Bafög-Prüfer Haben die das verdient?
Hans-Peter Becker, 61, liest die Bafög-Anträge von Studenten und entscheidet, wer Geld bekommt – und wer nicht.
ZEIT CAMPUS: Herr Becker, seit 30 Jahren prüfen Sie Bafög-Anträge. Wie reagieren Leute, die Sie ablehnen?
Hans-Peter Becker: Manche brechen in Tränen aus. Andere sagen ganz still: »Das war’s dann für mich.« Ab und zu gibt es welche, die mich vermöbeln wollen. Einer hat mal einen Tobsuchtsanfall bekommen. Er schrie: »Blödmann, Bürokratenarsch!« Er hat Türen eingetreten und Stühle durch die Gegend geworfen. Den hab ich persönlich rausgeschmissen.
ZEIT CAMPUS: Sie haben während Ihres Jurastudiums selbst Bafög bekommen. Hatten Sie oft Geldsorgen?
Becker: Ich bekam 200 Mark Bafög, aber als meine Schwester fertig mit dem Studium war, wurde das gestrichen. Meine Mutter hat 70 Mark für Miete überwiesen und war ansonsten der Meinung, 3,50 Mark reichen pro Tag. Da waren Zigaretten und so nicht mit drin. Also hab ich gearbeitet. In den Semesterferien war ich als Fernfahrer unterwegs: Spanien, Frankreich, Ostblock. Ich hätte gern mehr Zeit zum Lernen gehabt, aber das ging nicht anders.
ZEIT CAMPUS: Spielt Ihre eigene Geschichte eine Rolle, wenn heute jemand vor Ihnen sitzt und einen Antrag stellt?
Becker: Ich glaube schon. Ich schmettere einen Antrag nicht ab, nur weil jemand einen nicht ganz geraden Lebenslauf hat oder länger krank war. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es nicht einfach ist, mit ein paar Euro auszukommen.
ZEIT CAMPUS: Gibt es auch Studenten, die versuchen, Ihre Nachsichtigkeit auszunutzen?
Becker: Ja, und ich habe ein ganz gutes Gespür dafür entwickelt, ob mich jemand belügt und mir ein gefälschtes Attest unter die Nase hält. Aber grundsätzlich bin ich der Meinung: Wir heißen Amt für Ausbildungsförderung. Mit Betonung auf dem »für«. So verstehe ich meine Aufgabe.
ZEIT CAMPUS: Haben die Studenten, denen Sie Bafög verschafft haben, das eigentlich verdient?
Becker: Das ist die falsche Frage. Es ist kein persönliches Verdienst, wenn man Bafög bekommt, sondern ein Recht, das einem das Gesetz zusichert. Viele Studenten muss ich wieder nach Hause schicken, weil sie zu alt oder die Eltern zu wohlhabend sind. Manchmal sitze ich aber auch im Büro und denke: Was für ein lebensfernes Gesetz.
ZEIT CAMPUS: Warum?
Becker: Weil so viele durchs Netz fallen.
ZEIT CAMPUS: Wer zum Beispiel?
Becker: Die Kinder aus Familien, die nicht reich genug sind, um ein Studium zu finanzieren, aber über dem Freibetrag liegen. Das sind so viele, dass es mittlerweile einen Begriff für diese Lücke im Fördersystem gibt: Mittelschichtsloch. Diese Familien verhungern nicht, aber wenn ein oder zwei Kinder studieren, kommen sie schnell in Not.
ZEIT CAMPUS: In anderen Ländern geht es ohne Geld vom Staat.
Becker: Wir haben aber ein Grundgesetz, und in dem steht: Die Bundesrepublik ist ein sozialer Rechtsstaat. Dieser Staat muss dafür sorgen, dass ein Kind armer Eltern nicht weniger Chancen auf ein Studium hat als ein Millionärskind. Außerdem profitiert auch die ganze Gesellschaft davon, wenn fähige Leute studieren . Deshalb wird das Bafög von allen Bürgern mitfinanziert.
ZEIT CAMPUS: Seit 40 Jahren gibt es Bafög, aber in kaum einem Industrieland studieren so wenige Kinder aus ärmeren Familien wie bei uns. Wirkt das Bafög nicht?
Becker: Ich glaube, dass es ein gutes und wichtiges Instrument ist. Aber es setzt zu spät an. Bis in die achtziger Jahre gab es ab der zehnten Klasse ein Schüler-Bafög, um zu verhindern, dass Kinder aus armen Familien früher von der Schule gehen. Es wäre klug, so etwas wieder einzuführen.
ZEIT CAMPUS: Was bedeuten die steigenden Studienanfängerzahlen für die Bafög-Ämter?
Becker: Wir sind überlastet. In den vergangenen Jahren hat sich allein hier in Köln die Zahl der Bafög-Anträge fast verdoppelt, aber die Personalstärke wurde nicht erhöht. Von August bis Dezember arbeiten wir freiwillig auch samstags, sonst wäre das nicht zu schaffen. Unter der Woche klingelt 80-mal am Tag das Telefon, das macht einen mürbe. Wir verwalten hier den Notstand.
ZEIT CAMPUS: Wissen Sie, was aus den Studenten geworden ist, die Sie in den vergangenen 30 Jahren betreut haben?
Becker: Manchmal, selten, bekomme ich einen Dankesbrief. Da schreibt mir dann jemand zum Beispiel: »Danke, Herr Becker. Ich bin heute Lehrerin.«
- Datum 17.06.2012 - 18:08 Uhr
- Quelle ZEIT Campus
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"In anderen Ländern geht es ohne Geld vom Staat."
In anderen Ländern gibt es dafür viel mehr Stipendien als in Deutschland.
Außerdem nervt es mich, wenn man Deutschland mit Ländern vergleicht, die weniger leisten - man will doch oben mithalten, oder? Dann sollte man vielleicht mit Ländern vergleichen, wo die Sitation besser ist.
Vielleicht gibt es in anderen Ländern mehr Stipendiate, das sei dahingestellt. Fakt ist, dass auch in Deutschland viele dieser Förderungsplätze nicht vergeben werden. a) weil es keine passenden Bewerber gibt, b) weil die Anforderungen nicht passen. Also die Unterstützung ist prinzipiell da - sie müsste nur effizienter vermittelt werden.
Und was heißt hier "Länder, die weniger leisten"?! Es ist im Text einfach nur die Rede von "anderen Ländern". Ich denke, verschiedene Systeme darf man nicht auf so einer pauschalisierenden Ebene vergleichen. Außerdem sagt der nächste Satz im Text ja "in kaum einem Industrieland studieren so wenige Kinder aus ärmeren Familien wie bei uns" - da findet sich bei mir jetzt nen Widerspruch zu deinem "Länder, die weniger leisten"...
Vielleicht gibt es in anderen Ländern mehr Stipendiate, das sei dahingestellt. Fakt ist, dass auch in Deutschland viele dieser Förderungsplätze nicht vergeben werden. a) weil es keine passenden Bewerber gibt, b) weil die Anforderungen nicht passen. Also die Unterstützung ist prinzipiell da - sie müsste nur effizienter vermittelt werden.
Und was heißt hier "Länder, die weniger leisten"?! Es ist im Text einfach nur die Rede von "anderen Ländern". Ich denke, verschiedene Systeme darf man nicht auf so einer pauschalisierenden Ebene vergleichen. Außerdem sagt der nächste Satz im Text ja "in kaum einem Industrieland studieren so wenige Kinder aus ärmeren Familien wie bei uns" - da findet sich bei mir jetzt nen Widerspruch zu deinem "Länder, die weniger leisten"...
bin nie wirklich sicher gewesen ob ich für mein kommendes Studium Bafög beantragen sollte. Nachdem mir dann ein Freund den REchner vorgesetzt hat und ich dann (mit ungefähren zahlen) meinen Betrag ausgerechnet hab, sah ich, dass ich viel mehr bekommen würde als gedacht.
Ich würde mit dem, was ich da bekommen würde locker auskommen.
Denn da könnte ich mich selbst als Gegenbsp. einbringen (reichte nicht)
Am Ende sind beides nur persönliche Anekdoten. Was zählt sind Fakten, Statistiken. Und da steht einiges im Text dazu.
Denn da könnte ich mich selbst als Gegenbsp. einbringen (reichte nicht)
Am Ende sind beides nur persönliche Anekdoten. Was zählt sind Fakten, Statistiken. Und da steht einiges im Text dazu.
...mit unfassbaren Pensionsansprüchen gibt es insgesamt? Wäre es nicht effizienter, wenn jeder Student Bafög bekommt und dafür Zinsen zahlen muss?
Multi-Billionen gehen an Banken und andere Aliens - die sog. Stresstest sind allesamt fake, wie man drei Monate später festgestellt hat - aber für die eigene Bevölkerung hat man keine Peanuts für Studenten und HIV-Kinder...
Zinsen haben den immensen Nachteil, dass man bei einem Studienabbruch nicht nur auf den Kosten sitzen bleibt und sie irgendwie anders aufbringen muss, sondern dass man in einen Teufelkreis der Schuld gerät, weil man immer mehr bezahlen muss und vielleicht nur die Zinsen tilgen kann.
Das Bafög ist super, weil man sich ohne Gefahr sehr viel Zeit lassen kann bei der Rückzahlung - ohne dass einem dann das gesamte Eigentum gepfändet wird.
Zinsen würden überdies keinen Sinn ergeben: die Rendite des Staates liegt ja gerade darin, dass viele Leute dank Bafög ein Studium abschließen können.
Der Vorschlag ist brilliant! Wir brechen einfach ein paar Verträge und alles wird gut. Klingt nach Erfolgsrezept, wird in Griechenland auch propagiert.
Ach ja, wer megareich werden möchte, wird die Beamtenlaufbahn als armselig links liegen lassen, da es mit Nebenbeschäftigungen nicht ganz so einfach ist und auch das Bakschisch hier nicht so ergiebig fließt. Steht aber in derselben Beschäftigungsgrundlage wie die Pension, also weg damit!
Zinsen haben den immensen Nachteil, dass man bei einem Studienabbruch nicht nur auf den Kosten sitzen bleibt und sie irgendwie anders aufbringen muss, sondern dass man in einen Teufelkreis der Schuld gerät, weil man immer mehr bezahlen muss und vielleicht nur die Zinsen tilgen kann.
Das Bafög ist super, weil man sich ohne Gefahr sehr viel Zeit lassen kann bei der Rückzahlung - ohne dass einem dann das gesamte Eigentum gepfändet wird.
Zinsen würden überdies keinen Sinn ergeben: die Rendite des Staates liegt ja gerade darin, dass viele Leute dank Bafög ein Studium abschließen können.
Der Vorschlag ist brilliant! Wir brechen einfach ein paar Verträge und alles wird gut. Klingt nach Erfolgsrezept, wird in Griechenland auch propagiert.
Ach ja, wer megareich werden möchte, wird die Beamtenlaufbahn als armselig links liegen lassen, da es mit Nebenbeschäftigungen nicht ganz so einfach ist und auch das Bakschisch hier nicht so ergiebig fließt. Steht aber in derselben Beschäftigungsgrundlage wie die Pension, also weg damit!
BAföG ist wunderbar und wir alle sind froh, dass es dies wenigstens gibt. Aber lebensfern ist es auf jeden Fall, und die Reform wird schon lange erwartet. Ich nenne mal ein paar Punkte, wie man es verändern MUSS:
- Vermögensfreibeträge nach Studienzeit staffeln/ erhöhen:
Es kann nicht sein, dass ein Student in 5 Jahren Studium überhaupt nicht finanziell in die Zukunft denken kann. 5200 Euro ist momentan der Vermögensfreibetrag, und zwar bei jedem Wiederholungsantrag, sodass irgendwann jeder Bausparvertrag aufgelöst werden muss
- Mietpreise berücksichtigen:
Ich welcher deutschen Universitätsstadt kann man denn noch mit 224 Euro eine Wohnung mieten??
- Von Stipendien entkoppeln:
Die meisten Stipendien ersetzen das BAföG. Die Frage ist wieso? Sollten gute Leistungen nicht belohnt werden?
- Die Abhängigkeit der Eltern verringern:
Wie viel Geld die Eltern beisteuern müssen, wird am Steuerbescheid vor 2 Jahren festgemacht. Wenn die Eltern das Geld nicht beisteuern können, müsste das BAFöG wirklich einspringen.
usw.
...Verschuldungsstand der Eltern sollte berücksichtig werden.
Meine hatten sich für einen Anbau und eine neue Heizung verschuldet, was aber seinerzeit nicht mindernd aufs Einkommen angerechnet wurde. Geld für mich hatten sie trotzdem fast keines. Ich weiß nicht, ob das jetzt noch so ist, unter Schröder wurde mal was geändert zu Gunsten der Studenten.
Ich halte es generell für falsch, Studenten derart knapp zu halten. Die Sparsamkeit hat mein ganzes Studentenleben durchzogen: arbeiten statt lernen, lernen wenn andere sich ausspannen, nix mit weggehen und mal ein Bier trinken, Geld reicht nicht. Damit gehen die extrem wichtigen sozialen Kontakte fast völlig verloren oder kommen gar nicht zu Stande, was das Studium wiederrum erschwert. Ich trauere der Zeit jetzt noch nach.
"Ich welcher deutschen Universitätsstadt kann man denn noch mit 224 Euro eine Wohnung mieten??"
Leipzig
Aber ein meiner Ansicht nach ganz wesentlicher Punkt (der auch im Artikel angesprochen wurde) fehlt noch:
Die Stellen, welche die BAföG-Anträge bearbeiten, sind personell mitunter höchst unzureichend Ausgestattet. Dies führt dazu, dass die Bearbeitungszeit der Anträge, welche stets die BAföG-Zahlung für ein Semester betreffen, mitunter mehrere Monate beträgt. Dies führt dazu, dass man als Student irgendwie mehrere Monate ohne das "Haupteinkommen" auskommen muss. Das ist eine äußerst belastende Situation, die sich durchaus negativ auf das Studium auswirken kann, weil man sich andauernd Sorgen um das blöde Geld machen muss und jedes Halbe Jahr im Kreis telefoniert, um diverse Rechnungen aufgeschoben zu bekommen.
Da ist den Sachbearbeitern kein Vorwurf zu machen, bei denen Stapeln sich die Anträge zu Semesterbeginn bisweilen in Großen Haufen in deren Büros (das sieht tatsächlich aus wie in Filmen), der Politik hingegen schon. Die Anträge sind äußerst Umfangreich und den Stellen, die die Anträge Bearbeiten, werden mitunter noch erheblich die Mittel gekürzt.
Also wären zum einen die Anträge stark zu vereinfachen (z.B. mittels Elternunabhängigkeit), zum Anderen sind die bearbeitenden Stellen (bei uns: Studentenwerke) mit mehr Personal auszustatten.
"Ich welcher deutschen Universitätsstadt kann man denn noch mit 224 Euro eine Wohnung mieten??"
In München vermutlich nicht. Aber ich z.B. vermiete eine 2-Raumwohnung für 350 € warm an zwei Studenten. Das macht dann 175 € pro Nase und da kann man bis 224 € noch ein paar Feten feiern oder Lehrbücher finanzieren.
Und die Uni in Halle ist keine schlechte. Man muss vielleicht mal etwas weiter suchen, wenn man knapp bei Kasse ist.
Bitte erlauben sie mir einige Anmerkungen zu folgenden Zitaten:
"Vermögensfreibeträge nach Studienzeit staffeln/ erhöhen:
Es kann nicht sein, dass ein Student in 5 Jahren Studium überhaupt nicht finanziell in die Zukunft denken kann. 5200 Euro ist momentan der Vermögensfreibetrag, und zwar bei jedem Wiederholungsantrag, sodass irgendwann jeder Bausparvertrag aufgelöst werden muss"
>>> Wenn das Vermögen nicht berücksichtigt wird, führt dies im Ergebnis dazu, dass der Steuerzahler unterstützend eingreift, obwohl es nicht notwendig ist, da ja vermögen vorhanden ist. In ihrem Beispiel führt das dazu, dass der Steuerzahler den Bausparvertrag des Studenten bezahlt
"Mietpreise berücksichtigen:
Ich welcher deutschen Universitätsstadt kann man denn noch mit 224 Euro eine Wohnung mieten??"
>>> Die Mieten sind teuer, ohne Frage. Aber man muss nicht in München studieren, es gibt günstigere Städte. Selbst in Köln gibt es in bester Lage Top-WG-Zimmer für 266 € vom Studentenwerk.
"Von Stipendien entkoppeln:
Die meisten Stipendien ersetzen das BAföG. Die Frage ist wieso? Sollten gute Leistungen nicht belohnt werden?"
>>> Gute Leistungen MÜSSEN belohnt werden und das geschieht auch. Nehmen wir Studienstiftung, KAS, FES etc. als Beispiel:
Das Büchergeld ist bedarfsunabhängig. Darüber hinaus muss man bedürftig sein, was sich nach BaföG beurteilt. Das BaföG wird also lediglich unter anderem Namen weiterbezahlt.
Im Übrigen trifft es die Mittelschicht tatsächlich am härtesten. :-(
...Verschuldungsstand der Eltern sollte berücksichtig werden.
Meine hatten sich für einen Anbau und eine neue Heizung verschuldet, was aber seinerzeit nicht mindernd aufs Einkommen angerechnet wurde. Geld für mich hatten sie trotzdem fast keines. Ich weiß nicht, ob das jetzt noch so ist, unter Schröder wurde mal was geändert zu Gunsten der Studenten.
Ich halte es generell für falsch, Studenten derart knapp zu halten. Die Sparsamkeit hat mein ganzes Studentenleben durchzogen: arbeiten statt lernen, lernen wenn andere sich ausspannen, nix mit weggehen und mal ein Bier trinken, Geld reicht nicht. Damit gehen die extrem wichtigen sozialen Kontakte fast völlig verloren oder kommen gar nicht zu Stande, was das Studium wiederrum erschwert. Ich trauere der Zeit jetzt noch nach.
"Ich welcher deutschen Universitätsstadt kann man denn noch mit 224 Euro eine Wohnung mieten??"
Leipzig
Aber ein meiner Ansicht nach ganz wesentlicher Punkt (der auch im Artikel angesprochen wurde) fehlt noch:
Die Stellen, welche die BAföG-Anträge bearbeiten, sind personell mitunter höchst unzureichend Ausgestattet. Dies führt dazu, dass die Bearbeitungszeit der Anträge, welche stets die BAföG-Zahlung für ein Semester betreffen, mitunter mehrere Monate beträgt. Dies führt dazu, dass man als Student irgendwie mehrere Monate ohne das "Haupteinkommen" auskommen muss. Das ist eine äußerst belastende Situation, die sich durchaus negativ auf das Studium auswirken kann, weil man sich andauernd Sorgen um das blöde Geld machen muss und jedes Halbe Jahr im Kreis telefoniert, um diverse Rechnungen aufgeschoben zu bekommen.
Da ist den Sachbearbeitern kein Vorwurf zu machen, bei denen Stapeln sich die Anträge zu Semesterbeginn bisweilen in Großen Haufen in deren Büros (das sieht tatsächlich aus wie in Filmen), der Politik hingegen schon. Die Anträge sind äußerst Umfangreich und den Stellen, die die Anträge Bearbeiten, werden mitunter noch erheblich die Mittel gekürzt.
Also wären zum einen die Anträge stark zu vereinfachen (z.B. mittels Elternunabhängigkeit), zum Anderen sind die bearbeitenden Stellen (bei uns: Studentenwerke) mit mehr Personal auszustatten.
"Ich welcher deutschen Universitätsstadt kann man denn noch mit 224 Euro eine Wohnung mieten??"
In München vermutlich nicht. Aber ich z.B. vermiete eine 2-Raumwohnung für 350 € warm an zwei Studenten. Das macht dann 175 € pro Nase und da kann man bis 224 € noch ein paar Feten feiern oder Lehrbücher finanzieren.
Und die Uni in Halle ist keine schlechte. Man muss vielleicht mal etwas weiter suchen, wenn man knapp bei Kasse ist.
Bitte erlauben sie mir einige Anmerkungen zu folgenden Zitaten:
"Vermögensfreibeträge nach Studienzeit staffeln/ erhöhen:
Es kann nicht sein, dass ein Student in 5 Jahren Studium überhaupt nicht finanziell in die Zukunft denken kann. 5200 Euro ist momentan der Vermögensfreibetrag, und zwar bei jedem Wiederholungsantrag, sodass irgendwann jeder Bausparvertrag aufgelöst werden muss"
>>> Wenn das Vermögen nicht berücksichtigt wird, führt dies im Ergebnis dazu, dass der Steuerzahler unterstützend eingreift, obwohl es nicht notwendig ist, da ja vermögen vorhanden ist. In ihrem Beispiel führt das dazu, dass der Steuerzahler den Bausparvertrag des Studenten bezahlt
"Mietpreise berücksichtigen:
Ich welcher deutschen Universitätsstadt kann man denn noch mit 224 Euro eine Wohnung mieten??"
>>> Die Mieten sind teuer, ohne Frage. Aber man muss nicht in München studieren, es gibt günstigere Städte. Selbst in Köln gibt es in bester Lage Top-WG-Zimmer für 266 € vom Studentenwerk.
"Von Stipendien entkoppeln:
Die meisten Stipendien ersetzen das BAföG. Die Frage ist wieso? Sollten gute Leistungen nicht belohnt werden?"
>>> Gute Leistungen MÜSSEN belohnt werden und das geschieht auch. Nehmen wir Studienstiftung, KAS, FES etc. als Beispiel:
Das Büchergeld ist bedarfsunabhängig. Darüber hinaus muss man bedürftig sein, was sich nach BaföG beurteilt. Das BaföG wird also lediglich unter anderem Namen weiterbezahlt.
Im Übrigen trifft es die Mittelschicht tatsächlich am härtesten. :-(
Zinsen haben den immensen Nachteil, dass man bei einem Studienabbruch nicht nur auf den Kosten sitzen bleibt und sie irgendwie anders aufbringen muss, sondern dass man in einen Teufelkreis der Schuld gerät, weil man immer mehr bezahlen muss und vielleicht nur die Zinsen tilgen kann.
Das Bafög ist super, weil man sich ohne Gefahr sehr viel Zeit lassen kann bei der Rückzahlung - ohne dass einem dann das gesamte Eigentum gepfändet wird.
Zinsen würden überdies keinen Sinn ergeben: die Rendite des Staates liegt ja gerade darin, dass viele Leute dank Bafög ein Studium abschließen können.
und seine Auftraggeber gewinnen, jeder Hinz und Kunz kann studieren, was eine Übersättigung des Akademikerarbeitsmarktesin D zur Folge hat, dies bedingt prekäre Arbeitsverhältnisse, Löhne kurz über der Armutsgrenze und dabei gewinnt nicht der Akademiker.
Habe selber kein BaföG bekommen dafür aber Stipendien inklusive academic fee waivers in Höhe die mir das Studium bis zum PhD an einer sehr gutn nordamerikanischen Uni erlaubt hat.
Also nix mit Schulden, und das Schöne nach dem Studium gabs einen Arbeitsplatz in einer kleinen Firma mit einem Package, das in D unmöglich wäre.
Und mit dem maN auch in absehbarer Zeit 5 Jahren einen 5 stelligen Kredit hätte zurückzahlen können ohne am Hungertuch zu nagen.
Übrigens gibt es auch in den USA eine Art BaföG, die Studeka die in der Schuldenfalle sitzen, haben meist einen Bankkredit mit variablen Zinsen aufgenommen und da sind sie dann imho selber Schuld, wenn die explodieren.
@Thema
Als Herr Becker studiert hat waren 200 DM viel Geld, aber das nur am Rande.
BaföG sollte nur nach Leistung vergeben werden und kein verkappter Jurist oder sonstige Freeloader sollte darüber entscheiden, dann würde auch die Diskussion aus armen Verhältnissen und nur Reiche können studieren aufhören.
Und die abgehenden Akademiker würden Gehälter bekommen, mit denen sie wiederum ihre Alma Mater unterstützen könnten und so wieder Leuten ein Studium ermöglichen.
Das erfordert jedoch einen gewissen Altruismus, etwas das viele Dt. imho verloren haben.
hat eben dieses Problem. Allerdings kommt um die Hälfte der Studienanfänger aus Akademikerelternhaus, in DE um die 80%, von reichem Elternhaus mal abgesehen. Viele bekommen Stipendien, oder föderale Darlehen, die sie nicht voll zurückzahlen müssen, wenn sie exzellent absolviert haben. Förderprogramme für sozialschwache Schichten, Minoritäten, sog. diversity programs, etc. gibt es jede Menge. Darüber hinaus verfügen die USA einfach über mehr und mehr private Stiftungen, die Studenten nicht nur nach Exzellenz fördern. Übrigens bekommen auch Studenten aus DE für ihr PhD voll Stipendien. Mit seinen Mängeln, auf die Sie hinweisen, ist das amerikanische System im Endeffekt gerechter.
und seine Auftraggeber gewinnen, jeder Hinz und Kunz kann studieren, was eine Übersättigung des Akademikerarbeitsmarktesin D zur Folge hat, dies bedingt prekäre Arbeitsverhältnisse, Löhne kurz über der Armutsgrenze und dabei gewinnt nicht der Akademiker.
Habe selber kein BaföG bekommen dafür aber Stipendien inklusive academic fee waivers in Höhe die mir das Studium bis zum PhD an einer sehr gutn nordamerikanischen Uni erlaubt hat.
Also nix mit Schulden, und das Schöne nach dem Studium gabs einen Arbeitsplatz in einer kleinen Firma mit einem Package, das in D unmöglich wäre.
Und mit dem maN auch in absehbarer Zeit 5 Jahren einen 5 stelligen Kredit hätte zurückzahlen können ohne am Hungertuch zu nagen.
Übrigens gibt es auch in den USA eine Art BaföG, die Studeka die in der Schuldenfalle sitzen, haben meist einen Bankkredit mit variablen Zinsen aufgenommen und da sind sie dann imho selber Schuld, wenn die explodieren.
@Thema
Als Herr Becker studiert hat waren 200 DM viel Geld, aber das nur am Rande.
BaföG sollte nur nach Leistung vergeben werden und kein verkappter Jurist oder sonstige Freeloader sollte darüber entscheiden, dann würde auch die Diskussion aus armen Verhältnissen und nur Reiche können studieren aufhören.
Und die abgehenden Akademiker würden Gehälter bekommen, mit denen sie wiederum ihre Alma Mater unterstützen könnten und so wieder Leuten ein Studium ermöglichen.
Das erfordert jedoch einen gewissen Altruismus, etwas das viele Dt. imho verloren haben.
hat eben dieses Problem. Allerdings kommt um die Hälfte der Studienanfänger aus Akademikerelternhaus, in DE um die 80%, von reichem Elternhaus mal abgesehen. Viele bekommen Stipendien, oder föderale Darlehen, die sie nicht voll zurückzahlen müssen, wenn sie exzellent absolviert haben. Förderprogramme für sozialschwache Schichten, Minoritäten, sog. diversity programs, etc. gibt es jede Menge. Darüber hinaus verfügen die USA einfach über mehr und mehr private Stiftungen, die Studenten nicht nur nach Exzellenz fördern. Übrigens bekommen auch Studenten aus DE für ihr PhD voll Stipendien. Mit seinen Mängeln, auf die Sie hinweisen, ist das amerikanische System im Endeffekt gerechter.
"Die Kinder aus Familien, die nicht reich genug sind, um ein Studium zu finanzieren, aber über dem Freibetrag liegen. Das sind so viele, dass es mittlerweile einen Begriff für diese Lücke im Fördersystem gibt: Mittelschichtsloch. Diese Familien verhungern nicht, aber wenn ein oder zwei Kinder studieren, kommen sie schnell in Not. "
Ein ganz wichtiger Punkt, den ich auch aus meinem privaten Umfeld bestätigen kann!
...aber einiges ist verbesserungsbedürftig!
Alleine die Sache mit der Wohnung, die hier angesprochen wurde.
In Frankfurt am Main gibt es sogar nur noch wenige Wohnheime die unter unter 250 Euro kosten! Ich war am Freitag bei jemandem zur Besuch, für ein Zimmer von ca. 12qm inkl. eigenem Dixi-Bad (anders kann ich es nicht bezeichnen, weil es wirklich so aussieht), gemeinsame Wohnküche für 6 Personen, zahlt man 300 !! Euro und da ist nicht einmal das Internet dabei. Außerdem wird am Ende des Jahres nochmals die Stromabrechnung usw. irgendwie total seltsam auf alle aufgeteilt, so dass alle jedes Jahr eine Nachzahlung haben, egal ob sie sparen oder nicht, fand ich sehr seltsam was sie da für ein komisches System haben.
Hinzu kommt aber noch, dass dieses Wohnheim (von der kath. Kirche betrieben) an den Mietspiegel von FFM gebunden ist, das ist auch noch so ein krasses Ding. Die eine Person wohnt jetzt dort bissl länger und hat bei ca. 240 angefangen und jetzt ist diese Person schon bei 300 Euro im Monat, aber es gibt nach wie vor den gleichen Betrag vom Bafögamt, der schon beim Einzug gar nicht passte.
anfing kostet ein Zimmer in einer WG/Wohnheim um die 200DM inkl. allem. Heute braucht man nur mal in einschlägigen Seiten nachblättern. Ich bin auch nie in den 'Genuss' des Bafögs gekommen. Jedoch nehme ich heute an, selbst mit Bafög wird ein Student genötigt neben seinem Studium noch zu Job, angesichts der Lebenshaltungskosten.
Da man nicht davon ausgehen kann, dass sich sowohl Wirtschaft, wie die Gesellschaft (Vermieter, Energiekonzern usw) dieser Gruppe sozialverträglich entgegenkommt, könnte man den Staat fordern nachzubessern. Schließlich möchte "er" ja dem "Fachkräftemangel" entgegenwirken.
Andererseits sieht man wie schwer sich die Gesellschaft mit der Bildung seines Nachwuchses, allein an der grotesken Diskussion um Kindergärten, tut.
Andererseits steigt die Zahl der Studenten. Das ist zu einem ein Markt, den man abschöpfen will. Andererseits ist der Arbeitsmarkt in einer Schieflage. Wo früher ein Hauptschulabschluss reichte um eine Lehre zu bekommen, wird heute dem Realschüler, Gymnasiasten den Vorzug gegeben. Viele Eltern versuchen daher ihre Kinder auf ein Gymnasium zu schlicken - unter dieser Verschiebung allein leidet die Bildung.
Diese Verschiebung zieht sich dann später durchs Berufsleben fort. Ich habe schon Ingenieure an Stellen in einer Produktionskette gesehen, die von der Qualifikation Facharbeitern inne waren. Aber warum sollte man einen Facharbeit nehmen, wenn man, dank des Drucks auf den Arbeitsuchenden, für das gleich Geld ein Ingenieure bekommt.
Ich studiere in Schottland und zahle für mein Wohnheimzimmer mit kleinem Bad und geteilter Küche auf dem Campus (15 qm, warm + Internet) ca. 480 Pfund = ca. 600€ ;)
anfing kostet ein Zimmer in einer WG/Wohnheim um die 200DM inkl. allem. Heute braucht man nur mal in einschlägigen Seiten nachblättern. Ich bin auch nie in den 'Genuss' des Bafögs gekommen. Jedoch nehme ich heute an, selbst mit Bafög wird ein Student genötigt neben seinem Studium noch zu Job, angesichts der Lebenshaltungskosten.
Da man nicht davon ausgehen kann, dass sich sowohl Wirtschaft, wie die Gesellschaft (Vermieter, Energiekonzern usw) dieser Gruppe sozialverträglich entgegenkommt, könnte man den Staat fordern nachzubessern. Schließlich möchte "er" ja dem "Fachkräftemangel" entgegenwirken.
Andererseits sieht man wie schwer sich die Gesellschaft mit der Bildung seines Nachwuchses, allein an der grotesken Diskussion um Kindergärten, tut.
Andererseits steigt die Zahl der Studenten. Das ist zu einem ein Markt, den man abschöpfen will. Andererseits ist der Arbeitsmarkt in einer Schieflage. Wo früher ein Hauptschulabschluss reichte um eine Lehre zu bekommen, wird heute dem Realschüler, Gymnasiasten den Vorzug gegeben. Viele Eltern versuchen daher ihre Kinder auf ein Gymnasium zu schlicken - unter dieser Verschiebung allein leidet die Bildung.
Diese Verschiebung zieht sich dann später durchs Berufsleben fort. Ich habe schon Ingenieure an Stellen in einer Produktionskette gesehen, die von der Qualifikation Facharbeitern inne waren. Aber warum sollte man einen Facharbeit nehmen, wenn man, dank des Drucks auf den Arbeitsuchenden, für das gleich Geld ein Ingenieure bekommt.
Ich studiere in Schottland und zahle für mein Wohnheimzimmer mit kleinem Bad und geteilter Küche auf dem Campus (15 qm, warm + Internet) ca. 480 Pfund = ca. 600€ ;)
untergräbt leider die Zustimmung zum Bafög, denn diese Leute sind die typischen Netto-Steuerzahler, kommen eben so über die Runden und gehen bei fast allen Leistungen leer aus - irgendwann kommt dann die amerikanische Mentalität: am besten der Staat bekommt gar kein Geld von mir - denn ich habe von ihm auch nichts zu erwarten ...
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