Plagiatsvorwurf : Schavans Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

Die Bundesbildungsministerin hat in ihrer Doktorarbeit abgeschrieben – wenn auch nicht so schlimm wie Guttenberg. Welche Folgen hat das? Wann ist ein Plagiat ein Plagiat?
Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) © Sean Gallup/Getty Images

Es geht um ihre Glaubwürdigkeit: Ein anonymer Blogger wirft Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) auf der Internetseite schavanplag vor, in ihrer Dissertation plagiiert zu haben . Schavans Doktorarbeit im Fach Erziehungswissenschaft der Universität Düsseldorf ist 32 Jahre alt und trägt den Titel "Person und Gewissen – Studien zu Voraussetzungen, Notwendigkeit und Erfordernissen". Die Arbeit wurde mit der zweitbesten Note "magna cum laude" bewertet. Die Universität Düsseldorf will in der nächsten Woche eine Kommission einsetzen, die den Vorwürfen nachgehen soll.

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Horst Hippler, warnte angesichts der Plagiatsvorwürfe gegen die CDU-Politikerin vor vorschnellen Urteilen. "Man kann vor jeder Art von Vorverurteilung nur warnen", sagte Hippler der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Er halte es für das angemessene Vorgehen, dass nun die Promotionskommission der betroffenen Universität die Vorwürfe prüfen werde.

Der Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder , nahm die Ministerin ebenfalls in Schutz. "So wie ich Frau Schavan kenne, hat sie eine korrekte Promotion vorgelegt", sagte Kauder der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Mit anonymen Vorwürfen müsse man besonders zurückhaltend umgehen. "Es kann heute jeder irgendetwas behaupten in irgendeinem Blog, das dann auch noch aufgegriffen wird", kritisierte er. Für Betroffene sei es in solchen Fällen sehr schwer, sich dagegen zu wehren.

Wie gravierend sind die Vorwürfe gegen Schavan?

Wer geistiges Eigentum unbefugt verwertet und sich der Autorschaft anmaßt, plagiiert. So oder ähnlich steht es üblicherweise in den Satzungen der Universitäten zu guter wissenschaftlicher Praxis. Doch nicht jede Nachlässigkeit ist schon ein "Plagiat", sagt ein Professor, der sich in einer Uni-Kommission schon mehrfach mit Plagiatsvorwürfen auseinandersetzen musste und anonym bleiben will.

Bei einem "Plagiat" werde eine "fremde Idee", die "wissenschaftlich originell" sei, ohne Nennung der Autorschaft übernommen. Aber nicht immer lasse sich leicht sagen, ob die ohne Quellenangabe verwendete Passage wirklich "wissenschaftlich originell" ist. So hat Schavan in ihrer Dissertation etwa eine Zusammenfassung paraphrasiert, die der Wissenschaftler Ernst Stadter aus einem Text von Sigmund Freud generiert hat. Die Düsseldorfer Kommission müsste nun bestimmen, ob die Zusammenfassung des Freudschen Texts durch Stadter eine nennenswerte "Rezeptionsleistung" des Werks Freuds darstellt, ob also Stadter komplexe Gedanken des Psychoanalytikers so dezidiert auf den Punkt bringt, dass es sich um mehr handelt als um eine blasse Inhaltsangabe.

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Kommentare

92 Kommentare Seite 1 von 12 Kommentieren

"sei es in solchen Fällen sehr schwer, sich dagegen zu wehren."

"Bullshit" (kann man dazu nur sagen).

Einem anonymen Hinweis in einer solchen Sache begegnet man wie einem anonymen Hinweis bei der Steuerfahndung: durch eigene Klarstellung.

Die Aufforderung an den Blogger "seine Anonymität aufzugeben und mit ihr selbst zu diskutieren." ist deshalb ebenso kindisch, wie die Aufforderung an den anonymen Hnweisgeber (an die Steuerfahndung) erst mal mit den Steuerpflichtigen zu diskutieren.

Kurzum, wenn schon diskutiert werden soll, dann direkt mit der Fakultät auf der einen wie mit der Steuerfahndung auf der anderen Seite.

Herzlichst Crest

..... und wir sind die Steuerfahndung ??

Ja, zuständig ist die Fakultät bzw. Universität, aber über 100 (bestimmt noch viel mehr) Kommentare zu diesem Thema zeigen, der Voyour ist des Denunzianten bester Freund.
Da dem "anonymen Blogger", dass gemeinschaftliche Urteil von vroniplag nicht gefiel, sich an die Fakultät/Universität zu wenden nicht viel bringt oder doch zumindest nicht öffentlickeitswirksam ist, tritt man lieber eine Kampagne los.
Diese Art von Anonymität ist es doch gerade, die das Internet in Verruf bringt.

Anonym anzeigen ja, aber anprangern?

Natürlich darf man anonym anzeigen, das ist aber nicht der Kernpunkt. Hier hat jemand anonym Vorwürfe gegen Frau Schavan erhoben. Wenn er seine Vorwürfe der entsprechenden Universität zugeschickt hätte, wäre das evtl. nicht so spektakulär.

Aber darf jeder anonym andere Leute unter Namensnennung öffentlich anprangern? Wo führt das hin?

Ins Leben der "kleinen Leute" übertragen hätten wir dann bald ein schwarzes Brett in jedem Ort, an den dann anonym Zettel gepinnt werden können:

- Herr Maier wirkt seinen Müll immer in die Gemeindemülltonne
- Frau Müller hinterzieht Steuern
- Herr Bauer pinkelt immer heimlich hintem Bahnhof

Das ganze kommt langsam in den Bereich der Blockwart-Mentalität, nur eben anonym...

Interessant auch die "öffentliche Meinung" im Vergleich zum Fall Frau Friedrich. Sie hat den (vermutlichen?) Namen und Wohnort eines Internet-Stalkers veröffentlicht. Sie hatte aber den Mut, das offen mit ihrem Namen zu tun, steht also zu ihrer Äusserung. Ihr wird vorgeworfen, dass sie die Öffentlichkeit gesucht hat.

So richtig schlüssig ist das nicht, oder?

Es gibt reichlich kritikwürdiges an Ministerin Schavan,

1) ihre "Gentechnik muß sein"-Haltung

http://www.ftd.de/meinung...

2) die mißlungene Bolognareform

http://www.zeit.de/studiu...

3) ihr Demokratieverständnis, als sie versuchte, seinerzeit in BW den unseligen Radikalenerlass wieder aufleben zu lassen

http://www.spiegel.de/sch...

Ihre Zitierschlampigkeit ist da noch das wenigste und die Aufregung darüber hat in Zeiten von piratenbegeisterter Urheberentrechtung sogar etwas heuchlerisches.

k.

Die Doktorarbeit

von Frau Schaven war offenbar schon damals nicht der Reißer - womit sie eine von tausende wäre die mit einer durchschnittlichen Leistung einen Doktortitel erworben haben. Nach wie vor sehe ich immer noch einen Teil der Verantwortung bei den Gutachtern, die diese Arbeit seinerzeit ja mal für promotionswürdig befunden haben.

Bzgl zu Guttenberg hat sie sich offenbar etwas zu sehr aus dem Fenster gelehnt was ihr nun auf die Füße fällt und an ihrer Glaubwürdigkeit kratzt. Unabhängig davon hielt ich - teils aus den in 2. angeführten Gründen - Frau Schavan noch nie für eine besonders überzeugende Politikerin geschweige denn fähige Bildungsministerin - egal ob in BW oder im Bund. Zu ergänzen wären noch ihre Einlassungen zu Studiengebühren, Exzellenzwettbewerb etc.

Unabhängig davon schätze ich aber, dass dieser Plagiatsverdacht allenfalls ein klein wenig ihr Ansehen schmälern - aber sicherlich nicht das Amt kosten wird.

Wir brauchen endlich eindeutige Zitierregeln für jedes Fach

die schriftlich niedergelegt ab dem 1.Semester als für das restliche Studium als verbindlich den Studenten und Dozenten "eingetrichtert" werden. Wenn die Regeln nicht klar und verbindlich und am liebsten auch noch sinnvoll sind, dann ist es schwer dies im Nachhinein vorzuwerfen. DAMIT MEINE ICH NATÜRLICH NICHT KRASSE VORSÄTZLICHE Plagiate sondern solche, bei denen einfach Unklarheit über die Kunstregeln des jeweiligen Fachs besteht. DA BESTEHT DRINGEND BEDARF! Ich finde es schade, dass dies nach KT zu G in Rechtswissensxhaften immer noch sehr unterschiedliche Einschätzungen gibt. UND ICH FINDE ES WICHTIG, DASS NICHT ALLE Fächer über den gleichen Kamm geschoren werden.Die Unterschiedlichen Arbeitsweusen der unterschiedlichen Fächer mUüssen berücksichtigt, durchdacht und dann verbindlich festgelegt werden von Fachkennern. UND DANN KANN MAN ALS NÄCHSTES ALLE Dr. Und Prof.-Titel ehrenhalber verliehen durch andere Ehrenrechte ersetzen aber die falschen Schein und Eitelkeit bedienenden Titel ohne Dissertations- bzw ohne Habilitationsschrift die sollte man abschaffen. WER SICH UM ETWAS VERDIENT MACHT SOLL ANDERE VORTEILE ODER EHRENPREISE BEKOMMEN ALS FALSCHE WISSENSCHAFTLICHE FEDERN AN DEN HUT GESTEVKT ZU BEKOMMEN. Dann steigt aucg endlich wieder der Wert von wissenschaftlichen Arbeiten. Denn wer nicht abschreibt und selbst orginelle Ideen hat und viel Lebenzeit und Energie bei unterirdischer Bezahlung einsetzt, allein der sollte dann auch solche Titel tragen.

.....

Ich kann gar nicht ausdrücken, wie mir dieses ständige Herumgeeeiere von wegen "das war doch nur schlampig gearbeitet" auf den Geist geht!

Zitate nicht oder falsch anzugeben war schon damals nicht zulässig.
Und wenn jemand nur so schlampig arbeiten kann, dass er noch nicht mal merkt, dass er gegen allgemein bekannte Regeln verstößt, verdient erst recht keinen Doktorgrad.

Erschwerend kommt hinzu, dass Frau Schavan seit der zu-Guttenberg-Affäre sehr sehr viele Tage Zeit hatte, sich selbst anzuzeigen. Stattdessen zu warten, bis jemand anderes auf die Idee kommt, die Arbeit zu überprüfen, macht die Sache für sie erst recht peinlich.

Wow...

und Luft holen...

Und ich dachte, ich bin der impusive Mensch...

Es gibt wirklich ernstere Probleme, als dieses "Aufdeck-Spielchen" (nochmals betont: dadurch wird Fr. Schavan nicht "frei von Schuld)...

Aber es ist irgendwie seltsam, dass uns die Medien hier "einen Brocken nach dem anderen hinwerfen" und der/die Leser/innen "schlucken" ihn brav...

Gott sei Dank - bin/war ich nicht/nie brav...

Glaubt hier jemand, dass die "Plagiat-Headhunter" das aus reinem Altruismus dem Gemeinwohl und der omnipräsenten Transparenz schulden...

Never...

Nix für ungut Herr Wendtland (lese Ihre Kom. immer sehr gerne) liebe Grüße

Meine Empfehlung für derzeitige und zukünftige Doktoranden wäre:

Weniger zitieren - mehr referenzieren! Dann werden z.B. auch in den Geisteswissenschaften die Arbeiten kleiner/ handhabbarer, man verliert nicht so schnell den Überblick und der Eigenanteil wird sowohl für die Verfasser als auch für die Gutachter besser erkennbar.
Aber häufig will man das ja auch nicht sooo genau trennen oder?