ZEIT ONLINE:Dank Ihrer Studie haben wir es jetzt schwarz auf weiß: Der Bachelor ist gescheitert.

Ulrich Heublein: Wie kommen Sie denn darauf?

ZEIT ONLINE: Die Zahlen, die Sie im Auftrag des Bundesbildungsministeriums erhoben haben und die jetzt veröffentlicht wurden, zeigen es doch eindeutig: Während in den verbliebenen Diplomstudiengängen an den Universitäten nur 24 Prozent der Studenten ihr Studium abbrechen, sind es in den neuen Bachelorprogrammen erschreckende 35 Prozent.

Heublein: Das stimmt, wer aber daraus folgert, die alten Studiengänge seien besser, der versteht die Grundlagen unserer Studie nicht. In Wirklichkeit lassen sich die Zahlen nämlich gar nicht miteinander vergleichen, weil die Situation in den wenigen verbliebenen Diplomstudiengängen eine ganz andere ist.

ZEIT ONLINE: Mag sein. Aber selbst wenn man sich nur die Bachelorprogramme anschaut, stellt man fest: Die Abbrecherquote ist seit der letzten Erhebung 2010 um drei Prozentpunkte gestiegen. Dabei sollten die neuen Abschlüsse doch genau das Gegenteil erreichen.

Heublein: Auch dieser Vergleich ist statistisch nicht haltbar. Bei den Studienanfängerjahrgängen von 2004/2005, deren Studienerfolg wir 2010 analysieren konnten, waren die Fächer, die bereits auf die neuen Abschlüsse umgestellt hatten, eine sehr beschränkte Auswahl.

ZEIT ONLINE: Also alles super? Das können Sie doch nicht ernst meinen.

Heublein: Das sage ich auch nicht. Ich sage nur, dass man nicht Äpfel mit Birnen vergleichen sollte, um eine schöne Schlagzeile zu bekommen. Die Probleme liegen woanders, sie haben weniger mit Diplom oder Bachelor zu tun, sondern die wirklich interessanten Unterschiede liegen zwischen den Hochschularten und den Fächergruppen.

ZEIT ONLINE: Inwiefern?

Heublein: Weil es zum Beispiel offensichtlich Fächergruppen gibt, die die Umstellung – zumindest für die Jahrgänge 2006/2007 – vergeigt haben. Ich spreche hier explizit die Ingenieurwissenschaften an, da kommen wir an den Universitäten auf eine Abbrecherquote von 48 Prozent. Das ist gewaltig. Jeder Zweite ist so schockiert vom Studium, dass er sich für immer von einer akademischen Ausbildung verabschiedet.

ZEIT ONLINE: Was läuft da falsch?

Heublein: Es gibt in den Ingenieurwissenschaften offenbar immer noch eine Kultur des Rausprüfens. Dazu passt, dass man die schwersten Grundlagenfächer in die ersten Semester packt und damit Studenten scheitern lässt, die es eigentlich schaffen würden, wenn man sie mit mithilfe von mehr Betreuung systematisch ans Studium heranführen würde. Das war zwar schon im Diplom so, hat sich im Bachelor aber noch verschärft. Denn die Zeit bis zu den ersten Prüfungen ist kürzer geworden. Dass es auch anders geht, sieht man zum Teil an den Fachhochschulen .