters Roland Berger . Er ist Hon.-Prof. an der Technischen Universität Cottbus.

Die promovierten Spitzenpolitikerinnen Herta Däubler-Gmelin und Annette Schavan sind Honorarprofessorinnen der Freien Universität Berlin . Demgegenüber suchen Fachhochschulen oft nebenberufliche und fast kostenlose Lehrbeauftragte mit der Aussicht auf einen künftigen Professorentitel zu ködern.

Auch Mathiopoulos war zunächst Lehrbeauftragte in Braunschweig neben ihrem Hauptberuf als Marketingchefin der staatlichen Norddeutschen Landesbank. Ihre Ernennung zur Honorarprofessorin 1995 fiel zusammen mit der 250-Jahrfeier der TU. Für dieses Fest spendierten die Bank und eine bankeigene Stiftung insgesamt 250.000 D-Mark, wie Uni-Sprecherin Elisabeth Hoffmann bestätigt. Bedenken wegen der plagiatsverdächtigen Doktorarbeit seien damals weggewischt worden, erinnert sich ein Mitglied der damaligen Berufungskommission, der Historiker Helmut Castritius.

"Mein Gutachten war ein Fehler", sagt der Politikwissenschaftler Leggewie heute

In einem empfehlenden Gutachten spricht etwa der Politikprofessor Claus Leggewie vielmehr von "außerwissenschaftlichen" und "hinterhältigen Angriffen". Im Gegenteil könne die TU Braunschweig mit Mathiopoulos und ihrem "interessanten und illustren Kreis" von Freunden zu einem "herausragenden Kreuzungspunkt von Politik und Wissenschaft werden". Heute erklärt Leggewie gegenüber ZEIT ONLINE: "Ohne Umschweife: Mein Gutachten war ein Fehler." Mit der geplanten Titelaberkennung will die TU jetzt die ganze Geschichte abschütteln.

Vor gut zehn Jahren schlug Mathiopoulos ein neues Kapitel auf. 2001 gründete sie in Berlin mit dem Bundeswehrgeneral a.D. Klaus Naumann und anderen Nato-Senioren die EAG European Advisory Group . 2002 wurde die Beraterin auf Betreiben des Historikers Manfred Görtemaker Honorarprofessorin in Potsdam, wo sie bis heute unterrichtet. Die Uni träumte davon, neben der Stiftung Wissenschaft und Politik mit Hauptsitz in Berlin ein "Potsdam Center for Transatlanic Security and Military Affairs" aufzuziehen. Man hoffte, über Mathiopoulos an Forschungsgelder aus dem Bundesverteidigungsministerium zu kommen, konkret vom Minister Rudolf Scharping. Aber der verlor Mitte 2002 sein Amt und der Geldsegen blieb aus.

Mathiopoulos hat die Gutachten für ihre Honorarprofessuren ins Internet gestellt , zum Teil aber auf Druck verschämter Autoren wieder zurückgezogen. Bei einem Blick auf die Empfehlungsschreiben renommierter Historiker und Sozialwissenschaftler ist festzustellen: Die Doktorarbeit hat darin höchstens eine Nebenbedeutung. Den Professorentitel jetzt allein von der längst verstaubten Dissertation abhängig zu machen, erscheint ziemlich scheinheilig. Es lenkt ab von den Problemen, die sich die Hochschulen mit der Verleihung der Honorarprofessuren selber eingebrockt haben.